Archive for Dezember, 2008

Ungebeten

Da fällt mir jetzt schon der zweite evangelische Musikpfarrer auf, der sich berufen fühlt, den Katholiken mal ordentlich ins Gewissen zu reden, denn die machten ja doch auch viel falsch, ne?

Ende 2005 hatte ich eine kurze Korrespondenz mit dem Liedermacher Wolfgang Buck, der in seinem Lied “Wenn’s nach mir gehd” jedem katholischen Pfarrer “eine schöne, runde, weiche Frau ins Bett” wünscht. Wenn man sich das Video anschaut, dann hört man im Hintergrund genau an dieser Stelle das Publikum laut johlen: panem et circenses funktioniert wie eh und je.

Jetzt komme ich zufällig auf die webSite “Katechismus für Bittlinger1), weil der evangelische Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger mit dem Lied Mensch Benedikt dem Papst ein paar wichtige Fragen stellen möchte2): wieso die Christen so gemein waren mit ihren Kreuzzügen, warum sie die Kondome verbieten und damit AIDS verbreiten helfen und wieso er, der Papst, sich gerne Feinde macht. So in dem Stil.

Eines können sie sich gewiß sein: darauf werden sie keine Antwort bekommen, denn dazu muß man durchaus in der Lage sein, einen gedanklichen Dreisatz zu beherrschen – aus dem man jederzeit mit einer blöden Zwischenfrage unter lautem Hallo wieder herauskommt. Diese blöden Zwischenfragen stellen sie andauernd – und die Antworten wollen sie nicht hören, denn die sind kompliziert.

Danke, die Ratschläge der Herren sind ungebeten.

P.S: Ich habe mich mit dem Lied inhaltlich im Artikel  noch etwas genauer befaßt.


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Fußnoten:
  1. Es gibt da ein paar Katholiken, die sich so einen Schmarrn nur ungern anhören und deswegen dem Herrn Pfarrer einen Katechismus schenken wollen. Es wird nicht viel helfen: der gute Mann wird sich zu guter Letzt auch noch gebranntmarkt sehen, selbstverständlich vom Papst. [ ]
  2. Genial, der Titel: Mensch Benedikt. Da denkt auch Eva Mustermann gern mal gutmenschlich um die Ecke! [ ]

“Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt.”

wird unsere Bundeskanzlerin uns heute abend in ihrer Silvester-Ansprache verkünden, meldet die FAZ vorab. Und überdies, dass die soziale Marktwirtschaft weltweit Beachtung finden müsse, damit die “Welt” aus der Krise geführt werden könne.

Nun, ich kenne zahlreiche Personen und Gruppen, die nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben. Wer ist also hier die “Welt”? Vielleicht wäre es doch notwendig, Ross und Reiter zu nennen, um die tatsächlichen Gegebenheiten nicht zu verschleiern.

Elternhaus verkauft

Heute habe ich im Namen unseres Vaters sein Haus/unser Elternhaus an seine Enkelin verkauft. Es ist ein verrücktes, einmaliges Gefühl. Schon gestern haben wir vier noch lebenden Geschwister uns im seit gut einem halben Jahr leer stehenden Elternhaus getroffen, haben dort miteinander gegessen und getrunken, sind vom Speicher bis zum Keller durch alle Räume gegangen, haben zahlreiche Erinnerungen ausgetauscht und unter den unzähligen Gegenständen nach uns persönlich Wichtigem und Wertvollem Ausschau gehalten. Nach und nach haben wir solche Gegenstände gefunden, oft lange noch angeschaut, darüber gesprochen und schließlich in unseren immer voller werdenden PKW verstaut. Schließlich haben wir uns am Abend beim Wein zum letzten Mal im elterlichen Wohnzimmer zusammen gesetzt und uns mit vielen zusammengetragenen Erinnerungen von diesem Haus verabschiedet. Einige von uns haben dann ein letztes Mal im Elternhaus geschlafen.

Heute wurden noch einmal Gegenstände verpackt und das Haus beim Notar an die Enkelin verkauft. Den Ertrag der gesamten heimatkundlichen Arbeit unseres Vaters habe ich noch im Stadtarchiv abgegeben und ihm anschließend Vollzug gemeldet. Unser Vater, der inzwischen ein Zimmer im Pflegeheim stolz sein Zuhause nennt, äußerte sich dankbar und froh, dass sein Haus in der Familie bleibt; und seine Enkelin freut sich, nunmehr mit ihrem Freund zusammen das Haus Zug um Zug in Besitz zu nehmen und nach ihren eigenen Wünschen gestalten zu können.

