Archive for Mai, 2006

Bullenlischt

In Deutschland droht ein neuer Kampf der Kulturen.

Seit die Grup Tekkan aus dem schönen Germersheim den unvergleichlichen Hit “Wo bist Du mein Sonnenlischt” ganz aus Versehen ins Internet fallen ließ, wo ihn dann Stefan Raab, der Fallobstsammler der Nation (Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd, das weiß er) versehentlich gefunden hat, überschlagen sich die Coverversionen. Das Original im Internet zu finden ist mittlerweile schwierig, wenn auch nicht nötig, denn es ist so grottenschlecht, dass es einem hinterher genauso geht.

Jedenfalls scheint aufgrund der günstigen Entwicklung der Kriminalitätsstatistik auch die Polizei schon Zeit zum Covern gefunden zu haben, während sie ihr Blaulicht suchen:

Wo bist du mein Bullenlischt?
Scheisse ich muss gleisch zur Schicht,
Isch suche Disch, ich find disch nischt! (oder so)

Dann gibt es welche, die den Ohrwurm einfach nicht mehr aus der Denkmurmel kriegen, sich aber nicht mehr an den Text erinnern können und deswegen sich ganz fix was anderes ausdenken müssen:

Äy isch bins, euer Sonnenlischt,
siehs du misch, du Arschgesischt?

Und irgendwo ist das Sonnenlischt jetzt auch gefunden worden, und ganz verzückt wartet es jetzt schon auf die drei Jungs aus Germersheim. Möglicherweise war sie schon mal in den einen von den dreien verknallt, denn sie strahlt so. Denn der eine ist Maschinenreiniger im KKW Philipsburg (gewesen, hat letzte Woche gekündigt, denn jetzt isser Musiker):

Wo bist du mein Sonnenlischt?
Hier bin ich, hi-er!

Auch Verflossene von Grup Tekkan melden sich mittlerweile selbstbewußt (und zwar ohne jeden Grund) zurück: wollen sie doch am Geldsegen ein wenig teilhaben. Vor allem Grup Tukkn tut sich hier travestisch hervor, um die Stimmung ein wenig anzuheizen ist noch ein Dixieklo mit von der Partie:

Isch bin hier mein Sonnenlischt
Ich verstecke misch vor dein Gesischt.
Dein Respekt is nisch korrekt zu misch,
Drum bin isch nischt dein Sonnenlischt.

Auch als Abigag – nur trotz aller gegenteiliger Bemühungen musikalisch ungleich besser als das Original – ist diese geistweiche Oper ebenfalls erste Sahne, denn sie schaffen es einfach nicht, sich dermaßen aus dem Rhythmus zu lehnen wie Grup Tekkan (letztere schaffen nicht nur den Rhythmus, sie schaffen auch keinen Ton. Denn bei der Melodie hat ihnen einer geholfen):

Wo bis du mein Sonnenlischt,
isch respektihier nure disch.

Abiturienten können nicht anders. Die sind nach Jahren quälendem Musikunterrichts so zubetoniert, dass sie sich in den Kasten des Rhythmus zwängen lassen und Silben einbauen, wo vom Text (und Tekkan) einfach keine vorgesehen sind.

Meine Meinung: die Eisschollen driften voll aufeinander zu. Wenn das mal kein’ Krach gibt!

Penetrationsrate

Aus einem Beitrag von heise online:

Hier habe sich das Unternehmen [vodafone] trotz eines intensiveren Preiskampfes insbesondere mit neuen Konkurrenten und einer hohen Penetrationsrate steigern können.

Aha. Wenn ich richtig aufgepaßt habe, dann kommt immer zuerst das Penetrieren, worauf unweigerlich eine Viktimisierung erfolgt, egal, ob die Penetrationsrate anschließend steigt oder fällt. Wobei aber unter bestimmten Umständen das Viktimisieren auch ohne Penetration in Gang gesetzt werden kann, unter Umständen sogar durch gezieltes Anstreben einer Penetrationsrate, die gegen 0 geht (also nur alle 4 Jahre an Weihnachten mal oder so).

