Nachdem die Stadt Nürnberg gestern ihre Brunnen wieder eingeschaltet hat, darf auch der römische Moselschiffer aus Neumagen wieder raus in den Garten auf seinen Stammplatz. Im Winter – nachdem er den Herbst über austrocknet – schippert er im Wohnzimmer auf der Heizung rum.
Es handelt sich um einen Detail-Nachguss vom Neumagener Weinschiff. Der Herr hat den Ausflug über die Mosel sichtlich sehr genossen.
Außenminister Westerwelle ist empört: die Rating-Agenturen haben ein paar Ländern der EU den Bonitätsindex gekürzt. Westerwelle weiß auch schon, was dagegen zu tun ist: die EU soll jetzt eine eigene Rating-Agentur gründen, die man besser unter Kontrolle habe.
Moment, verstehe ich das richtig?
Griechenland hat jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt und die übrigen EU-Mitgliedsländer über die wahren Ausmaße der Miß- und Günstlingswirtschaft im Unklaren gelassen haben. Jahrzehntelang ging das so, nicht erst gestern oder letzte Woche.
Rating-Agenturen sind bisher eher privater Natur, sie sind sehr mächtig – aber auf sie muß niemand hören. Aber die Wirtschaft hört eigentlich schon ganz gerne auf sie, weil sie nämlich unabhängig von staatlicher Einflußnahme einfach nachschauen, wie die Zahlen stehen und wie sich daraus eine zu erwartende Rückzahlungsmoral ableiten läßt – nichts weiter. Selbstverständlich sind auch die Rating-Agenturen nicht ganz unabhängig: es ist durchaus davon auszugehen, dass die amerikanische Regierung Einfluß nimmt. Das wird sich aber nicht beweisen lassen.
Und was will der deutsche Außenminister? Er will eine europäische Rating-Agentur, auf die europäische Regierungen Einfluß nehmen können. Das heißt: bei der europäischen Rating-Agentur hätten Griechenland, Spanien und Portugal weiterhin absolute Spitzenplätze – nicht aufgrund notwendiger Haushaltsdisziplin, sondern aus politischer Korrektheit1). Das Rating bei der EU spiegelte also nicht die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes wieder, sondern lediglich, wie die Politik sie aktuell darstellen möchte. Ja – und was soll das sein? Das kann man doch sowieso jeden Tag hören, wie versucht wird, politische Fehlentscheidungen in möglichst rosa Mäntelchen zu kleiden. Es wird also ziemlich bald neben Westerwelles politisch korrektem Rating wiederum private Rating-Agentur entstehen, die die wirklichen Zahlen in den Blick nimmt. Und wonach – Hand auf’s Herz – werden Kreditgeber dann schauen?
Soll der Außenminister sein Individual-Rating doch einführen, vielleicht als eine Art webLog: das wird eine Lachnummer. Die maßgeblichen Institute aus Wirtschaft und Finanzen werden sich selbstverständlich nicht dort ihre Einschätzungen abholen, wo politische Korrektheit vor Hingucken geht. Der ganze Schlamassel, in dem Griechenland jetzt steckt, ist ja nicht dem fundierten Realitätssinn griechischer Politiker geschuldet, sondern eher der politischen Wahrheitspanscherei, mit der das griechische Volk und die EU getäuscht worden sind. Will Westerwelle das jetzt zum Standardverfahren absegnen oder was?
