Archive for Oktober, 2008
Freitag, 31.10.08 - by Thomas
Ich habe hier eine kleine Aria aus Händels “Solomon”, das ich u.a. am 19.11. in der Stiftskirche Tübingen spielen darf). Zum Üben – dachte ich mir blauäugig – wäre es praktisch, das einfach mal zu der Aufnahme von Daniel Reuss mit der Akademie für alte Musik in Berlin dazuzuspielen.
Dumm 1: die Berliner CD-Einspielung, die ich habe, ist in alter Stimmung (416Hz), wir werden es hingegen in 440er-Stimmung spielen. Man kann also nicht einen halben Ton höher dazupfeifen: da kriegt man Schlitze in die Ohren.
Aber es gibt ein “swiss army knife” für solche Probleme: mit Amadeus Pro (zu dem ich mir aus lauter Begeisterung vor Längerem schon mal eine Lizenz gekauft habe), kann man das hochziehen: aus einem 416er-a kann man damit ein 440er-a machen – bei gleichem Tempo)
Dumm 2: die Berliner Aufnahme habe ich im iTunes-Store gekauft, damit ist es geschützt. Auch Amadeus Pro nimmt das so nicht an. Und für den Zweck eine CD verbraten)? Auch dafür gibt’s was besseres. Audio Hijack von RogueAmoebia klemmt sich vor den Lautsprecherausgang und zeichnet alles auf, was von einer bestimmten Anwendung da drüberläuft. Das Resultat ist eine ungeschützte Audio-Datei, die man weiter bearbeiten kann.
Sehr gut: jetzt habe ich tatsächlich mein eigenes Zimmerorchester in 440Hz. Und das Starten und Stoppen kann man wunderbar vom Notenständer aus über das iPhone steuern …
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Fußnoten:
Freitag, 31.10.08 - by Thomas
In der Kirchenzeitung las ich, dass “sich in (XX) eine Gruppe gegründet hat”.
Das ist objektiv gesehen zwar nicht richtig, aber zur Zeit oft wahrgenommener regulärer Sprachgebrauch. Eine Gruppe kann sich nicht selber gründen. Denn zur Zeit ihrer Gründung existiert sie noch nicht, also kann sie auch keinerlei aktive Handlungen ausführen. Eine Gruppe kann wohl eine andere Gruppe gründen, aber nicht sich selbst. Denn es bedarf einer gewissen Vorbereitung, bis die Ziele der zu gründenden Gruppe definiert und Mitglieder gefunden sind: Eine Gruppe, die sich also gerade gründet, müßte also vorher schon bestehen, und dann kann sie sich nicht gründen.
Mir scheint sich eine gewisse Verantwortungslosigkeit in derlei semantischen Schöpfungen kundzutun. Die Mitglieder der neuen Gruppe wollen sich offensichtlich hinter die Gruppenmauern zurückziehen und nicht mit ihrem eigenen Namen für das Ziel der neu gegründeten Gruppe einstehen: sie wollen so tun, als ob ihr eigenes Handeln nicht eigener Veranlassung entsprungen ist, sondern irgendwie so durch sie hindurchgegangen ist.
Ein wenig blutarm, diese Formulierung.
Freitag, 31.10.08 - by Thomas
Manchmal gibt es so seltsame Namen, bei denen ich immer wieder überlege, wie man herausbekommen könnte, wie man die eigentlich ausspricht. Mein heutiger Kandidat ist …
Hauppauge
Das scheint eine amerikanische Firma zu sein, die jetzt gerade irgendwas mit Equinux gemeinsam machen will. Wie – verdammt nochmal – heißt diese Firma? Meine Überlegungen gehen bisher in folgende Richtungen:
- Hoppotsch
- Hoppotschi
- hoopoodschee
- oder soll ich – wenn ich jemals in einen Laden gehe und von denen was kaufen möchte und die Nennung des Firmennamens so unumgänglich wird wie zum Beispiel “ALDI” – einfach “haup-auge” sagen?
Weiß jemand Rat? Ich hab Jahre gebraucht, bis ich durch Zufall mal mitgekriegt habe, wie der englische Vorname “Hugh” ausgesprochen wird. Ich dachte immer, es könnte vielleicht “Haff” heißen. Gott sei Dank machte sich dann Hugh Grant an Julia Roberts oder sonstwem zu schaffen, und da kam der Name dann mal in irgendwelchen Nachrichten vor. Juh sei Dank!