Aber wie sich jetzt der Viktimisierungskoeffizient hinsichtlich der Penetrationsrate unter Berücksichtigung der Konkurrenzsituation bei vodafone errechnet, da muss ich nochmal nachfragen.

lingua teutonica

Abt Gerloh von Reichersbeuern (1093-1169) schreibt:

Tota terra iubilat in Christi laudibus etiam per cantilenas linguae vulgaris, maxime in teutonicis, quorum lingua magis apta est concinnis canticis. *)

Da fragt man sich doch, warum es heute heißt, man könne nur auf Englisch noch Lieder machen. Möglicherweise vor allem, weil Konjugation und Deklination im Englischen oft wiederum dasselbe Wort ergeben (mit ein paar einsilbigen Zusatzworten, deren Betonung musikalisch einfach zu handhaben ist), während sich im Deutschen das Wort selbst ändert, wenn es konjugiert oder dekliniert wird. Für das Singen jedoch sind Reim und Versmaß eine wichtige Voraussetzung: je einfacher die Melodie, desto schwieriger wird es, dem noch einen deutschen Text anzupassen. Da hat das Englische eine Menge Vorteile zu bieten.

Wobei Reinhard Mey zum Beispiel jedoch opulent bewiesen hat, dass sich sie deutsche Sprache auch heute noch auf zauberhafte Weise zur Dichtung wunderbarer Lieder eignet – wenn man sich nur die Zeit nimmt, sich auf den Sprachrhythmus einzulassen.
mmerhin helfen solche Überlieferungen wie die von Abt Gerloh, die Vorstellung von einem “finsteren” Mittelalter ein wenig zu revidieren: die Möglichkeiten der Lieddichtung und deren Nutzung scheinen doch wesentlich fortgeschrittener gewesen zu sein als zu unserer Zeit.

—-

*) Mit Jubel preist der ganze Erdkreis Christus, auch mit Liedern volkstümlicher Zungen. Dies vor allem aber in Deutschland, dessen Sprache sich zur Dichtung kunstfertiger Lieder auf zauberhafte Weise eignet.

Gralsreisen II.

Ich war am Sonntag zu faul, auch noch den kunsthistorischen Artikel “Der grosse Bilderverdeher” aus der ZEIT 20/2006 anzuhängen. Ich hole das hiermit nach – ebenfalls wieder in der Hoffnung, dass mich die ZEIT aufgrund dieses Plagiats nicht am Wickel kriegt.

Brav

Also – manchmal spiele ich beim ZEIT-Lesen mein kleines Spielchen: Autor oder Autorin? Das kann ich spielen, weil ich oft nur die Überschriften lese und dann mit dem Lesen des Artikels beginne, ohne nach dem Namen des Autors zu schauen. Zwischendurch fällt mir dann manchmal eine Textpassage auf, und dann frage ich mich: ist der Artikel von einem Mann oder einer Frau geschrieben?

Heute ging mir das so mit folgendem Absatz, bei dem mir allerdings der Atem stockte:

Sie [die Halbwüchsigen] unterscheiden sich in nichts von denen Tausender anderer minderjähriger Straftäter, die später keine Mörder, sondern brave Familienväter werden. Körperverletzung, gemeinschaftlicher Raub im minder schweren Fall, Fahren ohne Führerschein, Hausfriedensbruch, Diebstahl.

Autorin! schrie ich innerlich – und siehe da: Sabine Rückert. Der Artikel “Ab in den Knast”, den die ZEIT in Ausgabe 22/2006 im Dossier gedruckt hat, ist eine gute, sachliche Zusammenfassung über den Zustand des deutschen Strafvollzugs: Sabine Rückert gleitet dort nicht oft ab in Klischees.

Aber Körperverletzung, gemeinschaftlicher Raub im minder schweren Fall, Fahren ohne Führerschein, Hausfriedensbruch, Diebstahl als akzeptabler Biographieverlauf hin zu einem braven Familienvater? Mit dieser Selbstverständlichkeit darf sowas in unserem Land wohl nur eine Frau hinschreiben. Und sie hat das Recht, übersehen zu dürfen, dass es nicht so ist.