Es ist schön zu erleben, dass solch notwendiges und emotional nicht leichtes Tun durchaus im Einvernehmen und in Solidarität miteinander geschehen kann, wenn jeder ein bisschen mit auf den anderen artet und vor allem darauf, dass es gerecht und fair zugeht.

wordpress 2.7

Zwischen den Jahren ist immer etwas Zeit, mal die Sachen auszuprobieren, zu denen man sonst nicht kommt.

In diesem Falle stelle ich mal das Diesellog auf das neue wordpress 2.7 um – möglicherweise gibt es deswegen von Zeit zu Zeit einige Probleme. Auch am Erscheinungsbild will ich ein wenig herumbasteln: das alte Theme paßt nicht so recht.

Wenn Dir was auffällt, dann schick mir kurz eine eMail, damit ich mal danach schauen kann!

Re-ligio

In der ZEIT Online stehen ein paar Statements, warum irgendwelche Leute religiös sind und andere nicht. Ich selber bin katholisch und weiß, warum. Deswegen empfinde ich die, die im Religiösen eher etwas Kindliches oder Dummes – auf jeden Fall nichts Erwachsenes, Beweisbares und Ernsthaftes – sehen, als ein wenig schnippisch. Aber das kann man auch anders sehen, kann sein. Einer schreibt zum Beispiel:

Wenn ich krank war und es mir schlecht ging, bat ich die unbekannte Macht in stillen Anrufungen um Hilfe, ich erhielt jedoch immer nur ein Schweigen als Antwort.

Hier handelt es sich tatsächlich um die Suche nach einer Re-ligio, einer Rückbindung: ich tu was Reales (nämlich Beten) und krieg dafür was Reales (nämlich Gesundheit). Christ-sein funktioniert aber so nicht, denn der Christ handelt nicht mit seinem Gott, und Gott handelt wahrscheinlich auch nicht mit seinem Christ. Menschen, die die Religion so bewerten wie oben zitiert, verstehen sie vielleicht überhaupt nicht – und sie können sie auch nicht verstehen. Wie macht man das denen klar?

Man könnte es musikalisch versuchen1). Nehmen wir einmal diese Noten hier:

Wer keine Noten lesen kann, der erkennt zwar Noten, aber sonst gar nichts – er hat keine Vorstellung, was das sein soll. Und er kann sich unter Umständen nicht einmal vorstellen, dass andere Menschen hier tatsächlich eine Melodie sehen: es ist der Anfang von “Es ist ein Ros entsprungen”.

Wenn ich so eine Melodie sehe, dann erkenne ich nicht nur, um was es sich handelt, ich denke dabei sofort auch eine kleine Variation hinzu. Dazu muß ich mich nicht groß anstrengen – es ist so, und ich kann eigentlich gar nicht anders, es ist einfach da. Zum Beispiel so:

Aber diese Variation, die man ohne weiteres dazu spielen kann, ist nicht vollkommen beliebig: sie folgt einer festen Gesetzmäßigkeit, innerhalb derer sie zwar frei ist, deren Grenzen sie aber nicht verlassen kann. Diese Gesetzmäßigkeit ist nicht in der Melodie selbst verborgen, sondern sie wird gebildet durch ein festes Fundament, das man einfach im Kopf haben muß – sonst kann man nicht mitspielen:

Das Fundament ist die Baßstimme, und wenn sich da eine Note ändert, dann macht das was Grundlegendes mit der Melodie – sie muß dann anders laufen2) – und die Variation funktioniert überhaupt nicht mehr.

Man kann nun nicht einfach zu “irgendeiner Macht” beten, dass einem was einfallen möge: es muß schon angelegt sein, und dann kommt es letztendlich von selber. Das muß man wissen und sich darauf verlassen können, und man muß viel üben und trainieren, denn man muß selbst die Voraussetzungen schaffen, dass überhaupt etwas passieren kann.