Donnerstag, 30.10.08 - by Thomas
Das Magazin “men’s health”) veröffentlicht Ergebnisse des Männerforschers Gerhard Amendt, der ein paar Zahlen zum Thema Gewalt in der Familie zusammengetragen hat. Auszug:
Angaben des Bundesfamilienministeriums, wonach 95 Prozent aller Straftaten im häuslichen Bereich von Männern gegen Frauen verübt werden, bezweifelt er. “Die Zahlen, die hier in Deutschland verwendet werden, stammen in aller Regel von Frauenberatungsstellen oder Häusern für geschlagene Frauen, die sie recht beliebig aus ihrer eigenen Arbeit zusammengebastelt haben. Das wird auf die Bevölkerung hochgerechnet, und die Politik schluckt das dann bereitwillig.) Die Zahlen sind nicht repräsentativ, sie sind irreführend”, sagt Amendt, der weiterhin kritisiert, dass internationale Forschungsergebnisse in Deutschland einfach totgeschwiegen werden.
Das deckt sich exakt mit meinen Beobachtungen, die – laut geäußert – jedoch jedesmal massive Abwehrreaktionen hervorrufen: das kann und darf nicht sein. Frauen wollen davon nichts wissen, denn die Rolle der “friedfertigen Frau” bringt viele soziale Vorteile mit sich)
Wer jedoch nachdenklich in den Fernseher schaut, der kann erahnen, dass da durchaus was dran ist: in fast allen Spielfilmen, Vorabendserien und sonstigen Comedies üben Frauen körperliche Gewalt gegen Männer aus). Das ist erlaubte Gewalt: die Situation wird vorher im Handlungsverlauf immer so hingebogen, dass es so aussieht, als sei der Frau keine andere Möglichkeit mehr geblieben als Gewaltanwendung: sie konnte ja nicht anders.
Umgekehrt schlagen Film-Männer gegenüber Frauen niemals zu, wenigstens nicht, um irgendwelche Emotionen zu äußern: da schweigen sie, gehen weg oder versuchen, ein Gespräch zu initiieren. Sie schlagen auch nicht zurück, wenn sie attackiert werden, und wenn doch, dann ist es das Ende der Film-Beziehung, mit häßlichen Folgen für den Mann. Männer wenden in Drehbüchern nur dann aus sich selbst heraus Gewalt gegen Frauen an, wenn sie eindeutig die fiese Rolle haben: dann aber auch oft besonders brutal.
Im “real life” ist es ähnlich. Aber die Gesellschaft hält es da mit Hape Kerkeling: “Esch glaube es nescht, esch glaube es gerade nescht!”)
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Fußnoten:
Mittwoch, 29.10.08 - by Thomas
Im Cicero 11/2008 steht ein neues Interview mit Sahra Wagenknecht zu lesen. Sie ist Vorstandsmitglied der Linken, Mitglied des Europaparlaments und Sprecherin der kommunistischen Plattform, eines parteiinternen Gremiums der Linken. Das neue Interview war notwendig geworden, weil das Interview in der Oktoberausgabe bereits gedruckt wurde, aber es war nicht autorisiert. Die Autorisierung von Interviews ist eine sehr deutsche Besonderheit, die besagt, dass der Interviewpartner nachher nochmal ein wenig retuschieren darf, wenn ihm das nicht mehr so gefällt, was er live gesagt hat. Also so eine Art Berlusconi-Foto: immer mit gefärbten Haaren und durchgebraten auf’s Bild. Ein Amerikaner würde sich sehr verwundern, wenn im Nachhinein jemand ankäme und ein Interview retuschieren wollte …
Sahra Wagenknecht läßt sich im Cicero-Interview darüber aus, wie die Weltwirtschaft zu funktionieren habe – aber ein wenig blauäugig. Bezogen auf Deutschland sagt sie:
Nun, derzeit wird ja in erster Linie der Wohlstand der Reichen gemehrt. Die Mehrheit dagegen muss den Gürtel enger schnallen. Da kann nur eine Veränderung der Wirtschaft helfen.
In Bezug auf Venzuela meint sie:
Manche Konzerne haben sich zurückgezogen, weil sie nicht mehr steuerfrei Profite machen können, das hatte zum Teil kurzfristig negative Auswirkungen, weil solche Lücken nicht von heute af morgen geschlossen werden können. Aber Venezuela geht einen Weg, der der Mehrheit der Menschen Vorteile bringt. Ich war oft dort, arme Leute haben mir erzählt, jetzt können sie zum ersten Mal zum Arzt gehen.
