Archive for Juli, 2009
Freitag, 31.7.09 - by Thomas

Die “Süddeutsche Zeitung” macht’s vor: es gibt eine Bilderstrecke zum Thema “Neureich”. Darin stellt sie junge Unternehmer vor, die in irgendeiner Weise über das Medium Internet ziemlich schnell reich geworden sind. Und zwar richtig reich.
Der Aufmacher in der rechten Leiste zeigt – eine Frau. Ist klar: wenn von Leistung die Rede ist, dann muß das immer in Zusammenhang mit Frauen propagiert werden, auch wenn die Leistung … nun, sagen wir mal, noch ausbaufähig wäre. Alle anderen 9 Leistungsträger, die die Süddeutsche vorstellt, sind Männer. Also ein Verhältnis von 10:1 zugunsten der Männer, und propagiert wird natürlich eine Frau.
Wenn man sich das dann mal genauer ansieht, dann ist die Dame die einzige unter den 10 Vorgestellten, die ihr Emporkommen keiner eigenen, innovativen Idee verdankt: sie hat nur einen lukrativen Vertrag bei Google unterschrieben) und damit dann schwer Kohle gemacht. Die 9 Männer verdanken ihren Reichtum eigener Initiative, kreativen Ideen und einem männlich-gesunden Risikobewußtsein.
Ich will hier nicht die Leistung der vorgestellten Dame schmälern, sondern die der Online-Redakteure der Süddeutschen Zeitung. Sie verzerren bewußt) das Bild von Männern in der Öffentlichkeit, obwohl es nicht nötig wäre. Und es zeigt, dass es die gerne beschworene Benachteiligung von Frauen in der Öffentlichkeit beim besten Willen nicht gibt: sie werden sogar dann als einzige auf’s Tablett gehoben, wenn ihre Leistung weitaus geringer ausfällt als die der Männer, mit denen sie verglichen werden.
________
Fußnoten:
Donnerstag, 30.7.09 - by Thomas
Von genderama kommt der Hinweis auf einen Artikel in der Ärzte-Zeitung: dort warnt der Kinderarzt Tilman Kaethner davor, dass Jungen häufig zu Unrecht therapiert werden, wenn sie sich nicht wie Mädchen verhalten.
Und wer entscheidet, was therapeutisch passend gemacht werden muß? Zitat aus dem kurzen Artikel:
So würden immer mehr Mütter auf Anraten der Erzieherinnen und Lehrerinnen mit ihrem Sohn zum Arzt geschickt, um dem Kind Ergotherapie verschreiben zu lassen.
Was Jungs heute zu leisten haben, ohne dass sie dabei die geringste Förderung erfahren, ist schon enorm:
- Sie müssen sich – vollkommen alleingelassen – als kleine Buben durch eine Phalanx von Passendmacherinnen durchkämpfen: wer sich erwischen lässt, wird therapiert
- müssen gegen die Ansicht, sie hätten nun mal leider das falsche Geschlecht, ein stabiles Ich entwickeln,
- müssen ohne geschlechtsspezifische Förderung durch die Phase der Berufswahl hindurch und es wird ihnen vermittelt, dass typisch männliche Berufe wie Ingenieurswissenschaften irgendwie nicht so wertvoll seien
- sich zudem immer wieder sagen lassen, dass erwachsene Männer als Vorbild nicht taugen,
- im Fernsehn sehen sie täglich, wie weibliche Aggression und Gewalt gegenüber Männern als angemessen oder “ist nicht so schlimm” dargestellt wird. Ihnen hingegen wird vermittelt, sie seien potentielle Frauenschläger, obwohl es solche Szenen im Fernsehen so gut wie nie gibt.
- Viele von ihnen erleben, wie im Scheidungsfall der Vater – also ihr Rollenvorbild – mit Hilfe staatlicher Gewalt aus ihren Lebens- und Beziehungszusammenhängen brutal ausgegrenzt wird und sie müssen es verkraften, dass Mutter kein gutes Haar mehr an ihm läßt. Auch hier lernen sie: Männer sind generell schlecht, und das, was Mutti hier mit Vati abzieht, ist ein Einzelfall.
- Konform zu der eingehämmerten Lernerfahrung, dass Männer und Frauen zugunsten von Frauen gleich sind, müssen sie zur Bundeswehr oder zum Ersatzdienst, während ihre geförderten Mitschülerinnen keinerlei Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft aufgebrummt bekommen
- Und sie bekommen noch das Rollenbild mit, dass Männer sowohl Haushalt als auch Beruf gleichzeitig zu erledigen haben, damit Frauen nicht so viel arbeiten müssen. Dass sie als Männer auch viel arbeiten, wird nie erwähnt: männliche Arbeit ist selbstverständlich und zählt nicht.
