Archive for Juli, 2006
Sonntag, 30.7.06 - by Thomas
Eine Rückschau zum Feminismus findet sich im April-Heft von Cicero. Bettina Röhl beschreibt darin die für die deutsche Beziehungslage vernichtende Einschätzung der Sexualität seitens Alice Schwarzer (Sexualität ist Penetration) und der ultradummen Svende Merian (Der Tod des Märchenprinzen).
Der Artikel ist lang, aber genau. In tiefer Trauer stelle ich fest, dass ich lieber in einem anderen Jahrhundert als Alice Schwarzer gelebt hätte. An ihrem Todestag werde ich tanzen – wo immer ich auch bin.
Samstag, 29.7.06 - by Thomas
Vor acht Jahren begann Walmart den Versuch, seine eigene Unternehmenskultur in Deutschland aufzubauen. Das ist misslungen – Walmart gibt auf und verkauft seine Läden an Metro.
Letztlich scheiterte Wal-Mart wohl an dem Missverständnis, dass im Zeitalter der Globalisierung überall die eigenen Regeln zu gelten hätten.
schreibt die ZEIT. Ich war in der ganzen Zeit ein einziges Mal in einem Wal-Mart. Es unterschied sich für mich in nichts von anderen großen Warenhäusern, die Vereinheitlichung der Angestellten und die zwangsweise, etwas anbiedernde Freundlichkeit waren mir jedoch so fremd, dass ich dafür keine weite Fahrt oder einen Zwischenstopp in Kauf genommen hätte. Die Ethik-Initiative von Wal-Mart (“Keine Beziehungen unter den Angestellten”) ist mir jedoch noch sehr im Gedächtnis: auch das war für mich ein Grund, Wal-Mart keinen besonderen Vorzug vor anderen Warenhäusern zu geben. Ich hätte nie explizit gesagt: zu Wal-Mart gehe ich nicht. Aber es blieb einfach ein unangenehmer, bevormundender Beigeschmack hängen, der mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Ich weiß nicht mal, ob die billiger waren als andere.
Mittlerweile versucht auch der Gröbenzeller Handelshof per Dekret der Geschäftsleitung freundlich zu sein: die Kassiererinnen sind angewiesen, jeden Kunden nach dem Bezahlen mit “War alles in Ordnung?” zu entlassen. Wer das dreimal nicht tut, muss mit ernsten Konsequenzen rechnen: von Abmahnungen und Kündigungen ist die Rede. Und mir als Kunde stinkt das: es ist eine Vorschrift, keine Freundlichkeit – das brauche ich nicht. Ich antworte deswegen manchmal mit einem Grinsen “Ich habe nicht überall nachgeschaut”, und die Kassiererin grinst dann verschwörerisch zurück: sie wissen, dass ich weiß, dass der komische Geschäftsführer diesen Blödsinn erzwingen will. Ganz am Anfang hatten sie auch stundenlang “freundlichkeitsfördernde” Lieder laufen: da sang so ein Sunnyboy von seinen superguten Erfahrungen à la “Hey Kumpel, sei doch mal freundlich”. Das war musikalisch und inhaltlich so doof – zu dem auch immer viel zu laut -, dass ich gesehen hab, dass ich schnell wieder draußen war. Mittlerweile haben sie diese Psychokacke gottseidank eingestellt. Sowas kann man vielleicht mit Amerikanern machen – in Deutschland geht es nicht.
Ciao Wal-Mart. Ich werde Euch nicht vermissen.
Samstag, 29.7.06 - by Thomas
Gestern abend mit der “Seeshaupt” über den Starnberger See geschippert, mit dabei waren Andrea, Monika, Lorenz und Barbara. Zwei Dixieland-Bands an Bord, die auch ordentlich eingeheizt haben.
Trotzdem – ein seltsames Unterfangen:
- 22 Euro Eintritt
- Man ließ uns eine geschlagene Viertelstunde in der Sonne stehen, bis wir auf das Boot durften. Kein Grund ersichtlich.
