Wenn es richtig ist, dass der schleswig-holsteinische Ministerpräsident die Steuersenkungspläne der Bundesregierung in einer Zeit immer weiter ausufernder Staatsverschuldung mit diesen Worten kritisierte und zudem mit seinem Rücktritt drohte, hat er meinen hohen Respekt. Allein: Ich denke, er wird weder die Steuersenkungen noch den in wenigen Jahren drohenden Staatsbankrott aufhalten können; da haben andere schon zu sehr vorgearbeitet. Schade eigentlich.
Vielleicht hat der schon lange überfällige Rückzug des zuvor schon in Hessen in höchst unangenehmer Weise aufgefallenen Franz-Josef Jung aus der ersten Reihe der Politik noch ein zusätzlich Gutes. Kristina Köhler, die wohl vor allem aus Proporzgründen aus Hessen nachrückende Ministerin, dürfte die erste Familienministerin sein, die sich ausdrücklich vom Feminismus distanziert.
Wenn dies für sie bedeutet, dass sie ihre Chancen wahrnimmt, ohne für ihre eigene Erfolglosigkeit mit ständigem Schaum vor dem Mund alle erreichbaren Männer in ihrer Umgebung verantwortlich zu machen, ist mir dies sehr sympathisch. Vielleicht gelingt es ihr, sich in ihrem Ministerium für Männer ebenso einzusetzen wie für Frauen und irgendwann sogar den Anachronismus zu überwinden, dass zwar Frauen im Namen ihres Ministeriums erwähnt werden, nicht aber die Männer.
Ich bin gerade fertig geworden mit einer Erstellung einer Partitur zur Komposition op 158 von Heinrich J. Hartl1). Der Komponist ist blind und hat das ganze Werk auf Musik-Kassetten gesprochen: Stimme für Stimme, Takt für Takt. Ich habe zunächst die Kassetten auf den Mac digitalisiert, so dass man sich das in iTunes anhören kann. Dann habe ich das 17-stimmige Werk gesetzt. Es wird irgendwann Mitte 2010 in Nürnberg von Schülern des Labenwolf-Gymnasiums Nürnberg aufgeführt.
Macht Spaß, sowas. Diese ruhige, ungezwungene Art, eine Partitur zu setzen, gefällt mir. Vielleicht können wir noch öfter auf diese Weise zusammenarbeiten.
________ Fußnoten:
Hier ist ein Interview mit Heinrich J. Hartl in den Nürnberger Nachrichten vom 28.11.2009 [ ↩ ]
Manfred Lütz, der aufgrund einiger Bestseller inzwischen recht bekannte Kölner Psychiater und Chefarzt, macht in einem aktuellen Aufsatz1) vor allem den in oft extremer Form körperorientierten Narzissmus unserer Tage verantwortlich dafür, dass der freiwillige Verzicht auf sexuelle Betätigung vielfach auf recht aggressive Weise als unnatürlich bezeichnet werde. Auch die Nazis hätten den Zölibat bereits in dieser Weise diffamiert. Dazu sei es eine typische Macho-Attitude, jeden freiwilligen Verzicht auf Sexualität als unnatürlich zu bezeichnen.
Bestimmt sauber getroffen, Herr Lütz! Aber es bleiben einige Fragen offen:
Wieso sind es – jedenfalls nach meiner Erfahrung – vorrangig Frauen, die dem körperorientierten Narzissmus verfallen und die deshalb auch den Zölibat (häufig der Männer) als unnatürlich diffamieren und warum wird dies hier nicht gesagt? Und:
Auch homosexuelle Handlungen werden häufig (bis in offizielle kirchliche Texte hinein) als gegen das natürliche Gesetz verstoßend bezeichnet. Fallen diese Äußerungen ebenso unter sein Verdikt, aggressiv und dem Nationalsozialismus nahestehend zu sein? Und falls nicht, warum nicht? Würde mich mal interessieren.
________ Fußnoten:
Ist der Zölibat unnatürlich?, in: L’Osservatore Romano 47/2009,6 [ ↩ ]
Tatort “Sonne und Sturm”, Kommissarin Lindholm. Ein Mann wurde vergiftet.
Es stellt sich zunächst heraus, dass das Gift mit einer Spritze in einen Schokoriegel injeziert war. Der Partner des Getöteten hatte ein Stück von dem Riegel abgebissen, aber es schmeckte komisch. Da er den später Getöteten im Verdacht hatte, dass der ihm einen üblen Streich spielen wollte, hat er den Riegel fein verteilt und ihm dem Opfer ins Müsli gemischt. Er hatte keine Ahnung, dass das Zeug tödlich war. Der Mann war ziemlich unsympathisch dargestellt, der Film zeigte keinen Grund dafür auf. Is halt so.
Kommissarin Lindholm: “Sie krieg ich dran wegen Beihilfe zum Mord“. Knasttür fällt zu.
Später gesteht die Ehefrau des Partners, dass sie den Riegel vergiftet hat, und dass der Partner den Riegel eben nur versehentlich in den Bauch gekriegt hat. Die Ehefrau ist als leidende Gattin dargestellt – warum, ist ebenfalls nicht ersichtlich: die Story gibt keinen Grund dafür her. Am Anfang gibt es mal irgend eine Szene, aber der Film zeigt weder Hergang noch Grund dafür. Is halt so.
Kommissarin Lindholm: “Am Tod des Partners waren Sie nicht schuld. Das wollten Sie ja nicht“. Täterin wird in den Arm genommen1).