________ Fußnoten:
Nur ein kleines Beispiel für die Auswirkungen politischer Korrektheit: Frauen beklagen sich ja gerne, dass sie nicht in Spitzenämer gelangen, weil böse Männerzirkel sie daran hindern. Weil es diese bösen Männerzirkel aber gar nicht gibt, gelangen Frauen entweder über entsprechende Leistung oder über die Frauenquote eben doch in die Spitzenpositionen. Das wiederum führt dazu, dass jetzt alle Frauen darüber klagen, man würde ihnen nachsagen, sie seien nicht wegen ihrer Leistung, sondern nur auf Grund ihres Geschlechts an ihre Position gerutscht. Merke: politische Korrektheit hinterläßt immer Unklarheit und Mißtrauen. [ ↩ ]
Das nachfolgende Interview kam heute über den Rundbrief des “männerrats”1) hereingeflattert. Ich kenne den Text: es ist dem zweiten Band zu “Die vaterlose Gesellschaft” von Matthias Matussek entnommen, in dessen ersten Band auch ein längerer Artikel von mir erschienen ist. Interessant ist das Interview vor allem deswegen, weil es den Blick öffnet für Situationen, in der eine kleine Gruppe von Menschen sich selbst für über dem Gesetz stehend erklärt und es schafft, völlig willkürliche “Notstandsgesetze” einer ganzen Gesellschaft als unumgänglich zu verkaufen.
Ich halte die geschilderten Umstände nicht für einen plakativen Einzelfall. Ich weiß von anderen – ehemaligen – Frauenhausmitarbeiterinnen, dass sich das auch im Umkreis von München so oder so ähnlich abgespielt hat. Da sich die Frauenhäuser aber konsequent jedweder Kontrolle entziehen2) dürfen, kann man das nicht nachprüfen: es bleibt immer ein Gerücht, das den Steuerzahler teuer zu stehen kommt.
Ehemalige Frauenhausmitarbeiterin berichtet
Wann haben Sie in welchem Frauenhaus gearbeitet?Im autonomen Frauenhaus in Kassel von 1984 bis 1987 und im Göttinger Frauenhaus von 1988 bis 1989.
Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe? Damals war ich eine Aussteigerin aus der High-Society. Ich wollte etwas Neues anfangen, anderen Menschen helfen. Vorher war ich schon sehr interessiert an den Dingen, die die Frauenbewegung so thematisiert hat.
Welche Aufgaben kamen auf Sie als Mitarbeiterin in einem Frauenhaus zu? Zunächst war das ehrenamtlich, nur der sogenannte Ämterscheiß: Schriftverkehr erledigen, die Leute zum Sozial- und Jugendamt begleiten. Nach drei Monaten wurde ich gefragt, ob ich nicht fest dort arbeiten wolle, und ich sagte ja. Ich stieg richtig in den Betrieb ein. Ich machte die Neuaufnahmen, führte Einzelgespräche mit den Frauen, machte Gruppenbetreuung, half beim Ausfüllen des Aufnahmebogens, also Name, Adresse, Schulbildung etc. Das ergab folgendes Bild: 80 % Hauptschule, 80 % ohne abgeschlossene Berufsausbildung, 70% Ausländerinnen (davon zu 90 % Türkinnen). Die Hälfte war dort bereits über ein Jahr, eine Frau war bereits dreieinhalb Jahre dort. Den Frauen wurden ja auch kaum Wohnungen angeboten … Welcher Vermieter gibt schon einer Frau eine Wohnung, die von der Sozi lebt und einen Haufen Kinder mitbringt? Die meisten von denen hatten bis zu fünf Kinder.
Was war der Grund für die Aufnahme im Frauenhaus?Ungefähr 90 % gaben an, geschlagen worden zu sein.
Bezog sich das auch auf die Kinder? Das wurde auch manchmal gesagt. Meist haben wir dann aber gesehen, daß gerade diese Frauen ihre Kinder selber geschlagen haben. Dagegen sind wir aber immer – in beiden Häusern – ganz schnell vorgegangen.
Was gab es sonst noch für angegebene Gründe?Von Relevanz nur noch, daß die Männer eine neue Partnerschaft hätten. Ansonsten bekamen wir in vielen Fällen in den Wochen nach der Aufnahme mit, daß die Familien hoffnungslos überschuldet waren.
Der Mandelbaum im Garten blüht. Es ist Frühling – und erinnert mich wie jedes Jahr an Kohelet 12, 1-8, wo Herbst und Winter des Lebens auf drastische Weise beschrieben sind.
