Premiere

Ich bin heute zum ersten Mal in meinem Leben im Sonntagsgottesdienst aufgestanden und rausgegangen: ich konnte es nicht mehr aushalten.

Es ist ja heute nicht Fasching, sondern der Sonntag vor Fasching. Trotzdem saß da schon eine Band rum mit lustigen Hütchen. Und einer mit Mischpult, damit er’s auch g’scheit laut machen konnte – der hatte einen Hut mit “Kleiner Feigling” auf.

Dann traten drei Schwarzseherinnen und Schwarzseher auf: Klimakatastrophe, Erdbeben in Haiti, Rente & Geld auf der Bank sind auch nicht mehr sicher. Dazu wurde via Overhead das bekannte “Drehgesicht”1) in Miesmacher-Stellung an die Wand geworfen.

Dann wurde die Show – nach einem ausgefallenen Halleluja2) – durch das Evangelium kurz unterbrochen: irgendwas mit Jesus3). Und dann plärrten – statt Predigt – zwei Clowns (einer männlich, laut, eine weiblich, nicht so laut) herum. Überhaupt sehe er hier – gerade weil er die ganze Nacht gefeiert habe – zu wenig Frohsinn. Das Drehgesicht wurde – hahaha! – umgedreht! Und die Kapelle, ob die noch was anderes drauf habe als dieses trübsinnige Zeuch. Klar, hatten sie: “Die Hän…de … zum Him…mel …. und laßt uns fröhlich sein”. Da mußte dann die ganze Blase auf die Beine, die Hände in den Himmel strecken und zwangsfröhlen4).

Das war der Moment, an dem ich beschloß, dass ich hier zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen werden möchte: Gottesdienst ist Gottesdienst, und Prunksitzung ist Prunksitzung. Alles zu seiner Zeit. Und nicht aus terminlichen Gründen immer so, dass es der vereinigten Liga der intergalaktischen Schwachköpfe5) besser in den Kalender passt.

Die kleinen Sünden bestraft der liebe Gott sofort, heißt es im Sprichwort. Dass das auch umgekehrt gilt, stellte sich hinterher heraus: im Schnee lag ein 20-Euro-Schein. Den habe ich eingesteckt6). Gott belohnt zwar nicht mit Geld, aber mit der Freude drüber. Das ist ihm gelungen.


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Fußnoten:
  1. es war die 400.000ste Kopie, daher an den Kanten schon sehr ausgefranst. [ ]
  2. Ist ja auch klar: nach so einem Scheiß braucht man den König nicht mehr anzurufen: der hat dann garantiert anderswo zu tun. [ ]
  3. Die Jünger hatten die ganze Nacht nichts gefangen, Jesus hat sie nochmal rausgeschickt und sie kamen wieder mit fast reißenden Netzen. [ ]
  4. = zwangsweise fröhlich grölen. [ ]
  5. Tom Cruise im besoffenen Kopp in “Eine Frage der Ehre” [ ]
  6. Der ist was Besonderes, und es klebt viel Dreck dran. Da wird mir schon noch was für einfallen [ ]

Diensthund und Profiler

Heute morgen, auf der Fahrt zur Arbeit, hörte ich in Deutschland Radio Kultur1) ein Interview2) über die Sicherheit an deutschen Flughäfen – am Beispiel der Münchner Franz-Josef-Base, die gesperrt worden war, weil ein Geschäftsmann nicht selbständig mitgedacht hatte und sich durch Unkenntnis der Vorschriften einfach vom Ort der hochnotpeinlichen Befragung und sicherheitstechnisch bedingten Erniedrigung entfernt hatte.

Der Interviewpartner erzählte also so rum, was man alles so machen müsse, und vor allem sei der Mensch Mittelpunkt des gesamten Sicherheitskonzepts, nicht die Maschinen. Auch für die Bahn sieht er große Probleme auf uns zukommen, denn das ganze Personal, das der Behörde zur Verfügung steht, beansprucht die Bahn zur Fahndung nach und Feststellung von “Beförderungserschleichern”3).