Das ist in der Religionsausübung natürlich ganz genau so: sie braucht Übung, und zwar langjährig und immerwährend, mal mehr, mal weniger. Jemand, der immer Atheist gewesen ist, kann überhaupt nichts zum Christentum sagen: er spricht wie ein Farbenblinder von einer Ampel. Er kann sie nutzen, weil er weiß, dass er fahren darf, wenn das untere Licht an ist. Er wird auch immer behaupten, dass es Farben – was immer das auch sei – überhaupt nicht braucht: er könne sich bewiesener Maßen auch ohne sie vollkommen sicher im Straßenverkehr bewegen. Dem ist nichts entgegenzusetzen: da hat er recht. Aber man kann daraus nicht folgern, dass die Farben abzuschaffen sind, weil die Farbenblinden sie nicht brauchen.


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Fußnoten:
  1. aber es wird trotzdem nicht klar werden, das weiß ich. [ ]
  2. Umgekehrt könnte man das vielleicht auch sagen, sonst wäre es nicht leicht möglich, zu einer gegebenen Melodie eine Baßstimme zu finden. Verschiedene Komponisten haben verschiedene Muster, wie sie Baßstimmen erfinden – das macht hauptsächlich den Charakter des Stückes aus. [ ]

Prepaid-Abzocke

Ein kleiner, fieser Trick ist den Prepaid-Handy-Vertreibern eingefallen, der vor allem Familien mit Kindern das Geld aus der Tasche zieht.

Viele Eltern kaufen ihren Kindern nämlich Handys mit Prepaid-Karten, weil sie möchten, dass ihre Kinder im Notfall Hilfe holen können – und weil Zeitverträge für Kinder unter Umständen mit hohen Kosten verbunden sind. Man kann mit Zeitverträgen nämlich einfach immer weiter telefonieren – und am Monatsende kommen dann Rechnungen zusammen, die manche Jugendliche schon vor dem Start ins Berufsleben in die Schuldenfalle entlassen. Bei Prepaid-Karten ist genau dann Schluss, wenn kein Geld mehr drauf ist – das schien bisher ein kalkulierbares Risiko zu sein.

Ist es auch, wenn man den ursprünglichen Plan, dass das Kind erreichbar sein soll, aufgibt und das Handy nur noch als Selbstzweck ohne den von den Eltern gewünschten Nutzen sieht.

Die Untergrenze für das “billigste Aufladen” eines Handys ist mittlerweile auf 15€ hochgeschnellt – drunter geht nichts mehr. Für einen Erwachsenen ist das in Ordnung – ich persönlich komme damit 3 Monate lang hin, weil ich ansonsten ja über’s Festnetz telefoniere.

Aber bei Kindern? Die haben wenig Kontrolle über ihr Telefonierverhalten, und 15€ sind in ein paar Tagen durch die Lappen. Dann sind die Eltern gezwungen, erneut 15€ auszugeben, wenn sie ihr Kind erreichbar halten wollen – oder das Handy erfüllt den gewünschten Zweck eben nicht.

Ich habe es bei meinen Kindern gesehen: man kann nicht erreichen, dass bei einem Kontostand von sagen wir mal 2 Euro das Kind aufhört zu telefonieren und das Monatsende abwartet. Das ist dem kindlichen Verhaltensmuster nicht angemessen, die fangen das ja jetzt erst an zu lernen1).

Und genau damit machen die Netzbetreiber ihren Reibach: sie kennen den Zusammenhang genau – und dass man manche Eltern auf diese Weise zwingen kann, Geld auszugeben, ohne dass sie es eigentlich wollen. Der Einzelhandel weiß genau das auch: mittlerweile ist es verpönt, genau an der Kasse in Kleinkindsichtweite Schokoladenzeugs aufzubauen, mit dessen Hilfe die Kleinen dann einen gehörigen Psychoterror entfalten, damit die Eltern das Zeugs kaufen. Das geht – ein paar Jahre später – mit den Handys natürlich genauso. Gerade Pubertierende können hier so unsäglich nerven, dass Netzbetreiber sie längst heimlich zu den Goldeseln der Nation erklärt haben. Mit der kleinen Modifikation, dass der Goldesel selbst hier gar kein Gold gibt, sondern dessen Eltern dafür in vorgezogenen Regreß genommen werden.

