Archive for Februar, 2009

Sicherungsverwahrung

Im law-blog äußert Rechtsanwalt Udo Vetter seine Bedenken, dass der Holocaust-Leugner Horst Mahler wegen Volksverhetzung 6 Jahre hinter Gitter muß. Das Landgericht München II hat ihn am Aschermittwoch dazu verurteilt.

Udo Vetter sieht das Dilemma aus der Sicht des Anwalts: einen Menschen zu 6 Jahren Freiheitsentzug nur wegen halsstarrigen Beharrens auf einer persönlichen Meinung zu verurteilen: das ist für einen Rechtsstaat eine äußerst grenzwertige Gratwanderung.

Andererseits kommt es bei diesem Urteil ganz erheblich darauf an, was genau geleugnet wird. Horst Mahler leugnet ja nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Oder dass alle Menschen vom Affen abstammen. Sondern er leugnet staatlich verordnete, zynische und menschenverachtende Grausamkeit, der sich 6 Millionen Menschen in jüngster Zeit nicht entziehen konnten. Diese Menschen mußten einen von einer Horde Wahnsinniger verordneten würde- und ehrlosen Tod sterben, eingeleitet durch jahrelange unmenschliche Grausamkeiten. Ihr Andenken wurde in den Schmutz gezogen, ihre Kultur wurde kaltschnäuzig vernichtet, und über Jahrzehnte wurde unser Volk, das sich nicht ausreichend dagegen gewehrt hat, mit dem Makel des staatlichen Terrors behaftet: das büßen wir heute noch – und noch lange. Das ist eine historisch belegbare Tatsache, die man nicht herbeifälschen kann: sie ist zu groß und umfassend, als dass man sie bei klarem Verstand leugnen könnte.

Wer sie dennoch leugnet, rührt an das menschliche Selbstverständnis und relativiert das unumstößliche Gesetz, dass Menschen einander nicht umbringen dürfen – aus welchen Gründen auch immer. Er sagt zwischen den Zeilen, dass “die paar Juden nicht so schlimm seien”. Wer das hinnimmt, der nimmt auch anderes hin, denn was “ein paar Juden” sind, ist nicht zu beziffern, und auch nicht, was aus welcher Sicht auch immer “Juden” sind. Also reicht einer, um das ganze System der Menschlichkeit ad absurdum zu führen – und das kann der Rechtsstaat nicht dulden.

Ich neige also dazu, in diesem Falle für mich privat die 6 Jahre für Horst Mahler als “Vorbeugehaft” zu definieren und – obschon von Übel, so doch von kleinerem – hinzunehmen: einfach, damit er nicht noch mehr Unheil anrichtet. Eine Art Sicherungsverwahrung also.

Tausendstel

Einen interessanten, zusammenfassenden Artikel liefert Telepolis über die Vorgänge, die zur gewaltigen Schieflage der Schaeffler-Gruppe führte. Offenbar hat sich die Miteigentümerin, Frau Maria Elisabeth Schaeffler, vollkommen verspekuliert: sie hatte – mitten in die Börsenkrise hinein – das Dax-Unternehmen Continental AG gekauft und mußte dafür dann 75€/Aktie bezahlen, obwohl die Aktien nur noch 11€ wert waren. Ein Riesengeschäft für die ehemaligen Continental-Aktionäre, die schenkelklopfend verkauften – die drohende Arbeitslosigkeit für rund 200.000 Arbeitnehmer, die diesen giergezeugten Reinfall bezahlen müssen. Die staatlichen Publikationsvorschriften, die genau so ein Desaster hätten vermeiden können, waren trickreich umgangen worden.

Jetzt soll’s der Staat richten – will heißen, der Steuerzahler. Es ist eigentlich schwer vorstellbar, dass die Familie Schaeffler den Gürtel enger schnallen wird. Wie soll das gehen? Was verstehen solche Superreichen unter “Gürtel enger schnallen”? Vielleicht ein paar Hausmädchen entlassen?

In den nächsten Tagen und Wochen wird der Mißgriff der Familie Schaeffler sicher mehr und mehr zu einem Umstand stilisiert werden, für den die Akteure “nichts konnten”, der “einfach so” passiert ist – damit der Weg frei wird für Milliardenspritzen des Staats. Ein paar Milliönchen der Steuergelder werden sicherlich in der Privatschatulle der Firmeneigner landen, das sind Bruchteile von Tausendsteln bei diesen Summen. Es wird- wenn es überhaupt jemals auffällt – begründet werden mit Arbeitsplatzerhalt.