Mein Problem hierbei ist, dass sie für Deutschland einen unhaltbaren Lebensstandard undbedingungsloses Wachstumsprinzip festschreiben will. Was kann man mit “die Mehrheit muss den Gürtel enger schnallen” anderes meinen, als dass der verschwenderische Umgang mit Energie, Urlaubstagen, sozialen Ansprüchen an den Staat und der freien Entfaltung des eigenen Ich auf dem Niveau gehalten werden muss wie er ist?Das ist so nicht mehr möglich, und wir werden das entweder friedlich oder knüppelhart einsehen lernen.
Venezuela sieht sie zivilisatorisch aber implizit auf einer viel tieferen Stufe als Deutschand. Dort, 12.000 Kilometer von hier weg, macht es ihr nichts aus, dass die Reichen sich zurückziehen und die Bürger deswegen unsanft von dem, was sie nicht haben, auf noch mehr verzichten müssen. Während sie in Deutschland eigensinnig auf zivilisatorischem Schnickschnack besteht, feiert sie den Zwangsverzicht der Venezolaner als Sieg der Massen über den Kapitalismus. Klar: das ist weit weg, da kann man Experimente wie im Reagenzglas mit machen …
Ich glaube, bei Wagenknecht-Niemeyers zu Hause wird mit zweierlei Maß) und mit grandiosen Scheuklappen gemessen. In Kuba klappt der von Wagenknecht geforderte seit Jahrzehnten nicht. Da ist es, wie Sahra Wagenknecht sich beeilt zu versichern, nicht der machtgeile und ehrsüchtige Fidel Castro schuld, sondern die fiesen Amerikaner.
Ich kann mich da dem Schlußsatz des Cicero-Interviewers nur anschließen: Frau Wagenknecht, wir danken ihnen für das Gespräch.
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Fußnoten:
Dienstag, 28.10.08 - by Thomas
Aha, die Bankenkrise wirft ihre Schatten voraus.
Ich habe seit Kurzem ein Girokonto bei der ing-diba. Die haben das bisher immer ordentlich gesponsert: man kriegt mehr Zinsen, die Kontoführung ist kostenlos, eine VISA-Card gibt’s umsonst, man bekam irgendeinen Betrag zur Konteneröffnung und bei jeder Abhebung ab 20€ haben die einem 50c gutgeschrieben. Man konnte sich dagegen nicht wehren. Anscheinend machen die gute Geschäfte, denn von anderen Banken ist man das nicht gewohnt:
- die Kontoführungsgebühren der Sparkasse sind dagegen richtig teuer: da geht ganz schön was in den großen Sack. Und auch deren Unterstützung für öffentliche Anlässe hat in den letzten beiden Jahren drastisch nachgelassen.
- Bei der Barclays-Bank habe ich mein VISA-Konto gekündigt, das ich 15 Jahre lang dort hatte. Die haben sich jedes Jahr mit einem üppigen Betrag bedient. Als ich denen mitteilte, dass ich bei einem anderen Institut eine VISA-Card kostenlos hätte, waren sie blitzschnell bereit, ebenfalls eine kostenlose VISA-Card auszustellen. Aus Ärger über meine jahrelange Blödheit und deren jahrelange Selbstbedienung an meinem Geld habe ich mich darauf aber nicht eingelassen – mit denen bin ich durch.
Jedenfalls hat die ing-diba jetzt den Bonusberechtigungsbetrag mehr als verdoppelt: erst ab 50€ kriegt man neuerdings sein Bonus-Fuffzgerl. Sie zieren sich wahrscheinlich, beim Staat ein paar Milliarden abzugreifen: das könnten sie doch ohne Not tun, es wird ihnen ja vom Steuerzahler förmlich aufgedrängelt …
Montag, 27.10.08 - by Thomas
Am Wochenende setzte die Bahn zusätzliche Züge ein (Hartmut wir danken dir, dass wir mit unseren gekauften Tickets auch fahren dürfen!), um den Ausfall der 70 ICE-Züge “abzufedern”.