Es gibt ja das BildBlog – eine peinliche Auflistung von Lügen, Übertreibungen und Erfindungen der BILD-Zeitung, täglich aktualisiert. Ich bin jetzt seit fast 25 Jahren passionierter ZEIT-Leser. Vielleicht sollte ich ein ZEIT-Blog machen: einfach nur mit Stellen, wo in der guten alten Tante ZEIT Frauen über Männer ganz selbstverständlich klischeehaft herziehen (dürfen). Was haltet Ihr davon?

Gralsreisen

FratzoIch war gestern abend im Kino um mir den “daVinci-Code” anzuschauen. Man sollte nicht hineingehen, wenn man

  • eine kunsthistorisch ernstzunehmende Diskussion von Leonardo da Vincis Bildern erwartet. Der Inhalt von Leonardos Bildern wird so dargestellt, dass er in die Geschichte hineinpaßt – das Drehbuch wird keineswegs dem Inhalt der Bilder angepaßt.
  • etwas über die katholische Kirche erfahren will: die im Film mystifizierte “Sionsbruderschaft” gibt es seit 1956 und nicht seit 1099 [das gilt im Übrigen auch für mich pesönlich]. Auch das mörderisch dargestellte opus dei hat andere Ziele als die Suche nach dem heiligen Gral.
  • etwas historisch Fundiertes über Jesus Christus und Maria Magdalena erfahren will. Das, was der Film dort kolportiert, wird wohl immer im Nebel der Spekulationen verborgen bleiben – und spekulieren kann und darf jeder, soviel er will.

Man kann aber durchaus hineingehen, wenn man

  • Lust auf einen spannenden Thriller hat. Man erschreckt sich manchmal ganz schön gruselig. Und interessante Denkanstöße gibt der Thriller auch.
  • weiß, dass es sich um reine Spekulation von Dan Brown, dem Autor des Buchs “Sakrileg” handelt.
  • ein Problem mit der katholischen Kirche hat und endlich eine Bestätigung für sein “Ich hab’s ja immer gesagt”-Gefühl braucht.
  • sich in Zukunft ein wenig mit Heraldik, Semiotik und Kirchengeschichte befassen möchte und die Spekulationen der Filmemacher und Autoren zum Anlaß nehmen will, selbst ein wenig nachzuforschen, was historisch begründbar ist und was nicht.

Mein Urteil: wirklich spannender Film und keineswegs vergeudete Zeit – wer statt dessen lieber ein historisches Buch liest, sollte aber lieber letzteres tun.

Eine sehr gute Reisebeschreibung zu den Drehorten fand sich in der ZEIT 20/2006. Ich habe sie dem interessierten Leser herauskopiert und hier zu lesen abgelegt – in der Hoffnung, dass mich die ZEIT deswegen nicht urheberrechtlich beim Wickel kriegt. Das wäre aber schade um den guten Artikel.

Domitilla

Den Namen Domitilla habe ich noch nie gehört. Aber jetzt im Laufe einer Woche gleich dreimal:

  • In P. Notker Wolfs Buch Worauf warten wir: auf seiner ersten China-Reise trifft er dort eine alte Schwester, die die Säuberungen in China überlebt hat. Sie heißt Domitilla
  • Am 12. Mai ist der Namenstag der hl. Domitilla (+ 95 n. Chr.). Bin ich beim Lesen zufällig drüber gestolpert.
  • In Frauenchiemsee ist eine neue Äbtissin gewählt worden, Sr. Johanna Mayer. Ihre Vorgängerin war Sr. Domitilla Veith, die ihr Amt mit Erreichen des 75. Lebensjahres freiwillig zurückgab.

Erstaunlicher Zufall. Will mir da irgend jemand etwas sagen? Wer eine Idee hat, soll sich bitte melden.

HIV

HIVZEIT online:

Es hat kaum einen Erreger gegeben, um dessen Entstehung sich mehr Mythen ranken, als um die des Human Immunodeficiency Virus, kurz HIV. Die größtenteils konspirativen Theorien reichen von amerikanischen Biowaffenlabors, die ein menschengemachtes Teufelsvirus wahlweise an schwulen Häftlingen oder hilflosen Afrikanern testeten, bis hin zum etwas schlichteren Bild von einer Strafe Gottes.

