Zwei Paar Stiefel

“Private Lebensweise und politisches Handeln sind zwei Paar Stiefel”, sagte Walter Eykmann, katholischer Kirchensprecher der CSU-Fraktion, zu SPIEGEL ONLINE.

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Eykmann hat das im Zusammenhang mit Kardinal Meißners Äußerungen gegenüber Horst Seehofer geäußert – und dann noch mit dem Balken-Splitter-Augen-Zitat nach Meißner geworfen.

Da kann ich Herrn Eykmann nicht zustimmen. Private Lebensweise und politisches Handeln sind nicht grundsätzlich zwei Paar Stiefel. Ich hätte lieber Politiker, die ich als integre Persönlichkeiten kenne – integer heißt soviel wie “durchgängig abschätzbar”.

Ich möchte hier kein Beispiel konstruieren, aber es sollte jedem klar sein, dass jemand, der privat anders handelt als öffentlich, über kurz oder lang erpreßbar wird. Was macht er denn, wenn irgendeine Gazette – nennen wir sie beispielsweise Blödzeitung – droht, Fakten aus “dem anderen Leben” zu veröffentlichen? Wissen wir denn, wie lange Seehofer schon von der Veröffentlichung wußte, bevor die Blödzeitung zuschlug? Können wir sicher sein, dass nicht vor der Veröffentlichung enormer Druck gemacht worden ist? Wollen wir Menschen in den Schaltzentralen, die ihre ganze Kraft auf die Vermeidung von Veröffentlichung privater Details einsetzen müssen?

Politiker sind keine Übermenschen – wir sollten von ihnen nicht mehr fordern als von uns selbst. Auch bin ich der Meinung, dass Horst Seehofer ein Privatleben haben darf, das uns alle nichts angeht. Der Kardinal hätte sich besser zurückgehalten: denn das geht auch ihn nichts an. Dass die Kirchen jedoch in wahrnehmbarer Weise dafür eintreten, dass sich “Private Lebensweise und politisches Handeln” so einheitlich wie möglich gestalten, dem stimme ich zu.

Eine polternde Generalisierung wie die von Herrn Eykmann kann ich nicht gelten lassen. Und das Abfeuern von Bibelzitaten wie Rohrgranaten halte ich für ganz schlechten Stil.

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