Inwiefern der Mensch denn die Maschinen ersetzen könne, fragte der Reporter. Nun, erstens könne der Diensthund wesentlich mehr und genauere Ergebnisse liefern als Maschinen wie Scanner und Piepser. Zweitens könne der sogenannte Profiler mit sehr hoher Trefferquote schneller Verdächtige aussortieren als Maschinen: letztere müssen nämlich immer mit der Brute-Force-Methode vorgehen, während der Profiler aus Erfahrung und Menschenkenntnis handeln würde und tatsächlich nicht jeden untersuchen müsse.

Wie der Profiler das denn mache? Nun ja, er schaue halt auf die Augenbewegungen, die Körperhaltung, die Hand- und Armbewegungen und ob zum Beispiel Schweiß auf den Perlen steht.

Hat er so gesagt. Jetzt wird nie wieder ein Terrorist mit Freundin anreisen.


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Fußnoten:
  1. Bayern 2 – Welt am Morgen – kann man nicht mehr hören. Die Musikbeiträge werden immer doofer und länger, die Wortbeiträge immer kostensparender [ ]
  2. Mit Rüdiger Reedwisch, dem Vorsitzenden der Bundespolizeigewerkschaft. Link zum Beitrag. [ ]
  3. Ehrlich gesagt: das ist zwar kleinlicher Bahn-Scheiß, aber es ist mir immer noch lieber, als wenn die deutsche Homeland-Security jetzt auf die Bahnfahrer losgelassen wird. Dann rührt sich überhaupt nichts mehr. [ ]

Warum nicht gleich so?

Die Zeitschrift >Finanztest< berichtet in ihrem aktuellen Heft (2/2010, S. 9), dass das Amtsgericht München einer Mutter das Sorgerecht für ihren Sohn entzog, da sie “ständig den Kontakt des Jungen zum Vater verhindert (hat), obwohl dieser ebenfalls sorgeberechtigt war (Az. 551 F 5932/09)”. Nun lebt der Sohn beim Vater und die Mutter kann sich endlich ganz um sich selbst kümmern. Warum nicht gleich so? Es gibt wahrscheinlich viele ähnlich gelagerte Fälle, in denen die Kinder von ihren Müttern zum Faustpfand gemacht werden.

Explodiert?

Jetzt wollte ich eben noch schnell zum Gas-Tanken, damit ich morgen früh gleich starten kann: war ein Schild an der Tankstelle, dass die Gas-Zapfanlage außer Betrieb sei.

Blöd. Ich also rein und gefragt, was da los sei? “Da ist heute morgen einem Kunden beim Tanken der Gastank explodiert. Wir müssen erst gucken, ob das an unserer Anlage gelegen hat.”

Mmmpfff … der Gastank explodiert? Hoffentlich habe ich nicht so ein Montagsteil im Kofferraum …

Gefährliche Arbeitsplätze

Eben hörte ich, dass Siemens im Werk Neustadt/Saale demnächst 800 Arbeitsplätze abbaut: die werden nach Tschechien verlagert. Ein höher gelagerter Siemensch verkündigte dann, wenn ich das mit halbem Ohr richtig verstanden habe, dass auf betriebsbedingte Kündigungen weitgehend verzichtet werden soll.

Wie jetzt. 800 Arbeitsplätze von 2000 werden abgebaut, das sind 40%. Die sollen nicht gekündigt werden? Gehen die von selber? Oder werden freiwerdende Stellen nicht mehr besetzt? Wie werden 800 Stellen von selber frei? Verstehe ich nicht.

Vielleicht geht es so. Die Bundesregierung plant ja andere Beschäftigungsmodelle für die Taliban, damit es in Afghanistan etwas freundlicher zugeht. Möglicherweise hilft Siemens hier aus & weiter und beschäftigt ein paar Taliban mit der kurzfristigen Freimachung von Stellen im Bereich Antriebstechnik in Neustadt an der Saale. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie man in so kurzer Zeit durch “natürliche Fluktuation” 800 Stellen frei kriegt.

