Archive for Juli, 2010

SEO

Ich habe mal eine Link-Kategorie Geschäftspartner (Rechts, mittlere Spalte) eingerichtet, für die ich arbeite.

Wer sich jetzt fragt, was das mit dem Diesellog zu tun hat: nichts. Darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, die Verlinkungsdichte der webSites zu erhöhen, damit die im Google-Ranking etwas höher rutschen und deswegen den Internet-Benutzern eher auffallen. Das nennt man SEO – search engine optimization. Ist Kaffeesatzleserei, aber leider auch ein Hype im Moment.

Man schreibt heute webSites nicht mehr so, dass die Kunden sie möglichst informativ finden, sondern dass vor allem Google sie findet. So, wie ja auch der redaktionelle Teil einer Zeitung heutzutage eher ein Abfallprodukt der in ihr gezeigten Werbung ist. So können es sich Werbefuzzis heute erlauben, den redaktionellen Teil einer Zeitung wesentlich mitzugestalten – oder die Werbekunden bestimmen unausgesprochen mit über die Themen, über die zum Beispiel nicht berichtet wird.

Mann im Knast III

Seit gestern ist Jörg Kachelmann aus der Haft entlassen1). Er hat 4 Monate im Gefängnis sitzen müssen, weil eine Frau ihn – offensichtlich – falsch oder zumindest mit großen Abstrichen an den Wahrheitsgehalt ihrer Aussage der Vergewaltigung beschuldigt hat. Dieser Frau wird nicht viel passieren: selbst wenn Jörg Kachelmann sie dereinst belangt, wird man ihr höchstens den Zeigefinger vorhalten, ein bißchen schimpfen und sie auffordern, dass sie das aber nie wieder machen darf. Vielleicht muß sie noch ein paar hundert Euro hinlegen. Aber ins Gefängnis wird sie nicht gehen: Kachelmanns 120 Tage Knast werden ungesühnt bleiben.

Was ist da eigentlich passiert? Die Sache wirft denn doch ein paar Fragen auf:

  • Wieso war Kachelmann 4 Monate im Gefängnis? Wenn er ein normaler Durchschnittsbürger gewesen wäre, dann kann das schon mal vorkommen. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, und wenn sich niemand drum kümmert, dann erst recht. Bei Kachelmann lag der Fall aber anders: er steht im Rampenlicht der Medien.
  • Sein Anwalt hat seine Freilassung nicht durchgebracht. Das gehört jedoch zu den einfachsten Übungen: mit so dürftiger Beweiskraft, die zudem schon über Monate bekannt ist, kann man eigentlich niemanden 4 Monate im Knast verschimmeln lassen. Wieso hat der Anwalt das nicht fertig gebracht?
  • Wieso hat erst das Oberlandesgericht eine Freilassung verfügt? Sind da eventuell andere Überlegungen mit im Spiel als nur der Vorwurf der Vergewaltigung? Hat es was damit zu tun, dass Kachelmann Schweizer Staatsbürger ist und die Deutschen und die Schweizer im Moment nicht ganz so gut miteinander können2) als es normal wäre?
  • Kann es sein, dass hier ein frauenzentriertes Komplott vorliegt, ein Beispiel erwünschter Diskriminierung also, nach dem Motto: Einer Frau, die behauptet, vergewaltigt worden zu sein, ist unter allen Umständen zu glauben? Immerhin war das ja mal gelehrte und geübte Praxis auf den Polizeistationen – ist das heute immer noch so?

Eines macht der Fall ganz klar: auch heute noch kann eine Frau einen Mann einfach so – sei es aus Rache, Wut oder Langeweile – ins Gefängnis werfen lassen und die Existenz des Mannes vollkommen vernichten. Für sie besteht dabei keine Gefahr: der Mann wird einfach von einem willfährigen Staat einkassiert und kaltgestellt. Gefangenschaft ist das Schlimmste, was einem freien Bürger passieren kann: ihm werden die bürgelichen Ehrenrechte aberkannt, er darf seine Kinder nicht mehr sehen, er darf nicht mehr die Bücher lesen, die er gerne lesen möchte und er darf nicht mehr irgendwo einen Kaffee trinken gehen. Er hat auf Befehl das Licht auszumachen und auf Befehl wieder aufzustehen3). Er muß sich von anderen Menschen herumkommandieren lassen und mit Menschen seine Tage verbringen, die er sich nicht ausgesucht hat und denen er nicht entgehen kann. Dieses Rechtsmittel darf die Gesellschaft eigentllich nur bei allerschlimmsten Vergehen verhängen, und die müssen nachgewiesen sein – nicht einfach mal so auf eine Vermutung hin.

