Archive for April, 2008

Böser Fehler

Da hat Bernd aber einen bösen Fehler gemacht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Professor S. Rattelschneck gerade Urlaub in seinem Weinberg machte. Und Professor Rattelschneck ist der bekannteste Schneckenpathologe von ganz Deutschland. Der kriegte sogar mal über den Reifenabdruck die Autonummer eines LKWs raus, der auf der A8 kurz hinter Odelzhausen eine Vertreterin der Gattung Helicidae plattgemacht hatte.

Auf Bernd wird da jetzt Einiges zukommen, schätze ich. Wer schießt auch auf Schnecken?

Pi Euro

Ich bin gerade mal bei simyo vorbeigegangen: ich bin seit 1.6.2005 bei denen unter Vertrag. Das ist eine Prepaid-SIM-Karte1), die Abwicklung verläuft komplett über’s Interet. Alles sehr übersichtlich, keine Probleme. Jede Einzahlung kann man sich anzeigen lassen, alle Gespräche werden aufgelistet, wenn man will.

Ich habe da – laut deren Aufstellung – seitdem 125€ vertelefoniert, davon waren 15€ Gutschriften wegen Freundschaftswerbung. 110€ / 35 Monate = ungefähr 3,14€ / Monat.

π Euro im Monat – das ist ein verdammt guter Schnitt für das Gefühl, erreichbar zu sein, wenn man will und jederzeit telefonieren zu können.

Allerdings kann das jetzt etwas teurer werden. Seit gestern habe ich ein iPhone, und für 1 MB Datenverkehr wollen sie 24c. Ich glaub, da hab ich gestern gleich mal 20c gnadenlos verzockt.


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Fußnoten:
  1. Das Handy muß man sich selber besorgen. Das war 2005 noch nicht selbstverständlich: damals ging man davon aus, dass zu einem Handy-Vertrag auch ein Handy dazu gehörte. Aber damals war der Markt schon genügend mit Handys aus Altverträgen gesättigt, die noch vernünftig funktionierten und die man durch Nachfrage bei Freunden und Bekannten abstauben konnte. Danke, Werner! [ ]

Besser jetzt

Voller Wut über unwillkommene Arbeiter in seinem sorgfältig eingezäunten Weinberg erledigte Bernd das Problem mit zwei Schuß aus seiner illegal erworbenen Beretta M9.

Versteckwörter

Da ist gestern ein ICE mit Tempo 220 in einen Knäuel Schafe gedonnert, die eine Höhlenwanderung bei Fulda gebucht hatten. Die Schafe haben das Gedonner mehr oder weniger nicht überlebt – wohl aber die Reisenden des ICE, von denen zwar einige schwer verletzt wurden – aber gestorben ist niemand.

Nun ist es Sache der Pressesprecherinnen, die Sache der Öffentlichkeit zu verklickern.

Das ist eine interessante Entwicklung. Man weiß: Pressekonferenzen bei Katastrophen sind kein Zuckerschlecken. Da kommt schnell ein Schlaumeier daher und fragt: “Wie hat denn sowas überhaupt passieren können? Wieso hat die Bahn am Tunneleingang niemanden rumstehen, der die Schafe alle wieder heimschickt?”. Das gibt schweren Zoff, und Pressevertreter achten weder ihre noch sonst jemandes menschliche Würde, denn ihr Blatt oder ihr Sender will Blut schreiben/senden, denn das macht Auflagen/Einschaltquoten, und das bringt Kohle

Nun ziehen die Konzerne bzw. Organisationen nach und schicken nur noch Frauen an die Front. Wahrscheinlich, weil Pressevertreter vor Frauen doch noch etwas mehr Restanstand bewahren als vor Männern. Frauen werden – so beobachte ich bei Pressekonferenzen – nicht ganz so scharf herangenommen wie ihre männlichen Kollegen. Der Magen dreht sich etwas schneller um, könnte man auch sagen.