Elementar

Die Tage hörte ich, dass in der Münchner U-Bahn wieder ein Satz besoffener Jugendliche einen (ebenfalls alkoholisierten) Mann angegriffen und verpügelt haben. Die Reaktionen waren wie immer: Jetzt aber mal dringend schärfere Strafen!

Diese Jugendliche haben ihre Strafe wahrscheinlich schon gehabt, würde ich mal sagen. Nach denen hat wohl 17, 18 Jahre niemand geschaut. Vielleicht ging die Mutter arbeiten, der Vater war entweder entsorgt oder hatte anderes zu tun – das kommt nicht nur in Unterschicht-Familien vor. Vielleicht mußten sie auch vormittags in der Schule immer schön stillsitzen, und die Lehrerinnen hielten ihnen vor, dass die Mädchen viel braver waren. Vielleicht bekamen sie auch für die gleiche Leistung, die ein Mädchen erbrachte, eine Note schlechter: so beschreiben es uns neuere Untersuchungen.

Vor der Schule war sicherlich einer dieser segensreichen Krippenplätze angesagt: von den Eltern kann man schließlich nicht verlangen, dass sie sich verantwortlich und rund um die Uhr um ihre Kinder kümmern. Der Staat hat vor allem den Interessen der Erwachsenen zu dienen: die schreien laut nach mehr Freiheit. Kinder würden nach mehr Eltern schreien, aber sie wissen es gar nicht, dass ihnen genau das abgeht: sie erleben es ja nicht. Sie kennen das Gefühl nicht, wie gut es tut, dass man nach der Schule nach Hause geht und etwas Gekochtes auf dem Küchentisch steht. Sie kennen Pommes und Kartoffelchips aus der Tüte. Es hat ihnen keiner gesagt und vorgelebt, dass man sich im Kaufhaus nicht einfach nimmt, was man will. Niemand hat ihnen vorgelebt, dass man durchaus auch mit weniger Geld ein glücklicher Mensch sein kann: es waren ja immer nur Erzieherinnen und Lehrerinnen da, zu denen man den Kontakt quasi aufgezwungen bekam – ob es einem paßte oder nicht. Eigentlich wollten diese Kinder den Kontakt zu ihren Eltern – aber die hatten ein garantiertes Recht auf einen Krippen-, Kindergarten- und Hortplatz und haben es durchgesetzt. Oder die Kinder liefen gleich unbeaufsichtigt auf der Straße rum.

Ich glaube: das mit der Rumprügelei wird noch zunehmen – und keine Strafe für die Delinquenten wird daran je irgendwas ändern. Dass man das Prügeln nicht braucht, lernt man von den Eltern – und nur in ganz seltenen Fällen von jemand anderem – zu einer Zeit, die 10-15 Jahre vorbei ist, wenn das Bedürfnis nach Keilerei sich elementar Bahn bricht.

Irgendwie ist das Bewußtsein dafür verloren gegangen, dass Kinder nicht etwa ein Armutsrisiko sind – sondern eine individuelle Verpflichtung der Eltern. Der Staat muß es ermöglichen, dass Kinder von den eigenen Eltern erzogen werden: in Freiheit. Jetzt darf hier jeder mal raten, was unser Staat uns statt dessen ermöglicht.

Ich tippe darauf, dass es der Staat ermöglicht, dass die Eltern ihre eigenen Kinder nicht zu erziehen brauchen. Vielleicht sieht man das schon daran, dass das Familienministerium nur von Frauen geleitet werden kann. Und neuerdings von solchen, die keine Kinder haben. Die wird schon wissen, wovon sie spricht?

Gute Kontakte

Ein Gefängnisaufenthalt kann der späteren Lebensgestaltung durchaus förderlich sein. Immerhin halfen die dort erworbenen guten Kontakte helfen einem später weiter – wie die nebenstehende Nachricht aus der Süddeutschen Zeitung klar vor Augen führt.