- Alle sinnvollen Plätze waren vor dem Betreten des Boots schon belegt – kenntlich gemacht durch aufgeklebte Zettel, wie “Hedwig 5 Pers.” oder sowas. Haben die mehr bezahlt, oder waren das alles Freunde der Bands? Das änderte sich erst, als es anfing zu regnen und die haute volée sich in die inwendigen Räumlichkeiten begab.
- Lauf-Catering war angesagt. Wer was zu trinken wollte – und das waren sehr viele – mußte endlos Schlange stehen. Da war ich dann mit dem Trinkgeld geizig: gebe ich nur noch für Service.
- Essen holte man sich irgendwo unten im Boot. Wie in der Uni-Mensa, nur 5 mal so teuer. Natürlich auch hier ohne Trinkgeld.
- Kellner ausschließlich Kroaten oder aus der Ecke da unten. Billigjobs, nehme ich an. Die Tische waren nicht abgewischt, etwas klebriger Charme, würde ich sagen.
Fazit: angenehmer Trip, ich bin aber dafür, dass dieses Schiff zum Biergarten erklärt wird, damit man sich seine Brotzeit selber mitnehmen kann. Dann weiß man vorher, was man für 22 Euro Eintritt erwarten kann – und das kann man sich ja dann überlegen. Die mitgebrachte Brotzeit würde auf dem Boot auch niemanden interessieren: Kellner kommen nur zum Einsammeln von Biergläsern. Nett, aber völlig desinteressiert.
Mittwoch, 26.7.06 - by Thomas
Kam heute als eMail:
Gerne möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass der Frühbuchertarif für unsere interdisziplinäre Konferenz „Häusliche Gewalt und Tötung des Intimpartners” (26.-27.09.06 Frankfurt/ Main) und für das Präkonferenzseminar (25.09.2006) am Freitag, den 31.07.2006 ausläuft.
Wir würden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.
Meinen die mich?
Dienstag, 25.7.06 - by Thomas
Der Arbeitskreis Ökumene, dessen Vorsitzender ich bin, hatte auf dem Bürgerfest vergangene Woche 260 Unterschriften gesammelt von Gröbenzeller Bürgern, die sich mit uns dagegen aussprachen, dass der Sonntag dem Kommerz geopfert wird. Diese Unterschriften sollten heute dem Bürgermeister von Gröbenzell überreicht werden. Die lokale Presse war anwesend, der katholische Pfarrgemeinderat und der evangelische Kirchenvorstand – Riesentamtam, auf meine Veranlassung hin organisiert.
Nun ist diese Woche Freundin A. aus Essen mit ihren drei Kindern zu Besuch. Das heißt um 7 Uhr Frühstück mit meinen Kindern (weil die dann zur Schule müssen), um 9 Uhr Frühstück mit A., um 11 Uhr Frühstück mit den Kindern (weil in NRW schon lange Ferien sind), Mittagessen fiel also erstmal aus. Der Tagesrhythmus war nicht so wie sonst.
Und ich? Ich lag um 15 Uhr beim Mittagsschlaf, dachte an dieses, dachte an jenes, überlegte, was man denn noch so machen könnte oder auch nicht – schlafen konnte ich nicht, weil es viel zu heiß ist.
Nur an den Termin beim Bürgermeister – da hab ich mit keiner Silbe mehr dran gedacht. Scheisse.
Sie haben dem Bürgermeister beim Fototermin halt einen Stapel Papiere von dessen Schreibtisch überreicht, denn die Unterschriftenlisten hatte ich ja, und sie liegen immer noch hier. Ich bin mal gespannt, wie das in den Zeitungen morgen kommentiert ist.
Nachtrag 26.7.2006: Ausschnitt aus der Süddeutschen Zeitung, Fürstenfeldbrucker Teil,
Seite 4
Dienstag, 25.7.06 - by Thomas
An den tieferen Sinn der Dinge nicht glauben – das ist die Eigentümlichkeit des absurden Menschen.