Aber auch Frauen lieben die Behördensprache, denn hinter einem Abstraktum kann man sich besser verstecken als hinter klaren Worten. Behördenwörter sind ihrer Ausdruckskraft entkleidet – sie stehen für nichts, sie riechen nach nichts, sie veranschaulichen nichts. Deswegen ist das Kernwort einen Behördenausdrucks meistens sehr kurz, ihm sind aber eine Menge Vorsilben vor- und nachgestellt. Vorwiegend handelt es sich um substantivierte Verben: allein der Prozeß des Substantivierens wirkt so, als würde man die braune Farbe aus dem Kaffee ziehen.

So sind sie jetzt dabei, die Lokomotiven und Wagen des ICE wieder auf die Schienen zu setzen, damit sie sie rausziehen können. Die Pressesprecherin machte sich den bahninternen Ausdruck dafür zu eigen: “Die hintere Zugmaschine1) wurde aufgegleist“. Schwachsinnige passivische Doppelwortkonstruktion. Gleichzeitig faselte die Polizeisprecherin von “Schafen im Gleisbereich“. Quatsch. Die Schafe waren auf den Schienen. Wenn sie nur “im Gleisbereich” gewesen wären, wäre gar nichts passiert.

Das sind Wörter wie holländische Tomaten: sehen aus wie … aber ohne jedweden Inhalt.


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Fußnoten:
  1. Zugmaschine? Das ist eine Lok, von mir aus auch ein Triebkopf. Aber hinten ist keine Zugmaschine! [ ]

Werbung?

Apotheken-Werbung am Pasinger BahnhofSeit einiger Zeit sehe ich immer häufiger Werbung für Apotheken. Müssen sie wohl – denn hier in Gröbenzell gibt es allein 4. Man kann es sich an den Fingern einer Hand abzählen: vom Medikamentenverkauf können die in dieser Zahl nicht leben.

Die Werbung ist aber ausschließlich auf spezielle Apothekerdienstleistung ausgerichtet und zudem hübsch personalisiert: da steht immer ein Name drunter, als gäbe es in jeder Apotheke jemand, der einen finnisch-israelischen Vornamen trägt, weil man damit besser Blutdrücke messen kann.

Da fragt man sich: cui bono – wem nützt so eine Werbung? Da es sich um eine allgemeine Apothekenwerbung handelt, machen die Apotheken sich also untereinander keine Konkurrenz damit. Sind die Internet-Apotheken ins Fadenkreuz des Apothekerverbands geraten?

Manchmal frage ich mich: wofür geben die das ganze Geld aus? Irgend ein Funktionär wird es wissen. Zahlt ja die Kasse.

Mehdorn raus!

Die Bahn kann nicht privatisiert werden.

Hartmut Mehdorn hat in den letzten Jahren einen Kahlschlag an öffentlichem Eigentum durchgezogen, der jegliches Augenmaß verloren hat. Dazu gehört:

  • Die profitablen Interregio-Linien sind weggemäht worden, denn sie haben dem unprofitablen ICE Kunden weggenommen.
  • Im Zuge der Abschaffung der Interregio-Linien sind große Städe und Großstädte praktisch vom Fernnetz der Bahn abgekoppelt worden. Trier (um die 100.000 Einwohner) ist praktisch nur noch per Nahverkehrszug zu erreichen: das kostet die Reisenden Stunden.
  • Es sind Milliarden in den ICE investiert worden. Der fährt aber nur die allergrößten Städte an – und zufällig noch die, die einigermaßen profitabel auf den Verbindungsstrecken liegen.
  • Die Bahn ist auf brutale Weise börsentauglich gemacht worden, indem ihr das eigentliche Ziel genommen wurde: sie soll jetzt Profit bringen, statt dass sie ihre öffentliche Aufgabe der Personenbeförderung wahrnimmt.

Die Bahn wird dem Staat immer auf der der Tasche liegen – genauso wie das Straßennetz oder die Abfallentsorgung. Solche Aufgaben lassen sich nur dann profitabel gestalten, wenn man nur die “großen” Verbraucher wie die Metropolen bedient – und alle anderen rigoros und restlos links liegen läßt.