Aber so richtig abfedern tut die Bahn ganz woanders: mit millionenschweren Sonderzahlungen an den Bahnvorstand für den Fall, dass der Börsengang gelingt. Oder nicht gelingt, dann auch. Jedenfalls berichtet das die netzeitung.
Da kommen einem die Tränen. Wenn man es wenigstens nicht schon vorher gewußt hätte, dass die sich auf’s Gierigste die Taschen füllen, wo sie nur können – während das Volk am Bahnsteig steht und auf den Zug wartet.
Sonntag, 26.10.08 - by Herbert
Wieder zerstob eine erhabene Illusion meiner Kindheit am heutigen Nachmittag. Bei meinem üblichen Spaziergang störte mich – wie so häufig – eine Kolonne von Autos, die von offensichtlich mächtig stolzen und gut aufgelegten Jägern durch den Wald gefahren wurde. Man sang zwar nicht, grüßte mich aber mit jenem überlegenen Lächeln, das da sagte: wir sind die Größten, wir haben eine Waffe, wir schießen für das Gute, wir sind die Edlen dieser Welt.
Doch, ich traute meinen Augen nicht. Über ihrer – wahrscheinlich sündhaft teuren – zünftigen Jagerkleidung trugen sie beschämend ordinäre Schülerlotsen-Schutzwesten, und zwar solche, die im Sonderangebot auch schon mal für einen Euro über den Ladentisch geschoben werden. Wird nun also selbst von den Jägern – allein um des schnöden Überlebens willen – der Rest aller (Jäger-)Kultur geopfert?
Ich bin menschlich tief enttäuscht.
Samstag, 25.10.08 - by Thomas
Die Bahn) hat die ICE-T Züge aus dem Verkehr gezogen. Hartmut Mehdorn, der oberste deutsche Geschwindigkeitsfanatiker, zeigt sich tief enttäuscht von Siemens und Bombardier: die wollen ihm nämlich keine Garantie geben, dass rundheraus alle Achsen nicht brechen könnten. So ein ICE-T mit Neigetechnik für kurvenreiche Strecken schafft so um die 230 Sachen, immerhin.
Ich anstelle von Bombardier und Siemens würde diese Garantie auch nicht geben. Wer kann das denn, für tonnenschwere Teile, die rund um die Uhr im Einsatz sind? Denn auf die Garantie alleine kommt es ja auch gar nicht an, sondern auch darauf, dass regelmäßig überprüft wird – und die Meßergebnisse auch entsprechend richtig eingeschätzt werden.
Die fehlerhafte Achse des ICE 884 “Wilhelm Konrad Röntgen”, der am 3. Juni 1998 verunglückte), war tags zuvor routinemäßig untersucht worden. Mitarbeiter der DB hatten Wochen vorher schon auf unruhigen Lauf hingewiesen und das auch in alle Sicherheitssysteme eingegeben. Die Untersuchung der fraglichen Achse ergab so hohe Abweichungen von der Norm, dass einfach niemand daran glaubte und jeder Experte das für schlichte Meßfehler hielt: die Achse blieb drin und beendete einen Tag später das Leben von 101 Passagieren – mit 198 Sachen.
Das war nicht die Schuld der Experten. Es liegt im System der Bahn, die hier eine Technik an die Grenzen der Belastungsfähigkeit bringt und dafür überkandidelte Funktionsgarantien von anderen fordert).
Eine weitere Auswirkung des Druck- und Drohsystems, das die Bahn gerne aufbaut, zeigt sich ebenfalls in dem ICE-Unglück von Eschede. Die Passagiere hatten tatsächlich gemerkt, dass der ICE kaputt war: der Radreifen, der abgesprungen war, war durch den Fußboden hindurch deutlich sichtbar in den Fahrgastraum gedrungen. Dass das eine ernstliche Gefahr darstellte, war den Reisenden mit gesundem Menschenverstand durchaus klar. Aber die Angst vor den juristischen Folgen beim Mißbrauch der Notbremse ließ die Passagiere zögern und lieber nach einem Schaffner suchen. Der war allerdings weit weg hinten im Zug, und auch der hatte Angst: statt seinerseits dem Bericht des “whistleblowers” sofortige Handlungen folgen zu lassen, ging er mit diesem zurück, und nicht einmal das starke Schwanken des radlosen Wagens konnte ihn veranlassen, den Zug anzuhalten. Er schaffte es leider nicht mehr, seine Angst vor der Bahnbürokratie zu besiegen: die nächste Weiche ersetzte die Notbremse, aber nicht annähernd so elegant.