Albert Camus (1913-1960)
Montag, 24.7.06 - by Thomas
Im Juli-Cicero legt Robert Spaemann dar, warum es in jedem Falle zu humanitären Widersprüchen führen würde, wenn man die aktive Sterbehilfe auf Verlangen gesetzlich erlauben würde. Folgende willkürlich herausgegriffene Gedanken:
- Darum ist es auch nicht richtig, von einem Recht auf Selbstmord zu reden. Das Recht regelt das menschliche Zusammenleben. Die Handlung, mit welcher jemand aus dem Beziehungsnetz auszuscheiden sucht, das alles Lebendige miteinander verbindet, kann nicht mit den Maßen gemessenen werden, die innerhalb dieses Netzes gelten.
- Wo das Gesetz es erlaubt und die Sitte es billigt, sich zu töten oder sich töten zu lassen, da hat plötzlich der Alte, der Kranke, der Pflegebedürftige alle Mühen und Kosten der Entbehrungen zu verantworten, die seine Angehörigen, Pfleger und Mitbürger für ihn aufbringen müssen [...] Er lässt andere dafür zahlen, dass er zu egoistisch und zu feige ist, den Platz zu räumen. Wer möchte unter solchen Umständen weiterleben?
- Die Frage Gottes [an Kain: "Wo ist dein Bruder"] beschränkt sich nicht nur auf die Forderung, den Bruder am Leben zu lassen, sondern sie enthält die weitergehende Pflicht, zu wissen, wo er ist. [...] Eine säkulare Gesellschaft wird barbarisch, wenn sie auf alle Weisheitstraditionen der Menschheit verzichtet.
- Auch das Sterben ist noch ein Vorgang, der, wenngleich von der Natur verhängt, eingebettet ist in Riten menschlicher Solidarität. Wer sich eigenmächtig aus dieser Gemeinschaft entfernen will, muss das allein tun.
Freitag, 21.7.06 - by Thomas
Ich will dem geneigten Blogleser nicht vorenthalten, was ich mit dem in meinen Garten gefallenen Baum veranstaltet habe. Meine Tochter Lioba war so beeindruckt, dass sie das gleich fotografieren mußte.
Der Nachbar, von dessen Grundstück der Baum stammte, war übrigens nicht zu Hause, als der Riesenkärcher in sein Biotop fuhr. Deswegen hat er sich bei mir mit zwei Flaschen hervorragendem Valpolicella bedankt. Dafür würde ich’s gleich nochmal machen.
Mittwoch, 19.7.06 - by Thomas
In der ZEIT online erschien heute folgendes Bild:

Sind die Israelis jetzt vollkommen verrückt geworden? Erlauben die jetzt schon ihren Kindern, lustige Sachen auf Bomben gegen Menschen zu malen? Was sind denn das für militärische Vollidioten, die sowas gestatten?
Mal Tacheles: Es mag sein, dass das Abschießen von so entsetzlichen, fürchterlichen Sachen wie diesen Bomben für notwendig erachtet wird. Es gibt – wie in der Hisb’ollah – Terroristen, die mit nichts anderem zum Stoppen gebracht werden. Aber sie müssen nicht selbst zum Stoppen gebracht werden, es muss nur verhindert werden, dass sie Unheil anrichten.
Aber diese Scheißraketen werden zu neunundneunzig Prozent Unschuldige treffen. Sie werden Männer, Frauen und Kinder zerreißen, zerfetzen, ihr Gehirn über die Straße pusten, ihre Gliedmaßen um Straßenlampen wickeln, ihnen die Gedärme aus ihren Körpern reißen, ihr Blut über den Schutt verspritzen und ihnen unsägliche Schmerzen zufügen, bis sie elendiglich verrecken. Die Davongekommenen werden schreien und jahrelang nicht schlafen können, sie werden auf einem Bein humpeln für den Rest ihres Lebens, und sie werden mit ansehen müssen, wie ihre Frauen, ihre Männer, ihre Kinder, Nachbarn und Verwandten bestialisch ermordet werden von diesen Maschinen des Teufels. Sie werden ihre Häuser in Schutt und Asche legen, sie werden alles vernichten, woran sie jemals geglaubt haben.