Der Mann, um den es geht, hatte Krach mit der Familie und wollte die daraus für ihn entstehenden Konflikte einer finalen Lösung zuführen. Es hat aber – trotz der im Vorleben aufgebauten guten Kontakte – nicht geklappt.

Nokia-Fuge

Es gibt halt immer wieder Leute, die auf völlig abseitige Ideen kommen – und wenn man sich damit befaßt hat, dann denkt man: da hätte ich auch drauf kommen können. Aber man ist eben nicht drauf gekommen.

Der Kanadier Vincent Lo (von Beruf Grafik-Designer und Hobby-Komponist) hat sich wahrscheinlich über den beschissenen Nokia-Klingelton genauso aufgeregt wie ich – besonders wenn er von Bauarbeitern eingestellt ist und die das Handy auf Stentor-Lautstärke gedreht haben, kannst Du alles Weitere vergessen. Jedenfalls hat sich Vincent Lo mit Fugentechnik beschäftigt und den Nokia-Klingelton als Basis für eine Klavierfuge im Stil von Johann Sebastian Bach hergenommen – mit erstaunlichem Ergebnis.

Man kann das bei YouTube nachhören und -schauen. Oder gleich hier.

Singfähig

Folgende Frage mußte ich jetzt mal dringendan Bastian Sick loswerden, ich kann sonst nicht mehr schlafen:

Lieber Herr Sick,

ich hab da mal ‘ne Frage.

Neulich sah ich eine ausgedruckte eMail mit dem Betreff “Singfähige Personen” herumflacken.

Ich wußte natürlich, was gemeint war: jemand hatte eine Liste mit Namen Leuten verschickt, von denen er glaubte, dass sie einem Chor eine gute Stütze sein könnten.
Aber vor allem stutzte zunächst ich: “singfähige Personen” halte ich streng genommen für Leute, die man singen kann. Genauso wie eine spielfähige Orgel ein Instrument ist, auf dem man spielen kann – aber die Orgel selber spielt nicht, denn sie tut nur, was ihr angetastet wird. Natürlich kann man Leute nicht singen, deswegen kann es die Bezeichnung “singfähige Personen” eben auch nicht geben: es muß meinem Sprachgefühl nach “sangesfähige Personen” heißen.

Stimmt das, ist mein Sprachgefühl da richtig? Und wenn ja oder nein: warum ist das so?

Herzliche Grüße aus Nürnberg,
Thomas Reuter

Mal sehen, ob er antwortet. Vielleicht versinkt der ja auch unter einem Berg solcher Anfragen.

Süddeutsche App

StoibiDie Presse entdeckt langsam, dass Kunden durchaus bereit sind, geringe Beträge für Online-Content bereit sind. Die BLÖD-Zeitung verlangt im Moment noch 79c im Monat, was etwa 5€ zuviel ist, aber sie werden es demnächst auf 1,59€ im Monat erhöhen. Sie sind überrascht (und alle anderen beschämt), wie viele Leute sich das Abo gekauft haben. Einen Nachteil hat das BLÖD-Online-Abo aber: Bisher konnte man sich mit der BLÖD-Zeitung gleichzeitig den Hintern abwischen und telefonieren.

Aber die Süddeutsche hat’s auch gemerkt: da kostet die App 1,59€ im Monat. Das ist aus Kundensicht ein guter Preis für die Berichterstattung – und aus Verlagssicht kommt so ganz nett und unvermutet noch was rein, denn der Print-Markt darbt ganz eindeutig. Was mich allerdings ein wenig beunruhigt hat, war dieser Herr, der nach ein wenig rumzappen durch mein iPhone an mir vorbeischaute (iPhone-ScreenShot).

Ich weiß jetzt nicht: sieht der auch was, oder muß ich meinen Finger auf die Kamera halten?

+ Else Reuter

Am Epiphaniastag, dem 6. Januar 2010, kurz vor Mitternacht ist meine Mutter Else gestorben.

