Mittwoch, 2.5.07 - by Thomas
Heute wollte ich von Gröbenzell nach St. Ottilien.
Kann man sich auch via Internet wunderbar einen Fahrplan für anzeigen lassen. Allerdings kein Online-Ticket ausdrucken: bei 5,90€ Fahrpreis meint die Maschine lapidar “Fahrpreis zu gering für Online-Buchung”. Auf Deutsch heißt das: “Sieh selber zu, wie Du an das Ticket kommst – mir doch egal. Du Kunde, du Arsch.”
Also bin ich notgedrungen ohne Ticket zur S-Bahn gegangen, in der Annahme, ich müsse mir jetzt dort erstmal eins bis Pasing kaufen und dann dort eins bis nach St. Ottilien. Weit gefehlt: in Gröbenzell konnte man am Automaten ein Ticket nach St. Ottilien erstehen – für 5,90. Sogar die Berechnung mit der Bahncard 25 hat gestimmt: der Normalpreis ist 7,90€. Rückfahrkarten gibt es allerdings nicht.
In St. Ottilien angekommen, wollte ich mir gleich einen Rückfahrschein kaufen – geht nicht, denn Gröbenzell bietet dieser Automat nicht an. Man konnt allerdings einen Fahrschein für 10€ kaufen: “falls das Ziel in der Liste nicht aufgeführt ist, drücken Sie als Fahrtziel bitte 9999″ – das ergibt 10€, Bahncard-Ermäßigung funktioniert in diesem Falle allerdings nicht. Wenn man jetzt Betreiber der Deutschen Bundesbahn wäre, würde man das knallhart wörtlich nehmen dürfen und sich ein Ticket nach Stralsund für 10€ kaufen. Da man aber keine juristische Abteilung hat, kann man sich allenfalls verarscht vorkommen: wie soll ich mir jetzt ein Ticket nach Gröbenzell kaufen? Muss ich noch 4,10€ Strafe dafür zahlen, dass Gröbenzell der Bahn zwar von Uffing aus bekannt ist, aber nicht von St. Ottilien aus?
Ach Blödsinn: jemand war so nett, mich nach Geltendorf zu fahren, und dann habe ich die S-Bahn genommen. Wenn die Bahn nur ein Zehntel so flexibel und freundlich wäre wie sie das von ihren Kunden verlangt, dann wäre das Bahnfahren wirklich in Ordnung. Aber mit diesem auf’s Geld schielenden Kaufmannsverein wird das nichts: die wollen abzocken, nicht befördern – zum Schaden ihrer Kunden.
Mittwoch, 2.5.07 - by Thomas
Heute feiert meine Tochter Judith ihren 20. Geburtstag, wird also heute 19.
Ich weiß (natürlich) noch, wie sie 1988 geboren wurde: es war ein strahlend schöner Frühlingstag, wie sich das ja auch gehört, wenn man eine Tochter bekommt. Wir wussten nur damals nicht, dass es eine Tochter wird, deswegen hatten wir uns auf entweder Judith oder Johannes geeinigt. Johannes deswegen, weil vor Ostern 1988 ihr Onkel Johannes auf der Autobahn bei Holzkirchen tödlich verunglückt ist. Aber unser Johannes ließ sich Zeit: er kam erst am 31.12.1989.
Bevor wir ins (pränatal also) Krankenhaus fuhren, haben wir natürlich sämtliche Eltern und Schwiegereltern angerufen: die trafen sich dann in Trier bei meinen Eltern zum Nachmittagskaffee. Meine Schwiegermutter erzählt heute noch gern, dass sie draußen auf der Terrasse in ungeduldiger Erwartung der Geburtsanzeige gesessen hätten und sich alles ausgemalt hätten, was hätte passieren können. Aber im Hintergrund habe sie immer eine Nachtigall singen hören, und da habe sie gewußt: es wird schon alles gut gehen. So war’s dann auch.
Die ersten vier Jahre ihres Lebens verliefen einigermaßen friedlich, problematisch wurde es erst 1992 anläßlich der Trennung. Ich weiß noch, dass sie schrecklich weinte, als ihre Mutter wutentbrannt das Haus für immer verließ – obwohl uns allen das damals noch nicht so klar war. Ich fragte sie dann, warum sie denn so schrecklich weinte, die Mama käme doch irgendwann wieder, da wäre ich ganz sicher. Da meinte sie: “Aber was sollen wir denn jetzt essen? Ich habe so einen Hunger, und Du kannst doch gar nicht kochen!”. Da musste ich ihr Recht geben, also fing ich an diesem Tag an, das Kochen zu lernen. Damals gab es Apfelpfannekuchen, und seitdem jeden Tag was. Gerade vorgestern kam sie aus der Schule und schlich so lustlos rum, da fragte ich sie:
- “Was ist denn mit dir los? Geht’s Dir nicht gut?”.
- “Nä, ich bin irgendwie schlecht drauf heute. Was gibt’s denn zu essen?”
- “Na, ich hab Gulasch mit Kartoffeln und Rotkraut gemacht.”
- “Siehst Du, jetzt geht es mir gleich schon wieder besser.”
Nach der Trennung war sie dann mit Johannes 4 Jahre bei der Mutter. Über diese Zeit weiß ich wenig, oft hatte ich streckenweise einseitig verhängte Kontaktsperre. Ich bin damals ab und zu mit dem Fahrrad von Gröbenzell nach Olching gefahren, wo sie die 1. Klasse in der Martinschule besuchte, um sie von der Schule abzuholen und nach Hause zu begleiten. Das mussten wir heimlich machen, aber ich hatte mit der Rektorin der Martinschule eine Sondervereinbarung, dass ich das ohne Einverständnis der Mutter machen konnte, solange ich das Schulhaus nicht betrat. Dieser Rektorin bin ich bis heute dankbar: sie hatte nämlich Ähnliches erlebt mit ihrem Sohn, der ihr von dessen Vater auf nämliche Weise entzogen wurde. Daher konnte sie sich im Gegensatz zu manchen Jugendamtsmitarbeiterinnen sehr gut vorstellen, wie schlimm das für Eltern und Kinder ist, wenn sie sich nicht sehen dürfen. Jedenfalls bin ich mit Judith dann immer ganz langsam nach Hause geschlendert, nicht ohne einen Umweg über die Apotheke, wo man immer eine Tüte Bonbons kaufen konnte. Ich glaube, sie hat das nie zu Hause erzählt, sonst wäre das sicher abgestellt worden.
1996 kamen Judith und Johannes dann zu mir. Judith zog in Liobas Zimmer. Ich habe anfangs nie gemerkt, dass die Judith überhaupt keinen eigenen Platz hatte, während die Lioba sich immer beschwerte, dass Judith einfach ihre Sachen mitbenützte. Da sind wir zwei dann mal zum Ikea gefahren und haben ein IVAR-Regal gekauft, in dem sie dann ihr Zeug aufbewahren konnte.
Einmal haben wir zwei zusammen einen Kurzurlaub am Bodensee gemacht: da waren wir in einem schönen Hotel, und sie verlustierte sich hauptsächlich im Schwimmbadbereich. Einen Tag waren wir zusammen in Konstanz und haben uns den Ötzi im Museum angeschaut – das war schon sehr beeindruckend. Und abends waren wir zu einem Chor-Konzert im Inselkloster Reichenau.
Liebe Judith: ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag! Ich bin froh, Dich zu haben! Aber eine Flasche Asti mit in die Schule zu nehmen – auch am Geburtstag -: das geht nicht, da muss ich energischen Einspruch erheben. Den trinken wir heute nachmittag dann lieber zu Hause!