Archive for Juni, 2010

Mann im Knast II

Die Sache mit Jörg Kachelmann, der offensichtlich auf Grund falscher Anschuldigungen einer Frau wegen Vergewaltigung in Untersuchungshaft sitzt, läßt mir keine Ruhe: das ist strukturelles Unrecht, das nur Männern widerfahren kann.1) Und zwar aus niederen Beweggründen. Die Strafe, die eine Frau für eine Falschaussage und vielleicht übler Nachrede zu erwarten hat, ist dagegen lächerlich: ganz bestimmt muß sie deswegen nicht ins Gefängnis, nicht einmal einen Tag lang.

U-Haft ist furchtbar: man verliert seine Freiheit. Man sitzt auf seiner Zelle neben der Kloschüssel. Man hat keinen Computer mehr, keine Bücher, kann nicht Klavier spielen, seine Familie und seine Kinder sieht man nicht mehr. Statt dessen hat man zu gehorchen – und wartet, wartet, wartet: Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche – bis der Untersuchungsrichter einen wieder laufen läßt. Das kann plötzlich sein, das kann ewig dauern: ganz, wie eine vollkommen undurchschaubare Administration gerade Lust hat. Man hat zwar Rechte, aber das braucht alles Zeit, Zeit, Zeit, die durchzusetzen.

Ich weiß gar nicht, wieso ein Mensch, der einen anderen mit diesen Folgen zu Unrecht verklagt, selber noch frei rumlaufen darf.

Jedenfalls habe ich mal ans Justizministerium geschrieben, sie sollten Kachelmann mal sofort laufen lassen: was müssen die Schweizer eigentlich von unserem Rechtssystem halten, wenn wir einen ihrer Bürger nur aufgrund fragwürdiger Anschuldigungen so lange hinter Schloss und Riegel setzen? Aber wegen ein paar Millionen an veruntreuten Steuergeldern verlangen wir, dass die ihre Steuergesetze ändern, was? Das muss doch für die ein Widerspruch ohne Gleichen sein.

Und die Damen vom Justizministerium sollten mir mal erklären, was ich eigentlich machen kann, wenn irgend eine Frau mich einfach aus Jux der Vergewaltigung anklagt. Das kommt häufiger vor, als man denkt.VIEL häufiger.


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Fußnoten:
  1. In diesem Fall ist es leider noch ein wenig schlimmer: Kachelmann ist Schweizer, deswegen vermutet die Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr. Ein Deutscher, bei dem keine Fluchtgefahr bestünde, würde wohl nicht so lange in U-Haft einsitzen. [ ]

Mann im Knast

Ich sollte vielleicht einmal eine Rubrik “Letzter Absatz” einrichten: gestern brachte der letzte Absatz eines Artikels der Süddeutschen Zeitung den genauen Sinn des Ganzen zum Vorschein. Heute ist es ein langer Artikel von Sabine Rückert auf ZEIT online1), die sich mit dem Fall Kachelmann beschäftigt:

Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.

Erstaunlich, erstaunlich2): immerhin ist der Artikel von einer Autorin. Gemeint ist, dass Kachelmann eigentlich nur deswegen in Haft sitzt, weil eine dumme Gans auch nach 11 Jahren Nicht-Beziehung zu Jörg Kachelmann sich endlich mal mitten in sein Leben beamen wollte: sie hat ihn wegen Vergewaltigung angeklagt. Jetzt sitzt er dort seid 3 Monaten fest, seine Unschuld ist sehr wahrscheinlich, die Gegenbeweise sind erdrückend: und er muß jetzt darüber nachdenken, dass er die dümmste aller dummen Gänse am besten geheiratet und sie in der Wettershow immer ein bißchen “modeln” gelassen hätte. Immerhin hat sie ihm ihre besten Jahre geopfert3) – freilich, ohne dass er es gemerkt hätte.

Das Einzige, was mich an diesem ansonsten recht eindeutigen und nachdenklichen Artikel stört ist, dass zwischen den Zeilen mehrfach so getan wird, als sei es moralisch verwerflich, dass Kachelmann überall auf der Welt Gespielinnen hatte4).