… irgendeinen Haken zu finden – in den Vorstellungen der Familienministerin, in Zukunft vielleicht doch etwas mehr in die Männerpolitik und Jungenförderung zu investieren. Dass das für einen ZEIT-Autor extragalaktisches Terrain ist, zeigt sich in den Fragen und Kommentaren, durch die sich Kristina Schröder aber nicht aus dem Konzept bringen läßt:
Jungen haben ein natürliches Bedürfnis, ihre körperlichen Kräfte zu messen, also zu toben und zu kämpfen. Nicht jede Rauferei muss man deshalb gleich mit einem Streitschlichter unterbinden.
Sagt sie einfach so: das scheint mir ja eine echte Männerversteherin zu sein. Oder zu werden. Das Interview läuft unter dem Titel “Ein Tag für Kerle” – freundlicher1) geht es wahrscheinlich noch lange nicht, die ZEIT muss sich an das Prinzip der Geschlechtergleichheit erst langsam herantasten, nach den langen Jahren erwünschter Diskriminierung.
Danke an meinen Freund Tobias von Upper Palatine, der sich beim Lesen des Artikels leider am Kaffee verschluckt hat: so unwahrscheinlich kommt ihm sowas in der ZEIT vor.
________ Fußnoten:
Das Gegenstück für “Kerl” beim Mann ist “Tusse” für Frau. Natürlich würde die ZEIT niemals in einer Überschrift “Tusse” verwenden. Mit Männern kann man das machen. [ ↩ ]
Ja, was ist denn das für eine tolle Idee? Meint irgendjemand im Ernst, dass die Piloten, die im Zweifelsfall die unsichtbare Aschewolke ja gar nicht sehen können, in angemessenerer Weise als die Flugsicherung entscheiden können, ob sie überhaupt und wohin sie fliegen, wenn sie >auf Sicht< fliegen? Wenn ja, warum macht man es nicht immer so und schafft die teure Flugsicherung einfach ab?
Nein, offensichtlich geht es bei dieser Abschiebung von Verantwortung einzig und allein darum, dass diejenigen, die jetzt die Entscheidung treffen, dass teilweise wieder geflogen werden darf, im Unglücksfall nicht zur Verantwortung gezogen werden können/sollen. Und die Piloten? Die sind im Unglücksfall tot und nehmen ihre >Schuld< mit ins Grab. Saubere Lösung.
Nach diesem Prinzip könnte man in vielen Bereichen vorgehen. Das Kultusminsterium beschließt G 8. Wenn’s nicht funktioniert, sind die Lehrer schuld, die vor Ort >auf Sicht< unterrichten. Die Pharmafirmen testen keine Medikamente mehr. Wenn sie Unheil anrichten, sind die verabreichenden Ärzte schuld, die vor Ort >auf Sicht< praktizieren. Die Politik macht keine Gesetze mehr; wenn’s Chaos gibt, sind die Leute selber schuld, die vor Ort >auf Sicht< ihre Konflikte lösen.
Super Lösung in allen Bereichen – und viel billiger.
Es gibt Freunde, die sind mit den vulkanischen Machenschaften unserer lieben isländischen Nachbarn sehr zufrieden, weil keine Kuh am Himmel fliegt. Andere wiederum sind nicht so zufrieden: die in Shanghai zusammengeschraubten neuen MacBook Pros von Apple können nicht nach Deutschland geflogen werden. Denn am 20.4. um 11:23 ist dort Naturkatastrophe1).
Dank UPS kann man sekündlich feststellen, wo das Paket gerade rumfliegt, wenn es nicht fliegt, und warum. Das ist doch immer wieder ein Segen, dieses UPS-Tracking.