Wo das AIDS-Virus herkommt konnte anscheinend jetzt geklärt werden: unspektakulär wie immer. Hier der Artikel aus der ZEIT online vom 26.5.2006. Tipp: in der Druckversion fällt das Lesen wesentlich leichter!

Dieter

Ich habe gerade die Geschichte vom Dieter gelesen. Die ist von Nils Heinrich, der zusammen mit Modeste im Wagen saß, als sie zunächst einen durch überhöhte Geschwindigkeit verursachten Unfall hatten und dann zur Beruhigung 5 Stunden im Stau vor Hagen standen (Version Modeste, Version Nils). Nur weil sie in Bonn eine Bloglesung oder sowas absolvieren wollten. Freitags schreibt man Blogs, man fährt nicht Auto.

Übrigens hat der gleiche Nils Heinrich sich auch um eine Hymne, die Stadt Jena verherrlichend verdient gemacht, bei Jena macht das nichts, wenn’s voll daneben ist, Jena ist ja auch daneben, wie man auf der Autobahn vorbeifahrend feststellt (neben Weimar, meine ich natürlich). Dass in dieser Ode auch die Bundesbahn drin vorkommt, ist sicher kein Zufall, wo Hartmut M., der oberste Schienenfeger der Nation, doch heute den neuen Berliner Bahnhof mit ganz großem Bahnhof einweihen will. Ich denke, irgendwann wird die Bahn auch wieder satte Gewinne machen, wenn nämlich die Neubaustrecke Hamburg Berlin mit den Bahnhöfen Hamburg und Berlin fertig ist und alle anderen Strecken stillgelegt sind.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Kauderwelsch

Auf der webSite der ZEIT findet man einen kleinen Loriot-Zeichentrickfilm, in dem Bundeskanzler Helmut Schmidt erklärt, warum er seine Gehaltsabrechnung nicht versteht. Ich verstehe meine. Ich bin gerne bereit, mit Helmut Schmidt zu tauschen.

Am allerbesten sind die letzten 3 Sekunden.

Bombe

Was ist das denn, frage ich und reibe mir die Augen. Da hat ja eine das Undenkbare hingeschrieben! Und sogar ganz öffentlich im Cicero, dem Magazin für politische Kultur!

Denn so oder so ähnlich sehe ich das heimlich schon seit Jahren: man musste ja nichts weiter tun als den Ton abdrehen und genau hinschauen. Manchmal schreibe ich Teilaspekte dessen an Leute wie Iris Radisch und andere AutorInnen der Zeit. Das gibt immer verdammt blaue Augen.

Es ist ein langer Text. Aber die 10 Minuten sollte man sich mal nehmen. Es ist zu spät, sicher. Aber warum nicht wenigstens wissen, was dazu beigetragen hat?

Meerstern

Am Samstag war ich in St. Bonifaz in München in der Maiandacht. Maria ist die Schutzpatronin Bayerns (Gerhard Polt singt das immer so schön mit: Pattroh-na paffari-ähhh), deswegen stapeln sich um diese Zeit hier die Maiandachten.

Nun wird Maria ja oft und gern mit der Metapher des “Meerstern” in Verbindung gebracht. Es gibt auch Marienlieder, die diesen “Meerstern” volkstümlich besingen: Meerstern, ich dich grüße, oho Maharihijaha hilf, z.B.

Aber es handelt sich hier um einen fast sagenhaften Schreibfehler, der sich über die Jahrhunderte als unhinterfragte Metapher für Maria eingebürgert hat. Den Ursprung dafür legt der Kirchenlehrer Hieronymus, der den hebräischen Namen Mirjam (oder Mar-jam) in zwei Teile geteilt hat, nämlich Mir/Mar = Meer und jam = Tropfen. Daraus hat er dann sehr meditative und versenkte Predigten und Schriften entwickelt, was der Name “Tropfen des Meeres” oder “Tropfen im Meer” im Zusammenhang mit Maria wohl symbolisch zu bedeuten hat.