Aha. Und man hat es einem kleinen, israelischen Mädchen erlaubt, auf so eine Maschine auch noch die passenden Worte zu schreiben? Was denn für Worte? To Jazrala with love from Israel? Ist das die Mitgift kleiner israelischer Mädchen an den Massentod? Hat man den Mädchen erklärt, was diese Maschinen tun, wofür sie von kranken Hirnen ersonnen worden sind?
Es ist ein barbarischer Akt, Kindern zu gestatten, solche Entsetzlichkeiten auch noch anzumalen. Diese Kinder werden für den Frieden verloren sein. Wer Kindern so etwas gestattet, der hat es nicht mehr verdient, ein Mensch genannt zu werden. Der hat die Grenze zur Barbarei längst hinter sich gelassen.
Militarschlöcher, israelische.
Nachtrag 25.7.2006: Andere Mädchen, selbe Bombe.
Sonntag, 16.7.06 - by Thomas
Auf der A96 heute morgen ging mir eine Bemerkung aus dem Film “Vaya con dios” nicht aus dem Kopf:
Was ist das bloß für eine gottverlassene Gegend hier!
Darüber nachsinnend kam ich dann auf die Frage, ob es gottlose Menschen gibt, gottlose Orte, gottlose Gesellschaften.
Ich glaube, das gibt es nicht. Aber es ist sehr wohl möglich, dass sich Menschen, Orte und Gesellschaften in einem Zustand beliebiger Gottesferne befinden bzw. befinden können.
Gottlosigkeit ist endgültig. Etwas, was nicht da ist, das gibt es nicht, und es ist auch nicht vorstellbar. So etwa kann der Sorglose sich die Angst nicht vorstellen: es gibt sie für ihn nicht, daher läßt er sich zu Tollkühnheiten hinreißen. Der Hoffnungslose wird sich konsequenterweise umbringen müssen, weil er eine Besserung seines Zustands nicht mehr in den Blick zu nehmen im Stande ist. Der Lieblose reißt einer Fliege die Flügel aus, weil er sich nicht in das andere Wesen hineinversetzen kann: die Fliege ist für ihn ein Ding, mit dem er machen kann, was ihm beliebt.
Gottesferne hingegen sieht von außen durchaus zunächst wie Gottlosigkeit aus – aber eine wie auch immer große Entfernung bleibt dennoch ein wahrnehmbarer Abstand. Und was wahrnehmbar ist, das ist auch bewertbar (zumindest fällt mir im Moment kein Gegenbeispiel ein): das Gute ist zwar fern, aber man weiß immer noch, wo “gut” oder eben “nicht gut” ist.
Das läßt hoffen.
Samstag, 15.7.06 - by Herbert
Mein Kollege Prof. Dr. theol. habil. Norbert Schuster (47), Priester der Erzdiözese Freiburg und Professor für Pastoraltheologie an der KFH Mainz, ist am Mittwoch vormittag gegen 10 Uhr gestorben.
Norbert Schuster war der jüngste Kollege unseres Fachbereiches und der geschäftigste. Er nahm nicht nur seine Professur an unserer Hochschule seit fünf Jahren mit großem Engagement wahr, sondern war gleichzeitig in einem Altenheim, in seiner Wohnpfarrei und in der Hochschule seelsorglich und liturgisch tätig. Er beriet die österreichische Bischofskonferenz und eine Reihe von deutschen Diözesen in pastoralen Fragen und hielt bundesweit Vorträge und Fortbildungen zum Themenschwerpunkt: “Wie bekommt und erhält ein kirchliches Krankenhaus sein kirchliches Profil?” Mit all diesen Engagements schien er mir deutlich überfordet; doch er wollte oder konnte in seinem Engagement nicht nachlassen. Er wirkte ständig wie ein Getriebener. Wer oder was trieb ihn eigentlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass er sich nach Geborgenheit sehnte, einer Geborgenheit, die eine Familie ihm hätte vielleicht geben können. Ein paar Mal schlug ich ihm vor, in den Ferien mal eine Woche gemeinsam zu wandern; doch am Ende fand er auch dazu dann doch immer wieder keine Zeit. Im Gegenteil: Er schlug mir weitere Arbeit vor: z.B. ein gemeinsames Institut zu gründen, in dem die Theologie der Sozialen Arbeit beforscht und gelehrt werden solle. Ich winkte nach einigen Vorarbeiten ab, konnte mir zusätzliche Arbeit derzeit einfach nicht vorstellen.