Ich bin erstaunt, in was für einem System wir hier leben.


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Fußnoten:
  1. Siehe Mann im Knast II und Mann im Knast [ ]
  2. Steuerhinterziehung, Bankengeheimnis etc.? [ ]
  3. Da wird man mir jetzt mit spitzfindgem Zeug kommen können, dass das in der Untersuchungshaft alles ein wenig anders sei als im Strafvollzug. Das ist mir aber egal. Wenn ich für irgend jemanden einen 50-Kilo-Rucksack tragen muss, dann hält sich mein Dank in Grenzen, wenn er vorher noch eine Haarbürste herausgenommen hat, damit es nicht so schwer wird. [ ]

Meiserei

Seit einigen Tagen fliegen sich hier die drei jungen Meisen ein. Nicht den ganzen Tag: sie haben anscheinend einen bestimmten Stundenplan, ansonsten hängen sie in ihrem Kasten rum. Die Eltern halten sich ein wenig abseits und sitzen in den umliegenden Bäumen und Büschen. Abgestürzt ist noch keine, ungewollte Loopings und Trudeln kommt dennoch vor. Sieht jedenfalls halsbrecherisch aus, was die hier so treiben.

Wahre Langstreckenflieger sind sie ja eh nicht: sie überwintern hier. Da werde ich Herbst wohl wieder ein paar Meisenknödel sponsern.

Pathologisieren

Herbert macht auf ein kleines Spiegel-Interview zum Thema “Jungen brauchen die Konfrontation1) aufmerksam, in dem es im Schlusssatz heißt:

Männliche und weibliche Elemente gehören in die Schule, doch heute werden männliche Eigenschaften oft pathologisiert, die Lust an Provokation, an Grenzüberschreitung und die damit verbundene Hoffnung, Empörung, Widerstand auszulösen.

Dieses Pathologisieren maskuliner Eigenschaften ist nicht nur ein Problem für Jungen – sondern für Männer allgemein. Folgendes Beispiel: ich war gestern abend bei der Kirchenmusikerin, weil ich ihr einen Gottesdienst abnehme – sie hat da keine Zeit. Ich kann eigentlich gar nicht gut Orgel spielen, aber für einen Feriengottesdienst in reduzierter Besetzung wird’s hoffentlich reichen. Irgendwann sagte sie: “Die Männer an der Orgel improvisieren viel besser, die hauen rein. Wir Frauen sind da immer so vorsichtig”.

Der Pfarrer2) habe ihr gesagt, darin zeige sich für ihn nichts als die Arroganz männlichen Verhaltens: “Hier, Leute, ich bin der Beste, was wollt ihr denn?”.

Das stimmt meines Erachtens nicht: Arroganz – eine durchaus im Bevölkerungsdurchschnitt eher negativ gesehene Charaktereigenschaft – ist nicht die Triebfeder gescheiter Improvisation auf der Orgelbank. Es hat mehr mit Mut, Selbstvertrauen und der Fähigkeit, das Instrument einzuschätzen und bedienen zu können zu tun. Ein guter Organist sitzt vor der Orgel und flüstert ihr zu: Ich bin hier der Organist, und Du tust, was ich Dir sage3). Ein schlechter Organist sitzt vor der Orgel und spricht zu sich selbst: Ich spiele lieber leiser, damit man meine Fehler nicht so hört.

Sich vor die Orgel zu setzen und ohne Noten einen Ein- oder Auszug zu spielen ist ein schöpferischer Akt. Der kann gelingen (meistens) oder daneben gehen (selten). Worauf es ankommt ist, sich dieser Schöpferkraft in sich selbst auszusetzen, sich von ihr anstecken zu lassen, sich ihr mit Haut und Haaren auszuliefern und sich zuzutrauen: ich kann das. Dazu braucht es natürlich sehr viel Übung, Fingerfertigkeit, Einsicht in harmonische Zusammenhänge und geistige Beweglichkeit – das alles haben Frauen auch.

Aber es braucht auch Lust an Provokation, Grenzüberschreitung – und das Vertrauen, Hoffnung, Empörung und Widerstand (s.o.) schon aushalten zu können. Das ist überhaupt keine Arroganz, sondern ein wahrlich biblisches Arbeiten mit den eigenen Talenten: Gott hat den Menschen ihre Fähigkeiten nicht gegeben, damit sie sie im Acker vergraben und sie ihm später unverbraucht zurückgeben. Wir sollen was damit machen4).