Man sollte trotzdem wissen, wo die Haie schwimmen und wo die Heringe.

Papstentscheidung nichtig?

Peter Hünermann, einer der großen Kommentatoren des II. Vatikanums und Dogmatiker unserer Zeit, kommt in einem bemerkenswerten Artikel zu dem Ergebnis, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe aus der Pius-Bruderschaft aus kirchenrechtlichen Gründen nichtig sei, da sie gegen Glaube und Sitten verstoße. Mit dieser gegen das Kirchenrecht gerichteten Entscheidung stehe die Kirche “vor einem Scherbenhaufen ungeheuren Ausmaßes”.

Unaufgeregt

Ökumene-Logo von GröbenzellGestern abend gab es hier in Gröbenzell die jährliche gemeinsame Sitzung des Pfarrgemeinderats und des evangelischen Kirchenvorstands. Die “ökumenische Zusammenarbeit” läuft, wie es unser Pfarrer darstellte, völlig unaufgeregt – so daß es zum Beispiel gar nicht mehr groß auffällt, dass oft sonntags abends der evangelische Pfarrer mit ein paar Ministranten in der Apsis steht und das gemeinsame Abendlob leitet. Da die Evangelischen mehr das Wort in den Vordergrund stellen, kommen dann die Katholiken in den Genuß einer ausgefeilten Predigt. Und da die Katholiken das Wort zugunsten der Liturgie manchmal ein wenig zurückdrängen, schnuppert so mancher aufrechte Protestant unversehens den Weihrauch während des Magnifikats.

Wir haben die gemeinsame Sitzung aus dieser Tradition heraus dann mit einer gemeinsamen Vesper begonnen. Kurz vorher rief allerdings der Kirchenmusiker an, dass er krank sei und deswegen die musikalische Gestaltung nicht übernehmen könne. Da habe ich mich denn zu einer Uraufführung entschlossen: zum ersten Mal, seit ich in Gröbenzell wohne, habe ich mich an die Truhenorgel geschwungen und die Vesper gespielt – was dann ebenfalls völlig unaufgeregt ablief. Für mich war die Umstellung von einer einzelnen Pfeife auf deren etwa 200 natürlich schon etwas ungewohnt, aber wie mir hinterher einer sagte:

“Na siehste. Es geht doch.”

Dankschreiben

Dankschreiben PropsteikircheWie ich in schon berichtete, hatte ich an das Projekt “Propsteikirche Leipzig” was überwiesen, weil ich eine solche Verwegenheit – einfach in Deutschland für ein Projekt in Deutschland Geld zu sammeln – für unterstützenswert halte.

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten kam zu der Spendenbescheinigung auch noch ein Brief mit einem Dankschreiben zurück.

Das hat Stil.

Charts

Google eignet sich auch als einfacher Generator für Diagramme1), ohne dass man groß Excel oder Numbers anwerfen müßte. Angenommen, man hat die drei Wertepaare

  • HRE: 102
  • USCars: 10
  • Gates: 60

Dann sieht man mit dem folgenden (individuell anpaßbaren) Link eine Gegenüberstellung dieser Zahlen als Tortendiagramm:

http://chart.apis.google.com/chart?cht=p3&chd=t:102,10,60&chs=480×240&chl=HRE|USCars|Gates&chco=F8BC0F

Wer will, kann daraus jetzt ablesen, dass es überhaupt nicht reicht, wenn man Bill Gates’ Vermögen zu den Subventionen für die amerikanische Autoindustrie hinzunimmt, um den Betrag zu erreichen, wofür der deutsche Steuerzahler bei den Schlipsies von der HypoRealEstate geradezustehen hat.

Aber wer will das schon, denn das ist einfach zu scheußlich. Bleiben wir einfach dabei, dass Google uns wieder einmal ein nettes Spielzeug2) geschenkt hat.


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Fußnoten:
  1. Hier ist die Beschreibung bei Google [ ]
  2. Danke an DrWeb für den Tipp: man kann dort nachlesen, wie man auch Liniendiagramme machen kann. [ ]

Fehlbar

Der vom Papst designierte neue Weihbischof von Linz/Österreich, Gerhard Maria Wagner, hat darum gebeten, nicht Weihbischof zu werden. Der Papst hat dieser Bitte entsprochen.

