Was sollen eigentlich Gender-Theorien?

Der heute sehr geläufig gewordene Begriff “gender” (oft auch: “gender studies”) bezeichnet im Gegensatz zu “sex” das nicht biologisch vorgegebene Geschlecht eines Menschen, sondern all jenes, was allein durch kulturelle Konstruktion mit dem jeweiligen Geschlecht verbunden wird. Dass diese Unterscheidung zwischen sex und gender selbst vernünftig erscheint, steht außer Frage: neben biologischen Vorgegebenheiten gibt es in jeder Kultur ohne Frage gewachsene Rollenerwartungen und -zuschreibungen, die mit dem jeweiligen Geschlecht verbunden werden.

Moderne Gender-Theorie freilich geht im Anschluss an JUDITH BUTLER (Gender Trouble 1990) vielfach davon aus, dass jegliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft ALLEIN auf kulturell gewachsene Zuschreibungen und nicht auch – zumindest zum Teil – auf geschlechtlich unterschiedliche Vorgegebenheiten (sex) zurückzuführen sei. Vor diesem Hintergrund wird dann verlangt, dass Frauen wie Männer in der Gesellschaft z.B. in gleichem Maße in bestimmten Berufsgruppen vertreten sein oder in gleichem Verhältnis Parlamenten angehören sollten, ohne in Erwägung zu ziehen, dass diese das aufgrund ihrer biologisch unterschiedlichen Vorgegebenheiten vielleicht garnicht möchten oder können.

Dermaßen extrem formulierte Gender-Auffassungen nehmen die biologisch vorgegebene Unterschiedenheit der Geschlechter und damit die durch die Schöpfung gegebene Andersheit der Geschlechter nicht ernst. Sie betrachten den Menschen – auch hinsichtlich seiner geschlechtlichen Prägung – als ausschließlich selbstkonstruktiv und stehen damit einer theologischen Anthropologie, die die vorgegebene Unterschiedenheit der Geschlechter in ihrer Differenziertheit als Geschenk Gottes annimmt, entgegen.

Näheres dazu bei: O. BOULNOIS, Haben wir eine geschlechtliche Identität? Ontologie und symbolische Ordnung/H.-B. GERL-FALKOVITZ, Gender: Eine Theorie auf dem Prüfstand, beide in: IKZ Communio 35 (2006) 336-354/355-269

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