Da kommt noch was auf uns zu. Ich fürchte, dass das für die Frauen nachfolgender Generationen ziemlich schlecht ausgeht: das Pendel wird irgendwann böse zurückschlagen. Aber dann sind die, die uns den Blickwinkel so massiv verbogen haben, ja schon längst über die Wupper und müssen die Verantwortung für das, was sie angerichtet haben, nicht übernehmen.
Dienstag, 28.7.09 - by Thomas
Ex-Bundes-Familienministerin Renate Schmidt im Tagesschau-Chat am 3.6.2003)
„Alle Analysen, die ich kenne, stimmen darin überein, dass Männer mehr Zeit auf ihren Beruf verwenden. Das gilt gleichermaßen für die Wochenarbeits- und die Lebensarbeitszeit. Damit nicht genug: Je härter, schmutziger und gefährlicher ein Job ist, desto weniger Frauen werden ihn ergreifen. Diese Umstände und nicht etwa ‘Unterdrückung’ oder ‘Diskriminierung’ machen die Gehaltsunterschiede aus. Das wird auch durch die Tatsache belegt, dass Frauen und Männer ziemlich genau dasselbe verdienen, wenn sie ins Berufsleben eintreten.“
Wer ist jetzt eigentlich benachteiligt, wenn man dazu noch immer wieder feststellt, dass das Einkommen des Mannes landauf, landab zum Familieneinkommen gerechnet wird, das Einkommen der Frau aber sehr häufig “mein Geld” ist?
Außerdem redet “Zensursula” von der Leyen jedes Jahr mit schöner Regelmäßigkeit an den vielen Frauengedenktagen von den sogenannten skandalösen Einkommensunterschieden zu Ungunsten der armen, armen Frauen. Das nimmt sie genauso regelmäßig immer dann zurück, wenn die Kameras wieder ausgeschaltet sind. Macht die einfach, weil sie weiß, dass das Dementi ja keiner mehr mitkriegt.
________
Fußnoten:
Samstag, 25.7.09 - by Herbert
Im Hessischen Rundfunk hörte ich heute von der Idee eines evangelischen Pfarrers in Kassel, der sich unter dem Slogan “Rent a pastor” während der Sommerzeit kostenlos für jeweils eine Stunde zum Gespräch buchen lässt; Ort und Zeit nach Wahl des Buchenden.
Ganz neue Kontakte seien dadurch entstanden, sagte der Pfarrer; an den unterschiedlichsten Orten in und um Kassel sei er mit seinen Gesprächspartnern zusammengetroffen.
Prima Idee finde ich; nur: warum muss es wieder ein englischer Slogan sein? Damit es modern klingt? Attraktiv? Au weia
Freitag, 24.7.09 - by Thomas
Der Nachbarsjunge Ricki will unbedingt seine Lieblingssommerabendbeschäftigung in Gang bringen: mit dem Beamer Mr. Bean auf die Hauswand schmeißen und alle Kinder aus der Nachbarschaft dazu einladen. Gerne auch, wenn es dazu Erdnußflips gibt und nicht regnet, wie zum Beispiel gestern abend.
Dazu hat er jetzt eine Zettelkommunikation angefangen, die er immer mit P. S. Ricki unterschreibt. Na, mal sehen. Morgen ist Samstag, und wenn das Wetter schön ist, kaufe ich eine Familienflasche Mückentod und auf geht’s.
Diese Art der Kommunikation ist so eine Art paperbased iChat, und ich werde den Teufel tun und ihm erzählen, dass das über den Mac viel einfacher geht.
Freitag, 24.7.09 - by Thomas
Boehringer Ingelheim bastelt an einem “Viagra für Frauen” herum. Der chemisch gepushte Leistungs-Orgasmus – diesmal für Frauen – soll dann ab 2010 denen, die es sich leisten können, 1 bis 2 Events mehr im Monat bringen, schreiben sie in der Zeit.
Der schönste Erguß des Artikels ist allerdings dieser Nonsens-Satz, den man ein bißchen weiter hinten findet – der aber in seiner Art in einem ZEIT-Artikel nie fehlen darf:
Pharmakritische Wissenschaftlerinnen wiederum machen darauf aufmerksam, dass Ganztagskindergärten dem Sexleben junger Mütter mehr helfen würden als alle Medikamentenforschung der Welt zusammengenommen.
Tja, was sollten sie auch sonst tun.
Aber ein guter Anfang wäre zum Beispiel die Idee, Väter in ihren Elternrechten gleichzustellen, damit die nach der Scheidung – die für die oben angedeuteten Fälle unausweichlich ist -, die Verantwortung für ihre Kinder auch wirklich übernehmen könnten. Dann hätten die “jungen Mütter” auch wieder mehr Zeit für’s Sexleben.