Ich finde, dass dieser Zusammenhang ausreichend Grund bietet, dass die Regulierungsbehörde für die Telekommunikation hier einschreitet: Ein Mindestaufladebetrag von 5€ gesetzlich sollte gesetzlich vorgeschrieben werden. Auch die sind natürlich schnell vertelefoniert – aber der Gesamtschaden für die Familien ist nicht so groß. Bei 30€ im 5er-Takt kann man 6 mal Leviten lesen, im 15er-Takt nur zweimal. 6 mal hilft da durchaus mehr, weil ja auch die Frequenz steigt.

Immerhin funktioniert das Eingreifen der Regulierungsbehörde auch bei anderen Gelegenheiten: bei der krassen Abzocke mit den Roaming-Gebühren ließ sich durchaus was machen (wenn auch nach den großen Ferien, wo am krassesten abgezogen wird).

Was meint Ihr?


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Fußnoten:
  1. Als meine Kinder in diesem gefährlichen Alter waren, war die 5-Euro-Aufladung noch möglich: telefonitisches Fehlverhalten riß da nicht so tiefe Löcher. [ ]

“The Architects of Finance”

Werbeslogan der Hypo Real Estate – Verlust drei Milliarden Euro allein im dritten Quartal 2008. Wahrscheinlich hat den Slogan keiner verstanden in der Bank.

Quelle: Nero 1/2009, S. 33

“Maßgeschneiderte Finanzlösungen – Made in Bayern”

Werbeslogan der Bayerischen Landesbank (Abschreibungen bis zu 5 Milliarden Euro)

Quelle: Nero 1/2009, S. 33

Syphilis

Es ist ja jetzt die Zeit der Weihnachtsbriefe. Und wie ich mich kenne, wird’s wieder nix. Aber man kann auch auf die Schnelle noch was machen, bei Leuten, die WENIGSTENS EMAIL haben. Nicht alle haben das, aber die haben dann in der Regel auch Anderes zu lesen, deren Freundeskreis ist eben anders gestrickt: die tun wachen, lesen, lange Briefe schreiben und sich durch die Blätter treiben.

Wer also noch Passendes sucht, der kann man hier schauen. Da ist das Wichtigste im Leben knurz und kapp zusammengefaßt. Aber achtet auf Tippfehler, nicht jeder ist ein Analphabet.

Bitte recht freundlich

Ich suchte gerade ganz internetziös den Text von “Wie schön leuchtet der Morgenstern” zum runterkopieren und fertig. Wenn man da mit dem Liedanfang drangeht, kriegt man Millionen Fundstellen, und davon sind 99% garantiert nicht der gesuchte Liedtext.

Ich gehe da immer anders vor: ich nehme eine Zeile aus dem Liedtext mit recht ungewöhnlicher Wortwahl, das reduziert die Fundstellen nämlich erheblich. In diesem Falle kommt ja in Strophe 41) der wunderbare Satz “Wenn du mich mit den Augen dein gar freundlich tust anblicken” vor.

Das bringt 229 Klickies (statt 31.000). Aber Google meint’s gut mit mir und schlägt alternativ “recht freundlich tust anklicken” vor.

Wie recht sie haben, die Automaten!


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Fußnoten:
  1. Text von Philipp Nicolai, 1599 [ ]

Einparken

Wer kennt sie nicht, diese amerikanische Psycho-Sozialkunde-Säusel-Ratgeber, in denen viele Probleme einfach keine sind, wenn man sie nur klein genug raspelt und dann noch schlecht übersetzt? Um einen Buchtitel, der mich schon seit einigen Jahren stört, ging es heute morgen beim Frühstück mit einem Freund – und jetzt weiß ich auch, was am Titel nicht sauber gearbeitet ist. Man denkt ja manchmal einfach nicht drüber nach – aber wenn, dann ist es wiederum ziemlich leicht, herauszufinden wieso.

Das Buch “Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken” wird einem im Großbuchhandel ja nachgeworfen, wenn man die Tür nicht zumacht und es deswegen der Kassiererin kalt wird. Viele haben hier recht tiefgehende Wahrheiten gefunden – so tief man mit dem Schüppchen am Strand halt kommt. Ich hab’s nicht gelesen, wie gesagt: der Titel nervte mich …

Was stimmt mit ihm nicht? Nun: es soll ein Buch über Beziehungen sein, so wurde es beworben:

  • ein wesentliches Merkmal einer Beziehung ist, ob man dem Partner zuhört.
  • kein besonders wesentliches Merkmal einer Beziehung ist, ob man gut einparkt.