Sie wurde am 13. August 1926 in Mülheim an der Ruhr geboren, als Älteste von vier Geschwistern. Mit 83 Jahren hat sie ein gesegnetes Alter erreicht. Ich habe sie kurz nach Weihnachten im Irminen-Stift in Trier nochmal besucht, wo sie seit einiger Zeit auf der Pflegestation war. Sie saß dort am Tisch im Gemeinschaftsraum, bekam ein Schälchen Apfelkompott und ich habe ihr noch ein Glas Wasser gegeben.

Ihre Kindheit und Jugend war überschattet von Nazi-Regime und Führer-Kult. Sie hat da nie viel drüber gesprochen, weil ihr der Irrsinn dieser Zeit wohl später klar geworden war: sie war da hineingeboren, alle machten mit – und erst später, lange nach dem Krieg – gingen ihnen die Augen auf, auf was sie sich eingelassen hatten. Vielleicht auch, was man hätte tun können; allein: hinterher ist man immer klüger.

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Adler

Heute im Gottesdienst erzählte eine Frau – statt Predigt – etwas über die armen Leute im Senegal. Hintergrund war die Sternsingeraktion, deren gesammelte Gelder dieses Jahr schwerpunktmäßig der Unterstützung im Senegal zufließen werden – neben anderen Projekten, die über die ganze Welt verteilt sind. Immerhin hat die Pfarrei Oberasbach durch die Sternsinger, die in den ersten Januartagen singend von Haus zu Haus gezogen sind, dieses Jahr über 18.000 € gesammelt.

Die Dame erzählte eine afrikanische Geschichte, etwas folgenden Inhalts:

Ein Mann hatte einen jungen Adler gefangen, den er einfach zu den Hühnern in den Hühnerhof sperrte. Der Adler lernte also am Boden laufen, nach Würmern scharren und Körner picken – und das tat er auch so. Da kam ein anderer Mann und meinte, das sei doch ein Adler, der müsse doch fliegen. Er hob ihn also hoch, aber der Adler ließ sich wieder auf den Boden hinab und pickte mit den Hühnern die Körner auf. Erst, nachdem der andere Mann den Adler mit in die Berge genommen hatte, wo er den Wind, die Felsen und die Sonne sehen konnte, schwang sich der Vogel auf, flog hoch hinauf in die Luft und ward nie mehr gesehen.

Schöne Geschichte. Aber vorher erzählte sie noch von den armen Kindern im Senegal. Die Jungen müssen die Ziegen hüten. Die Mädchen müssen in der trockenen, staubigen Savanne Feuerholz sammeln, im dornigen Gestrüpp. “Dazu sind nämlich die Jungen zu dumm”, sprach die Dame ins Mikrofon, und erntete Gelächter bei der zuhörenden Gemeinde, in etwas höherer Tonlage. Dann ging es noch 5 Minuten weiter, welche Entbehrungen den Mädchen auferlegt werden, wie toll sie alles das meistern und so weiter und so fort: Die Jungen wurden nicht mehr erwähnt.

Wetten: Sie hat mit keinem einzigen Gedanken gemerkt, worauf die Geschichte mit dem Adler sie eigentlich hinweisen wollte. Denn Huhn bleibt Huhn, auch wenn es politisch korrekt ist.

Safari-Clips im Dashboard

Es gibt Fälle, da will man nur mal schnell auf eine webSite gehen um nachzuschauen, ob sich was geändert hat. Seien es die Verspätungsmeldungen der Bundesbahn, irgendwelche Börsenkurse oder das Wetter in St. Moritz, nachdem Madeleine Schickedanz dort 2 von ihren Villen verscherbelt hat.

Ich zum Beispiel brauche öfter mal die Umrechnung von Punkt (Schriftgröße) in Millimeter – und dazu will ich mir nicht irgendwo eine komplizierte web-Adresse oder einen Umrechnungsfaktor mit 4 Nachkommastellen merken, sondern auf Tastendruck (F12) einen kleinen Taschenrechner sehen, der mir das umrechnet.