________ Fußnoten:
Übrigens: was ist das eigentlich für eine Katastrophe? Vor 50 Jahren war ein solcher Vulkanausbrauch noch gar keine Katastrophe: das hat außer den Anliegern niemanden interessiert. Eine Katastrophe wird das erst dadurch, dass Flugzeugtriebwerke den Staub nicht vertragen. Aber ist das wirklich eine Katastrophe? [ ↩ ]
Einen beachtenswerten Artikel zur Religionsfreiheit stellt das Blog “USA erklärt” online – natürlich sprengt er gemäß dem komplexeren Sujet ein wenig die Grenzen eines BILD-Artikels. Aber sehr interessant zu lesen, wenn man das, was man für vollkommen selbstverständlich hält, mal aus der Brille z.B. eines Amerikaners sieht (Zitat):
Hat man ihn [den gemeinen Amerikaner] mit viel gutem Zureden und im Extremfall mit der Vorlage der Lohnsteuerkarte davon überzeugt, dass es so etwas [die Kirchensteuer] wirklich noch gibt, wird der Amerikaner nervös: Wie stellt der deutsche Staat denn sicher, dass die Muslime nicht mit dem Geld irgendwelche Anschläge finanzieren? Dass die Kirchensteuer gar nicht für Muslime eingezogen wird, leuchtet ihm dann wiederum nicht ein. Moment Mal, hier werden doch Religionen benachteiligt!
Ja, wenn man das so sieht, dann ist das mit der Kirchensteuer schon ein wenig seltsam. Aber es gibt eben auch gute Gründe dafür.
Schon seit langer Zeit haben wir nicht mehr einen so schönen Sonntag im Westerwald gehabt. Nicht nur keine Wolke trübt den blauen Himmel, sondern auch keinerlei Kondensstreifen oder gar Fluglärm von irgendwelchen durchgedrehten Militärfliegern.
Die “Süddeutsche Zeitung” frönt neuerdings lustvoll ihrem neuesten Hobby: sie erklärt Priester und Bischöfe für pädophil und gewalttätig und nagelt täglich ein paar von ihnen mit Genuß auf die Titelseiten1). Beweise muß die “Süddeutsche Zeitung” nicht vorlegen, denn …
Wenn sich einer wehrt, gilt ihr das als Beweis für den Vorwurf, und dann wird das Faß erst richtig aufgemacht2).
Wenn sich einer nicht wehrt, dann wird ebenfalls davon ausgegangen, dass an der Story wohl schon was dran ein muss: sonst würde er sich ja wehren, nicht? Und dann geht es weiter wie oben.
Und wenn sich gar einer entschuldigt, dann heißt es: “Was? Mehr als eine Entschuldigung ist nicht? Das ist ja wohl der Gipfel!”.
In den Zeiten der Hexenjagd nannte man solche Verfahrensweisen “ein Gottesurteil”: jemand wurde so lange unter Wasser getaucht, bis er ertrunken sein mußte. Wenn er wirklich ertrunken war, dann hatte man sich leider geirrt: denn Hexen oder Zauberer hätten sich dank ihrer Zaubertricks am Leben halten können. Wer also jämmerlich ersoff, war unschuldig, alle anderen wurden nach der erfolglosen Wässerung erfolgreich totgeschlagen.
Heute müssen die Opfer der Süddeutschen Zeitung nicht mehr um Leib und Leben bangen. Aber sie bezahlen mit ihrem gesellschaftlichen Tod, wenn sie nicht 60 Jahre fleckenlose Heiligkeit3) vorzuweisen haben. Denn sonst finden die was, da kann man sicher sein. Ich meine nicht, dass die Vergehen kirchlicher Amtsträger unter der Decke gehalten werden müssen. Aber die Einfalt der Berichterstattung ist auch für die Süddeutsche Zeitung ein neues Feld, das sie sich leider zu beackern genötigt sieht. Und das stört mich noch viel mehr als die Skandälchen, die die tagtäglich neu aufdecken: ich fordere guten, fundierten und vorurteilsfreien Journalismus, der von Sensationsgier absieht. Davon hat sich die Süddeutsche Zeitung verabschiedet4).