Selbstverständlich wird die wesentliche Insuffizienz schon mal gleich auf dem Buchtitel dem Mann zugeordnet, die Nebensache, um die es gar nicht geht, der Frauenrolle. Denn so steht es geschrieben: Männer müssen einstecken, Frauen befördert werden1). Und das ist auch dann einzuhalten, wenn es laut Gesetz (oder in diesem Falle laut Buchtitel) eigentlich um Gleichbehandlung 2) geht.

Die Aussage, hinter die man nicht auf den ersten Blick mit dem Verstand kommt, ist dennoch von vornherein klar und unmißverständlich: Männer sind auf Beziehungskrüppel abonniert, Frauen können das und haben keine weitere Vervollkommnung nötig. Meine eigene Erfahrung ist da anders.


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Fußnoten:
  1. Es weiß keiner, wo das geschrieben steht, aber es ist wirklich besser, sich dran zu halten. Man hat erhebliche Nachteile, wenn man es nicht tut. [ ]
  2. Irgendeine findige Köpfin hat hier die in die Politik eingeflossene Differenzierung von  “erwünschter” und der “unerwünschter” Diskriminierung gebraucht. Jetzt ist wieder alles paletti. [ ]

Sind Frauen jetzt die Arier?

Das aktuell geltende Hochschulgesetz für Rheinland Pfalz bestimmt im § 26 Abs. 2 Nr. 11, dass Prüfungsordnungen an rheinland-pfälzischen Hochschulen die Regelung enthalten müssen, “dass bei mündlichen Prüfungen auf Antrag weiblicher Studierender die zentrale Frauenbeauftragte oder die Frauenbeauftragte des Fachbereichs teilnehmen kann”. Diese allein auf das Geschlecht der Prüflinge gemünzte Bevorzugung einzelner Prüflinge widerspricht so sehr unserem Grundgesetz, nach dem niemand aufgrund seines Geschlechtes benachteiligt oder bevorzugt werden darf (Art. 3 Abs. 3), dass es selbst Politiker/inne/n mit beschränktestem Horizont auffallen dürfte. Stünde dort, dass nur Arier oder Weiße das Recht haben, einen Rechtsbeistand mitzubringen, wäre die Infamie der Regelung wahrscheinlich auch für diese offensichtlich. Mit Männern freilich meint frau inzwischen alles machen zu dürfen.

Nun soll morgen eine entsprechende Prüfungsordnung auch in unserem Fachbereich verabschiedet werden. Aufgrund der Geltung rheinland-pfälzischen Gesetzes dürfte es nicht zu vermeiden sein, dass die genannte grundgesetzwidrige Bestimmung auch in dieser Ordnung enthalten sein wird. Ich will immerhin mal versuchen, dem Grundgesetz damit Genüge zu tun, dass eine zusätzliche Bestimmung eingefügt wird, nach der männliche Prüflinge das Recht haben, einen selbstgewählten Beistand mitzubringen. Sollte ich diese Regelung hochschulintern nicht durchbekommen, lehne ich die Prüfungsordnung ab und werde weitere rechtliche Schritte (bis hin zur Verfassungsbeschwerde) prüfen.

2008?

Einladung zu einer Veranstaltung des “Frauen- und LesBiTransInterA-Referats” der FU Berlin:

Kapitalismus und Geschlechterverhältnis. Neue Überlegungen zu einem alten Thema.