Dasselbe Phänomen beobachten wir bei der Entgleisung des ICE bei Köln: auch hier gaben Passagiere den richtigen Hinweis, der ihnen von den Entscheidungsträgern im Zug nicht abgenommen wurde. Passagiere sind in der Bahn-Unternehmenskultur “Beförderungsgut”, also ohne eigene Entscheidungs- und Beurteilungskompetenz, also so etwa auf der Stufe einer Kiste Apfelsinen. Das weiß jeder Bahnfahrer – und die meisten halten deswegen lieber das Maul.
Das Problem bei der Bahn heißt Hartmut Mehdorn, der längst nicht mehr eingestehen kann, dass sein Geschwindigkeitsrausch technische Grenzen längst hinter sich gelassen hat. Der Mann versteht nicht, dass ein Rad/Schiene-System einfach viel anfälliger ist als das Düse/Luft-System der Branche, aus der er kommt. Die Bahn ist ein Massentransportmittel, kein Zitty-Hopper wie die Lufthansa. Mehdorn hat jetzt den Salat: ein Schnellstrecken-Netz, auf dem nur noch halbe ICEs fahren können, aber weil die so schnell fahren, auch kein anderer Zug mehr). Er bringt die Leute nicht mehr von A nach B, sondern von irgendwo nach nirgendwo, und zu völlig unübersehbaren Bedingungen und in unkalkulierbarer Zeit. Nur der Fahrpreis bleibt konstant, egal wo, wie oder wann Du aus dem Zug gesetzt wirst.
Danke, Hartmut, es ist Zeit, dass Du gehst. Du wirst auf unser aller Kosten kein armer Mann bleiben.
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Fußnoten:
Dienstag, 21.10.08 - by Thomas
Steffen Reiche, ehemaliger Bildungsminister von Brandenburg, ist der Meinung, Kindergartenkinder seien systematisch unterfordert.
An deren Kleiderhaken im Kindergarten sind lustige Frösche, Bären und Blümchen). Die sollten Bach hören und Kandinsky anschauen), damit sie in Strukturen denken lernen.
Die Leser dieses Blogs wissen, dass ich nicht unbedingt ein willfähriger Freund der Abschiebehaft für Kinder bin, vor allem nicht für dreijährige. Aber wenn schon, dann mit Bach und Kandinsky. Da muß ich Herrn Reiche Recht geben.
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Fußnoten:
Dienstag, 21.10.08 - by Thomas
Mir ist heute während der Arbeit mal der Zusatz-Bildschirm umgefallen. Das macht aber nichts. Man sagt dem Mac eben einfach, dass der Zweitbildschirm eben umgefallen ist, und zwar nach links. Damit kann man dann zum Beispiel Artikel auf Lokusrollen spielend lesen.
Wir haben hier auch einen Kollegen, der bringt seinen Windows-Laptop zur Arbeit mit. Morgens, wenn er kommt, hängt er immer seinen Zweitbildschirm dran. Und dann fängt er an, in den Windows-Systemeinstellung rumzufuhrwerken, bis der Zweitbildschirm erkannt wird UND auch ein anderes Bild zeigt als der Laptop-Screen UND man mit der Maus auch rüberfahren kann. Ein paar Neustarts müssen manchmal schon sein. Man hört ihn morgens immer aufatmen, wenn’s denn geschafft ist.
Donnerstag, 16.10.08 - by Thomas
Schwester Lea Ackermann hat in München den Romano-Guardini-Preis erhalten. Das ist sehr schön, sie hat sich auch ein Feld ausgesucht, bei dem sie sich der öffentlichen Zustimmung ganz sicher sein kann, weil niemand ernsthaft etwas dagegen sagen kann: sie engagiert sich für “sexuell ausgebeutete Frauen”.
Mittlerweile erfährt sie da so viel Zustimmung, dass sie es sich leisten kann, “von der Politik eine generelle Freier-Bestrafung” zu fordern).
—-» Der Freierhammer weiterlesen …
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Fußnoten:
Donnerstag, 16.10.08 - by Thomas
Beim Rumlesen im Internet entdeckt: im Polizeipräsidium Bonn-Ramersdorf wird man immer noch länger festgehalten als nötig!