Aber vielleicht trauen die Frauen ihrer Schöpferkraft nicht so.


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Fußnoten:
  1. Spiegel Online, 4.5.2010 [ ]
  2. Es ist nicht unbedeutend, dass das der Pfarrer sagt: der hat einen hohen Marktwert in der Meinungsbildung der Pfarrei. Die heutige Pfarrergeneration ist schließlich in den Seminaren auf eine besondere Hervorhebung alles Weiblichen erzogen worden, gleichzeitig ist ihr ein schlechtes Gewissen bezüglich des allgemein Männlichen eingeimpft worden: eigentlich sind die Männer alle irgendwie Tiere – wieso bin ich trotzdem Priester? Diesen Konflikt können sie nicht lösen, weil sie als die schlechteren Menschen trotzdem auf einem Posten sitzen, der ein hohes moralisches Ansehen hat und den irritierender Weise trotzdem nur Männer haben können. Deswegen verhalten sie sich Frauen gegenüber in besonderem Maße zuvorkommend – manchmal bis hin zu absoluter Kritikunfähigkeit. Dieses Defizit an Kritik gegenüber Frauen verpufft aber nicht einfach, sondern er wird verstärkt auf die Männer umgelenkt und trifft damit die Falschen – aber mit doppelter Wucht. [ ]
  3. Ich war unlängst auf dem Abschlusskonzert einer 13. Klasse, auf dem u.a. auch zwei Abiturientinnen zeigen, was sie auf dem Klavier so drauf hatten. Bei der einen stand der Flügel schwarz, groß, schwer und glänzend auf der Bühne, und die Interpretin hat die Noten vorschriftsmäßig alle in der richtigen Reihenfolge abgeliefert. Bei der anderen jedoch hat die Frau dem Flügel gesagt, was Sache ist: kein Mensch hat den Flügel als Instrument überhaupt noch wahrgenommen, die hat die Töne erzeugt, nicht der Flügel. Das war dann wirklich Musik. [ ]
  4. Natürlich ist es ein großes Talent, sauber von den Noten abzuspielen. Aber das Improvisieren-Können eben auch. [ ]

Unfreiwillige Emanzipation

Johanna Kutsche beklagt in der >Zeit< , dass inzwischen 21 % aller Mehrpersonenhaushalte allein von Frauen finanziert würden (1991 noch 15%). So hätten sich die Frauen die Emanzipation aber nun auch wieder nicht vorgestellt; das gehe doch entschieden zu weit.

Haben wir Männer also wieder was falsch gemacht? Was wäre denn den Damen genehm? Hat eigentlich irgendjemand schon mal danach gefragt, wieviele Mehrpersonenhaushalte allein von Männern finanziert werden? Und ob denen das genehm ist?

So ein Blödsinn.

Nie wieder Gravis

Das Ende einer langen Freundschaft: ich habe viele meiner Macs und das gesamte Zubehör bei Gravis gekauft. Erst letzte Woche wieder. Das Teil hat allerdings leider nicht funktioniert, also haben sie mir einen Gutschein über den Wert ausgefüllt.

Dummerweise habe ich in der Hektik einen Fehler an der Kasse gemacht: ich habe mit einer Scheckkarte bezahlt, zu der es kein Konto mehr gab. Die Sparkasse hatte das Konto auftragsgemäß zum 30. Juni gekündigt – ich hatte das allerdings vor 3 Monaten offensichtlich so mit denen vereinbart und dann vergessen. Ich dachte jedenfalls, es läuft noch bis Ende Juli – zumindest, so nahm ich an, wird kein Scheckkartenleser eine Karte zu einem nicht existenten Konto annehmen. Falsch gedacht: Der Kassierautomat hat diese Karte anstandslos angenommen, so dass ich gar nichts bemerkt habe.

Genau 7 Tage später kommt hier ein Schreiben eines modernen Raubritters an: Gravis hat nicht lange gefackelt, sondern die offene Forderung über 44,90€ einfach an die Firma easyCash aus Ratingen weitergeleitet. Die haben sich dann genau 30,77 € Straf-, Mahn- und sonstige Gebühren berechnet – einfach so. Nach einer Woche besitze ich also einen Gravis-Einkaufsgutschein in Höhe von 44,99€, für den ich 75,36 bezahlt habe – zudem noch für ein Teil, das nicht funktioniert.