Die österreichischen Bischöfe und die österreichischen Katholiken hatten massiv gegen diese Ernennung protestiert: Wagner gehört anscheinend zu einem ultrakonservativen Lager, und deren Vertreter wollen die Österreicher nicht zu ihren Hirten machen.

Neu an dieser Sache ist, dass der Vatikan sich dem Kirchenvolk beugt und einen einseitig gekürten Kandidaten nicht gewaltsam durchdrückt. Das paßt insgesamt zur Regentschaft von Benedikt XVI.: er macht den Eindruck, kein absolutistisch herrschender Papst sein zu wollen. Natürlich gibt es die Machtstrukturen des Vatikan. Die lassen sich nicht so leicht und von heute auf morgen durchbrechen, denn der Papst entscheidet nicht allein, sondern hat eine Entourage von Beratern um sich herum, die nicht alle Argumente immer offen auf den Tisch legen.

Aber immerhin ist er der erste Papst, der sich in seinen Lehrschreiben nicht mehr des pluralis majestatis bedient: er sagt nicht “Wir meinen”, sondern er sagt “Ich meine”. Damit stellt er sich selbst zur Diskussion – und nicht ein namenloses Team.

Damit, dass er der – wie auch immer zustande gekommenen – Bitte von Gerhard Maria Wagner entspricht und ihn nicht zum Weihbischof von Linz ernennt, gibt er zu, dass der Stuhl Petri sich irren kann und er selbst nicht gewillt ist, seine Fehler von anderen ausbaden zu lassen.

Das ist tatsächlich ein neuer Wind, der da aus dem Vatikan herüberweht.

Dicht

schneefensterVon Zeit zu Zeit sticht mich der Hafer, dann begebe ich mich in Diskussionen mit Weltverbesserern, die im Christentum den Urgrund aller Demütigung des Menschen sehen1). Man kann da immer schön sauber und sachlich argumentieren – es nützt einem nichts: die wollen das nicht sehen. Das dachte ich mir heute morgen beim Anschauen meines Dachfensters: es war zugeschneit, es kam Licht durch, aber was dahinter zu sehen wäre, ist durch eine dünne Schneedecke, die sich nur wenige Zentimeter vor den Augen befindet und mit ein paar Handbewegung entfernt wäre, vollkommen verbaut.

Erstaunlich ist, mit welchen tiefgreifenden Emotionen diese Diskussion geführt wird. Selbst kleine Einwendungen rufen immer wieder fundamentale Ablehnung, unsachliches Belfern und trotziges Beharren hervor. Es ist nicht zu fassen, dass da Leute, die seit Jahrzehnten jegliche Beschäftigung mit dem Christentum für Betrug und Lüge halten, der Gegenseite “als sicher erkannte” Glaubenstatsachen um die Ohren hauen – so, als wüßten sie, was die anderen zu glauben haben. Sie selbst stellen in Wort und Bild den Papst als Päderasten, Bösewicht mit Laseraugen und Unterdrücker der gesamten Menschheit dar, das Recht nehmen sie sich. Aber wenn man ihnen sagt, sie sollen den Quatsch lassen, dann werden sie zu Berserkern in Wortwahl und Argumentation.

Egal – aber es stimmt mich nachdenklich. Eine derart massive Unterdrückung seitens christlicher Amtsträger in dem Format, das sie beschreiben, können sie nicht erlebt haben: das gab es zu unseren Zeiten nicht mehr. Freilich erzählen sie vehement von kirchlicher Vereinnahmung, Bestrafung, Heimlichtuerei und Angstmache: aber ich vermute mal, dass das nichts weiteres ist als willkommerer Anlaß, so um sich zu schlagen.

Ich vermute den tieferen Grund im inneren Bestreben eines jeden Menschen, sich zu einer großen Gemeinschaft zugehörig fühlen zu dürfen. “Deutsch” sein reicht da nicht, das ist nach dem Krieg zu schwierig geworden. Außerdem muß dieses Zugehörigkeitsgefühl eine sprituelle Komponente haben, die sich der Vernunft entzieht: genau diese befriedigt vielleicht die Religionszugehörigkeit. Da die Religionsgegner aber genau diese Komponente für Quatsch halten, fehlt sie ihnen. Vielleicht erzeugt das diesen ungeheuren Druck, mit dem sie gegen religiös motivierte Weltanschauungen angehen.