Wenn er eines wusste – so sagte er aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen mit Krankenhäusern, Demenzkranken und Pflegebedürftigen – so, dass er selbst nie pflegebedürftig werden wolle. Und dies – so wissen wir heute – hat er dann wohl auch mit aller Konsequenz am Ende so gelebt. Obwohl er Fußball sehr liebte, verzichtete er am vergangenen Sonntag abend auf das Anschauen des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, um noch einige Arbeiten fertig zu stellen, die er mir dann per Mail um 22:13 Uhr zusandte. Am Montag früh ließ er sich mit Symptomen, die wohl auf einen Schlaganfall hindeuteten, ins Krankenhaus bringen; dort lehnte er aber – noch bei Bewusstsein oder über Patientenverfügung – alle Hilfen (auch eine Verlegung in die Uniklinik) ab, die lebensverlängernd hätten wirken können. Zwei Tage später, am Mittwoch vormittag, verstarb er.
So wild, selbstbestimmt und konsequent, wie er gelebt hat, ist er wohl auch gestorben. Möge er in Gott die Vollendung und Geborgenheit finden, nach der er sich so sehr gesehnt hat.
Freitag, 14.7.06 - by Thomas
Wie hörte ich eben in einer Sendung?
“Globalization that’s us” – hat da ein Amerikaner ins Mikro genuschelt.
Bitte? Nu reicht’s mir aber. Ich rede ab jetzt wieder so Deutsch wie es irgendwie geht. Deutsch ist nämlich meine Sprache. Und mein Computer heißt ab jetzt wieder Rechner. Hört sich sowieso besser an.
Wer mich also in Zukunft hier mit Anglizismen (Eigennamen natürlich ausgenommen, ich werde nicht auf den Busch klopfen) erwischt, der hat das Recht auf einen gepfefferten Kommentar. Hiermit rufe ich einen Wettbewerb aus, für Denglisch schönes Deutsch zu schreiben.
Erster Vorschlag: Silberscheibchen statt CD!
Und wie nennen wir die DVD? DatenVersenkDing vielleicht? Any ideasHat jemand eine Idee?
Freitag, 14.7.06 - by Thomas
10 Minuten Gewitter – Baum gefällt. Ich hätte das in 10 Minuten niemals fertig gebracht – und das nur mit Luft. Ein fetter Kärcher, würde ich mal sagen.
Das Gewitter hat heute hier mehrfach angesetzt -ist aber nie richtig losgekommen. Aber jetzt!
Dienstag, 11.7.06 - by Thomas
Heute, 11. Juli, ist der Gedenktag des heiligen Benedikt von Nursia, des “Vaters des abendländischen Mönchtums”. Mönche und Nonnen in Klöstern hat es immer gegeben: der Wunsch, sich ganz auf Gott zu beziehen ist in einigen Menschen immer so groß gewesen, dass sie sich aus dem normalen Leben verabschiedet haben.
Benedikts Leistung war vor allem seine Mönchsregel, die nicht so sehr auf Zucht, Ordnung und festgefügte Hierarchien zielt, sondern den ganzen Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Blick nimmt. So ist bei ihm der Abt nicht ein geistlicher Fürst, dem allein aus seinem Amte heraus Ruhm und Ehre zuwächst, sondern der Abt ist in erster Linie der, der zum Diener aller berufen ist – und der am Ende seines Lebens für jeden ihm anvertrauten Mönch Rechenschaft ablegen muss: bin ich ihm gerecht geworden? Auch mit weltlichem Standesdünkel hat Benedikt radikal aufgeräumt: wer zuletzt ins Kloster eintrat, war der letzte in der Reihe, auch wenn er vorher König oder Bischof gewesen war. So konnte der älteste Schweinehirt im Kloster in der Rangfolge vor einem frisch eingetretenen Adeligen stehen.