Ist mir genau dort auch schon mal passiert. Am Himmelfahrtstag 1973 (!) bin ich mit meinen beiden Vettern Bernward und Wolfgang in Bonn an der “Dornhecke”) von der Polizei aufgegriffen worden und in eben dieses Polizeipräsidium verbracht worden. Dort wurden wir stundenlang einzeln verhört, vorzugsweise Wolfgang, der war erst 12 und hatte am meisten Angst. Man warf uns vor, wir hätten einen Radlader in den See gefahren.
Wir hatten aber keinen Radlader in den See gefahren. Da war überhaupt kein Radlader. Logisch: der war ja im See. Die Polizei brauchte mehrere Wochen, bis sie uns (wie waren damals im Alter von 17 (ich) – 15 – 12) nicht weiter behelligten. Unter anderem wurde ich im Polizeipräsidium Trier erneut zur Sache vernommen.
Zur Strafe, dass die Polizei mit uns nicht weiterkam, mußten wir damals vom Polizeipräsidium nach Haus laufen, hingefahren hatten sie uns im Polizeiauto.
Wirklich schade an der Sache war – da waren wir drei uns einig -, dass wir den Radlader eben nicht in den See gefahren haben. Das hätte uns für den Quatsch wenigstens ein bißchen entschädigt.
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Fußnoten:
Mittwoch, 15.10.08 - by Herbert
Beim Aufräumen all der Riesen-Scherben, die eine offenbar völlig verantwortungslose Banker-Mafia nun der Politik vor die Füße kippt, nachdem sie sich selbst über Jahrzehnte bis zum Exzess bereichert hat (wieso hört man eigentlich nichts mehr von Josef Ackermann?), wäre nun die Berufung Tietmeyers zum Oberberater der Kanzlerin noch der Clou gewesen, der die derzeit laufende Realsatire komplett gemacht hätte.
Nach Presseberichten war just dieser Tietmeyer im Aufsichtsrat der Depfa Bank, während diese die Hypo Real Estate nahezu zum Untergang gebracht hat, und überdies sei er noch heute Aufsichtsrat just dieser Hypo Real Estate, welche aufgrund von Misswirtschaft nur durch enorme Milliarden-Spritzen des Bundes so eben noch gerettet werden konnte – vorerst.
Was eigentlich wollen diese Banker und auch die Politiker uns noch für einen Schwachsinn auftischen? Für wie dumm halten die uns eigentlich?
Sonntag, 12.10.08 - by Thomas
In der heute aktuellen Geschlechterdiskussion geht es immer wieder um partielle Gerechtigkeit: Männer und Frauen sind gleichberechtigt, heißt es. Daraus folgt, dass Männer sowie Frauen das Recht ableiten, einem regelmäßigen Beruf nachzugehen, der sie jeden Tag einige Stunden von zu Hause fernhält. Daraus wiederum folgt, dass niemand für die Kinder da sein kann, wenn diese – planmäßig oder unerwartet – aus Kindergarten und Schule heimkommen. Daraus wiederum wird abgeleitet, dass zunehmend Einrichtungen zur Ganztagsbetreuung geschaffen werden müssen, damit die Kinder nicht auf der Straße stehen. Daraus wiederum folgt, dass Kinder in zunehmendem Maße von fremdem Personal außerhalb der eigenen vier Wände erzogen werden – auch in akuten Notfällen wie Krankheit, Hitzefrei) oder Unterrichtsausfall in der Schule.
Mir fällt auf, dass in dieser Kette der sich bedingenden Zwangslagen ein Bindeglied immer wieder in den Vordergrund geschoben, dem aber kein Recht auf freie Wahl eingeräumt wird: die Kinder. Ich postuliere einmal, dass Kinder am liebsten mit ihren Eltern zusammen sein möchten und deswegen alle Einrichtungen außerhalb der Familie als “zweite Wahl” ansehen werden.
Damit die oben angeführte) Kette der Folgerungen überhaupt funktionieren kann, sind zwei Dinge nötig:
- entweder wird den Kindern kein Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit eingeräumt
- oder man redet sich solange ein, dass es für die Kinder sowieso besser sei, sie hätten nur Schlaf-Eltern, bis alle daran glauben – und damit dieser fragwürdige Grundsatz nie wieder hinterfragt werden muss.
Zur Zeit finden wird uns mitten in einer politischen Gemengelage dieser beiden Voraussetzungen zur freien Entfaltbarkeit der Erwachsenenleben.