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Fußnoten:
  1. Es ist nicht oft, denn das hält man – ernsthaft betrieben – nicht lange aus. [ ]

Fremdgooglen

googlenEs gibt ja Leute, die immer was wissen wollen – und eigentlich könnten die selber nach des Pudels Kern suchen (oder surfen). Sie müßten das, was sie suchen, nur bei Google eingeben, und schon haben sie alles, was sie wissen wollen.

Denen kann in Zukunft geholfen werden, denn Google denkt mit:

  • Man ruft die Seite letmegooglethatforyou.com auf
  • Dort gibt man den Suchbegriff ein
  • Man kopiert sich den Link in die Zwischenablage
  • Und schickt dem Wißbegierigen den kopierten Link.

Er lernt dann, wie’s geht. Also so zum Beispiel.

Gewaltpartnerschaft

Den folgenden, erstaunlichen Satz kann man als Fazit eines Telepolis-Artikels lesen:

“Tatsächlich aber geht körperliche Gewalt in der Partnerschaft zum überwiegenden Teil von Frauen aus, nicht von Männern.”

Der Beitrag widmet sich der Erkenntnis, dass körperliche Gewalt gegen Männer in der Partnerschaft sowieso tabuisiert wird, in jedem Falle aber massiv unterschätzt ist.

Wieso ist der Satz erstaunlich? Das Problem hierbei sehe ich dahingehend, dass die Klagen von Frauen jederzeit ungeprüft hin- und übernommen werden, während Männer sich ihre Glaubwürdigkeit dahingehend erst noch erkämpfen müssen. Wenn ein Mann Gewalterfahrungen in der Partnerschaft thematisiert, gibt es den berühmten “Blick zum Himmel”, während Frauen hier sofort ernstgenommen werden (zwangsweise).

Erst kürzlich las ich in einem bislang noch nicht veröffentlichten1) Untersuchungsbericht zum Thema “Gewalt”, dass “Gewaltopfer im weitaus größten Anteil weiblich sind”. Das ist einfach faktisch falsch – aber jede “Wissenschaftlerin” kann sowas einfach behaupten, und es wird geglaubt. Wenn dann noch Anita Heiliger in der Literaturliste auftaucht, dann ist sowieso Sense.

Die bunte Reihe der Vorabend-Serienfilme im Fernsehen führt uns das auch munter vor: weibliche Gewalt gegen Männer ist vollkommen ok. Da wird gespottet, geschmäht, getreten, geprügelt, geschlagen – und der Mann steht anschließend immer noch doof da, denn die Frau konnte ja einfach nicht anders. Umgekehrt ist das tatsächlich ein Tabu: Männergewalt gegen Frauen gibt es eigentlich nicht, außer dann, wenn der Täter sowieso ein Außerirdischer ist. Frauengewalt gegen Männer hingegen ist – normal.


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Fußnoten:
  1. ich arbeite dran … [ ]

Verwegen

Da soll sie hin, die neue PropsteikircheIn Leipzig will die dortige katholische Propstei-Gemeinde St. Trinitatis mitten in der Stadt eine neue katholische Kirche bauen. Dafür ist am kommenden Sonntag eine landesweite Spendensammlung in allen katholischen Kirchen angesetzt.

Im Hinblick darauf, dass Deutschland zu den Missionsländern gezählt werden muß, habe ich denen mal ordentlich was überwiesen1). Es geht hier nicht um die Verbreitung des katholischen Glaubens, sondern überhaupt darum, dass ein Zeichen gesetzt wird: gemeinsam sind wir stark genug, Orientierung und Richtlinien zu setzen – ohne Anspruch auf Übernahme. Die Christen sind ganz normale Menschen, aber sie interessieren sich füreinander. Und darüber hinaus auch für alle anderen, deren religiöse und weltschauliche Ansichten zunächst einmal nichts über ihr Menschsein sagt.

Eigentlich macht es Spaß, ein solches Projekt gemeinsam mit -zigtausenden von Menschen aus ganz Deutschland auf die Beine zu stellen. Ich wünsche ihnen Glück zu dieser verwegenenen Idee und organisatorischen Meisterleistung, eine Spendensammlung für eine Kirche auf ganz Deutschland auszudehnen. Gottes Segen haben sie, und meinen jetzt auch.