Donnerstag, 23.7.09 - by Herbert
Gender Mainstreaming ist in, ist sogar so in, dass das zuständige Ministerium sich eigens eine Seite dafür reserviert und eingerichtet hat. Hier heißt es ganz oben: “Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.”
Mit Hinweis auf dieses Gender-Mainstreaming (was ein blödes Wort! Und: muss eigentlich alles englisch formuliert sein heute, damit es in unserer verrückten Gesellschaft etwas gilt?), hat Emmanuel Declerq darauf hingewiesen, dass Frauen ein deutlich höheres Renteneintrittsalter als Männer haben sollten, da sie ja auch um einige Jahre länger leben als Männer (Leserbrief zum FAZ-Artikel: Wer länger lebt, soll länger arbeiten; fiel aber inzwischen offenbar der Zensur zum Opfer).
Ich finde die Forderung sehr logisch und plausibel. Wenn Gender Mainstreaming einen Sinn haben soll, dann bitte so.
Mittwoch, 22.7.09 - by Thomas
Aus einem launischen ZEIT-Online-Artikel über Jörg Tauss, den sie wohl aus dem Tagesspiegel kopiert haben:
Der Oberpirat setzt die Segel und nimmt Kurs auf das Gewittertief Zensursula. Wer klug ist, bleibt im Hafen und schaut von der Küste aus zu.
Der Autor, ein naseweiser Jost Müller-Neuhof, bleibt lieber im Hafen und läßt sich irgendwo auf die Gehaltsliste setzen. Und profitiert hinterher von denen, die die Segel setzen und sich nicht immer alles gefallen lassen. Das ist genau das, das ich an (ZEIT-)Journalisten so eklig finde: hier hat es mal einer geradewegs hingeschrieben.
Es gibt übrigens einen Jost Müller-Neuhof, der 2006 beim Tagesspiegel rausgeflogen ist: ob die beiden identisch sind, weiß ich natürlich nicht. Der vom Tagesspiegel hatte jedenfalls die Archäologin und Irak-Geisel Susanne Osthoff für den Grimme Preis vorgeschlagen und dann gleich vom Tagesspiegel hochjubeln lassen, wobei der Tagesspiegel auch noch im Juroren-Gremium saß – er hatte also seine journalistische Macht sträflich mißbraucht. Das sah die Zeitung auch so, schmiß ihn raus, und das Arbeitsgericht bestätigte die Entlassung.
Solche entscheidenden Hinweise im Leben weiß nicht jeder richtig zu deuten: Anscheinend hat er was Falsches dazugelernt.
Montag, 20.7.09 - by Thomas
Anruf beim “Cicero“: ich will meine Zustelladresse ändern. Anscheinend wollen das heute morgen ganz viele gleichzeitig: ich lande in der Warteschleife, die zu mir wie folgt spricht:
Guten Tag, lieber Anrufer, bitte haben Sie etwas Geduld: der nächste freie Mitarbeiter ist für Sie reserviert.
Ui, denke ich. Die haben was kapiert. Die können Genus und Sexus unterscheiden und wissen, dass ein Mitarbeiter sowohl ein Mann als auch eine Frau sein kann und dass es deswegen genügt, hier den Oberbegriff zu nennen. Weil es für das, was der Anrufer will, nicht wichtig ist, ob er das mit einem Mann oder mit einer Frau regelt.
Cicero-Leserservice: Sie sprechen mit Frau Jahn. Was kann ich für Sie tun?
Siehste. Frau Jahn wirkt aufgeräumt, freundlich und kein bißchen unterdrückter als ein männlicher Kollege. Siehe auch Genderwelsch.
Montag, 20.7.09 - by Thomas
In England kann man sich jetzt die Kommunion per Post schicken lassen: der Londoner Bischof Jonathan Blake von der Offenen Episkopalen Kirche versendet die Oblate per Post. Kostet in paar Pfund, aber dann kann man schön zu Hause feiern, wenn’s gerade paßt. “The Eucharist or Mass may be celebrated using any traditional liturgy and may vary from parish to parish where the priest and congregation are free to choose the form of worship that they will use”, heißt es auf deren webSite: Die Eucharistie oder Messe kann mit jeder traditionellen Liturgie gefeiert werden und kann von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein. Priester und Gemeinde können sich die Form der Liturgie, die sie feiern, frei aussuchen. Das Messbuch kann man sich aus dem Internet downloaden, heißt es dort).