In den 1990er Jahren beherrschten dekonstruktivistische und poststrukturalistische Ansätze die feministische Theoriebildung. Konzepte, die auf die Marxsche Theorie rekurrierten, waren hingegen „mega-out“. Mittlerweile gewinnt Marx in der fundamentalen Krise des Kapitalismus wieder an Bedeutung. In dem Vortrag soll ein neues feministisches Konzept vorgestellt werden, das die Grundkategorien der Kritik der politischen Ökonomie zu den modernen Geschlechterverhältnissen in Beziehungsetzt. „Abstrakte Arbeit“ und „Verwertung des Werts“ gehen gleichursprünglich einher mit der Abspaltung sogenannter weiblicher Reproduktionstätigkeiten („Liebe“, Hege, Pflege, Kindererziehung, Hausarbeit usw.), die nicht im Verwertungsprozess aufgehen. Diese Momente der sozialen Reproduktion korrespondieren mit einer Abspaltung weiblich konnotierter Eigenschaften, wie diskursanalytische und psychoanalytische Untersuchungen zeigen (Emotionalität, Sinnlichkeit, „Charakter- und Verstandesschwäche“ etc.). Diese Konstellation änderte sich im Laufe der kapitalistischen Entwicklung von der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit über das industrielle Hausfrauenmodell bis hin zu den „doppelt vergesellschafteten“ Frauen (Regina Becker-Schmidt) heute, die für Familie und Beruf gleichermaßen zuständig sind und mit den Männern bildungsmäßig gleichgezogen haben. Sichtbar wird dabei, dass die „Wert-Abspaltung“ keine formale soziologische Struktur darstellt, die bloß bei einem vorherrschenden Geschlechterdualismus Gültigkeitbesitzt. Vielmehr handelt es sich um ein gesellschaftliches Grundprinzip des Kapitalismus, das als historisch-dialektischer Prozess aufzufassen ist. Dieses geschlechtliche Abspaltungsverhältnis als Kehrseite der Wertvergesellschaftung treibt auch dann noch sein „Unwesen“, wenn traditionelle Geschlechtsrollenmuster längst aufweichen und das Patriarchat in der Krise des Kapitalismus zunehmend verwildert.

Was für eine intergalaktisch-verquirlte Scheiße.

Contradictio nominale

Es kommt ja immer zu unfreiwilliger Komik, obwohl die Leute gar nichts dafür können: sie sind mit ihrem Namen geboren. So hatte sich eine Bekannte, Frau Andrea Schmidt-Oren, eine Visitenkarte drucken lassen, auf der sie ihren Vornamen mit “A.” abkürzen ließ. Denn sie wollte die Visitenkarte hochkant, obwohl bei postmatrimonialer Megalonamie1) in der Regel Querformat angesagt ist: einen Tod muß man sterben. Erst viel später kam sie drauf, warum die Leute immer grinsten, wenn sie eine Visitenkarte weitergab: ihr war da nie was aufgefallen.

Auch beim obigen Seminar divergieren Name und Programm, vom Referenten aus gesehen. Weiß nicht, ob das eine Frau oder ein Mann ist. Man hätte wenigstens den Vornamen ausschreiben sollen, dann wär’s etwas abgemildeter gewesen …

Aber auch der Referentenname “Schweigler” bei “Wirkungsvoll reden” hat was, nicht wahr?


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Fußnoten:
  1. Doppelnamen nach Verehelichung, um die eigene Identität deutlicher herauszustellen. Nicht zu verwechseln mit Megalomanie: diese Krankheit hatten die Herren Speer und Hitler [ ]

Schnee

Gestern abend antwortete ich af die Frage, ob in München Schnee läge, mit “Nein, nur ein bißchen Puderzucker”. Aber man könne es ja nie wissen, das könne sich durchaus schnell ändern.

Es hat sich geändert: übernacht ist die Welt in Weiß getaucht. Ich habe mir ein Foto gemacht, um es unter den Weihnachtsbaum zu legen. Für Dienstag ist schon wieder Regen angesagt.

O du fröhliche

Wie gesagt, in der Weihnachtsliedervesper will einer die Trompete spielen: das muß man gnadenlos ausnützen. Das geht natürlich auch sehr gut bei “O du fröhliche”. Ich habe mir heute schon anhören müssen: “Wenn ein Flötist für einen Trompeter was schreibt, dann ist der Trompeter eine arme Sau”. Na ja, das Publikum hat ja die Noten nicht, und man kann ja das ein- oder andere ein wenig, sagen wir kommoder gestalten. Was weiß ich, wie Trompete spielen geht.

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Der Chorsatz ist übrigens von dem dieses Jahr verstorbenen ehemaligen Münchner Domorganisten Max Eham. Wir haben ihn am 1. August auf dem Münchner Waldfriedhof begraben: es war eine wirklich schöne Beerdigung. Der singt jetzt oben bei den Engeln mit, und wir noch ein bißchen hier unten. Was auch nicht schlecht ist.

Metzger

Bevor es dem Vergessen der Geschichte anheimfällt, habe ich noch schnell der SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger in Hessen einen kleine Dankesbrief geschrieben. Ich finde es wichtig, Menschen zu unterstützen, die ihrem Gewissen folgen und nicht irgendeinem Fraktionszwang1).