Ich hab mit Quicktime mal eine kleine Anleitung gemacht, wie das geht.

Bischof Bischof

WolfgangBischof_2003Der ehemalige Pfarrer von Gröbenzell, Wolfgang Bischof1), ist von Papst Benedikt XVI.2) zum Weihbischof für die Region Süd der Erzdiözese München und Freising ernannt worden3).

Ich habe über zehn Jahre im Pfarrgemeinderat von St. Johann Baptist, Gröbenzell, mit ihm zusammengearbeitet. Unter seiner Ägide hat sich St. Johann Baptist zu einer aufgeschlossenen, lebendigen und offenen Gemeinde entwickelt, in der die Laien sehr viele Möglichkeiten der Mitwirkung hatten – wenn sie sie denn nutzen wollten. Ihm lag sehr viel an einer ausgefeilten Liturgie und einer schönen Kirchenmusik: da konnten Kirchenmusiker Michael Kohmünch und ich eine Menge Dinge lancieren, die in anderen Pfarreien wohl im zähflüssigen Sirup des Gewohnten kleben geblieben wären.

Seit ca. zwei Jahren ist er Regionalpfarrer der Region Nord und folgt jetzt Weihbischof Franz Dietl nach, der mit 75 Jahren in den Ruhestand tritt.

Leider sind wir in seinem letzten halben Jahr in Gröbenzell nicht mehr gut miteinander ausgekommen: vielleicht hatten wir uns so sehr aneinander gewöhnt, dass wir immer schon von vornherein zu wissen glaubten, wie der andere denkt. Das ist egal: ich bin vor allem sehr dankbar für die langjährige, so gut wie ungetrübte und fruchtbare Zusammenarbeit mit ihm. Er kann einem das Gefühl vermitteln, dass man in Gottes Weinberg gebraucht wird und genau die Talente hat, auf die es ankommt. In meine erste Pfarrgemeinderatsperiode bin ich nicht gewählt worden, sondern er kam einige Wochen nach der Wahl auf mich zu und sagte: Ich will Sie im Pfarrgemeinderat haben. Ich glaube, diese Fähigkeit zur persönlichen Ansprache und Motivation ist ein fundamental guter Ansatz für einen Bischof.

Mit seinem Namen hat er oft und gern herumgespielt: sein Namenspatron ist der hl. Bischof Wolfgang von Regensburg (924-974). Er meldete sich gerne mit “Bischof Wolfgang” am Telefon und grinste sich dann eins, wenn die Leute ein wenig verdattert waren. Jetzt kann er das mit Fug und Recht tun – und sich sogar mit “Bischof Wolfgang Bischof” melden. Damit hat er seinem Namenspatron schon Eines voraus – für den Rest kann er ja noch sorgen.

Ich wünsche Dir in Deinem neuen Amt alles Gute, lieber Wolfgang – und Gottes Kraft und Segen.


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Fußnoten:
  1. Das Bild entstand anläßlich des 10jährigen Jubiläums als Pfarrer von Gröbenzell [ ]
  2. Der Papst hat ihn seinerzeit auch zum Priester geweiht. Damals hieß der Papst noch Kardinal Ratzinger und war Erzbischof von München und Freising [ ]
  3. Hier ist die Meldung im Bayerischen Rundfunk [ ]

Wer ist gleicher?

Man hat ja zwischen den Jahren sonst nichts zu tun. Also war ich heute mal beim Finanzamt, um die Freibeträge für’s neue Jahr eintragen zu lassen und – wie immer – ein bissschen zu plauschen. Und was erfahr ich da? Mit aller Selbstverständlichkeit erzählt mir der zuständige Beamte, dass bei Säumnissen von Ehepaaren standardmäßig nur die Ehemänner mit einem Zwangsgeld bedroht werden und – so auch dann nicht gefolgt wird – auch nur diese mit einer Zwangsinhaftierung rechnen müssen.

