Fehlbar
Der vom Papst designierte neue Weihbischof von Linz/Österreich, Gerhard Maria Wagner, hat darum gebeten, nicht Weihbischof zu werden. Der Papst hat dieser Bitte entsprochen.
Die österreichischen Bischöfe und die österreichischen Katholiken hatten massiv gegen diese Ernennung protestiert: Wagner gehört anscheinend zu einem ultrakonservativen Lager, und deren Vertreter wollen die Österreicher nicht zu ihren Hirten machen.
Neu an dieser Sache ist, dass der Vatikan sich dem Kirchenvolk beugt und einen einseitig gekürten Kandidaten nicht gewaltsam durchdrückt. Das paßt insgesamt zur Regentschaft von Benedikt XVI.: er macht den Eindruck, kein absolutistisch herrschender Papst sein zu wollen. Natürlich gibt es die Machtstrukturen des Vatikan. Die lassen sich nicht so leicht und von heute auf morgen durchbrechen, denn der Papst entscheidet nicht allein, sondern hat eine Entourage von Beratern um sich herum, die nicht alle Argumente immer offen auf den Tisch legen.
Aber immerhin ist er der erste Papst, der sich in seinen Lehrschreiben nicht mehr des pluralis majestatis bedient: er sagt nicht “Wir meinen”, sondern er sagt “Ich meine”. Damit stellt er sich selbst zur Diskussion – und nicht ein namenloses Team.
Damit, dass er der – wie auch immer zustande gekommenen – Bitte von Gerhard Maria Wagner entspricht und ihn nicht zum Weihbischof von Linz ernennt, gibt er zu, dass der Stuhl Petri sich irren kann und er selbst nicht gewillt ist, seine Fehler von anderen ausbaden zu lassen.
Das ist tatsächlich ein neuer Wind, der da aus dem Vatikan herüberweht.



Die österreichischen Diözesanbischöfe haben auch sehr deutlich gemacht (http://www.katholisch.at/content/site/unsichtbar/sondertagung/article/28349.html?SWS=bcb9b7d7500c60cda651189269c7cb3a), dass die Verfahren die für solche Vorgänge vorgesehen sind, notabene auch eingehalten werden sollten. Was im Vatikan neuerdings für ein Durcheinander produziert wird, ist wohl selbst für Insider auch kaum mehr durchschaubar.