Archive for März 31st, 2008

Bahnräuber

Ich brauche eine neue Bahncard, weil ich am Freitag verreisen möchte.

Also zuerst ins Internet geschaut: alles super, aber man kriegt sie erst in 14 Tagen. Dort wird auch was von “Sie können sie zwei Tage nach Bestellung im Internet zum Ausdruck bereitstellen lassen, wenn sie sie vorher brauchen”. Aber ich gehe mal davon aus, dass das nicht klappen wird – und ich dann am Freitag mit gekaufter Fahrkarte als Schwarzfahrer dastehe.

Also im Reisebüro angerufen. Kein Problem, Bezahlung ist – im Gegensatz zum Internet1) – auch mit VISA-Card möglich. Alle Daten telefonisch rübergegeben, Formular ist ausgefüllt. Kostet 55,– € + 3€ Bearbeitungsgebühr.

Hä? Ich will eine Bahncard für 55€, wie sie beworben wird, nicht für 58€, wo sich noch irgendeiner ein paar schnelle Euros hinterherzockt. Das sage ich der Dame auch, aber die begründet das damit, dass die Bahn keine Vermittlungsprovision mehr bezahlt. Die lassen also andere Leute knallhart ohne Gegenleistung ihr Geschäft machen. Da schnappst Du nach Luft: die kriegen das durch! Ich bin sprachlos.

Aber – ist das mein Problem? Ich sage der Dame, dass ich dafür nichts kann – und dass es nicht mein Problem ist. Sehr wohl aber, dass jeder sich neuerdings noch mit einem nicht gerade unerheblichen Betrag an alles mögliche dranhängt2). Sie konnte wohl merken, dass mir das Ernst war: ich nehme das Ding nicht für 58€, und den Service, den sie mir zu bieten glaubt, empfinde ich nicht als solchen: ich muss ja schließlich auch noch da hinfahren!

Jetzt verzichtet sie auf die Bearbeitungsgebühr. Das würde ich an ihrer Stelle nicht tun, sondern meine Zusammenarbeit mit der Bahn großflächig überdenken. DER ist ja nun nicht der kleinste Geschäftspartner, den die Bahn hat!


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Fußnoten:
  1. Da geht für die BahnCard nur Lastschrift. Fahrkarten kann man allerdings auch mit VISA bezahlen [ ]
  2. Versandhäuser zum Beispiel. Kann man sehr billig einen Bürostuhl kaufen. Dann kommt noch Versand drauf. Und Verpackungsgebühren. Und Versicherungspauschale. Damit ist ein Händler, der ehrliche Inclusivpreise anbietet, schon von vornherein im Nachteil. [ ]

Kohlympia

Olympia-Boykott?

Die Chinesen treten die Menschenrechte mit Füßen1) – in Tibet seit Jahrzehnten, und ansonsten ist man auch nicht zimperlich. Und wenn sich Widerstand regt, dann hauen sie drauf, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist das Verhalten eines Kolonialherren, nicht das eines Mitglieds der Weltgemeinschaft. So zumindest sehe ich das als Europäer.

Nun haben sie ja die Olympiade aus unerfindlichen Gründen an Land gezogen – und wollen damit Weltoffenheit demonstrieren. Was sie wollen und was sie tun, sind hier zwei ziemlich unterschiedliche Paar Stiefel: der eine elegant und mondän, der andere grob und in Militärausführung. So beschuht läßt sich schlecht laufen, und hier hinkt nicht der Vergleich, sondern der, der’s versucht.

Zufällig hat die Welt gerade ein gutes Druckmittel: den Boykott der olympischen Spiele in Peking. Aber dieses Druckmittel wird nicht genutzt – unter Hinweis darauf, dass diplomatisches Handeln statt Boykott sinnvoller sei. Wer glaubt denn sowas angesichts brutaler Gewalt?

  • Die Politik. Um es sich mit dem wichtigen Auftraggeber China nicht zu verscherzen, werden ein paar tote Tibeter (und ein ganzes unterdrücktes Volk) mal schnell zum kleineren Übel. Die Bundeskanzlerin kann den Dalai Lama leider nicht empfangen, das mögen die Chinesen nicht so gerne, und deswegen hat die Bundeskanzlerin leider keinen Platz im Terminkalender.
  • Das nationale Olympische Komitee: Die “Spiele” bringen Geld, Geld, Geld, Kohle ohne Ende. Da nicht hinzufahren schafft zwar ein gutes Gewissen, aber die Taschen der Funktionäre werden nicht voll davon: sie hatten sich mehr erwartet als jetzt schon darin gelandet ist. Deswegen wird flugs die Ausrede “Sport hat mit Politik nichts zu tun” auf die Fahne geheftet.

Kann ich nicht verstehen. Hier gehört eine klare Haltung hin. Ich zumindest schaue mir keinen einzigen Wettkampf an, das steht fest. Ich will mit dieser Olympiade nichts zu tun haben. Ich will, dass die Chinesen mit dem Dalai Lama auf gleicher Augenhöhe reden – und dass Tibet ein freies Land ist.

Nachtrag: China zeigt der EU mit deutlichen Worten einen Vogel. Findet die EU genauso deutliche Worte?


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Fußnoten:
  1. Sie sind nicht die einzigen. Das tun die Amerikaner auch, und in Amerika sitzen pro 1000 Einwohner wesentlich mehr Menschen im Knast als in China. Es werden dort auch mehr Todesurteile vollstreckt als in China. Weiß ich, aber darum geht es jetzt nicht. [ ]