Es geht natürlich auch anders. Im Cicero Online kann man Artikel lesen, die das ganze Problem ein wenig ausgewogener beleuchten, ohne es deswegen gleich unter den Teppich zu kehren. Zum Beispiel meint dort einer der bekanntesten deutschen Forensiker, Professor Hans-Ludwig Kröber, dass man vom Küssen schneller schwanger wird als vom Zölibat pädophil: und er kann es sogar beweisen. Es ist ein lesenswertes, klares und ruhiges Interview, das man gelesen haben sollte.
________ Fußnoten:
Das stimmt natürlich so nicht: manchmal ist auch erst auf den Seiten 2-4 Platz, weil vorne noch schnell irgend ein Vulkan explodieren muß. [ ↩ ]
Man nehme die Causa Mixa, den “Bischof mit dem steinernen Herz”, wie sie ihn vorverurteilen. In einem zwanzigjährigen Leben als Stadtpfarrer gibt es immer irgendwas, was zu teuer gekauft worden ist. Oder wo er sich hat über’s Ohr hauen lassen. Zwanzig Jahre – das ist die Zeitspanne von 1990 bis heute – sind eine lange Zeit: damals wurde mein Sohn geboren, heute studiert er an der Uni. Die Süddeutsche gräbt da Ungereimtheiten aus und stellt sie so nebeneinander, dass es aussieht, als seien diese zwanzig Jahre so was wie der letzte Monat und das alles sei eine aufeinander folgende Reihe logischer Entscheidungen mit dem letztendlichen Ziel, sich zu bereichern. Das wird zwar niemand dem Bischof unterstellen – auch seine Feinde nicht: aber es sieht zumindest schon mal so aus. [ ↩ ]
Einzig Margot Käßmann hat das Zeug zur Medien-Heiligen. Die ist ja konsequenter Weise sofort zurückgetreten – was hätte sie auch sonst tun sollen? Von ihr gab es eine Blutprobe, noch keine 24 Stunden alt: sie von Polizisten sturzbesoffen hinterm Lenkrad weggeholt worden, da gibt es keinen Interpretationsspielraum, der in der Causa Mixa weidlich zur Auflagensteigerung mißbraucht wird. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass ihr Zeug zur Heiligkeit vor allem ein Frauenbonus ist, denn so ganz intelligent war das auch nicht immer, was die so geredet hat … [ ↩ ]
Dieser Tage hörte ich von einem Priester, dass er diese Zeitung wegen ihrer unseriösen Berichterstattung fast abbestellt hätte. Warum tut er’s nicht? Wenn er sie behält, gibt er ihnen die Möglichkeit, weiterzumachen und sich bestätigt zu fühlen. Er kann sie ja wenigstens mal ein paar Wochen abbestellen: wenn das viele machten, dann würden die vielleicht wieder etwas mehr auf Qualität achten und als erstes mal die Deppen rauswerfen. [ ↩ ]
Einen etwas zusammengeschobenen1), aber dennoch guten Beitrag zum Thema “Gerechtigkeitsdebatte” schreibt Dr. Matthias Stiehler, Vorsitzender des Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft e.V. Vorstand Soziales und Politik der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. www.dieg.org. Er hat ihn für die TAZ geschrieben, die hat ihn aber nicht veröffentlicht. Denn die TAZ ist das Zentralorgan genau der Denk(verbots)richtung, die Matthias Stiehler hier beschreibt.
Die Linke und die Geschlechtergerechtigkeit
Bei einer Tagung zu Geschlecht und Gesundheit antwortete eine der Fachfrauen auf die Frage, warum sich die geschlechtsspezifische Gesundheitssituation so wenig entwickle, dass es sich hier um eine Machtfrage handelt. Und da in unserer Gesellschaft die Männer die Macht hätten, könne sich die Frauengesundheit nur mühsam entwickeln. Das Problematische an dieser Aussage war, dass ich kurz zuvor in einem Vortrag nachgewiesen hatte, dass es um die Männergesundheit mindestens ebenso schlecht bestellt ist, ja sich die wesentlichen Eckdaten bei Männern im Gesundheitsbereich deutlich schlechter darstellen und die Politik diese Fakten beharrlich ignoriert.