Ich habe die 75€ sofort bezahlt: da mache ich nicht lange rum. Das ist genauso, als wenn Dich in einer dunklen Ecke einer anhält und Dein Geld haben will: Du gibst es ihm sofort, ohne lange zu diskutieren, sonst besteht echte Gefahr für die Leib und Leben. Davon kann man bei Inkassounternehmen1) wie easyCash aus Ratingen durchaus ausgehen. Die verdienen ihr Geld nicht rechtens, sondern durch Zockerei. Ich werde das auch nicht von den Verbraucherschützern prüfen lassen: der Aufwand ist viel zu hoch. Ich bin überzeugt, dass das Verfahren, das schon nach einer Woche Zuwachsraten von um die 70% garantiert, ungesetzlich ist – aber Mord und Raub sind auch ungesetzlich. Mit denen gebe ich mich nicht ab.

Aber Gravis sieht mich nie wieder. Die haben gut an mir verdient über die Jahre. Ich habe viele Leute hingeschickt und denen gesagt: da könnt ihr kaufen. Und so ca. 15 Macs habe ich dort für andere Leute gekauft. Wenn ein Geschäftspartner mich einfach kaltschnäuzig unter die Räuber werfen lässt, dann ist es vorbei.

— Nachtrag, Gegendarstellung von Gravis:

Die Firma Gravis verlangt rechtsbewehrt folgende Darstellung, die ich hiermit öffentlich mache:

Sehr geehrter Herr Reuter,

vielen Dank für Ihre e-Mail. Wir bedauern, dass Sie mit GRAVIS nicht zufrieden sind.

Wir haben Ihren Artikel mit großer Aufmerksamkeit gelesen und möchten Ihnen hierzu unsere Sicht erläutern.

Zunächst möchten wir hier deutlich klarstellen, dass die Firma easyCash kein Inkassounternehmen ist, wie Sie behaupten, sondern ein Finanzdienstleister, der für viele Geschäfte und Banken in Deutschland die bargeldlosen Transaktionen durchführt. Auch für unser Haus ist easyCash tätig und wickelt den bargeldlosen Zahlungsverkehr ab. Sie haben mit Ihrer Unterschrift bzw. der Eingabe Ihrer PIN easyCash beauftragt, die Abbuchung von Ihrem Konto vorzunehmen. Dies können Sie auch Ihrem EC/GC Beleg entnehmen. (Rückseite). Im weiteren Verlauf wird der Betrag, den Sie mit Ihrer EC-/GC-Karte bezahlt haben, von easyCash an GRAVIS überwiesen. Alle weiteren Schritte, die nach der Transaktion notwendig sind, werden nun von easyCash selbstständig durchgeführt.

Wir würden Sie an dieser Stelle darum bitten, dass Sie Ihre Schilderung auf der u.g. Seite richtig stellen und bitten um eine positive Rückmeldung bis zum 29.07.2010. Sollten Sie nicht gewillt sein, Ihren Artikel zu korrigieren, sind wir leider gezwungen rechtliche Schritte zu prüfen.

Bezüglich Ihrer Bitte, Ihre Daten in unseren System zu löschen, können wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre personenbezogenen Daten gelöscht haben, soweit dies möglich ist. Da Sie bei uns Waren erworben haben ist es uns nicht möglich, sämtliche Daten von Ihnen zu löschen, da es für diese Kaufverträge entsprechne Rechnungen gibt. Zum Einen müssen wir diese aus Gewährleistungsrechtlichen Fragen aufbewahrt werden, zum Anderen sind wir aus steuerrechtlichen Gründen verpflichtet diese Unterlagen aufzubewahren. Diese Rechnungen können selbstverständlich von uns auch nicht verfälscht werden. Das Löschen eines Kunden geht also rein systemtechnisch nicht, weil dann unkonsistente Daten auftreten würden. Ein Überschreiben der Kundendaten mit ”xxx” hätte zur Folge, dass auch eine nachgedruckte Rechnung dieses Kunden als Kundenadresse nur ein ”xxx” enthalten würde.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Bastian Below
GRAVIS Kundenservice

Die Möglichkeit, sich für diese rüden Methoden zu entschuldigen – das Geschäftsgebaren von easyCash nehmen sie ja, wie dem Brief zu entnehmen ist, billigend in Kauf -, ist ihnen anscheinend überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Für die bin ich eine Rechnungsnummer, kein Kunde, um den man sich Sorgen machen sollte.