Wichtiger als das allerdings war, dass er diesen “Tropfen des Meeres” ins Lateinische übersetzt hat, und das ist stilla maris. Irgendjemand hat das dann mal falsch abgeschrieben, und schon war daraus der stella maris, der Meeresstern, gemacht.

Darunter kann man sich freilich bis auf den heutigen Tag mehr vorstellen: der hellste Leitstern, der den in völliger Dunkelheit nußschalenden Seeleuten den Weg weist. Das Christentum hat die Gestalt der Maria total verklärt und sie zur Urgestalt der Frau mystifiziert. Der hellste und erste Stern am Nachthimmel ist die Venus, die wiederum in der Übertragung das Symbol weiblicher Liebe darstellt – aber auf eine sehr fleischliche Weise. Das durfte im Christentum wiederum so nicht offen gesagt werden, deswegen war man geradezu dankbar für solch verbo(r)gene Bedeutungen.

Irgendwie konnte man jedenfalls mit stella maris wohl mehr verbinden als mit stilla maris – und dabei ist es bis heute geblieben. Danke an P. Niklas Raggenbass für diese Klarstellung!

Vogel

Ich hab mich immer mal gefragt, was es bedeutet, wenn man sagt: Du hast doch einen Vogel.

Jetzt gibt mir Martin Löwenstein in einem Artikel aus AndereZeiten en passant die Erklärung:

Es ist eines, an den Heiligen Geist zu glauben. Es ist ein anderes, in einer konkreten Situation unterscheiden zu können, ob eine Eingebung nun Gottes Geist oder mein eigener Vogel ist.

Es mag noch andere, vor allem etymologische, Erklärungen geben. Aber diese hier ist die, die es auf den Punkt bringt: jemand hat einen Vogel, wenn er behauptet, dies oder jenes entspräche seiner Lebenswahrheit, obwohl jeder merkt, dass da nicht der heilige Geist dahintersteckt, sondern irgend ein unausgegorener Blödsinn. Dann nämlich verwechselt er irgendeinen Vogel mit der Taube, die den heiligen Geist darstellt.

Bittgang

Heute ging die Pfarrei wieder den traditionellen Bittgang von Gröbenzell nach Lochhausen, wo dann ein Abschlussgottesdienst stattfand.

Ich bin mit meinen Firmlingen mitgegangen. Ich habe das einfach auf das Programm der Firmvorbereitung draufgesetzt, ohne lange zu fragen, ob ihnen das wohl gefallen wird und so ein Zeug. Wer fragt, bekommt Antwort, muss meine Großmutter immer gesagt haben – und viele Antworten kann man sich ersparen, indem man das Fragen einfach unterläßt und so tut, als wär das ganz normal.
So eine Bittprozession ist schon eine weithin in Vergessenheit geratene Art der Religionsausübung: man zieht stundenlang durch die Felder und betet dabei den Rosenkranz, der einem so ja nicht geläufig ist. Ich jedenfalls weiß nur ungefähr, wie so ein Rosenkranz abläuft, denn wieviele “Gegrüßet seist du Maria” auf ein “Ehre sei dem Vater / Vater unser” kommen, das kann ich schon nicht mehr sagen. Geschweige denn die verschiedenen Formen des Rosenkranzes: mitten in das “Gegrüßet seist du Maria” wird ja immer noch irgendwas eingeschoben, das mit “der für uns …” anfängt und dann irgendwie weitergeht.

Jedenfalls ist es ein recht meditativer Spaziergang: das eintönige Beten oder zwischendurch auch mal Schweigen fängt nach ungefähr einer halben Stunde an, seine Wirkung zu tun: der Alltag fällt ein bißchen von einem ab, man beginnt, nach einem anderen Rhythmus zu laufen. Man hat kein Ziel mehr, was man durch Nachzählen oder Vergleichen erreichen könnte, sondern man geht solange, bis der nächste Stationsgottesdienst erreicht ist. Langweilig ist das nicht, nur vollkommen anders.