Liebe Leser: achtet mal da drauf. So gut wie in jedem Fernseh-Krimi2) ist das so: Männer werden hart angefaßt, auch der kleinste Verdacht rechtfertigt Inhaftierung, unverhältnismäßig harte Gewaltanwendung gegen die Person – pauschale Vorverurteilung3) sowieso. Und bei der Entlassung aus der U-Haft wegen Fehleinschätzung gibt es keine Entschuldigung: Männer haben das zu ertragen. Nicht schlimm für so’n Mann.
Sollte sich im weiteren Verlauf herausstellen, dass es sich um eine Täterin handelt, dann wird beleuchtet, warum sie das getan hat, dass sie gar nicht anders konnte, von ihren Gewissensqualen, bis sie sich endlich traut, das Schwein umzubringen, dass sie eigentlich gar nicht schuld ist, sondern vom Opfer oder irgend einem Mann zu solch einem Verbrechen gedrängt wurde – und folglich wiederum eigentlich ein Mann in den Knast müßte. Sie wird mit Samthandschuhen angefaßt, höflich gebeten, sich ins Polizeiauto zu setzen und der Empfang in der U-Haft ist eher herzlich und mitfühlend.
Ich fürchte, dieses Fernseh-Trommelfeuer hat eine enorme Kraft, die das Selbstverständnis der Gesellschaft mehr prägt, als gut für sie ist. Und ich frage mich: dürfen solche Filme eigentlich nicht gezeigt werden, wenn sich nicht herausstellt, dass Frauen letztendlich doch unschuldig sind – egal, was sie getan haben? Und dass Männer eigentlich schuldig sind, auch wenn sie einfach nichts getan haben?
________ Fußnoten:
Später stellt sich heraus, dass die Tochter die Schokoriegel mit Gift präpariert hatte, um ihren Vater umzubringen. Niemand weiß wieso – aber irgendwie wird es doch wieder so hingebogen, als könne man das arme Mädchen verstehen. [ ↩ ]
Ich kenne einige wenige Ausnahmen. Die berechtigen nicht dazu, einfach so weiterzumachen. [ ↩ ]
In dem o.g. Fall sind wir schon einen Schritt weiter: eine pauschale Vorverurteilung wird nicht einmal mehr geäußert, geschweige denn belegt. Das ist schon gar nicht mehr nötig: is halt so. [ ↩ ]
Hier ist eine schöne Zusammenfassung auf Youtube, wie man im Internet Geld machen kann: es reicht, wenn 10% drauf reinfallen.
Für alle, die mal im Internet auf ein vermeintlich “kostenloses” Angebot reingefallen sind und jetzt mit “allerletzten Mahnungen” bombardiert werden. Nur keine Panik aufkommen lassen!
Heute hat der Fußballer Robert Enke den Freitod gewählt. Er wird heute nicht der Einzige sein, aber sicher der Prominenteste, und meine Gedanken sind auch bei den anderen, die keinen Ausweg mehr gewußt haben. Ich, der Fußball-Banause, habe nie von Robert Enke gehört, aber er war wohl sehr bekannt.
Gerade spricht Landesbischöfin Käßmann in der Hannoverschen Marktkirche – unter den vollen Scheinwerfer und Kameras der ARD1). Da sind nicht nur ein paar Hanseln – die Kirche ist rappelvoll. Leute in dunkler Kleidung, aber viele – auch junge Leute – mit Fußballschals.
Was machen die da? Wo sind die Sonntags? Was für ein Schock treibt sie in die Kirche? Warum treibt er sie nicht in die Stadien, wo sie die Nähe Robert Enkes doch viel eher vermuten dürften? Wieso singen gestandene Fußballfans jetzt uralte, wunderschöne Lieder – und zwar leise und gesammelt, ohne Gebrüll? Wieso hören sie ruhig einer Bischöfin zu, die versucht, ihnen Trost zuzusprechen? Wer gibt der Landesbischöfin die Macht, ihnen Trost zusprechen zu können?
Ich muß mir ja von Zeit zu Zeit immer wieder anhören, die Kirche unterdrücke die Menschen, sie sei autokratisch, mit Christentum habe sie überhaupt nichts zu tun, der Glaube an Gott wäre ein Luxus von Leuten, die kein Hirn im Kopf haben, Religion sei sowieso nur Opium für das Volk und mit seinem Gott könne man auch im Wald reden. Aber wenn das alles stimmt: wieso ist dann die Hauptkirche von Hannover bis auf den letzten Platz besetzt, weil sich ein Fußballer das Leben genommen hat?
________ Fußnoten:
In dieser Kirche habe ich vor 2 Jahren eine wunderbare Aufführung von Monteverdis Marienvesper von 1610 gehört. [ ↩ ]
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Markus Hörbrand: Lieber Tom, ich bin auf Deiner Linie, daß aus wenigen Steinen ein neues solides Fundament entstehen... Thomas: Ich glaube, da liegt ein Denkfehler vor. Es kommt nicht darauf an, dass die Leute sich ihre Kirche so... Markus: Lieber Tom, dann schaue ich auch mal in die Zukunft und sehe, daß der Bischof im Jahre 2025 ziemlich einsam...
Thomas: Von Leuten mit einer eMail-Adresse à la “defend@gmx.ch” will ich keinerlei Belehrungen... Dani: Das ist gar keine “PumpGun”!!! Das ist ein Kleinkalibriges Standardgewehr, was Sportschützen...