Das wiederum wird dazu führen, dass die Bewohner mehr und mehr auf private Initiativen setzen – also Auto fahren, und wenn sie damit einmal angefangen haben, werden mehr und mehr Straßen gebraucht und mehr und mehr fossile Energie muß zu immer teureren Preisen eingekauft werden.

Eine Politik, die von nachhaltiger Energienutzung spricht, kann die Bahn nicht privatisieren – sie kann nur eins tun: Hartmut Mehdorn schleunigst rausschmeißen und die Bahn in die Hände verantwortlich wirtschaftender Manager zurückgeben.

Wer die Bahn privatisiert und so vom Volk über Steuergelder geschaffene Werte an Privatinvestoren verschenkt, der handelt nicht im Sinne des Volkes. Auch nicht dann, wenn sie vorerst nur 25% verschenken wollen: das wird ganz schnell mehr werden.

Benutzername

Oft schon hat es mich genervt, dass ich auf meinem Mac1) einen viel zu langen Benutzernamen angegeben hatte: jetzt muss man für sein Leben lang immer “thomasreuter” zum Anmelden eingeben2).

Jetzt habe ich dank dieses Artikels hier endlich herausgefunden, wie man da nachträglich noch eingreifen kann. Es gibt drei unterschiedliche Methoden:

 

  • Man macht sich einfach ein Alias auf den Benutzernamen. Dann meldet man sich mit dem Alias-Namen an, sonst bleibt alles gleich.
  • Man ändert den Benutzernamen tatsächlich. Das ist schon gefährlicher.
  • Oder man ändert Benutzernamen und den Namen des Benutzerordners. Das ist am Allergefährlichsten.

 

Hier nur mal kurz, wie man sich unter Leopard einen Alias-Namen verpaßt (unter MacOS 10.4 “Tiger” kann ich das leider nicht ausprobieren): —-» Benutzername weiterlesen …


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Fußnoten:
  1. gilt nur für Mac. Unter Windows habe ich keine Ahnung [ ]
  2. Es gibt in meinem Umfeld einige Leute, die haben sich gedacht: dann ändere ich einfach den Namen meines Benutzerordners. Das war’s dann: der Mac benimmt sich ab dann ungewöhnlich, und alle eMails, Adressen und sonstige wichtige Dinge sind verschwindibus. Man kann sie auch nicht wiederherstellen, wenn man auf den alten Namen zurückändert … [ ]

Gottesbezug

Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu; es kommt nicht darauf an, ob der Träger sich dieser Würde bewußt ist und sie zu wahren weiß. Die von Anfang an im menschlichen Sein angelegten potenziellen Fähigkeiten genügen, um die Menschenwürde zu begründen.1)

Der 2. Satz ist interessant: es kommt gar nicht auf die Entwicklung der angelegen Potenziale an – es reicht, dass sie da sind, und sie sind ohne jegliches “technische” Zutun seitens des Menschen, wie, wann und wo auch immer, da. Also haben – im Gegensatz zur Auffassung von Prof. Julian Nida-Rümelin – auch ein schwerst Debiler, ein Schlafender oder ein einjähriges Kind eine unantastbare Menschenwürde, obwohl sie nachweislich nicht in der Lage sind, sie für sich zu wahren, wenn ein anderer sie ihnen wegnehmen will. Aus dem 2. Satz lese ich einen wenig verklausulierten Gottesbezug unserer Verfassung heraus – um welchen Gott auch immer es geht, jedenfalls ist das kein Mensch.

Das steht so im Gesetz – und ich hoffe, wir kommen nicht drumrum.


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Fußnoten:
  1. Urteile des Bundesverfassungsgerichts, Band 39,1, S. 41 [ ]

Phonzert

Mein Sohn war gestern abend auf einem Konzert. Hab ich ja nicht so gerne, denn im Moment ist Schule – und das ist sein Job, den er ordentlich machen soll. Aber er ist jetzt über 18 und muss das selber wissen.