Nur für die, die jetzt wieder einen auf superfortschrittlich machen und auf die Idee kämen, dass der Papst oder sonst ein Vertreter der katholischen Kirche das jetzt ENDLICH auch mal machen könnte: wird er nicht, weil das ja schon die offene episkopale Kirche macht. Und wahrscheinlich auch deswegen nicht, weil eine der drei Säulen der katholischen Kirche die Diakonie ist. Die besagt, dass man schon selber zu den Menschen hingehen und nachschauen muß, wie es ihnen geht. Das Abendmahl kann die katholische Kirche nur in einer sich versammelnden Gemeinde) feiern, sonst macht es keinen Sinn. In der katholische Kirche wird niemand ernsthaft glauben, dass ein Postbote, der die Hostie gerade ausgeliefert hat, auch zum Abendmahl noch kurz dableibt (Danke Leute, war Klasse, aber ich muss dann wieder …).
Danke an Gregor für den Link auf diesen wunderbaren neuen Service!
________
Fußnoten:
Samstag, 18.7.09 - by Thomas
Was mir gerade an diesem verregneten Samstag Nachmittag, an dem ich ein kleines Mittagsschläfchen halten möchte, auffällt:
Ruhe. Kein Rasenmäher, auch nicht 4 oder 5 gleichzeitig. Keiner fährt mit dem Auto rum. Und kein Kindergeschrei, obwohl mich letzteres überhaupt nicht stört. Es stört mich aber auch nicht, dass es fehlt.
Nur die Regentropfen auf dem Velux-Fenster. Das ist zu verkraften.
Schöner Regentag!
Freitag, 17.7.09 - by Thomas
Einen Test, ob man sich im Kirchenjahr auskennt und außerdem noch weiße, welche Symbole ihnen in der evangelischen Kirche zuordnet, kann man hier machen. Ich bin offensichtlich vom jahrelangen Gebrauch des Mac schon selbst sehr stark ikonisiert: ich konnte den Test mit dem recht positiven Ergebnis von 100% abschließen)
________
Fußnoten:
Donnerstag, 16.7.09 - by Thomas
Heute mußte ich auf Geheiß eines Kunden den Begriff “Internist” durch “Internist/in” ersetzen.
Hier hat offensichtlich längst der Automatismus eingesetzt, der viele Deutsch mittlerweile dazu veranlasst, vor ein Plural-s einen Apostrophen zu setzen. Der Apostroph gehört also schon mit zum Erscheinungsbild eines “s” am Wortende. Ganz so ungewöhnlich ist das gar nicht: in der Sütterlin-Schrift gab es tatsächlich ein eigenes “s”, wenn dieses am Satzende auftrat). In diesem Falle schlägt der Pawlowsche Reflex auch zu: eine Sachbearbeiterin hat einen männlichen Ausdruck gefunden und zack – der muß gegendert werden.
Mit dem Internist/in hat es nämlich folgende Bewandtnis: er steht in einer Auflistung verschiedener ärztlicher Fachrichtungen:
Fachrichtung:
- Orthopädie
- Allgemeinmedizin
- Internist
- Sonstige (So war’s bisher)
Was passiert? Das durchgegenderte Auge der Sachbearbeiterin fällt natürlich über das männliche “Internist” – und da setzt der Automat des vorauseilenden Gehorsams ein: SOFORT Internist/in drüberpinseln. Dass das Wort aus dieser Liste schon allein deswegen herausfällt, weil es einen Beruf bezeichnet und nicht etwa eine Fachrichtung – bis dahin kommt sie gar nicht, das Denken hat schon vorher ausgesetzt.
Seufz. Ich habe es schon längst aufgegeben, darauf hinzuweisen, dass allerhöchstens Personen ein Geschlecht haben können. Berufsbezeichnungen nicht, Amtsbezeichnungen auch nicht. Jetzt sind wir schon so weit, dass auch Fachrichtungen eine Verweiblichungsform benötigen. Es ist einfach hirnlos …
________
Fußnoten:
Donnerstag, 16.7.09 - by Thomas
Viele Menschen sind auf der Suche nach geheimen Zusammenhängen – so auch Zahlenmystiker bei der Interpretation der Werke Johann Sebastian Bachs). Wenn man die Zahlenwerte des Namens B-A-C-H addiert (A=1), dann kommt man auf 14. Man denkt sich nun noch schnell ein Verfahren aus, wie man Noten in Zahlen umsetzt – und findet den Zahlenwert “14″ in jeder Komposition Bachs wieder. Mei, war des a Hund!
Natürlich findet man die 14 auch in Mozarts Werken andauernd – und den Zahlenwert für MOZART auch ständig in jeder einzelnen Bachkantate – und flugs wird aus Johann Sebastian Bach eine Art Johannes, der Mozart schon angekündigt hat. Und um die magische Zahl 6, die die Anzahl von Jahren enthält, nach denen Mozart nach Bachs Ableben geboren ist, wird dann zur Grundzahl der Matthäuspassion. Oder der Aria von der Tobackspfeife.