Das war – und ist heute noch – revolutionär. Ich habe in meiner Zeit im Ottilienkolleg in München selbst erlebt, wie ein (in späteren Jahren erst eingetretener) Mönch auf Grund seines hohen Alters und des im zivilen Leben vorher Geleisteten eine höhere Stellung beanspruchte als andere – er hat sich der Regel beugen müssen (und sowohl er als auch die Gemeinschaft haben das ausgehalten). Gleichwohl wurde von den Jüngeren verlangt, dass sie in ihm das Alter ehrten und ihm manche Schrulligkeit verziehen.
Benedikts Regel funktioniert (fast unverändert, ein paar Züchtigungsstrafen werden nicht mehr vollzogen) heute noch, und sie stellt für jedes Gemeinwesen einen gangbaren Weg dar. Für das Staatswesen hat es J. F. Kennedy (oder Thomas Jefferson) wie folgt zusammengefaßt: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst. Das fordert nun nicht, sämtlichem Individualismus abzuschwören, sondern stellt einen Aufruf dar, seine Talente zum Nutzen aller einzubringen. Bei Benedikt hieß das ora et labora – bete und arbeite.
Nur, was eine “Hemina Wein” ist (die Menge Weins, die der Mönch täglich zu sich nehmen darf), ist anscheinend bis heute für ungeklärt erklärt. Gut so: man muss nicht alles wissen.
Montag, 10.7.06 - by Thomas
In einem Kommentar zum heutigen Evangelium (Mt 9, 18-26) war folgende Pösie zu finden:
Eine Frau, die sich ihre Heilung erschleichen muß
Dem Heiler nähert sie sich bloß hinterrücks
Eine scheue, verstohlene Berührung
Doch als sie spürt, was geschieht
Als der alte Fluss still wird
Und ganz Neues fließt
Das Leben selbst
Da zeigt sie
Sich
Ganz
(Keine Nennung des Autors)
Der Text ist QuaKitsch, mit Verlaub. Er scheint mir auf nichts anderes als auf dreieckige, aber einäugige Optik hin produziert. Nichts von seinem Inhalt findet sich im Bibeltext. Dort gibt es kein Anschleichen hinterrücks, auch kein Erschleichen. Nichts von Scheu, nichts von Verstohlenheit. Auch dass ein Fluß stillsteht, wird nicht erwähnt. Hier steht: sie war geheilt – das ist etwas viel Umfassenderes als Genesung von physischem Leiden. Und sie zeigt sich auch niemandem, auch nicht ganz – was immer Mystifizierendes damit auch ausgesagt sein soll.
Auf diese Weise wird ein schöner, klarer Bibeltext, der nichts anderes zeigt als einen durch seinen Glauben frei und aufrecht gewordenen Menschen, instrumentalisiert: er wird mit emotionaler Gewalt zum Sinnbild des Opferstatus’ der Frau im Allgemeinen umgebogen. So darf man mit Bibeltexten meiner Meinung nach nicht umgehen.
Ärgerlich, wenn man nicht einmal mehr beim Beten Ruhe vor diesem institutionalisierten Unsinn hat.
(Quelle des Textes: Magnificat, das Stundenbuch, Juli 2006, S. 111)
Freitag, 7.7.06 - by Thomas
Jetzt hat es eine deutsche (!) Muslima doch geschafft, durchzusetzen, dass sie mit Kopftuch unterrichten darf. Die Afghanin Fereshda Ludin hat es 2004 aufgegeben, weiter zu kämpfen.
Interessant ist die Begründung, die auf weiten Strecken über die Argumentation “Nonnen dürfen auch in Ordenstracht unterrichten” läuft.