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Fußnoten:
  1. Sie gehen mit der Zeit, die Sachsen: man kann das gleich online erledigen … [ ]

Hexenhammer

in den letzten Tagen war ja wieder ein ordentliches Jagdhornblasen gegen die katholische Kirche: der Papst hatte hinsichtlich eines Holocaustleugner aus Versehen die Exkommunikation aufgehoben. Wenn der Papst was macht, dann entrüstet sich Deutschland gerne: das ist nämlich ungefährlich, und man kann seine Rechtschaffenheit mal so richtig herausstellen. Das hat dann zwar nur wenig mit dem zu tun, was der Papst gemeint oder gesagt hat – aber egal.

Gerne schaltet auch der bayerische Rundfunk zu solchen “aktuellen” Themen dann ein Tagesgespräch, bei dem die Leute anrufen und ihre Meinung kundtun können. Gestern war es wieder einmal so weit: “Verwirrung im Vatikan: Was bewegt den Papst?” fragte die Moderatorin Imke Köhle bedeutungsschwer in die deutsche Runde – und sie bekam mehr Antworten, als die Telefonleitungen verkraften konnte. Der Papst bewegt die Menschen eben – auch wenn die meisten von ihnen mit ihm und der sogenannten “Amtskirche” längst nichts mehr zu tun haben wollen.

Eine Dame aus Bad Waldsee “arbeitet” dort seit über 10 Jahren beim “Kirchenvolksbegehren” mit – und ich bin seitdem doch wieder ganz froh, dass von denen nur sehr am Rande die Rede ist. Die Dame beklagt, dass die Kirche den Frauen die Menschenrechte aberkannt hat (-1’45″) und dass der Hexenhammer immer noch nicht verboten wird (-0,36″).

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

O sancta simplicitas! Das sind so die einschlägigen, realitätsresistenten Meinungen, die einem immer wieder im Brustton der Überzeugung um die Ohren gehauen werden – und wo man dann nicht weiß, wo man anfangen soll. Wenn man ihnen den Fehler nachweisen würde (aber wer hat schon soviel Zeit, man müßte sie ja erst jahrelang dazu bringen, überhaupt einmal zuzuhören), dann wäre der Papst schuld, dass sie’s nicht besser wissen. Der hätte längst was tun müssen.

Skypefox://

skypelink

Wer einen Skype-Out-Account hat, der kann über den Mac (möglicherweise geht das mit PCs auch, wer weiß das schon) auch normale Telefone anrufen. Das kostet so um die drei Euro im Monat, dafür hat man eine Flatrate ins deutsche Festnetz.

Man kann also in diesem Falle über die Computerlautsprecher/Mikrofon oder ein Headset telefonieren und hat während des Telefonats die Hände frei – das nutze ich immer öfter. Die Tonqualität läßt ein bißchen zu wünschen übrig, ist eben reinrassiges VoIP1). Und ob immer gerade ein Rechner frei ist, der die IP-Pakete synchron transportiert, das wissen allein die Versprechungen der Provider. Sicher ist es nicht, und manchmal kämpft man mit Audio-Schatten …

Interessant ist, dass der Firefox2) Skype als eigenes Protokoll erkennt: Telefonnummern, die mit dem Präfix skype://+49 xxxx3) beginnen, kann Firefox also gleich an Skype weiterleiten, und Skype ruft die Nummer dann an. Man kann sich auf diese Weise also eine eigene Lesezeichenleiste nur mit Telefonnummern machen. Oder bei Google eine Seite mit Telefonnummern. Oder oder oder. Die Welt wächst zusammen.


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Fußnoten:
  1. Voice over IP [ ]
  2. Unbedingt diesen Link benutzen: firefox.com. Firefox.de ist ein Pirat, der sich die Adresse gesichert hat eine nicht autorisierte webSite. Ich weiß nicht, was die noch so alles treiben. [ ]
  3. die +49 ist für’s deutsche Festnetz. Sollte man immer voranstellen, sonst wird das vielleicht teurer als man denkt [ ]