Liebe Frau Metzger,

ich möchte mich mit dieser kurzen Notiz bei Ihnen für Ihre Standhaftigkeit bedanken. Es geht mir als CSU- Mitglied nicht darum, dass hier Andrea Ypsilanti oder eine SPD- Regierung in Hessen Gegenstand der Entscheidung waren. Allein wichtig ist, dass ein gewählter Volksvertreter seinem Gewissen folgt – auch gegen erheblichen Druck der Kollegen.

Ich glaube, das haben Sie richtig gemacht, und dafür haben Sie meine Hochachtung.

Es mag sein, dass Sie jetzt von vielen Menschen, mit denen Sie in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, Unverständnis und Ablehnung erfahren – aber das gilt nicht für die Menschen, die Sie mit ihrem Mandat vertreten haben (das sind nicht nur die, die Sie gewählt haben, auch alle anderen Bürger in der Bundesrepublik haben etwas davon). Die hört man weniger reden, die wissen auch nicht so viele Details, die Ihren Verdienst zu schmälern suchen: aber sie schauen dennoch hin.

Das ist ein Pfund, mit dem Sie wuchern können :- )

Viele Grüße aus Gröbenzell,
Thomas Reuter

Bei den anderen dreien, die etwas später das kleine Häuflein der Abweichler verstärkten (Silke Tesch, Jürgen Walter und Carmen Everts) werde ich das bei Gelegenheit auch noch tun: in solchen Fällen schreiben man keine eMails mit cc. Carmen Everts hat übrigens in ihrer Dissertation mit dem Thema “Wesen der Linkspartei” auseinandergesetzt – und sich konsequent wegen der dort herausgestellten Zusammenhänge von einer Zusammenarbeit mit dieser Partei abgewandt. Das war kein “Umfaller”, ganz bestimmt nicht.


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Fußnoten:
  1. Dieser Fraktionszwang heißt jetzt nämlich “Fraktionsdisziplin”, sein Inhalt hat sich aber nicht geändert. [ ]

Dreikönigsspiel

In den letzten Wochen habe ich – passend zum Oberuferer Christgeburtsspiel vor einigen Jahren – mir das Oberuferer Dreikönigsspiel vorgenommen. Uta Probst, Lehrerin an der Steiner-Schule in Gröbenzell, hat die Komposition von Leopold von der Pals für ein Streichquartett transskribiert und ich hab’s gesetzt1) – so daß man jetzt nicht immer von fliegenden Blättern spielen muß.

Kleine persönliche Anmerkung dazu: Es wird dem Stück manchmal eine “antisemitische Aufführungspraxis” angehängt. Tatsächlich ist es so, dass in dem Theaterstück ein paar Juden den Herodes beraten, und die kann man – wenn man will – lächerlich darstellen. Aber eine lächerliche Darstellung der Juden steht weltweit an jeder Weihnachtskrippe. Bei Jesaja 1,3 lamentiert der nämlich:

Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.

Die Praxis, Rind und Langohr an die Krippe zu stellen, soll also mitnichten die Naturverbundenheit Gottes herausstellen – im Gegenteil: sie ist ein – vor langer, langer Zeit – von der christlichen Kirche gezielt gesetztes Zeichen der Verachtung gegenüber den Juden. Weiß zwar heute keiner mehr – aber soll der, der es weiß, die Tiere jetzt da wegnehmen? Oder soll er sagen: das ist mir egal, für mich und die heutige Zeit ist das keine Verachtung der Juden mehr, sondern ein Zeichen dafür, dass Jesus Christus für die gesamte Welt gekommen ist, und nicht nur für uns Menschen? Ich denke, da muß man nicht lange reden.

Ähnliches geschieht auch in Bachs Passionen: da schreien und toben explizit die “Jüden”, und mordgeil verlangen sie nach dem Tod dieses Messias’. Aber es sind damit eben nicht namentlich die Juden gemeint, sie waren eben nur damals ebenfalls gerade in Palästina, als Jesus dort zur Erde kam. Er hätte auch in Bayern kommen können – sie hätten dasselbe Spielchen mit ihm getrieben (und ich fürchte, sie täten es heute noch).

Wir alle sind gemeint – nicht “die Juden”.


