Dreikönigsspiel
In den letzten Wochen habe ich – passend zum Oberuferer Christgeburtsspiel vor einigen Jahren – mir das Oberuferer Dreikönigsspiel vorgenommen. Uta Probst, Lehrerin an der Steiner-Schule in Gröbenzell, hat die Komposition von Leopold von der Pals für ein Streichquartett transskribiert und ich hab’s gesetzt1) – so daß man jetzt nicht immer von fliegenden Blättern spielen muß.
Kleine persönliche Anmerkung dazu: Es wird dem Stück manchmal eine “antisemitische Aufführungspraxis” angehängt. Tatsächlich ist es so, dass in dem Theaterstück ein paar Juden den Herodes beraten, und die kann man – wenn man will – lächerlich darstellen. Aber eine lächerliche Darstellung der Juden steht weltweit an jeder Weihnachtskrippe. Bei Jesaja 1,3 lamentiert der nämlich:
Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.
Die Praxis, Rind und Langohr an die Krippe zu stellen, soll also mitnichten die Naturverbundenheit Gottes herausstellen – im Gegenteil: sie ist ein – vor langer, langer Zeit – von der christlichen Kirche gezielt gesetztes Zeichen der Verachtung gegenüber den Juden. Weiß zwar heute keiner mehr – aber soll der, der es weiß, die Tiere jetzt da wegnehmen? Oder soll er sagen: das ist mir egal, für mich und die heutige Zeit ist das keine Verachtung der Juden mehr, sondern ein Zeichen dafür, dass Jesus Christus für die gesamte Welt gekommen ist, und nicht nur für uns Menschen? Ich denke, da muß man nicht lange reden.
Ähnliches geschieht auch in Bachs Passionen: da schreien und toben explizit die “Jüden”, und mordgeil verlangen sie nach dem Tod dieses Messias’. Aber es sind damit eben nicht namentlich die Juden gemeint, sie waren eben nur damals ebenfalls gerade in Palästina, als Jesus dort zur Erde kam. Er hätte auch in Bayern kommen können – sie hätten dasselbe Spielchen mit ihm getrieben (und ich fürchte, sie täten es heute noch).
Wir alle sind gemeint – nicht “die Juden”.
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Fußnoten:
- wer’s haben will, der darf sich gerne an mich wenden [ ↩ ]



Ich bin entsetzt, dass hier versucht wird den Antisemitismus im Dreikönigsspiel zu relativieren mit der Argumentation, dass andere auch Antisemitisch sind. Wenn Juden nicht namentlich gemeint sind, warum werden sie dann namentlich genannt?
Na ja. Wenn ich sage, “Dir brennt doch der Hut”, dann meine ich damit auch nicht, dass Deine Kopfbedeckung in hellen Flammen steht. Oder wenn ich sage, “Du spinnst”, dann meine ich damit nicht, dass Du am Spinnrocken sitzt und die Spindel drehst.
Wir Menschen drücken uns ständig und ohne Alternativen immer wieder in Bildern aus, die eine Situation nicht genau treffen, sondern lediglich rudimentär zu beschreiben versuchen. Das ist in diesem Dreikönigsspiel auch so – und mit Antisemitismus hat das überhaupt nichts zu tun.
Es sei denn, man will es unbedingt. Dann natürlich.