Mann im Knast II
Die Sache mit Jörg Kachelmann, der offensichtlich auf Grund falscher Anschuldigungen einer Frau wegen Vergewaltigung in Untersuchungshaft sitzt, läßt mir keine Ruhe: das ist strukturelles Unrecht, das nur Männern widerfahren kann.1) Und zwar aus niederen Beweggründen. Die Strafe, die eine Frau für eine Falschaussage und vielleicht übler Nachrede zu erwarten hat, ist dagegen lächerlich: ganz bestimmt muß sie deswegen nicht ins Gefängnis, nicht einmal einen Tag lang.
U-Haft ist furchtbar: man verliert seine Freiheit. Man sitzt auf seiner Zelle neben der Kloschüssel. Man hat keinen Computer mehr, keine Bücher, kann nicht Klavier spielen, seine Familie und seine Kinder sieht man nicht mehr. Statt dessen hat man zu gehorchen – und wartet, wartet, wartet: Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche – bis der Untersuchungsrichter einen wieder laufen läßt. Das kann plötzlich sein, das kann ewig dauern: ganz, wie eine vollkommen undurchschaubare Administration gerade Lust hat. Man hat zwar Rechte, aber das braucht alles Zeit, Zeit, Zeit, die durchzusetzen.
Ich weiß gar nicht, wieso ein Mensch, der einen anderen mit diesen Folgen zu Unrecht verklagt, selber noch frei rumlaufen darf.
Jedenfalls habe ich mal ans Justizministerium geschrieben, sie sollten Kachelmann mal sofort laufen lassen: was müssen die Schweizer eigentlich von unserem Rechtssystem halten, wenn wir einen ihrer Bürger nur aufgrund fragwürdiger Anschuldigungen so lange hinter Schloss und Riegel setzen? Aber wegen ein paar Millionen an veruntreuten Steuergeldern verlangen wir, dass die ihre Steuergesetze ändern, was? Das muss doch für die ein Widerspruch ohne Gleichen sein.
Und die Damen vom Justizministerium sollten mir mal erklären, was ich eigentlich machen kann, wenn irgend eine Frau mich einfach aus Jux der Vergewaltigung anklagt. Das kommt häufiger vor, als man denkt.VIEL häufiger.
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Fußnoten:
- In diesem Fall ist es leider noch ein wenig schlimmer: Kachelmann ist Schweizer, deswegen vermutet die Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr. Ein Deutscher, bei dem keine Fluchtgefahr bestünde, würde wohl nicht so lange in U-Haft einsitzen. [ ↩ ]



Ja, das passiert oft:
Mit Hilfe von DNA-Tests werden in den USA alte Gerichtsurteile überprüft – mit schockierendem Ergebnis: 208 Justizopfer mussten bereits freigelassen werden, 15 davon aus der Todeszelle.
Immerhin wird der Fall, wenn er denn so ausgeht, wie es sich gegenwärtig darstllt, dem Thema Falschbeschuldigung neuen Auftrieb geben.
Bringt Kachelmann selbst natürlich wenig.