Wie war’s? Saugeil und voll krass. Meine Tochter meinte beim Frühstück: diese Lautstärke würde ich überhaupt nicht aushalten. Wieso? Ich hab doch Ohrstöpsel dabei!

Was? Ihr geht mit Ohrstöpseln in ein Konzert?

Ja klar. Die sind sonst viel zu laut, das kann man dann nicht aushalten.

Aber es kommt noch besser:

Wir haben auch bei der Bandprobe immer Ohrstöpsel an.

Hä? Warum spielt ihr denn nicht in einer Lautstärke, dass man keine Ohrstöpsel braucht, sondern Feinheiten hört?

Das muss so sein, das verstehst Du nicht. Und außerdem sind das so Spezialohrstöpsel, die lassen die Feinheiten durch.

Ah ja, das muss so sein. Feinheiten in der Art von Dampframmenblubbern oder das sanfte Säuseln eines Pratt & Whitney Triebwerks in der Boeing 747 beim Take-Off, nehme ich mal an. Also dass ein Bandmitglied überhaupt sowas noch unterscheiden kann nach anderthalbstündiger Probe.

Ich will nur hoffen, dass von denen später keiner Pirat wird. Am Horn von Afrika treiben sich ja im Moment knäuelweise Freibeuter rum, die alles und jeden ausrauben, umbringen, ersäufen, verkaufen und was sich gerade so ergibt. Der Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes, das von Piraten mit Granaten etc. beschossen wurde, konnte sich die Bande nur noch mit einem “Long Range Acoustic Device” vom Leibe halten: das ist eine Art Lautsprecherkanone, der in einer großen Entfernung an einem bestimmten Punkt eine Lautstärke von 150dB erzeugt. Dabei kommt dann das linke Trommelfell am rechten Ohr raus. Taube Piraten sind davon natürlich wenig von zu beeindrucken.

Wahrscheinlich gehört in Zukunft zur Ausübung des Piratenberufs eine Art Befähigungsnachweis über die stöpselfreie Mitgliedschaft in einer Schülerband und allabendlicher Konzertbesuch.

Da kriegt das Wort “Tontaubenschießen” eine ganz neue, gefährliche Bedeutung.

Wissenstest

Technology Review” aus dem heise-Verlag hat einen Wissenstest aufgelegt: es geht wie in der Sauhatz querbeet durch die Naturwissenschaften. 39 von 50 wußte ich, das sind immerhin 78%.

Ergebnis: Besorgniserregende Umweltfragen sind nicht so mein Ding, fürchte ich.

Entscheidung

Lehrer: So, nicht einverstanden. Wieviel Punkte hattest Du Dir denn vorgestellt?

Schüler: 10.

Lehrer: Nun, für eine der beiden Ziffern mußt Du Dich schon entscheiden!

Olympi? Ade!

China ist zweifelsohne ein friedliebender Staat – und will zur Olympiade noch besser werden. Deswegen schenkt die Partei tausenden von ausländischen Studenten während der Olympiade die langersehnte Freiheit und läßt sie ausreisen. Endlich! werden sich viele denken, und das Angebot der Partei annehmen, an den Wettbewerben nicht zwangsweise teilnehmen zu müssen. Einige Marodeure werden natürlich – wie immer – herumräsonieren, sie seien zur Ausreise gezwungen worden, dabei ist das eine wirklich freiwillige Angelegenheit: jeder darf sich entscheiden, ob er zusammengeschlagen werden, in den Knast überstellt oder ausreisen will.

Ob die so verfreiheiteten Studenten wieder einreisen, das dürfen sie sich dann selber überlegen. Ich würd’s nicht tun.

Graz-ie

Graz macht Ernst1): dort wird das öffentliche Telefonieren mit dem Handy in “Bus und Bim” für unerwünscht erklärt. Auch Spielereien, die irgendwelche Töne absondern, sind nicht mehr erlaubt.