Ja, was heißt denn das? Sollte dies nicht nur in Limburg so üblich sein sondern bundesweit gelten, gibt es eine sehr einfache Weise, wie Ehefrauen ihre Ehemänner ins Gefängnis bringen können. Sie blockieren einfach hartnäckig die Abgabe der gemeinsamen Steuererklärung und ihr Mann landet zwangsweise irgendwann im Knast. Für mich war klar: erneut eines der vielen Beispiele für die (angebliche) strukturelle Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft.

Hühnerkacke

Zum Fest der Heiligen Familie haben wir es heute wieder einmal gewagt, unseren zweijährigen Vincent mit in den Gemeindegottesdienst mit anschließender Kindersegnung zu nehmen. Im vergangenen Jahr lief das ja auch ganz prima; er verfolgte den Gottesdienst ohne zu stören und wurde anschließend wie die anderen Kinder gesegnet. In diesem Jahr war Vincent freilich viel aktiver. Manches, was der Priester ansprach und Vincent bekannt vorkam, wiederholte dieser sehr deutlich: “Jesus”, “Guter Gott”, “Weihnachten”, “Amen” usw. Das alles schallte zwar ganz ordentlich durch die Kirche; die Aufnahme und Wiederholung dieser Worte zeugte aber nach meiner Auffassung von seiner guten Erziehung; und so war ich’s ganz zufrieden.

Allein: Wie auch immer seine Assoziationen liefen und woher er dieses Wort auch kennt: Als es wieder einmal ganz ruhig wurde in der Kirche, setzte Vincent an und ließ durch die ganze Kirche ein deutliches “Hühnerkacke” (mit Betonung auf kacke) erschallen. Das ermunterte nun wahrlich viele Gläubige, vor allem die Ministranten, zu herzhaftem Lachen; manche schauten aber auch beschämt beiseite. Als Vincent daraufhin zudem ständig nach seinem Bruder rief, der als Ministrant aktiv war, nahm ich ihn aus dem Spiel und ging heraus. Erst nach Abschluss des Gottesdienstes kam ich mit manch anderen Eltern und Kindern, die draußen brav gewartet hatten, zur Kindersegnung wieder herein.

Natürlich gehören Worte wie “Hühnerkacke” nicht unbedingt in den Gottesdienst. Mir gibt aber auch zu denken, dass wir uns offenbar daran gewöhnt haben, dass die kleinen Kinder selbst an einem solchen Festtag die Kirche erst nach Abschluss des Gottesdienstes betreten, außer den Ministranten kaum jemand am Gottesdienst teilnahm, der nicht mindestens 40 Jahre alt zu sein schien, und ich mit meinen 54 Jahren den Altersdurchschnitt der Gottesdienstteilnehmer in einer ganz normalen Wohngemeinde wahrscheinlich noch deutlich nach unten gedrückt habe. Irgendetwas kann da nicht ganz stimmen, oder?

Papst-Bier

Zu Weihnachten bekam ich von guten, leider protestantischen Freunden ein Vierer-Tragl Papst-Bier geschenkt, was mich doch sehr erfreut hat: es gibt nichts Höheres, als volltrunken im Papstrausch unter der Tanne zu flacken.

Kaessmann-Nektar: Innovativ - Antialkoholisch - NachhaltigAllerdings hat es mir dann auch ein wenig leid getan: etwas so Schönes bleibt einem als Protestant dauerhaft verwehrt. Natürlich kann sich auch der Protestant 5, 6 Papst-Halbe reinziehen und er ist dann unter Umständen genauso betrunken wie ein Katholik. Aber der Unterschied ist, dass der Protestant sich hinterher von seiner Frau zurechtweisen lassen muss wegen des unmäßigen Genusses von Alkohol, während umgekehrt der Katholik seine Frau zurechtweisen kann, dass sie offensichtlich von Religion nicht halb so viel verstünde wie er. Das sind harte Wunden, die das Leben den Protestanten immer wieder schlägt, und ich frage mich, warum die nicht längst alle konvertiert sind: da hätten sie es allemal leichter und müßten nicht statt Abendmahl Traubensaft konsumieren.

