Mann im Knast
Ich sollte vielleicht einmal eine Rubrik “Letzter Absatz” einrichten: gestern brachte der letzte Absatz eines Artikels der Süddeutschen Zeitung den genauen Sinn des Ganzen zum Vorschein. Heute ist es ein langer Artikel von Sabine Rückert auf ZEIT online1), die sich mit dem Fall Kachelmann beschäftigt:
Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.
Erstaunlich, erstaunlich2): immerhin ist der Artikel von einer Autorin. Gemeint ist, dass Kachelmann eigentlich nur deswegen in Haft sitzt, weil eine dumme Gans auch nach 11 Jahren Nicht-Beziehung zu Jörg Kachelmann sich endlich mal mitten in sein Leben beamen wollte: sie hat ihn wegen Vergewaltigung angeklagt. Jetzt sitzt er dort seid 3 Monaten fest, seine Unschuld ist sehr wahrscheinlich, die Gegenbeweise sind erdrückend: und er muß jetzt darüber nachdenken, dass er die dümmste aller dummen Gänse am besten geheiratet und sie in der Wettershow immer ein bißchen “modeln” gelassen hätte. Immerhin hat sie ihm ihre besten Jahre geopfert3) – freilich, ohne dass er es gemerkt hätte.
Das Einzige, was mich an diesem ansonsten recht eindeutigen und nachdenklichen Artikel stört ist, dass zwischen den Zeilen mehrfach so getan wird, als sei es moralisch verwerflich, dass Kachelmann überall auf der Welt Gespielinnen hatte4).
Hallo, hier Erde an Mutterschiff: Seit wann ist das denn verboten? Und wenn es verboten wäre: warum ist es dann nicht verboten, sich an einen Mann ranzuschmeißen, der schon eine Beziehung hat?
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Fußnoten:
- Sabine Rückert: Schuldig auf Verdacht, Artikel auf ZEIT online vom 24.6.2010 [ ↩ ]
- Vor allem die Zwanghaftigkeit, mit der Jugend und Attraktivität in Zusammenhang mit Weiblichkeit herausgekehrt werden muss: die dumme Gans war nun wirklich nicht mehr so taufrisch, als sie Ihren Prinzgemahl kennenlernte – und allzu attraktiv wohl auch nicht, sonst hätte er sie öfter … lassen wir weg. [ ↩ ]
- Inclusive Kinderwunsch, denn damit ist es wohl jetzt hoffentlich auch Essig. Sollte man sie für den Darwin Award vorschlagen? [ ↩ ]
- Wahrscheinlich ging jede von denen im tiefsten Inneren davon aus, dass sie in Wirklichkeit “die Einzige” sei, die anderen seien nur Naschwerk: das geht vorbei … [ ↩ ]



Danke Thomas,
für den Hinweis auf diesen offenbar sehr gut recherchierten Artikel in Zeit-Online. Soviel Qualität hatte ich der >Zeit< schon lange gar nicht mehr zugetraut.
Auch soviel Ehrlichkeit der Autorin gegenüber der Inkonsequenz und Infantilität >ganzer Teile< ihrer Geschlechtsgenossinnen ist für mich überraschend.
Sollte die Zeit tatsächlich eine Wendung in Richtung Realität nehmen und die Frauen=Heilige/Opfer-Ideologie mal ein wenig zurückstellen?