Im Rahmen des diesjährigen Osterspaziergangs, der uns entlang der Bibert von Dietenhofen nach Andorf führte, hatten wir noch Gelegenheit, uns die neue katholische Pfarrkirche von Dietenhofen anzuschauen. Der Grundriß der Kirche ist ein Oval, die Mauern bestehen aus übereinander gelegten Glasplatten.
Durch diese gläserne, aber doch dunkle, graue Mauer dringt stellenweise farbiges, göttliches Licht ins Innere – man fühlt sich unweigerlich an Bachs Eingagschor zur Johannespassion erinnert, in dessen graue Eintönigkeit auch immer wieder Lichtblitze hineinzucken. In die Glaswände sind immer wieder kleine Satzfetzen hineingeschrieben: keine bedeutungsschwangeren Bibelzitate, die den erhobenen Zeigefinger andeuten. Nein, es sind belanglose, eher kleine Bemerkungen – ich deute sie dahingehend, dass Gott vor allem die kleinen Nebensächlichkeiten ins Blickfeld rückt.
Das ist eine Kirche, wo ich sage: da will ich mal einen Gottesdienst mitfeiern.
Nur der Vollständigkeit halber. Der Osterfladen 2008 war grün. Dieses Jahr war er pink. Wie er hergestellt wird, steht hier. Aber Vorsicht: Andere Farbe nehmen!
Die Osternacht 2010 hat der Bayerische Rundfunk mit uns zusammen in der Lorenzkirche in Nürnberg gefeiert – wenn man in Anwesenheit des Fernsehens überhaupt von Feiern sprechen kann. Die übernehmen vollständig jegliche Regie, streichen, fügen hinzu und unterwerfen die Auferstehungsfeier dem Takt der Sekunden. Die “Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für Hörfunk und Fernsehn beim Bayerischen Rundfunk”, Frau Melitta Müller-Hansen, bat vor Beginn der Übertragung der Osternacht die Anwesenden um Verständnis für die “Gäste” – damit meinte sie die 5 Kameras nebst Personal. Das stimmt so nicht: wo Fernsehn ist, da sind die Anwesenden die Gäste, nicht umgekehrt. Gäste erkennt man daran, dass sie sich an die Regeln des Gastgebers halten müssen – an die Regeln von St. Lorenz hält sich kein Fernsehteam der Welt.
Normalerweise dauert eine Lorenzer Osternacht so zwischen drei und vier Stunden. Das Fernsehen hat die Sache auf 90 Minuten zusammengestrichen – da gibt es selbstverständlich kein Wieso und Warum. Entschuldigt wird das mit der imaginären Öffentlichkeit, die “am Bildschirm mitfeiern” möchte: die Alten und Kranken. Dagegen kann man nicht argumentieren, das wissen die längst.
Aber ab und zu – vielleicht alle 25 Jahre einmal – kann eine Gemeinde dieses Zugeständnis machen und den wichtigsten Gottesdienst des Kirchenjahres dem Mammon opfern: vielleicht gibt es ja wirklich Alte und Kranke, für die sich dieser durch und durch technokratische und Aufwand lohnt.
Resurrexi, et adhuc tecum sum allelúia: posuísti super me manum tuam, allelúia: mirábilis facta est sciéntia tua, allelúia, allelúia. — Dómine, probásti me, et cognovísti me: tu cognovísti sessiónem meam.1)
Das Video ist ein Ausschnitt aus der Übertragung und zeigt unser “Resurrexi”2) von Leonhard Lechner (1553-1606), das das Vocalensemble von St. Lorenz in Nürnberg unter Leitung von Matthias Ank gesungen hat. Unterdessen wurden die während der Passionszeit geschlossenen Flügel der Seitenaltäre wieder aufgeklappt, so dass die kostbar mit Blattgold belegten gotischen Schnitzereien wieder sichtbar wurden.
Übrigens: im (akustischen) Hintergrund schreit eines der beiden Babies, die später noch getauft wurden. Sie hatten noch eine lange Predigt und eine noch längere Taufzeremonie vor sich, bei der auch sie alles gaben, was ihre Stimmchen zu bieten hatten.