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Fußnoten:
  1. wer’s haben will, der darf sich gerne an mich wenden [ ]

AppleStore München

Heute war Wallfahrt zum hl. Appleonius in München: der erste deutsche Apple-Store öffnete in feinster Lage seine Pforten. Ich wollte auch hin, war aber morgens irgendwie noch ein bißchen zu … unbeweglich. Aber mein Sohn ist schon extra früh aufgestanden, mit der S-Bahn reingefahren, hat’s bis hinein geschafft und war unter den ersten 2.500 Besuchern, die ein T-Shirt mit Bayern-Fahne geschenkt bekamen. Also eine Bayern-Fahne, wie Apple sich das vorstellt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ich wollte ja auch hin, bin auch extra nach München reingefahren – aber es war aussichtslos, die Menschenschlange war zu lang. Drinnen war Riesenstimmung – die Angestellten schmissen mit T-Shirt-Schachteln um sich. Insgesamt ein gelungenes Ereignis, soweit ich das von draußen mitbekommen konnte.

Da muß man wohl mal an einem Mittwoch vormittag hingehen. Ich bin doch immer wieder überrascht, was diese Firma auf die Beine stellt und wie sie es versteht, ihre Kunden zu motivieren und bei der Stange zu halten. Ich bin ja auch einer von denen …

Jedenfalls freue ich mich, dass wir hier einen Apple-Store haben, und ich wünsche dieser Firma weiterhin gute Geschäfte und grundlegende Visionen. Sie können es, das haben sie mehrfach bewiesen, halten sich nicht mit Schnickschnack auf – und den Geschmack der Masse bestimmen sie selber (also nicht etwa umgekehrt). Jetzt kommt langsam der nächste große Schritt auf sie zu: sie müssen beweisen, dass sie damit nicht ausschließlich von Steven P. Jobs abhängig sind.

Kohlenzug

Ich krieg ja immer den Störungsticker der S-Bahn München. Wenn also irgendwo im Tunnel ein Oberleitungsschaden ist, sieht man gleich, ob man lieber mit dem Autor fahren sollte. Heute hatte das Stellwerk Pasing Probleme: das prickelt so richtig am Nikolausabend von 15:45-17:06. Da werden sich viele Väter heute gehörig verspäten und sich dann anhören müssen: Du kommst aber auch immer so spät …

Die Bahn schreibt dabei immer so richtig scheißfreundliche eMails:

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne telefonisch unter 01805- 66 10 10 (14ct./ min.) in der Zeit Montag – Freitag 7 bis 20 Uhr, Samstags 8 bis 20 Uhr zur Verfügung.

Für mich heißt das im Klartext:

Mein lieber Freund, von Dir erwarten wir den vollen Fahrpreis, egal ob wir fahren oder nicht. Wenn Du dann immer noch meckern willst, dann zahl dafür, und zwar saftig, und wir hängen Dich scheißfreundlich zunächst mal in die Warteschleife – für Dein Geld, nicht für unseres. Wir sind an Deiner Reaktion so wenig interessiert, dass wir Dich dafür zahlen lassen.

Für den Verein lohnt sich das: man kann annehmen, dass die Hotline rund um die Uhr angerufen wird, also tatsächlich für jede Minute mindestens 14c generiert werden – sogar wesentlich mehr, wegen der Warteschleife. Also kassieren sie pro Leitung, die sie dafür freihalten, im Monat sage und schreibe 2.587,20€1). Nur weil sie verspätungsgeplagte Kunden, die ja ihren vollen Beitrag bereits geleistet haben, erneut abzocken.

Von den knapp 2.600€ sieht der Dummdödel am Headset, der sich den Ärger der Kunden anhören muß, natürlich nicht viel. Das verstehen die bei der Bahn ganz integral als “Service” und lassen schicke Plakate drucken, bei denen man den Eindruck gewinnen muß, man könne für 29€ durch Deutschland fahren.

Die spinnen doch – aber sie haben ein Monopol. Wie mich dieses Zockerpack ärgert – und wie froh ich darum bin, dass das ganze Taktieren nicht aufgegangen ist: Mehdorn darf nicht mehr nach Investoren suchen. Was das bringt, sehen wir oben.


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Fußnoten:
  1. Das “Update available” im Bildchen stimmt nicht: die Bahn tut immer nur so. Da ist überhaupt erst 2011 ein Update possible, wenn Hartmut Mehdorn endlich in die goldene Hängematte geht [ ]