Selbstverständlich hat Musik auch was mit Konstruktion zu tun. Bach hat wunderbare Fugen über die Tonfolge B-A-C-H gemacht, was er aber zum Beispiel nicht gekonnt hätte, wenn er Franzose gewesen wäre: denn die nennen das H “si bémol” und alle anderen Töne haben dort die mehrbuchstabigen do-re-mi-Namen). Er hat ganz sicher auch andere Zahlen spielerisch in seinen Kompositionen versteckt, einfach weil er es konnte, und weil er die Fähigkeit hatte, jede Melodie und die Begleitstimmen dazu ganz nach Lust und Laune so zu verbiegen, wie er es wollte (Ich kann das zum Beispiel nicht, aber ich kann mir wenigstens vorstellen, dass das geht). Zudem hat er einen außerordentlichen Sinn für Systematik gehabt – immerhin hat er zweimal den ganzen Quintenzirkel mit Präludien und Fugen in Dur und Moll durchkomponiert (Wohltemperiertes Clavier I + II). Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er dabei mit C-Dur angefangen hat und dann stur von unten bis oben bis h-moll durchmarschiert ist – hätte er sicher machen können, aber warum sollte er? Wenn man so durch die Stadt läuft, fällt einem vielleicht was in F-Dur ein, aber nicht unbedingt in D-Dur. Vielleicht weil Frühling ist oder sowas, und D-Dur paßt besser zu Silvester und ist mehr gelb.
Ich denke, man macht einen Fehler, wenn man ein komplettes Werk zur Begutachtung vorliegen hat (so, wie es halt am Ende eines arbeitsreichen Lebens vor einem liegt), und dann irgendeine durchgängige Konsequenz hineininterpretiert. Das Ergebnis ergibt sich halt, Teile davon sind sicherlich gewollt, aber das Meiste ist eben gerade so entstanden, weil es eine Lücke gegeben hat, in die es hineingepaßt hat). Den Kreationisten ist ja auch nicht auszureden, dass Gott die Welt an sieben Tagen (Ha! Das ist genau B-A-C-H geteilt durch 2, und 2 repräsentiert wiederum ein B, und das ist der Anfangsbuchstabe von Buddha! Ist das eigentlich schon mal jemandem aufgefallen? Das ist ein sicheres Zeichen, dass Bach ein Doppelgott ist!) genau so geschaffen hat, dass sie jetzt die Krone der Schöpfung sind. Also, wenn man sich die mal so anshaut, sieht man das auch nicht sofort … und man ist ein wenig enttäuscht, ich gebe es zu.
Nur – mit der Musik ist es wie mit der Schöpfungsgeschichte. Wenn wir anfangen, darüber nachzudenken, wird sie unerklärlich – und auch ein bißchen unerträglich, man wird verrückt davon. Wir müssen sie einfach in ihrer Gänze und Vollständigkeit akzeptieren lernen, ohne nach Bauplänen zu forschen. Es ist nichts Schlimmes dabei, nach Gesetzmäßigkeiten zu suchen – man muß es aber bei Zeiten auch mal lassen können, sonst verliert man den Blick für einfache, nicht zielgerichtete Schönheit.
________
Fußnoten:
Dienstag, 14.7.09 - by Thomas
“Das Ehrenmal ist Ausdruck einer Kultur der Würdigung unserer Soldatinnen und Soldaten), die im Einsatz waren”.
Das sagt unser Verteidigungsminister über das neue Denkmal für Soldaten, das derzeit in Berlin im Bendlerblock) gebaut wird.
Schön, dass auch hier die weiblichen Soldaten vor den männlichen stehen – wie immer. Den Frauen ist dieses Denkmal gesetzt für ihre aufopferungsvolle und tapfere Haltung im Bunker, hinter den Schreibtischen und überhaupt für die ganzen übermenschlichen Leistungen weit weg von den Gefahrenzonen: schließlich haben sie es sich nicht ausgesucht, dass sie das richtige Geschlecht zum Überleben mitbekommen haben. Auch diese strukturelle Ungerechtigkeit muß man erst einmal aushalten – und der Verteidigungsminister läßt ihnen deswegen galant den Vortritt. Klar – dieser Herr muss auch nicht an die Front und hat eine Frauenbeauftragte am Hals, die dafür sorgt, dass Fraueninteressen vor allem anderen kommen.
Die Soldaten? Zweitrangig. Sind gut für gefährliche Sachen und zum Sterben.