Ich halte diese Gleichsetzung von Nonnen und Musliminnen für falsch, weil sie mit Argumenten geführt werden, gegen die die Nonnen keine Chance haben. Deren Leben läßt sich auf das Leben einer weltlichen Muslima nicht objektiv abbilden – also bekommt die Muslima das gleiche Recht. Dass eine Nonne die gleiche Arbeit, für die die Muslima zum Beispiel voll bezahlt wird, für ein Bruchteil dieses Geldes tut, wird bei der Urteilsfindung keine Rolle gespielt haben, denke ich – wohl aber die Bekleidung …
Religiöse Sektiererei hat im Unterricht nichts zu suchen – ob es sich dabei um christliche, jüdische oder muslimische Sektiererei handelt ist völlig egal. Ein Kreuz an der Wand einer staatlichen Schule ist aber in meinen Augen noch keine Sektiererei, denn das Kreuz ist lediglich ein Symbol des Christentums, auf dem sich unsere Weltanschauung fundamental ableitet. Sie leitet sich bisher noch nicht aus dem Islam ab. Selbstverständlich würde ich aus Rücksicht auf Moslems in einer Staatsschule, in der hautsächlich Muslime unterrichtet werden, nicht unbedingt Kreuze aufhängen – wenn die im Gegenzug bereit wären, das Christentum als gleichberechtigte Mit-Religion zu respektieren.
Sektiererisch halte ich aber dennoch den Versuch, via Gericht ein religiöses Symbol oder dessen Entfernung durchzusetzen. Das ist Rechthaberei, und die widerspricht m.E. allen Religionen, in der die Idee der Nächstenliebe auch nur rudimentär angelegt ist. Die fraglichen Sieger vor Gericht haben zum Schden aller ihren Individualismus durchgesetzt.
Bericht in der ZEIT online, 7.7.2006, 17:33h
Freitag, 7.7.06 - by Thomas
Auszug einer Meldung bei heise online:
der Deutschen Telekom geht es darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Content zur Kasse zu bitten. Sie wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig beispielsweise von Quelle, Dienst und Bandbreitenhunger. So könnten sie dann Datenverkehr etwa von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln oder Wettbewerber für ihr Festnetzgeschäft in Form von VoIP-Anbietern an den Rand drängen.
Das ist keine Spekulation: die nehmen das aktive Behindern ernst, wie dieser Beitrag (ebenfalls heise online) belegt.
GEHÖRT denen das Internet? Oder ist das vergleichbar mit einem reichen Unternehmen, das alles Frischwasser aufkauft, um es für teures Geld an Bestzahler zu verkaufen – der Rest kann Brackwasser trinken?
Donnerstag, 6.7.06 - by Thomas
Meine Schwägerin, die übrigens nächstes Jahr fünfzig wird, liebt mich. Und da sie der Meinung war, ich solle mal das T-Shirt wechseln, hat sie mir passend zum Anlaß ein Neues geschickt.
Möglicherweise hat sie sich was dabei gedacht. Ich komm bloß nicht drauf. Ich habe jetzt Zeit, ein Jahr lang was Passendes zu suchen. Wart’s nur ab …
Mittwoch, 5.7.06 - by Thomas
Manchmal … wird ein wenig geschummelt, und eine Arbeit besteht im Wesentlichen aus exzessivem Gebrauch von Copy und Paste, gefolgt von eine Umformatierung in WORD (wenn noch Zeit bleibt).
Die TU Braunschweig hat sich des Problems angenommen und einen Plagiatefinder entwickelt. Scheint notwendig zu sein im Internet-Zeitalter.
(gefunden bei heise online)
Dienstag, 4.7.06 - by Thomas
Gerade “Und täglich grüßt das Murmeltier” geguckt, weil Elfmeterschießen war eh klar, brauch ich die Vorbereitung nicht extra anzuschauen.
Bill Murray mit der deutschen Stimme von Tom Hanks. Er muß so oft denselben Tag durchleben, bis frau sagt: “so gefällst Du mir” – sonst kommt er nicht aus dem Loop raus. Allein Klavier spielen lernen kostet mindestens 1000 mal denselben Tag.
Mannomann. Kein weiterer Kommentar hier.