Meiner Meinung nach sind das soziale Dummköpfe, die keine Beziehung zu den Leuten suchen, von denen sie leben. Vielleicht werden sie damit reich – mir ist es egal.


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Fußnoten:
  1. Ich darf dazu nicht Inkassounternehmen sagen. Das Unternehmen führt in meiner laienhaften Sicht den Einzug von Forderungen für die Firma Gravis durch, das nennt man Inkasso. Trotzdem will Gravis nicht, dass ich das Inkasso nenne. Ich distanziere mich also auf Wunsch von Gravis davon, sowas Inkasso zu nennen und auch das Unternehmen, dass im Auftrag von Gravis deren Inkasso vornimmt, nenne ich hier nicht Inkassounternehmen, um die Firma Gravis nicht unnötig zu ärgern. Ob es sich bei EasyCash um ein Unternehmen handelt, dessen Geschäftsmodell rechtens ist, kann ich nicht beurteilen: möglich ist es. [ ]

Vuvutröten

Noch ein kleiner Nachschlag zur lautesten WM aller Zeiten:

Gefunden auf www.ibash.de

Der Gar ist aus

Die Dichter von knappen Filmklappentexten sind nicht immer mit orthographischen Leuchtkugeln gefüttert:

Ähm ja. Da hatte der Geschichtenerzähler wohl mal eine ihm sehr undurchsichtige Redewendung à la “der weiße Neger Wumbaba” gehört und sich dann, als es ans Aufschreiben ging, seinen ganz eigenen Sinnzusammenhang zusammengebastelt.

Wann macht man den Gar denn endgültig aus? Wenn die Kartoffeln weich sind? Wenn es gar wirklich aus ist mit ihm? Oder ist der Gar vielleicht so eine Art LED-Beleuchtung am Hut, die man braucht im Hellen nicht braucht und deswegen aus Umweltgründen ausgemacht werden sollte? Oder benutzt man zum Gar ausmachen vielleicht – der Name “Pitou” könnte darauf hinweisen – im frankophonen Raum eine Garrotte?

Schreibt doch bitte im Kommentar, was Ihr unter einem Gar versteht, den man ausmachen kann.

Deutsch

… ist, wie die deutschen Medien – hier zum Beispiel die Nürnberger Zeitung – diesen wunderschönen Sommer kommentieren:

Deutschland hat am Wochenende mit Temperaturen von bis zu 38,8 Grad den Hitzerekord des Jahres erlebt. Autofahrer schwitzten in Staus, in einem ICE kollabierten mehrere Jugendliche, weil die Klimaanlage ausgefallen war. 27 Passagiere mussten ärztlich versorgt werden. Dennoch: Der deutsche Rekord vom Supersommer 2003 wurde bisher noch nicht geknackt. Damals brachte es das fränkische Roth auf 40,4 Grad.

Kein einziger Hinweis darauf, dass es solche wolkenlosen und warmen Tage an einem Stück hintereinander nur ganz selten gibt: nur das, was eben nicht so toll ist. Und dass es noch schlimmer werden kann.

Ich weiß auch, was alle Deutschen denken: also wirklich, man muß ja schon sagen, dass einige Leute wirklich unter der Hitze leiden. Und die ins Büro müssen: an die muß man auch mal denken. Stimmt – aber wir sind gezwungen, nur noch an die zu denken. Man kann sich in Deutschland gegen diese selbstverständlichen Gedankenketten überhaupt nicht mehr zur Wehr setzen. Wenn einer unserer Politiker über’s Wasser gehen könnte, dann würde in den Zeitungen stehen: “Was? Der kann nichtmals schwimmen?”.

Ich find’s trotzdem schön. Ich weiß, ich rede es mir nur schön: in Wirklichkeit ist es ganz furchtbar schrecklich hier. Wenn man nur an diese verdammte Klimakatastrophe denkt …

Multitasking

Die Tage mußte ich mir wieder von einer ziemlich hoch promovierten Frau erzählen lassen, dass Männer ja nun nicht multitaskingfähig seien1). Keine Ahnung, wie die darauf kam: die Situation gab’s nicht her. Und stimmen tut das auch nicht, aber Du hast keine Chance: über die entsprechenden Statistiken und Zahlen, die derlei Unsinn an Ort und Stelle in das Reich der Fabel schicken, verfügst Du nie – und wenn es wider Erwarten doch einmal so sein sollte, wird’s halt einfach nicht geglaubt.