Die Firmlinge haben es ganz gut durchgestanden: die Lauferei fanden sie mitnichten ermüdend. Der Gottesdienst kam ihnen hingegen ein wenig lang vor – aber da müssen sie durch. Jedenfalls zeigten sie auch nachher keine Ermüdungserscheinungen. Ich hab sie nachher noch zum Griechen eingeladen – wovon sie allerdings vorher nichts wußten. Ich will sie ja nicht bestechen.

Bär II.

Innenminister Werner Schnappauf hat den beschriebenen Bären gestern Abend zum Abschuss freigegeben.

Das ging schnell. Ich hatte mit einer Anstandsfrist von 3 Tagen gerechnet.

Immerhin hat Bayern damit bewiesen, dass es entscheidungsstark und durchsetzungsfähig ist. Im Gegensatz zu Italien und Österreich, die seit Monaten nichts auf die Latte kriegen, obwohl der Bär dort weitaus schlimmere Verwüstungen angerichtet hat (ganze Landstriche sind – wie der Bullevardpresse zu entnehmen ist – quasi bärgefegt), kennen die Bayern in solch einer Situation nur eine Lösung: Ladung Blei unter den Pelz gejubelt und fertig.

Bär

In Bayern ist der Bär los.

Anscheinend hat ein junger Braunbär irgendwo in den Garmischer Alpen in der letzten Woche ein paar Schafe gerissen. Wann genau weiß man nicht, denn die Schafsbauern gehen da höchstens einmal die Woche hoch und schauen nach, was die Tiere tun. Außerdem seit das Tier bis zu 2 Meter groß und 200 Kilo schwer, schwarztitelt die einschlägigen Bullevardjournaille. (In Wirklichkeit handelt es sich um ein neugieriges, männliches Jungtier von ungefähr 60 Kilo. Die Jungs von der TU München kennen das Tier und wissen immer ungefähr, wo es sich rumtreibt …)

Nun ist in Bayern guter Rat teuer: ein Drittel der Bevölkerung sieht sich in der Freizeitgestaltung vom Bavarozid durch Horden gefährlicher Raubtiere bedrängt. Ein weiteres Drittel hält es mit Franziskus und dem heiligen Korbinian von Freising und wünscht sich ein größeres Freiluftgehege für Bruder Bär: es wäre gut, die Imker zu verpflichten, ihren Honig dem Bären zum Fraß vorzuwerfen, so könnten andere Vertreter dieser putzigen Dackelform auch noch herbeigelockt werden. Und ein weiteres Drittel weiß, dass der Bär längst verschwunden ist, nur sehr schwer zu finden ist, außerdem höchst menschenscheu und wahrscheinlich sowieso gerade in Innsbruck, um ein Visum für Deutschland zu beantragen. Oder so.

Insbesondere eine im Tagesgespräch (Bayern 2) anrufende Nürnbergerin (die anstonsten den Großen Bären nur als Sternbild am derzeitigen Nachthimmel kennt) war schon ganz hysterisch (Gottseidank weinte sie aber noch nicht): wie solle sie sich nur verhalten, wenn sie einem Bären begegne. Nun, so der herbeigerufene Professor für Wildbiologie, man begegnet einem Bären nicht, das läuft, wenn überhaupt, eher umgekehrt ab. Wenn man ihm versehentlich doch einmal begegnen sollte, was in der Wahrscheinlichkeit jedoch kafkaeske Züge annimmt, dann bleibt man einfach mal ruhig stehen und wartet, bis der Bär wieder geht. Ja, aber wenn man einer Bärin mit Jungen begegne? Die gäbe es hier gar nicht: männliche Jungbären hätten zwar einen großen Aktionsradius, aber die Weibchen blieben doch immer im Umkreis der jeweiligen Mutter, und die nächstliegende sei irgendwo in Slowenien gesichtet worden. Ja, aber dennoch, sowas sei doch gefährlich, was solle man denn tun? Man können doch jetzt nicht immer nur noch im hause bleiben?
Nun, darauf hatte eine andere Hörerin die passende Antwort. Man solle ganz einfach nicht mit dem Auto in die Alpen fahren. Das Risiko, durch Umgang oder ungeplante Begegnung mit Kraftfahrzeugen Schaden zu erleiden, sei ungefähr eine Million mal höher als einen Bären überhaupt zu sehen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer dem Oberammergauer Schafbauern, der den Bären abschießen will. Aber sofort, weil “des bedroht mei Existenz”. Klar.