________ Fußnoten:
Ich bin auferstanden und immer bei dir. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja — Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Wo immer ich bin: du weißt von mir. [ ↩ ]
“Am schlimmsten war die Einstellung, sich mehr um die Täter kümmern zu müssen als um die Opfer. Es ist auch beschämend, wie hier und da versucht wurde, durch schnelles Abwehren und Verdecken eines Verdachts oder gar einer Verfehlung die Institution Kirche und gerade auch Amtspersonen unter allen Umständen vor einem Makel zu bewahren. Gewiss gab es da auch eine Kumpanei, wie sie in manchen ‘geschlossenen Systemen’ möglich ist, in die niemand von außen so recht hineinsieht. Es ist jedenfalls erschreckend, dass hier die Sensibilität des Gewissens, die doch gerade bei religiösen und kirchlich engagierten Personen täglich gepflegt werden soll, aller Beschwichtigungen und Verdeckungen nicht Herr geworden ist.”
Es gibt offenbar doch einzelne Leitungspersonen in der Kirche, die bereit sind, offen und selbstkritisch die Wahrheit zu sagen und damit den Opfern einen Teil ihrer Würde zurückzugeben. Das hat meine volle Anerkennung.
Ich war gestern abend kurz entschlossen in dem Film “Das weiße Band“. Ein wenig Einblick in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg, die damaligen Erziehungsmethoden und “ein weißes Band bis heute” hatte ich mir erhofft.
Nichts dergeichen. Der Film erscheint mir als eine fast wahllose Reihung von einzelnen Bildern, Szenen und Plots, die nichts miteinander zu tun haben. Am Anfang fällt der Arzt vom Pferd, dann stirbt eine Bäuerin, Kinder haben Angst vor ihren Eltern und Vorgesetzten, eine Scheune brennt ab, ein behindertes Kind wird mißhandelt, am Schluß ist auch noch die Hebamme verschwunden – es gibt keinen Zusammenhang, es gibt keine Erklärungen, nichts, das bleibt alles unverbunden und ungelöst so nebeneinander stehen. Zweieinhalb Stunden wartet man darauf, dass sich irgendwo irgendwas ergibt – nichts. Das Ende des Films kommt plötzlich und überraschend, als würde jemand das Licht ausmachen: Die Zeitspanne, die man braucht, um “Ich bin nachher nie wieder in dieses Dorf zurückgekehrt” zu sagen reichte Regisseur Michael Haneke zum Ausblenden – das war’s, bitte gehen Sie nach Hause. Das einzige, was bleibt, ist Muskelkater im erhobenen “Ihr seid alle Sünder”-Zeigefinger. Tja, das hat der Pfarrer in dem Film auch gemacht. Sollte es das gewesen sein?
Langweilig war’s nicht, das kann man nicht sagen: ein Unterhaltungsfaktor war messbar, ein Sinnfaktor nicht. So wie ich mir den Besuch eines Vergnügungsparks ja nicht wirklich langweilig vorstelle: man verbringt irgendwie seine Zeit, aber man fragt sich hinterher: ja, und was sollte das jetzt?
Es ist wirklich schade: die Auftakte waren gut, da hätte man aus den Sujets richtig toll was machen können. Die Figuren des Lehrers, des Arztes und des Pfarrers waren gut angelegt, die sinnvolle Weiterentwicklung der Charaktere jedoch ohne Not verschenkt. Statt dessen passiert einfach – nichts. Für diesen Film bleibt egentlich nur eines: mit Preisen zuschütten, bis man ihn nicht mehr sieht. So wird’s denn wohl auch laufen, und die Kinogänger laufen derweil in andere Filme.
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Thomas: Von Leuten mit einer eMail-Adresse à la “defend@gmx.ch” will ich keinerlei Belehrungen... Dani: Das ist gar keine “PumpGun”!!! Das ist ein Kleinkalibriges Standardgewehr, was Sportschützen...
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