Hallo, hier Erde an Mutterschiff: Seit wann ist das denn verboten? Und wenn es verboten wäre: warum ist es dann nicht verboten, sich an einen Mann ranzuschmeißen, der schon eine Beziehung hat?


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Fußnoten:
  1. Sabine Rückert: Schuldig auf Verdacht, Artikel auf ZEIT online vom 24.6.2010 [ ]
  2. Vor allem die Zwanghaftigkeit, mit der Jugend und Attraktivität in Zusammenhang mit Weiblichkeit herausgekehrt werden muss: die dumme Gans war nun wirklich nicht mehr so taufrisch, als sie Ihren Prinzgemahl kennenlernte – und allzu attraktiv wohl auch nicht, sonst hätte er sie öfter … lassen wir weg. [ ]
  3. Inclusive Kinderwunsch, denn damit ist es wohl jetzt hoffentlich auch Essig. Sollte man sie für den Darwin Award vorschlagen? [ ]
  4. Wahrscheinlich ging jede von denen im tiefsten Inneren davon aus, dass sie in Wirklichkeit “die Einzige” sei, die anderen seien nur Naschwerk: das geht vorbei … [ ]

Via dolorosa

Die Süddeutsche Zeitung, die in Sachen Missbrauch & Kirche meiner Ansicht nach langsam zur Süddeutschen BILD-Zeitung mutiert, hat am Wochenende ein ziemlich pseudokritisches Feature über die Zustände im Kloster Ettal losgelassen. Man wird es nicht beweisen können, aber mir kommt der Ton des Artikels hämisch und rachsüchtig vor – so, als sei er von einem Autor geschrieben worden, der auf diese Gelegenheit nur gewartet hat, mit seinen wirklichen Beweggründen jedoch hübsch hinter der Hecke bleibt.

Wes Geistes der Artikel wirklich ist, steht in seinen letzten Absätzen:

Ein Anwalt aus Nordrhein-Westfalen, der vorerst anonym bleiben will und nach eigenen Angaben 32 Opfer aus Ettal vertritt, geht einen völlig anderen Weg: »Wir sprechen überhaupt nicht mit dem Kloster. Wir warten, bis die Mönche zu uns kommen, und sie werden kommen.« Er will das Kloster bloßstellen, öffentlich, vielleicht mit einem Theaterstück auf einer Wiese vor den Toren des Klosters, in dem all die Misshandlungen nachgespielt werden. Vielleicht mit wöchentlichen Anzeigen in überregionalen Zeitungen, in denen nur zu lesen sein wird, das Kloster werde nicht davonkommen mit diesen Verbrechen. Vielleicht auch etwas ganz anderes, genug Geld für seine Aktion hat er schon beisammen, sagt er, etwa zwei Millionen von Geldgebern, deren Namen er nicht preisgeben möchte.

Der Mann lächelt. »Juristisch können wir dem Kloster nichts, ist alles verjährt. Aber wir können sie in die Enge treiben, und das werden wir. So lange, bis sie uns fragen, was sie tun sollen, damit wir aufhören.« Dann will er ihnen eine Summe nennen: eine Viertelmillion Euro, für jedes Opfer. Für die Opfer dauert der Missbrauchsskandal nun schon Jahrzehnte an, für das Kloster hat er gerade erst begonnen.

Zu dieser Jagd auf das verhaßte Kloster übt die Süddeutsche Zeitung schon mal das Sautot-Blasen. Den Mixa haben sie – wahrscheinlich übungshalber – abgeschossen. Jetzt haben sie das nächstgrößere Ziel auf’s Korn genommen, und sie werden Kloster Ettal schleifen, bis kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Nach dem genüßlich zitierten Anwalt, der schon “2 Millionen” gesammelt hat, wird das Kloster die Schule in schätzungsweise zwei Jahren schließen müssen. Das wird dem Anwalt nicht reichen, denn schließlich will er Haus, Mercedes, Boot und Swimming Pool an den Opfern verdienen – und das Kloster wird die verlangte Wiedergutmachung nicht erbringen können. In zehn Jahren, so schätze ich, wird das Kloster Ettal wohl geschlossen werden – die Mönche werden fortziehen, und der Anwalt wird noch eine Zeitlang gegen irgendwelche “Verantwortlichen” herumlavieren. Zwei Millionen, bei 4% angelegt, bringen 80.000€ Zinsen im Jahr …

—-» Via dolorosa weiterlesen …

Geschafft

Der Friedrich hat’s geschafft: wer einmal putzend in der Zeitung1) war, muss das sein Leben lang nie wieder tun. Mensch, hat der ein Glück!