Wenn ich dran denke, wie ich letzthin mit dem Zug von München nach Nürnberg gefahren bin: da hat so ein Vollpfosten eine ganze Stunde lang irgendeinem anderen Depp lautstark erklärt, dass er viel zuwenig Geld für seine Dienstleistung bekomme. Ich kannte nachher die ganze Firma des Vollpfostens, sein Metier, seine Angestellten mit Vornamen – alles. Zudem hat er sich zum Telefonanieren in den kleinen, durch automatische Türen abgesperrten Vorraum begeben. Leider hat ihn das Gespräch dermaßen erregt, dass er körperlich sehr stark mitging: die beiden sensorgesteuerten Türen gingen also die ganze Zeit auf und zu. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen die baldige Pleite: solchen Logorrhoetikern darf nichtmals genug Geld für’s Handy bleiben.

Ich bin dafür, dass die doofe Telefoniererei in Deutschland in öffentlichen Verkehrsmitteln ebenfalls für nicht erwünscht erklärt wird. Es gibt Leute, die ihre akustischen Ausdünstungen nicht unter Kontrolle haben – denen muss das verboten werden.


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Fußnoten:
  1. Quelle: Heise online [ ]

Zu fett

Wir feiern hier in Gröbenzell ja nun seit über 10 Jahren jeden Sonntag abend um 19 Uhr ein Abendlob – die Vesper1). Unser Kirchenmusiker gestaltet das immer wunderschön nach den jeweils an die Jahreszeit angepaßten liturgischen Möglichkeiten. Zu Ostern hin wird’s immer karger (wenn es auch nie so fürchterlich nackt dasteht wie z.B. eine Kirche nach dem Gründonnerstagsamt), in der dunklen Jahreszeit wird der Lichtritus immer sehr bedeutsam, und verschiedene Anlässe des Kirchenjahres werden auch immer gerne mit hineingenommen. Insgesamt ist so ein Abendlob eine Sache von 25-35 Minuten, und seit wir es seit Pfingsten 2007 gemeinsam mit der lutherischen Schwestergemeinde feiern, sind immer so um die 80 Teilnehmer da.

Nun arbeitet die katholische Kirche ja seit geraumer Zeit an einem neuen “Gotteslob”, dem gemeinsamen Gesangbuch der deutschsprachigen Katholiken. Dort findet man bisher eigentlich keinen vollständigen Ablauf einer Vesper. Da aber in Zeiten des Priestermangels diese Gottesdienste im Rahmen der Tagzeitenliturgie immer wichtiger werden2), sollen auch diese Gottesdienstformen ausführlich im neuen Gotteslob gedruckt vorliegen. Gröbenzell ist nun eine der “Testpfarreien”, in der neue Lieder und Feierformen ausprobiert werden sollen, bevor man das offiziell in Umlauf bringt.

Da sind sie allerdings weit über das Ziel hinausgeschossen: wir haben gestern für das Modell einer “Vesper in der Osterzeit” eine Dreiviertelsunde gebraucht. Das ist einem “Normalchristen” nicht mehr zumutbar: immerhin haben die in der Regel ja schon am Vormittag eine Sonntagsmesse (dauert ungefähr eine Stunde) besucht. Wenn man denen jetzt am Abend mit einer weiteren 45-Minuten-Veranstaltung kommt, dann wird darüber die Abstimmung mit den Füßen stattfinden: da geht keiner mehr hin, und die neu gewollte Form der Tagzeitenliturgie ist gleich ein totgeborenes Kind. Immerhin haben die da gestern abend laut Modell den gesamten Psalm 1183) mitsamt eingeschobenen Antiphonen etc. singen lassen: der ist verdammt lang. Und einen zweiten wollten sie auch noch singen lassen: den haben wir mal gleich unter den Tisch fallen lassen. Und dann kam noch ein 5-strophiger Hymnus dazu, ein Responsorium, ein gesungenes Vaterunser – da geht man dann schon in die Knie, finde ich.