Und ich denke: Ekelhaft, dass sich da welche ein Denkmal setzen lassen, während ihre Kameraden kaputtgeschossen werden). Wie halten die Soldatinnen so ein Denkmal aus? Warum sagt keine: das möchte ich nicht?
________
Fußnoten:
Montag, 13.7.09 - by Thomas
Gerade läuft in Bayern 2 “1:1 – der Talk” – heute mit Monika Hauser, Chefin von “medica mondiale e.V.”), die weltweit vom Krieg traumatisierte Frauen unterstützen. Monika Hauser bezeichnete ihre Herangehensweise gerade unwidersprochen mit “dieser feministisch-medizinische Ärztinnenblick“. Sie war vor einigen Jahren in Bosnien und hat vergewaltigte Frauen unterstützt, selbstverständlich schätzt sie deren Anzahl “auf ein Vielfaches” der offiziellen Zahlen, die dem Haager Gerichtshof vorliegen. Mit Dunkelziffern läßt sich immer trefflich Kasse machen.
Kein Wort von den -zigtausend bestialisch geschlachteten jungen Männern, die zum Kriegsdienst gezwungen wurden, den Gefolterten, den Geflohenen, den Männern, die ihre Familien verloren haben. Muß ich eigentlich immer wieder erklären, dass nicht die Männer den Krieg machen oder anzetteln, sondern lediglich zwei oder drei? Und dass alle anderen Männer genauso darunter leiden wie die Frauen? Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen der Vergewaltigung einer Frau und dem Zwangsrekrutieren eines Mannes, der sein Leben oder Körperteile verliert, wenn er nicht tut, was ihm gesagt wird? Soll der heldenhaft sein Leben geben, sich ins Knie schießen lassen, sich einen Arm oder sein Geschlechtsteil abschneiden lassen? Mit welcher Begründung soll das bei Männern gehen – und bei Frauen auf keinen Fall? Mit welcher Begründung sind Frauen nach solchen Erlebnissen hilfsbedürftig, Männer aber nicht? Mit welcher Begründung darf eine Organisation wie medica mondiale gezielt Spendengelder einwerben und sich von Staat (e.V.-Status) und Medien unterstützen lassen – die Hilfsgüter ausschließlich Frauen zu Gute kommen lassen? Mit welcher Begründung darf ein Hilfs-Projekt sagen: Männern helfen wir nicht, dafür fühlen wir uns nicht zuständig? Wes Geistes Kind muß man sein, um so einen Gedankengang zuzulassen?
Beim Anhören des Interviews kam mir die klammheimliche Vermutung, dass Monika Hauser zu den emotionalen Kriegsgewinnlern gehört: es geht ihr sehr gut jetzt. Nicht so gut ginge es ihr sicherlich, wenn sie dort geblieben wäre – um weiter zu helfen, so wie es die Mönchen und Nonnen machen: sie geben sich mit Haut und Haaren hinein, sie bleiben vor Ort und halten mit aus, was sie angerichtet haben.
Schlecht auch der Interviewer, der sich äußerst einfühlsam zeigte: Monika Hauser mußte diesen feministisch-medizinischen Ärztinnenblick gar nicht auspacken, der Interviewer tat das pflichtschuldigst für sie, weil er ihr als bewegter Mann um den Gender-Bart gehen wollte. Eine Frage nach den Männern ist ihm nicht eingefallen – nicht, während ich zugehört habe. Mir wurde übel, ich mußte ausmachen: ich kann das Salbadern weißer, rundumversicherter und wohlsituierter Betroffenheits-Feministinnen einfach nicht mehr aushalten. Es ist unehrlich – und am Schlimmsten ist, dass sie es selbst nicht merken, sondern dass sie sich auch noch für gerecht halten.
Da muß ein grundlegender, tiefer Hass und Neid gegenüber Männern vorliegen, wenn man so glasklar sagen kann: Euch helfe ich nicht, helft euch selbst. Dieser Hass entbehrt – zumindest in unserem Land – jedweder realen Grundlage und auch jeder eigenen Erfahrung: er ist einfach herbeigeredet und richtet fürchterliche Verwüstungen in der Gesellschaft an. Ich könnte das niemals. Ich wette, es würde ihnen genauso übel, wenn sie die einfache Menschlichkeit an sich heranließen.
________
Fußnoten:
Montag, 13.7.09 - by Thomas
Diese überfällige, von berechtigtem Ärger strotzende Titelgeschichte des P.T. Magazin für Wirtschaft, Politik und Kultur möchte ich den Lesern des Diesellog nicht vorenthalten. Wenn ich sehe, wie viele Millionen an Steuergeldern an idiotische Frauenprojekte verschleudert werden – und die Jungen kriegen nichts, null, nada: dann schwillt mir der Kamm. Wir gehen einer Generation von SchöngeistInnen entgegen, die sich vorstellt, ihren eigenen Lebensunterhalt selbst verdienen zu können, ohne dass noch jemand die Fähigkeit hat, Straßen zu bauen, Rechner zu programmieren oder Platinen zu löten. Wer nicht mehr telefonieren kann, der braucht auch keine Kulturjournalistinnen mehr.