Aber sobald das Sauwetter UND das Public Viewing gelaufen sind, bin ich mal wieder im K4.


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Fußnoten:
  1. hier geht es zum Artikel in den Nürnberger Nachrichten vom 21.6.2010 [ ]

Pfingsterklärung II

Herbert hat bereits einen kurzen Artikel zur Pfingsterklärung geschrieben. Ich bin von meinem Freund C. ebenfalls aufgefordert worden, diese Erklärung zu unterstützen: das kann ich aber nicht. Das meiste dieser Erklärung kann man unterschreiben. Aber ich bin gegen eine Demokratisierung der Bischofswahl – was eine Kernforderung dieser Erklärung ist.

Ich habe das dem C. gegenüber in einer eMail begründet, die zunächst meine ganz persönliche Einstellung zur Kirche und wie ich dazu komme beleuchtet. Es ist eine tour d’horizon geworden, ein ungeplanter Spaziergang, der dann doch etwas länger geworden ist. Ich habe es hauptsächlich für mich geschrieben, um meine eigenen Gedanken zu ordnen und zu klären, warum ich dem katholischen mainstream nicht folgen kann. Wer mag, kann es hier nachlesen.

Lieber C.,

na, vielleicht werde ich ja langsam ein seniler alter Mann, kann ja sein. Aber ich habe das Christentum immer anders verstanden.

Mein Gottesbild setzt einen unbegreifbaren Gott voraus, der die Menschen liebt wie ein Vater seine Kinder. Ich kann wenig tun, daran irgend etwas zu ändern: ich kann mir Gottes Zugewandtheit weder verscherzen noch kann ich sie in irgend einer Weise verdienen oder gar vermehren. Ich bin, was ich bin: ein von Gott zum jetzigen Zeitpunkt in die Welt gesetzter Mensch, der seinen Weg gehen muss. Hilfe kommt mir von ihm insofern, dass er mich begleitet und mir zuhört und mir auf diese Weise vermittelt, was wohl für mich das Beste sei. Er sagt es mir nicht: ich muss es erspüren.

Für mein Kirchenbild hat das enorme Konsequenzen. Die Kirche steht nicht und niemals zwischen mir und Gott: sie schafft lediglich äußere Bedingungen, die es mir ermöglichen, Gott in dafür geeigneter Weise zu erfahren. Sie schafft Kirchenräume, die zur Ruhe und Meditation einladen. Sie schafft Strukturen, in denen geordnete und auf vernünftige Weise zielgerichtete Nächstenliebe möglich wird. Sie ernährt Priester und Angestellte, die auf etwas anderes schauen (sollten) als auf weltliche Macht: sie halten dem irdischen Treiben das Bild des Ewigen vor und regen an, sich daran zu messen. —-» Pfingsterklärung II weiterlesen …

Kundenparkplatz

Ich hatte heute ein Date im Bestattungsunternehmen. Nix Schlimmes: es ging um ein Konzert in deren Feierhalle1).

Der Kundenparkplatz des Bestattungsunternehmens war aber schon besetzt. Es könnte sein, dass dieser Kunde länger bleibt, zumindest war das linke Vorderrad des Vehikels, mit dem er offensichtlich angereist war, schon etwas mit Gras bewachsen.


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Fußnoten:
  1. Ich weiß nicht, wie man eine nicht-christliche Aussegnungshalle nennt. Sie nennen sie “Haus des Übergangs” [ ]

Pfingsterklärung

Nach den recht unangenehmen Vorgängen im Bistum Augsburg in den vergangenen Wochen gibt es nun eine Pfingsterklärung von einigen Priestern und Laien aus der Diözese. Sie weist meines Erachtens in die richtige Richtung und kann auch mitunterzeichnet werden.