Ich denke, dass es an der Zeit ist, deutlich auf ein Grundrecht der Kinder hinzuweisen: Kinder haben ein Recht auf verfügbare Eltern, und zwar ihre eigenen – und immer genau dann, wenn sie es brauchen.
Hierzu ist es notwendig, dass Paare, die Eltern sind oder werden, sich darüber im Klaren sind, dass das Eltern-Sein keine Nebenbeschäftigung ist, sondern ihre eigentliche Hauptaufgabe. Diese Hauptaufgabe ist nicht delegierbar), sie kann nicht an Aufbewahrungsinstitutionen weitergegeben werden.
Unser Bild von Kindergarten und Schule hat sich in den letzten 30 Jahren grundlegend gewandelt. Zuvor waren dies Institutionen, in die die Kinder zum Lernen gingen. Heute handelt es sich dabei in zunehmendem Maße um Aufbewahrungsanstalten für Kinder, die nicht nach Hause können, weil zu Hause niemand ist, der sie betreut. Dieser Sinneswandel läßt sich durchaus an deutlichen Anzeichen ablesen: im schulischen Sektor haben sich tatsächlich die Aufgaben von Eltern und Lehrern auf interessante Weise verschoben. So müssen Lehrer den Kindern mehr und mehr die Regeln der sozialen Interaktion beibringen, während Eltern oder Kinderhorte mehr und mehr in die reine Wissensvermittlung eingespannt werden).
Ein Heilmittel sehe ich hier nur, wenn verstärkt öffentlich darüber gesprochen wird, dass das In-die-Welt-setzen von Kindern eine mindestens 10jährige Periode der umfassenden, persönlichen und nicht abschiebbaren Sorge nach sich zieht. Eltern, die Kinder haben, müssen sich entscheiden: wer von den beiden sorgt stetig und zuverlässig für die wirtschaftliche Grundlage (das können locker mal so 30, 40 Jahre Lebensarbeitszeit sein, um die es hier geht. Auf “mal sehen, worauf ich in 5 Jahren Bock habe” muß man vollkommen verzichten), und wer von den beiden ist zu Hause für die Kinder da (das bedeutet wirkliches Zur-Verfügung-Stehen und keine verplanter, fremdbestimmter Arbeitseinsatz zu den Zeiten, in denen Kinder Betreuung brauchen). Das Paar sollte das aushandeln – und zwar so, dass sich der, der zu Hause bleibt, tatsächlich auf die Unterhaltsleistung des anderen verlassen kann. Denn nur dann hat er wirklich Zeit, sich den Bedürfnissen der gemeinsamen Kinder ausreichend zu widmen. Umgekehrt muß auch der, der sich zur wirtschaftlichen Versorgung des Unternehmens Familie bereit erklärt, sich sein können, dass er das nicht für die Katz tut – sprich, in einigen Jahren die Familie verloren hat und sich nur noch der Rolle des Unterhaltszahlers verpflichtet sieht.
Insbesondere Frauen sollten sich hier deutlicher der Diskussion stellen, als sie es in jüngster Zeit gewohnt sind. Für Frauen sehe ich heute keine Pflichtanteile mehr, die der Gesellschaft geschuldet sind. Für Männer hingegen gilt immer noch die Wehrpflicht: sie werden einfach dazu gezwungen und fertig. Etwas Gleichartiges für Frauen gibt es nicht: man attestiert ihnen einfach sowieso eine hohe Sozialkompetenz) und geht in der Folge davon aus, dass sie ihre Leistung dann schon erbringen. Ob sie das dann auch tun oder eher nicht, kann heute mit dem Hinweis auf politische Inkorrektheit nicht mehr überprüft werden.
Das Eltern-Sein ist ein anderer Status als das kinderlose Allein- oder Zusammenleben). Eltern-Sein bedeutet, das Recht des Kindes auf Erziehung unter persönlicher Präsenz anzuerkennen. Mir scheint, das geht in der gegenwärtigen Diskussion vollkommen den Bach runter.