Die Jungs in unserem Land – die, die durch ihre Ideen und ihre Unangepaßtheit unsere Zivilisation zu dem gemacht haben, was sie ist, sind auf Tauchstation geschickt worden. Sie kommen nicht mehr hoch, weil ihnen die ganz wesentliche Luft der sozialen Anerkennung rundweg von den xxxInnen in Politik, Hochschule und Medien abgeschnitten wird – aus niederen Motiven der schlichten Habgier und der besitzstandswahrung. Die halbe Besatzung des Familienministeriums brauchen wir nicht: das sind Frauen, die an der falschen Stelle auf Staatskosten durchgefüttert werden und nichts, aber auch gar nichts Produktives für ihren Lebensunterhalt tun. Und in den Redaktionsräumen der ZEIT sieht das kein bißchen besser aus, nur dass sie da nicht ganz auf Staatskosten alimentiert werden: den Rest legt das Unternehmen drauf.
Ach, was rege ich mich auf. Das kann Ullrich Rothe vom P.T. Magazin mindestens genauso gut.
Sonntag, 12.7.09 - by Thomas
In Deutschland gibt es eine neue Partei: die Piratenpartei. Hervorgegangen ist sie aus der Debatte um die elektronischen Stoppschilder vor Seiten mit Kinderpornografie, die Ursula von der Leyen stur durchgesetzt hat. Von der Leyen hat hier nicht mit Fachwissen und Intelligenz geglänzt, sondern mit soft skills wie Quengelei, “arme Kinder” und “böse Männer”. Den eigentlichen Grund für diese seltsamen Maßnahmen sehe ich nicht einmal in der Verhinderung oder Erschwerung von Kinderpornografie – das alles ist technisch leicht zu umgehen. In Wirklichkeit braucht die Bundesregierung ein kitzliges Thema, anhand dessen die Wirksamkeit von Verfahren zur Kontrolle des Internet überprüft werden kann. Bei deutschen BMW-X3-Muttis und Vatis mit Fahrradhelm setzt beim Schlachtruf “Kinderpornografie!” nämlich der Verstand zuverlässig aus), statt dessen werden sie zum stammhirngesteuerten Lemming. In Wirklichkeit geht es aber darum, Erfahrungen mit Verfahren zur Bespitzelung ungeahnten Ausmaßes zu sammeln.
Einer, der die Auswirkung des Lemmingverhaltens am eigenen Leib spüren konnte, ist der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, der einmal wissen wollte, wie die Durchsetzung des Internet mit Kinderpornografie denn nun wirklich ist). Dazu ist es eben notwendig, tatsächlich mal auf die Suche danach zu gehen – und schon schnappte die Falle zu: Jörg Tauss wurde von Sauberfrauen und -männern sofort und ohne Nachdenken und Nachfragen zum Kinderschänder gestempelt, es folgte die Arie mit Polizei und Staatsanwaltschaft, Rechnerbeschlagnahmung, Medienrummel. Tauss ist aus der ganzen Affäre unbelastet hervorgekommen – aber nicht unbehelligt. Seiner staatstragenden Partei, der SPD, hat er deswegen mangels notwendiger Minimal-Solidarität den Rücken gekehrt und ist bei Piratenpartei eingestiegen. Dass das nach diesen Erfahrungen für mich ein ernstzunehmender und nachvollziehbarer Schritt ist, sei nur am Rande erwähnt.
Die Piratenpartei wiederum fängt an, politisch zu werden: Grundsatzprogramm, Finanzkram, Debatten – dieser ganze langweilige Kram, der zähes Debattieren, Auseinandersetzung und Verhandeln verlangt. Insgesamt wenig Ruhm für viel Mühe, würde ich sagen,und die Gefahr, dass man dabei rausfliegt, ist sehr groß. Mittlerweile ist sie allerdings eine Partei, die bei der nächsten Bundestagswahl gewählt werden kann. Wenn alle, die die von der Bundesregierung mit Mißachtung gestraften Internet-Petitionen gegen die Zensur von Porno-Seiten und sogenannten Killerspielen gezeichnet haben, hier ihre Kreuzchen machen, dann wird es gehörig rumpeln.