Man wird das Gefühl nicht los: die, die da am grünen Tisch sitzen und solche Feier-Gerüste konzipieren, haben einfach nicht genug Erfahrung in der praktischen Durchführbarkeit in der Gemeinde. Für einen Priester/Bischof oder einen Mönch ist eine dreiviertelstündige Sonntagsvesper kein Problem: die haben ja keine Familie. Für die Gemeinde sieht das aber ganz anders aus.


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Fußnoten:
  1. Die Vesper ist die Tagzeitenliturgie, in der das Magnificat vorkommt, wenn ich das mal so salopp formulieren darf [ ]
  2. Zur Leitung einer Tagzeitenliturgie muß man keine Priesterweihe haben. Da reicht auch ein Gemeindereferent, ein Wortgottesdienstleiter – es kann auch die evangelische Pfarrerin machen [ ]
  3. Das ist der klassische “Osterpsalm”: unter andere aufgrund dieses Psalms haben die Juden Jesus für den Messias gehalten und ihm am Palmsonntag einen höchst feierlichen Einzug in Jerusalem angedeihen lassen. Allerdings haben sie sich damals als sehr wankelmütig erwiesen: ein paar Tage später war Schluß mit lustig, und wie es endete, wissen wir ja. [ ]

Endlich!

Apple updated WindowsSolche Meldungen sieht man gern, wenn man gezwungen ist, von Zeit zu Zeit Windows zu starten, weil Adobe keinen Bock mehr hat, vernünftige Programme auch für den Mac zu kompilieren. Nur Pianisten müssen sich die Finger noch mehr verknoten1), und nur echte Mäuse haben streckenmäßig noch die Nase vorn.

Ich kann dazu nur sagen: weiter so, Apple. Windows solange updaten, bis Microsoft nur noch Word programmiert. Das ist eine eierlegende Wollmilchsau, die alles kann und nichts richtig – aber es richtet nicht soviel Schaden an wie Windows.


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Fußnoten:
  1. alt-S-N-J oder so ein Schwachsinn [ ]

Spätling

Kirschblüte 2008 in GröbenzellAngesichts des leidlichen Wetters hat es mich hinausgetrieben zu einem Spaziergang. Die Leute waren aber auch wie wild draußen, saßen auf ihren Balkonen und bildeten lange Schlangen vor der örtlichen Eisdiele. Allen ist der Hunger nach “endlich Frühling” ins Gesicht geschrieben.

Ob das auch was mit dem dieses Jahr extrem früh liegenden Ostertermin zu tun hat?Irgendwie sind wir ja gefühlsmäßig schon mitten zwischen Ostern und Pfingsten. Meine Nichte Angela ist am 16.4. geboren – das war damals Gründonnerstag1). Wenn man das auf dieses Jahr hochrechnet: Gründonnerstag ist erst in drei Tagen. Kein Wunder, dass sich das Wetter noch nicht auf Frühling eingestellt hat.


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Fußnoten:
  1. weswegen ich ihr auch immer an Gründonnerstag gratuliere, damit muss sie leben [ ]

Aufgeräumt

Erinnerungsfoto für - in einer Woche.Jetzt habe ich mich mal dran gemacht und mein Arbeitszimmer aufgeräumt. Da hatte sich in den letzten Monaten – selbstverständlich nur aus Zeitmangel – ein enormer Wust an Zeug angesammelt, über den kein Mensch mehr drüberblickte.

Und da ich schon dabei war, habe ich auch gleich die gesamte Netzwerkinstallation neu gemacht – jetzt habe ich eine Staublunge, aber sehr viel Kabelsalat und einige LEDs sind jetzt aus dem Blickfeld verschwunden.

Ich habe konsequent Tiki Küstenmachers Tip aus “Simplify irgendwas” befolgt: tabula rasa. Schreibtisch komplett abräumen. Dann Platte putzen. Dann wieder neu aufbauen. Das hilft wirklich, probiert’s nur selber aus!

