+ Norbert Schuster
Mein Kollege Prof. Dr. theol. habil. Norbert Schuster (47), Priester der Erzdiözese Freiburg und Professor für Pastoraltheologie an der KFH Mainz, ist am Mittwoch vormittag gegen 10 Uhr gestorben.
Norbert Schuster war der jüngste Kollege unseres Fachbereiches und der geschäftigste. Er nahm nicht nur seine Professur an unserer Hochschule seit fünf Jahren mit großem Engagement wahr, sondern war gleichzeitig in einem Altenheim, in seiner Wohnpfarrei und in der Hochschule seelsorglich und liturgisch tätig. Er beriet die österreichische Bischofskonferenz und eine Reihe von deutschen Diözesen in pastoralen Fragen und hielt bundesweit Vorträge und Fortbildungen zum Themenschwerpunkt: “Wie bekommt und erhält ein kirchliches Krankenhaus sein kirchliches Profil?” Mit all diesen Engagements schien er mir deutlich überfordet; doch er wollte oder konnte in seinem Engagement nicht nachlassen. Er wirkte ständig wie ein Getriebener. Wer oder was trieb ihn eigentlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass er sich nach Geborgenheit sehnte, einer Geborgenheit, die eine Familie ihm hätte vielleicht geben können. Ein paar Mal schlug ich ihm vor, in den Ferien mal eine Woche gemeinsam zu wandern; doch am Ende fand er auch dazu dann doch immer wieder keine Zeit. Im Gegenteil: Er schlug mir weitere Arbeit vor: z.B. ein gemeinsames Institut zu gründen, in dem die Theologie der Sozialen Arbeit beforscht und gelehrt werden solle. Ich winkte nach einigen Vorarbeiten ab, konnte mir zusätzliche Arbeit derzeit einfach nicht vorstellen.
Wenn er eines wusste – so sagte er aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen mit Krankenhäusern, Demenzkranken und Pflegebedürftigen – so, dass er selbst nie pflegebedürftig werden wolle. Und dies – so wissen wir heute – hat er dann wohl auch mit aller Konsequenz am Ende so gelebt. Obwohl er Fußball sehr liebte, verzichtete er am vergangenen Sonntag abend auf das Anschauen des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, um noch einige Arbeiten fertig zu stellen, die er mir dann per Mail um 22:13 Uhr zusandte. Am Montag früh ließ er sich mit Symptomen, die wohl auf einen Schlaganfall hindeuteten, ins Krankenhaus bringen; dort lehnte er aber – noch bei Bewusstsein oder über Patientenverfügung – alle Hilfen (auch eine Verlegung in die Uniklinik) ab, die lebensverlängernd hätten wirken können. Zwei Tage später, am Mittwoch vormittag, verstarb er.
So wild, selbstbestimmt und konsequent, wie er gelebt hat, ist er wohl auch gestorben. Möge er in Gott die Vollendung und Geborgenheit finden, nach der er sich so sehr gesehnt hat.



Norbert Schuster hat 1986 meinen Vater beerdigt, mit einer wunderbaren Predigt, an die ich heute noch gerne denke. Wir haben während seiner Zeit in Pforzheim wunderbare Gepräche mit ihm geführt, ein Zitat von ihm ist bis heute mein Wegbegleiter: “Unser Herr Jesus hat wesentlich mehr Zeit seines Lebens auf Festen verbracht als am Kreuz”. Wir haben über Internet all die Jahre seinen Werdegang beobachtet und hatten uns oft vorgenommen, ihn zu besuchen. Aber wie das Leben so spielt, ständig war etwas anderes. Es zeigt einmal mehr, man soll nichts aufschieben.
Ich bin sicher, er hat in Gott seine Vollendung gefunden.
Ergreifend nach unserem letzten Treffen vor etwa 30 Jahren zufällig so eine Abschiedsgeschichte zu lesen. Ob eine Familie hilft, diese Sehnsucht zu kompensieren? Zum “Schluss” werde ich es vielleicht wissen. Good luck!
Meine Frau, meine drei Töchter und ich haben Norbert Schuster in den 1980er-Jahren kennen und schätzen gelernt, als er Pfarrer in Hecklingen im Breisgau war. Seine Meßfeier hat uns so sehr zugesagt, daß wir lange Zeit aus unserer Gemeinde in der Nachbarschaft von Hecklingen sonntags zu Schuster in die Kirche gefahren sind. Manches gute Gespräch mit unvergeßlichen Äußerungen Schusters hat sich der Liturgie angeschlossen, auch ein Viertele und eine Laugengrezel ergänzten manchmal körperlich die seelische Komponente. Auf der Suche im Internet nach einem Buch von ihm stieß ich auf obigen Text seines Todes. Daß er nicht mehr lebte, war mir bekannt. Aber auch 5 Jahre nach seinem Tod bleibt er mir unvergessen.
Am Vorabend seines Geburtstages, auf der Suche nach Literatur ist mir der treffende Nachruf untergekommen.
Jetzt noch arbeite ich an manchen Ideen, die er, die wir, auch gemeinsam entwickelt haben.
Viele Fragen mussten offen bleiben.