Und eine ganz wichtige Frage stellen bewegte Männer gleich zu Anfang: was is mit die Frauen? Frauen beteiligen sich nicht an den schwierigen Aufbauarbeiten: es gibt so gut wie keine Frauen, die da jetzt schon mitmachen). Warum nicht, ist nicht so wichtig – sie tun es eben einfach nicht. Vielleicht, weil ihnen keiner gesagt hat, dass sie es tun sollen. Oder ihnen niemand eine Aufgabe zuweist. Und überhaupt: dürfen sie das denn?
Wir wissen jetzt schon, was das bedeutet: sobald die Kärrner-Arbeit getan ist und die Piratenpartei eine ernstzunehmende Kraft wird, werden auch Spitzenpositionen im Licht der Öffentlichkeit zu vergeben sein. Dann wird wieder einmal “aus politischen Gründen” eine Frauenquote geschaffen, so dass Frauen, die bei der Arbeit nicht mitgemacht haben, trotzdem die Früchte ernten können.
Das ist aus meiner Sicht das Einzige, was in der Piratenpartei vollkommen sicher ist, alles andere kann sich noch ein paarmal ändern.
________
Fußnoten:
Mittwoch, 8.7.09 - by Thomas
Die ZEIT fragt: “Was war Ihr peinlichster Nebenjob“? Mein Beitrag:
Ich habe mal sechs Wochen bei Faber Sekt Flaschenkisten vom Band genomen und auf Paletten gestapelt (6,21 DM/Stunde). Da habe ich mir selbst immer Verfahren ausgedacht, wie man die Kisten so setzen muß, dass man mit möglichst wenig Kisten möglichst schnell in der 5. Etage ankommt, ohne dass eine Kiste irgendwo überhängt. Oder ob man zwei Türme bauen kann und die dann hinterher von der Mitte her auffüllt. Oder ob man absolut symmetrisch von der Mitte her oder zur Mitte hin bauen kann. Oder ob es praktisch ist, wenn man so baut, dass die letzte Kiste unten links in die Ecke paßt (Es ist nicht praktisch, weil die oberen Kisten ein wenig absacken, und man hat eine Menge Arbeit, die letzte Kiste dort unten einzuschlichten. Ohne Tritte geht es nicht, und danach sieht die Kiste mitgenommen aus. Man muß also beim Ausliefern die Palette so hinstellen, dass die Knautschkiste nicht gleich auffällt. Ich habe gelernt: Kunst ist Arbeit).
Anfangs noch kam der Vorarbeiter vorbei, und ich mußte dann unter Aufsicht eine solche halbfertige Palette wieder Ebene für Ebene auf eine andere Palette umschlichten – im laufenden Betrieb, versteht sich. Einmal hat er allerdings den “abstrakten” Aufbau unbemerkt beobachtet und gesehen, dass es geht. Ab dem Moment hat er nichts mehr gesagt, nur noch den Kopf geschüttelt und mich “Trümmerbauer” genannt. Oder das halbfertige Ergebnis mit “wieder so’ne Dresden-Palette, wat soll der Scheiß” kommentiert. Einmal hat mitten in so einer halbfertigen Dresden-Palette die Schichtglocke geklingelt: darauf hatte der nur gewartet. Ich mußte solange dableiben, bis die Palette voll war, weil er meinem Nachfolger – der schon in den Startlöchern stand – “diesen Mist nicht zumuten” wollte. Die Viertelstunde habe ich auf persönliche Intervention seinerseits nicht bezahlt bekommen: er ist einfach für mich zum Stempelkasten gelaufen und hat schon mal meine Karte vorgestempelt. Seitdem war ich vorsichtiger und habe die allerletzte Palette meiner Schicht nur noch vorschriftsmäßig geschlichtet.
Leider bin ich mir nach 6 Wochen mit der Ameise über den Fuß gefahren, da mußte ich ins Krankenhaus und der Job war beendet. Es war also nicht der Job, der peinlich war, sondern die Art und Weise, wie ich ihn verloren habe.
Dienstag, 7.7.09 - by Thomas
Zitat aus Arne Hoffmanns “Genderama Blog”:
Die amerikanische Sozialwissenschaftlerin Deborah Capaldi weist auf einen oft übersehenen Faktor bei häuslicher Gewalt hin: Die Höhe des Risikos einer Frau, Opfer zu werden, hängt maßgeblich davon ab, wie sehr sie selbst dazu neigt, häusliche Gewalt auszuüben.
Das ist doch mal ein interessanter Forschungsbeitrag, der hier in Deutschland sicher nicht gerne gelesen wird. Das Genderama-Blog habe ich erst kürzlich entdeckt, Arne Hoffmann kenne ich schon länger. Sein Markenzeichen: keine Vermutungen, sondern Fakten, Fakten, Fakten. Sein Buch “Sind Frauen bessere Menschen” ist ein unverzichtbares Handexemplar in meinem Bücherregal.