Peinlich …

… für den Discounter Lidl ist es, dass sie ihre Mitarbeiter in Zukunft nicht etwa aus Anstand nicht mehr mit der Videokamera bespitzeln wollen1), sondern weil zu viele Kunden schriftlich geäußert haben, dass sie bei Lidl nicht mehr einkaufen werden2).

Deutlicher kann man nicht zeigen, dass man nur und ausschließlich am schnellen Geld interessiert ist. Solange es keiner merkt, werden die Mitarbeiter mit Stasi-Methoden zu mehr Umsatz geprügelt. Und sobald es einer merkt, werden diese Stasi-Methoden (die nie ohne Mitwissen der Firmenleitung installiert und unterhalten werden könnten) als Übeltäterei Einzelner hingestellt.

Lidl will keine Betriebsräte: Lidl will Arbeitssklaven – meist Frauen, die sich nicht wehren können, weil sie Kinder haben und so leichter erpreßbar sind – zu ungerechten Löhnen. Für mich ist das seit Jahren schon ein Grund, mich bei dieser Firma grundsätzlich nicht sehen zu lassen. Übrigens bei Schlecker auch nicht …


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Fußnoten:
  1. Sie werden es natürlich doch tun, solange es keiner merkt. [ ]
  2. Sie auch: Meldung auf ZEIT online. [ ]

Madonnerei

Nicht nur Mia Farrow, auch Madonna adoptiert hobbymäßig Kinder im Sixpack. Damit kommt man echt gut rüber, und wenn der Medienrummel vorbei ist, dann kauft man sich einen Stall voll Nannies, die die Arbeit machen. Manchmal hat man auch unverschämtes Glück, und eines der adoptierten Kinder wird aus lauter Undankbarkeit noch schwer drogenabhängig. Dann kann man tränenumflort eine neue Runde durch die Gazetten starten.

Dass es dabei vor allem um Selbstdarstellung und nur ganz marginal um die Kinder geht, sollte klar sein. Helfen tut diese Madonnerei jedenfalls nicht:

“Wir haben herausgefunden, dass im Ergebnis dieses so genannten Madonna-Effekts Eltern in armen europäischen Ländern jetzt ihre Kinder in dem Glauben aufgeben, dass sie ein besseres Leben im Westen mit einer wohlhabenderen Familie haben werden”, sagt Kinderpsychologe Kevin Browne, der die Studie geleitet hat.

Das war heute nachmittag in der ZEIT zu lesen. Und was das “bessere Leben” bei solchen Typen wie Farrow und Madonna sein soll: das kann man wahrscheinlich nur quantitativ messen, auf keinen Fall qualitativ.

Aber Leute wie ich sind ja nicht naturblond, sondern naturblöd: Sowas kann man nur durch eine Studie beweisen, nicht durch Einschalten des gesunden Menschenverstands.

Detailfragen II.

Das Ermittlungsverfahren gegen Inga Kruskop, die ich wegen des Verdachts auf Erschleichung betrügerischer Abo-Gebühren angezeigt habe, ist von der Staatsanwaltschaft Hamburg eingestellt worden:

Es kann der Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, durch Übersendung des Antragsformulars über die Tatsache, dass ein Vertragsabschluss angeboten wurde, sowie über den Willen zur Erbringung der vereinbarten Leistung getäuscht zu haben (§ 263 StGB).

Gut, wenn die das so sehen. Ich halte den Fall für grenzwertig: sowohl für ein Ermittlungsverfahren als auch dessen Einstellung gibt es gute Gründe. Die Einstellung des Verfahrens bedeutet allerdings nicht, dass die Methoden des DAD so von der Justiz gedeckt werden. Es heißt nur, dass das Verfahren eingestellt ist – es lagen nicht ausreichend Beweise vor, und ich habe nicht Zeit genug, danach zu suchen. Es genügt, hier überhaupt reagiert zu haben. Solche Leute darf man nicht schlafen lassen.