Bis es aber so weit ist, muß man ihnen helfen, wo man kann. Ich bin deswegen auf die Idee gekommen, eine protestanische Alternative zu entwickeln: Käßmann Nektar. Einen passenden Flaschenaufkleber habe ich gleich mal gebastelt.

Fronleichnam am Sonntag

Ich mache ja gerne ab und zu mal diese “Wissenstests” der ZEIT, kann man sich durchklickern und mal schauen, ob man noch einigermaßen rege am Alltagsgeschehen teilnehmen kann. Ich dachte bisher auch immer, die würden die richtigen Antworten recherchieren oder sonstwie mit Sachkenntnis unterfüttern. Da muß man aber vorsichtig sein, wie sich heute herausstellte:

Noch sieben mal schlafen

Die von der ZEIT1) vorgegebenen Optionen waren Fronleichnam, Valentinstag und Siebenschläfer. Man MUSS etwas ankreuzen, sonst kann man nicht weitermachen; ich bitte um Entschuldigung dafür, dass ich hier den Siebenschläfer angekreuzt habe. Ich wußte halt nicht, wann Siebenschläfer ist – dass es zufällig auf den Sonntag nach Pfingsten hätte fallen können, wäre ja theoretisch möglich. Die anderen beiden hingegen waren mit Sicherheit falsch.

Also, liebe Zeit: Am 1. Sonntag nach Pfingsten ist der Dreifaltigkeitssonntag, lateinisch Trinitatis. Von da bis Advent kommt die lange Sommerzeit, in der viel gearbeitet werden mußte – deswegen konnte man sich kaum so kirchliche Riesenfeste leisten, die bis zu 3 Tage Dauerfeiern vonnöten machte. Daher sind diese Sonntage bei den Protestanten einfach durchgezählt und reichen vom 1. Sonntag nach Trinitatis bis zum 24.-27. S. n. Tr. – je nachdem, ob Ostern früh oder spät im Jahr lag.

Fronleichnam hingegen liegt 10 Tage nach Pfingsten, also immer an einem Donnerstag. Ähnlich wie Himmelfahrt: auch 10 Tage nach Ostern, also auch immer an einem Donnerstag.


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Fußnoten:
  1. Hier ist der Test – mein sonstiges Ergebnis war grottenschlecht, nur die Kohl-Frage wußte ich, weil ich damals in Rheinland-Pfalz zur Schule ging und mir das dann ausrechnen konnte. Aber trotzdem geraten, nicht gewußt. [ ]

Abwracken – auf österreichisch

So geht’s natürlich auch.

Schriftgelehrte

Lieber Lukas, lieber Bene,

Bene_LukasEurem Wunsch, Weihnachtsgrüße auf keinen Fall im Diesellog zu veröffentlichen, konnte aus Datenschutzgründen leider nicht entsprochen werden: die CSU hat was gegen Datenschutz.

Wer weiß, vielleicht könnten wir es später, wenn es Euch lange genug peinlich war, wieder rausnehmen1). Ihr müßtet mir allerdings beweisen, dass Ihr bei mindestens 5 Bewerbungsgesprächen wegen dieser weihnachtlichen Grußkarte rausgeflogen seid2).

Auf jeden Fall wünsche ich Euch ein rohes, verregnetes Weihnachtsfest mit vielen bunten Ostereiern. Möglicherweise werden sich Eure Eltern dazu herablassen, Euch Geschenke zu machen. Ja, Ihr habt Recht: ich verstehe es auch nicht.

Viele Grüße,
Euer Onkel Thomas


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Fußnoten:
  1. natürlich gegen Zahlung einer geringen Verwaltungsgebühr [ ]
  2. Unterschrift des Personalchefs und dessen Eltern genügen als Beweis. [ ]