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Fußnoten:
Sonntag, 12.10.08 - by Thomas
Chorwochenende mit dem Vokal-Ensemble an der Lorenzkirche Nürnberg unter der Leitung von Matthias Ank. Geprobt wird hauptsächlich Distlers “Totentanz”, der mir im Moment noch ein wenig schwergängig vorkommt. Aber das kann sich bei Distler noch ändern: man muß sich in seine schwermütige Harmoniewelt erst reindenken. Die geistliche Motette “Fürwahr, er trug unsere Krankheit” mit der komplexen 12-Ton-Fuge in der Mitte habe ich jetzt zwar oft gesungen, verstanden aber nach wie vor nicht: ich finde den inneren Zusammenhang nicht. Ganz anders der “Feuerreiter” oder die weltlichen Gesänge (“Ein Stündlein wohl vor Tag”, “Die traurige Krönung” etc.): die sagen mir mehr, weil sie nicht so depressiv sind. Der “Totentanz” hat übrigens heute Nacht ganz aktuelle Bedeutung: er hat sich Jörg Haider geholt, den Vorsitzenden der rechtspopulistischen BZÖ in Österreich. Könige, Bischöfe, Kinder, Kaufleute, Greise: alle müssen mit, keiner wird um Einverständnis gefragt.
Des Weiteren Schütz, Lasso und Palestrina mit Vertonungen zum Psalm 137 “Super flumina babylonis”).
Erstaunt bin ich immer wieder über den Ideenreichtum und die musikalische Genialität von Arvo Pärt, hier hinsichtlich seiner Vertonung des Psalm 137 für Chor und Orgel. Er löst sich vollkommen vom Psalmtext und zeichnet nur noch das Weinen und Heulen nach, indem der Text zu Vokalisen zusammenschurrt. In der Melodieführung erweitert er einen zunächst einzelnen Ton solange durch Sekundintervalle, bis aus einem kleinen Schluchzen ein großes Weinen und Klagen geworden ist. Daraus wird eine leise, aber sehr eindringliche Musik, die den Text des Psalms genau ausdrückt.
Chorsingen ist gut für Leib, Geist und Seele. Und die Verpflegung in der Landvolkhochschule Pappenheim ebenso: aus solchem Institutionen kommt man immer ganz genudelt wieder raus.
Das zugehörige Konzert ist übrigens am 22. November in Nürnberg, Lorenzkirche.
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Fußnoten:
Freitag, 10.10.08 - by Thomas
Heute nacht bin ich quasi im Schlaf Onkel geworden:
Mein Bruder Bernhard und seine Frau Uli haben den kleinen Leon) zur Welt gebracht. Nach gewissen Komplikationen – irgendwie wollte er anscheinend noch nicht so richtig – haben die Ärzte sich zum Kaiserschnitt entschlossen und ihm damit den anstrengenderen Weg erspart.
Mutter und Kind sind wohl auf. Alles Gute, lieber kleiner Leon: wir freuen uns alle auf Dich!
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Fußnoten:
Donnerstag, 9.10.08 - by Thomas
Heute feiern die Juden Jom Kippur, den großen Versöhnungstag. Im Te Deum steht dazu:
Zehn Tage nach Rosch Ha Schana, dem Neujahrsfest, feiert man im Judentum Jom Kippur, den Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Jahr. An diesem Tag sollen alle zuvor begangenen Sünden gesühnt werden, sodass 24 Stunden weder gegessen noch getrunken werden darf. Man sucht Menschen auf, mit denen man sich im Laufe des Jahres übeworfen hatte, und bittet sie um Verzeihung. Manchmal werden dabei kleine Versöhnungsgeschenke mitgebracht. Erst wenn man sich mit ihnen ausgesöhnt hat, kann man auch Gott um Vergebung bitten. Der Besuch des Friedhofs ist an diesem Tag weit verbreitet. Beim Synagogengottesdienst wird aus der Festrolle für diesen Tag, aus dem Buch Jona, gelesen, in dem es um Umkehr und Vergebung geht.
Anna beschreibt in ihrem weblog die mehr praktischen Seiten um Rosch Ha Schana und Jom Kippur.
Sonntag, 5.10.08 - by Thomas
Vor einigen Tagen habe ich zufällig entdeckt, dass es in der deutschen wikipedia einen Artikel über meinen langjährigen besten Freund, den Theologen und Philosophen Herbert Frohnhofen gibt. Mit besonderem Stolz darf ich bemerken, dass er sich auch von Zeit zu Zeit als Co-Autor im Diesellog betätigt.
Es ist ein gutes Gefühl, jemanden im “real life” zu kennen, der in der wikipedia vermerkt ist. Herzlichen Glückwunsch, lieber Herbert!