GEZ

Diesen Kommentar zu einem Beitrag im lawBlog muss ich Euch mitteilen:

Wollte zum 1.1. diesen jahres meinen Fernseher und mein Radio anmelden, weil mir die GEZ schon mit einigen briefen auf den zeiger gegangen war. Und was bekomm ich als Antwort? ich, ein Single, Vollzeitbeschäftigt in der Industrie mit ca. 1400€ Netto würde nicht genug Verdienen und deshalb würde meine Anmeldung abgelehnt.

Ich denk mir nur noch Okay, der Schrieb wird eingerahmt. Und hängt nu genau wo? Exakt. Über meinem Fernseher. Da hat der GEZ-Hoschi ganz blöd geschaut, als er neulich bei mir geklingelt hat.

So’ne Geschichte hatte ich hier auch mal. Kam einer von der GEZ:

  • “Guten Tag, mein Name ist $gez_hoschi, ich komme von der GEZ, könnte ich mal Ihren Fernseher sehen?
  • Also – nein, ich ….      —-» GEZ weiterlesen …

Sonntag I.

Sonntag.jpgWas tut man an so einem verregneten Sonntag morgen am besten?

Rrrichtich: sich mit seiner besten Freundin ins Bett legen und “die Kinder des M. Mathieu” gucken.

20 Jahre Theologie Interkulturell

An den vergangenen Tagen habe ich am Jubiläumssymposion 20 Jahre Theologie Interkulturell teilgenommen. Was mich erneut beeindruckt hat: Es ist faszinierend zu sehen, wie weltweit die Kirche ist, wie sie sich überall für die Menschen einsetzt und wie sie überall mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist (Armut, Umweltverschmutzung, internationale Ausbeutungsstrukturen usw.). Nur Westeuropa fällt da etwas aus dem Rahmen: Eine Sattheit und Trägheit prägt hier Institutionen und Menschen, die weitgehend auf die Institutionen schimpfen lässt, selbst wenn sie – wie die Kirche – sich zum Heil der Menschen engagiert.

Besonders beeindruckend für mich waren wie immer die anwesenden Afrikaner, die mit ihrer Art von Lockerheit und Ganzheitlichkeit, von der Sprache, über die Kleidung bis zur Gestik und Mimik alle mitreißen und einfach Temperament in die Versammlung bringen. Eher zurückhaltend (und zum Teil selbstkritisch) die anwesenden Amerikaner, sehr nachdenklich und selbstbewusst aber die Asiaten. Vom “gelben Segen” wurde hier statt von der “gelben Gefahr” gesprochen, wenn davon die Rede war, dass Asien wohl das heraufziehende Machtzentrum des 21. Jahrhundert werde und darin verschiedene religiöse Traditionen sich derzeit durchaus auf vielversprechende Weise verbänden. Der herausragende Felix Wilfred aus Madras, aber auch Luis Gutheinz, der vor Jahrzehnten als Jesuit aus Tirol nach Taipeh ausgewanderte Tiroler, strahlen eine Hoffnung aus, die vieleicht charakteristisch ist für den gesamten asiatischen Raum.

Aus Deutschland – immerhin – steuerte Johannes Hoffmann einen Hinweis auf seine beeindruckenden Forschungen zum ethischen Investment bei, die viel dazu beitragen aus der Jammerecke endlich herauszukommen und dort anzusetzen, wo etwas Sinnvolles zu tun ist.

Alles in allem – wie immer bei Theologie Interkulturell – eine sehr gelungene Veranstaltung, die vor allem Thomas Schreijäck und seinem Team zu verdanken ist.

Faszinierend

Da hat ein Argentinier sich und die Mitglieder seiner Familie jedes Jahr am 17. Juni fotografiert – und das seit 1976. Wie sich die Gesichter ändern im Laufe der Zeit! Ich hab schon oft darüber nachgedacht, ob man in Erwachsenen-Gesichtern das frühere Kind noch erkennt – ich weiß es einfach nicht.