Bestimmte Teile der weiblichen Bevölkerung mögen diese selbstverliebten Unwahrheiten einfach. Das gehört zu ihrer Identität offensichtlich wie stundenlanges Schminken, was ja auch mit der dadurch selbst erzeugten Realität ebensoviel zu tun hat wie ein Huhn mit Lohengrins Schwan2). Auch die Tatsache, dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist ja statistisch längst widerlegt und wird dennoch hartnäckig immer wieder angeführt. Wahrscheinlich nur deswegen, damit der gemeinte Teil der weiblichen Bevölkerung besser fühlt als er ist.

Die ZEIT weist mit dem Artikel “Sind Frauen beim Multitasking besser als Männer?“ wieder einmal darauf hin, dass es keine geschlechtlich bedingten Unterschiede gibt. Es wird nichts nützen, aber trotzdem hier mal zu protokollarischen Zwecken.


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Fußnoten:
  1. Sie hielt sich dazu aber in hohem Maße für fähig, denn sie machte gerade Salat und redete nebenher mit mir. Dabei schaute sie mich an und ich auf das Messer, mit dem sie Kirschtomaten schnitt. Nein, sie hat sich nicht in den Finger geschnitten. [ ]
  2. Der Vergleich hinkt nicht, sondern er läuft so: Du kannst ein Huhn drei Tage lang schminken: es wird dadurch nicht so groß wie ein Schwan, sondern es bleibt so klein wie ein Huhn. Und man sieht das auch. [ ]

Narren

Muss ich mir merken:

Der Narr sagt, was er weiß,
und der Weise weiß, was er sagt.

Poesia cromatica

Letzte Woche Konzert in Gomaringen (bei Tübingen) und im ehemaligen Zisterzienser-Kloster Bebenhausen: mit dem Südwestdeutschen Kammerchor sangen wir a-capella-Werke von Michelangelo Rossi, Carlo Gesualdo und Morten Lauridsen. Das Gomaringer Konzert fand im Innenhof des Schlosses statt: Freiluft-Singen ist immer eine besondere Herausforderung, weil keine Raumakustik den Chorklang unterstützen kann. Und dann war das Konzert um 18 Uhr, wo die Sonne noch hoch stand und einem die Schweißperlen auf’s Gesicht trieb. Ins Konzert eingestreut gab es Gedicht-Lesungen, die die Aufführung interessant und vielseitig machten: anderthalb Stunden frühbarocker Liebesschmerz wäre sonst doch ein wenig ermüdend. Highlights waren sicherlich die Vertonungen italienischer Madrigale durch den amerikanischen Komponisten1) Morten Lauridsen (*1943): der beherrscht sein Métier und weiß, wie man Chorklang zur Geltung bringt.

Trotz WM-Fußballspiel hatten sich eine Menge Zuschauer im Schloß eingefunden. Konzerte dieser Art haben zunehmend gegen die übermächtige Konkurrenz des Fernsehns zu kämpfen: die Leute sind anscheinend übersättigt von “Leichter Kost” – was Vernünftiges geht nicht mehr rein2). Eine bestimmte Schicht erreicht man sowieso nicht, aber auch das bis dato kulturbeflissenenere Bildungsbürgertum schwächelt langsam. Auf der diesjährigen Konzertreise nach Durham/England zeigte sich ebenfalls kein anderer Trend: Publikum und Chor hielten sich zahlenmäßig die Waage.

Nur bei den groß aufgemachten Orchesterkonzerten gelingt es noch, die Säle einigermaßen zu füllen: ein fetter Messias zieht halt noch. Solche Konzerte sind für den veranstaltenden Chor jedoch immer Verlustgeschäfte: die Kosten für’s Orchester und die Solisten holt man mit den Eintrittsgeldern nie herein. Deswegen sind solche a capella-Konzerte für die Chöre wichtig: sie bringen das Geld für die großen Publikumsmagnete. Leider engt sich auch hier das Spektrum Jahr für Jahr ein: Weihnachtsoratorium, h-Moll-Messe, Messias kriegt man voll. Alles andere wird mehr und mehr zur Zitterpartie, ob denn auch genug Leute kommen.

Es geht sowieso nur, weil die Chormitglieder kein Geld bekommen. Es gibt mal einen Reisekostenzuschuß, aber Noten etc. werden in der Regel selber bezahlt. Egal – macht Spaß.


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Fußnoten:
  1. Die sind gut, die Amerikaner. John Withacre zum Beispiel ist ein genialer Chor-Komponist. [ ]
  2. Das Fernsehen liefert eine Art Babybrei, wozu man keine intellektuellen Zähne mehr braucht. [ ]