Madoff

Der amerikanische Financier, Hedgefonds-Pirat und Vater des Nasdaq Bernard Madoff hat das Geld seiner Anleger mit einem Schneeballsystem verspielt: schätzungsweise 50 Milliarden Dollar sind den Bach runter. Ein eindrucksvolles Ergebnis einer Zockerkarriere, könnte man sagen. Sie begann anscheinend mit dem Wunsch nach einem ehrlichen Leben, aber dann lief – schätzungsweise in den 70er Jahren – etwas schief, und die Korrektur indessen lief so gut, dass die Schieflage sich immer weiter verschlimmerte. Bis sie bei 50.000.000.000 Dollar implodierte. Madoff – und das ist hervorzuheben – hat seinen Söhnen die Pleite gestanden, und die sind zur Polizei gegangen. Nicht der Staatsanwalt oder irgendwelche Medien haben also die Geschichte aufgedeckt, sondern letztendlich der Verursacher bzw. seine Familie selber. Nicht ganz rechtzeitig, würde man sagen, aber – im Gegensatz zu anderen Kriminellen – immerhin dann doch.

Es gibt da ein besonderes Problem: Madoff ist Jude. Bei den Juden ist der Traum von einem rechtschaffenen Leben nicht so eng mit dem Ideal der Askese verknüpft wie im Christentum oder z.B. im Buddhismus: bei den Juden ist Geldverdienen darum nicht so mit einem Makel behaftet. Wer Geld hat, muß das nicht irgendwie begründen, sich hinter hohe Mauern an den Starnberger See zurückziehen oder sich dafür entschuldigen: es ist in Ordnung. Denn es ist (meistens) so, dass die Juden über einen stärker entwickelten Gemeinsinn verfügen. Man hilft sich untereinander viel eher, weil das Geld nicht nur als Eigentum gesehen wird, sondern auch als Möglichkeit, Angehörigen der eigenen Religion unter die Arme zu greifen. Grundlegend hierfür ist das Vertrauen der Juden zueinander und untereinander.

Hier hat Madoff nun einen gewaltigen Flurschaden angerichtet:

Madoff erschüttert den Kern unserer Existenz als Juden. Das Überleben war uns nur möglich, weil sich jüdische Händler und Bankiers jahrhundertelang und über die Kontinente hinweg vertrauen konnten. Madoff hat aus dieser Tradition parasitisch profitiert und dem jüdischen Gemeinschaftssinn fürchterlichen Schaden zugefügt1).

Denn die meisten Anleger bei Madoff – und die mit den größten Verlusten – sind Juden, vornehmlich karitative Organisationen wie die vom KZ-Überlebenden Elie Wiesel gegründete Stiftung “The Elie Wiesel Foundation for Humanity”. Sie haben ihr Geld gutgläubig bei Madoff angelegt – und nun ist es weg. Das ist eine Katastrophe für das jüdische Selbstverständnis. Dabei geht es nicht um das Geld, sondern um das erschütterte Lebensgefühl: ein Jude hat Juden Milliarden Dollar gestohlen.

Deswegen erwarten amerikanische Juden jetzt eine Welle antisemitischer Sprüche in den USA nach dem Motto:

Hoffentlich ist daran kein Jude schuld – sonst machen uns die Gojim kollektiv dafür verantwortlich1).

Aber bisher ist das anscheinend weitgehend ausgeblieben. Die Angst hat sich auch bei vergangenen Affären als unbegründet erwiesen, in denen Juden die Delinquentenrolle gegeben haben. Vielleicht gelingt es – zumindest in den USA – endlich, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion nicht automatisch Rufe nach kollektiver Haftbarmachung nach sich ziehen. Aus leidvoller Erfahrung heraus sind die Juden davon aber nicht leicht zu überzeugen.


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Fußnoten:
  1. Zitat: Cicero 2/2009, S. 25ff [ ] [ ]

Atompapst

atompapstWieder mal Verwunderliches aus den Blogstatistiken: Heute wurde das Diesellog mit Hilfe diverser Suchmaschinen über die Begriffe “Atombombe”, “wir sind papst” und “what the fuck” gefunden.

Letzters denke ich mir recht häufig, wenn ich mir die Suchmaschinenstatistiken angucke. Da käme man nie selber drauf, nach was man alles suchen kann – und in welcher Kombination …

Das Haus von C.

dateDa ziehst Du Dir abends, nach getaner Arbeit (und dem Rest, der wieder einmal liegen geblieben ist) zur Entspannung und überhaupt noch einen dieser kleinen Liebesfilme rein – und dann spielt der in einem Haus und um ein Haus herum, das Du kennst: das von Freundin C.

Ist aber auch wirklich ein tolles Haus, vor allem im Sommer: sie ist ja nicht umsonst Innenarchitektin. Sie haben gar nicht viel umgebaut für den Film; der lange Tisch zum Beispiel steht immer da, als wäre das Drehbuch nur für ihn geschrieben. Und rechts vor dem letzten Fenster, das man sieht, steht immer das iBook, dass ich ihr besorgt habe: in so ein Haus paßt nun wirklich kein PC-Schlunz.

Ich habe sie gleich angerufen, aber sie hatte keine Zeit: sie mußte Fernsehn schaun. Und ich, ich liebe Filme aus München und Umgebung. Ist toll hier.

Papst entspannt die Situation

Mit der heutigen Erklärung (Ausschnitte hier) hat der Papst die verfahrene Situation doch sehr entspannt. Nun weiß man wenigstens, dass man als theologischer Lehrer die Beschlüsse des II. Vatikanums weiterhin als verbindlich lehren darf – und muss. Die schwierigere Aufgabe bleibt freilich noch bestehen: Den Widerruf der Holocaustleugnung gegen Herrn Williamson sowie die vollständige Akzeptanz der Beschlüsse des II. Vatikanums gegen die Pius-Brüder auch durchzusetzen. Da bin ich noch skeptisch.

weblog schreiben

Anna, orthodoxe Jüdin in Deutschland, sinniert in ihrem weblog mittendrin darüber, was für einen Sinn und Zweck ein weblog überhaupt hat. Sie macht im Moment schwere Zeiten durch: im Kommentar-Pool ihrer Site tummeln sich Anti-Israelis, Pro-Israelis, Dafür-aber-jetzt-dagegens, Dagegens-aber-in-diesem-Fall-dafürs, haufenweise Gutmenschen – kurz, alles, was ein Krieg so polarisiert und an schlechten Eigenschaften in den Menschen hervorruft. Viele sehen – auch aus der Entfernung – den Krieg als Freibrief dafür, jetzt mal richtig die Sau rauszulassen. Das kennt man ja.

Aber webLog Schreiben dient nicht der Erziehung der Massen. Man schreibt halt hin, was man denkt – und stellt sich damit der Kritik. Ich weiß nicht, ob die Welt davon besser wird, wahrscheinlich nicht.

Aber ich habe schon öfter beobachtet, dass sich etwas ändert, wenn einer es mal auf den Punkt bringt. Deswegen finde ich es gut, wenn Anna weiter webLog schreibt. Mich interessiert ihre Sicht als Jüdin in Deutschland – und es ist natürlich gerade für die Deutschen, die den Holocaust erst gute 60 Jahre hinter sich haben, wichtig, dass auf diese Weise ein Stückchen jüdisches Leben und jüdische Kultur wieder offenbar werden. Die Nazis haben nicht nur die Menschen ausgerottet, sondern auch ihre Weise zu denken, ihre Art, miteinander umzugehen, ihre Werte, ihre Kultur, ihre Musik, ihre Bücher – fast alles. Sie haben sie zu Fremden im eigenen Land gemacht, und wir wissen nichts mehr von ihnen. Es ist ein lohnendes Ziel, daran zu erinnern und – auch angesichts der brutalen Zerschlagung der gewachsenen, bodenständigen eigenen Kultur – mit dem Neuaufbau fortzufahren. Es sind deutsche Juden in Deutschland, und sie gehören genauso hier hin wie ich – und nicht nach Israel. Wer was anderes sagt oder denkt, hat BSE1).

Aber ebenso zum weblog-Schreiben gehören die vielen Idioten, die rumkrakeelen. Auf meinen NDR-Beitrag gab es auch ein paar, deren Schnauzerei es nicht wert war, veröffentlicht zu werden2). Damit muß man leben.

Damit kann man leben.


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Fußnoten:
  1. Eine bovine (rindshafte) Form der Hirnerweichung, die sich in stetem Wiederkäuen einmal vorgefaßter Meinungen äußert. Mr. Williamson ist so ein BSE-Fall, aus Versehen und ohne eigenes Zutun wieder katholisch [ ]
  2. Einer dieser Heckenschützen hat es sogar unter falscher eMail-Adresse getan, und als ich den vermeintlichen Schreiber zur Rede stellen wollte, stellte sich heraus, dass er es gar nicht gewesen ist. [ ]