Archive for August, 2010
Freitag, 20.8.10 - by Herbert
und den Preis dafür zahlen die Kinder” behauptet Melanie Mühl gesellschaftlich höchst inkorrekt in der FAZ und bekommt dazu innerhalb kürzester Zeit in mehr als hundert Kommentaren viel Lob und Kritik. Höchst lesenswert aus meiner Sicht.
Donnerstag, 19.8.10 - by Thomas
Gestern, auf der Fahrt von München nach Nürnberg, hatte ich wieder einmal Gelegenheit, mir die Sendung “1:1 – der Talk” amzuhören: das öffentlich-rechtliche Selbstlobformat des Bayerischen Rundfunks. Ich höre das oft mit so einem leichten Fremd-Schäm-Grausen im Rücken, und nur selten gelingt es mir, das wegzuklicken: es ist zu gruselig, man muss einfach hinhören). Aber gut, von Zeit zu Zeit sind auch interessante Gespräche dabei – vor allem, wenn die RedakteurInnen es schaffen, mal das Maul zu halten und den Gesprächspartner einfach mal das sagen zu lassen, was er sagen möchte.
Gestern jedenfalls ließen sie eine Wiederholung laufen: Achim Bogdahn interviewte eine nach Deutschland immigrierte Türkin. Ich wußte ihren Beruf zunächst nicht, bis sie Folgendes abließ:
Mein Schwester und isch sind in Türkei aufgewachsen, in eine Lehmhütte bei mein Oma … Wir hatten nischts zum spielen ganze Tag, kein Musik und keine Magazine, gar nischts. Wir waren immer allein mit unsere Phantasie. Das war schrecklich langweilig.
Da tippte ich auf Friseuse – aber ich lag daneben: die korrekte Berufsbezeichnung ist Friseurin. Achim Bogdahn hat sich kein einziges Mal versprochen.
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Fußnoten:
Montag, 9.8.10 - by Thomas
Loriot macht ja keine leider neuen Filme mehr: unübertroffen sind nach wie vor seine höchst komplexen Produktbeschreibungen (“Wo ist denn der Schlüssel von dem Trulleberg?”) aus Ödipussy oder dem “minipiffi four” aus “pappa ante portas”.
Aber es geht trotzdem weiter: die Firma Heidelberger Druckmaschinen hat eine besonders schöne Vorlage geliefert, die man sich nur von Loriot in die Kamera gesprochen vorstellen muss:
Der Eurobind von Heidelberger Druckmaschinen ist ein Vier-Klammer-Klebebinder – eine Hightech-Maschine mit Rüttler im Einlegebereich, Rückenbearbeitungsstation, Düsenauftragungssystem zur Blockrückenbeleimung, vertikalem Umschlaganleger mit integriertem Doppelrillwerk und einer Liftauslage mit integrierten Greifern.
Die Anzeige findet sich in der MacUp 09/2010, S. 98. Die Heidelberger-Anzeige bleibt in fast lupenreinem Technokraten-Deutsch, nur an Higtech sind sie nicht vorbeigekommen, das muss einfach sein. Im zugehörigen MacUp-Artikel wird aber auch auf einen einen gegenläufigen Trend hingewiesen, auf den Loriot ebenfalls schon weitsichtig hingewiesen hat – wie der Sketch Auf der Rennbahn dokumentiert: “Die finishen? Direkt auf’n Rasen? Ach!”. Der Sketch ist zwar von 1946, aber immer noch richtungweisend:
Für das finale Erscheinungsbild des Druck-Erzeugnisses ist in der Regel der Buchbinder verantwortlich, dessen Berufsbild einen Großteil dieser Arbeiten abdeckt. Um die Berufsbezeichnung zu entstauben und an die heutige, von Anglizismen geprägte Zeit anzupassen, wurde für den Buchbinder der Begriff Printfinisher eingeführt.
Die finishen also heute nicht nur direkt auf den Rasen, sondern sogar mitten in die Bücher. Aber das macht nichts: da kommt ja Cellophan drüber, das ist geruchsdicht, glaube ich.
Freitag, 6.8.10 - by Herbert
In einer sehr bemerkenswerten Studie mit dem Titel >Wirtschaft in der Zeitenwende< findet sich neben anderen ein Beitrag von Hans-Peter Studer, in dem dieser erneut die Vision einer Maßwirtschaft der Lebensfülle entfaltet. Nicht mehr die alles andere erstickende Überfülle des Materiellen solle das Ziel der Ökonomie sein, sondern die Wirtschaft solle - angelehnt an die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow - dazu dienen, auch andere Bedürfnisse des Menschen in den Blick zu nehmen. Freilich macht im nachfolgenden Beitrag Hans Christoph Binswanger darauf aufmerksam, dass hierzu mit Hilfe eines anderen Umgangs mit dem Geld bzw. der Geldversorgung der bislang die Wirtschaft beherrschende Zwang zum Zins und damit zum Wachstum ausgebremst werden müsse. Also doch: alles nur Vision. Aber eine schöne und lesenswerte.
Donnerstag, 5.8.10 - by Thomas
Ich mußte mir mal ein paar Lieder kaufen, vorzugsweise die, die in der Diözese Bamberg unter der Rubrik “Diözesanteil” aufzufinden sind. Das kann man ja heute über buecher.de elektromagnetisch machen, weil die Buchhandlung in Oberasbach durchaus skurrile Öffnungszeiten bekanntgegeben hat: geht nur für Hausfrauen vor dem Mittagessen.
Jetzt kam – genauso elektromagnetisch – die Bestätigung:
1x Gotteslob,Bamberg
am 04.08.2010 der Post übergeben
Best-Nr. 22620919
Und darunter noch
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß auf www.buecher.de
Schaun wir mal, ob die Bespaßung durch Gotteslob via buecher.de besser fluppt.
Dienstag, 3.8.10 - by Thomas
Ich habe mir natürlich auch ein iPad gekauft. Man fragt mich seitdem, was ich denn damit wolle: es könne ja eigentlich gar nichts.
Ja, das stimmt, es kann nichts, was man so gewohnt ist. Ich entdecke aber ständig neue Anwendungsmöglichkeiten. Irgendwie kann man das auch immer alles mit einem Laptop oder dem iPhone machen. Aber man kann auch mit dem Schraubenzieher einen Nagel in die Wand hauen – das Werkzeug ist dafür aber eher suboptimal.
Heute habe ich was Neues ausprobiert: Wenn man Gottesdienste an der Orgel spielt, blättert man sich u.U. einen Wolf. Warum nicht die Noten auf dem iPad via PDF anzeigen? Rechtefreie Noten gibt’s zu Hauf, und das iPad ist groß genug.
Ich hab’s ausprobiert: es funktioniert). Statt einer Tasche mit dicken Notenbüchern hab ich jetzt nur das iPad und den Orgelschlüssel dabei. Schick.
Aber ich glaube, dass ich im Gottesdienst doch lieber drauf verzichte: sieht einfach angeberisch aus, so ein iPad auf der Orgel. Ich werd’s nur zum Üben benutzen.
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Fußnoten:
Montag, 2.8.10 - by Thomas
Die geschlechterpolitische Initiative manndat e.V. (siehe auch rechts unter “Freunde”) hat bereits im Mai einen offenen Brief an Ministerin Christina Schröder vom Klapperschlangen-Ministerium) geschrieben, dessen Inhalt ich für lesens- und bedenkenswert halte.
Zu der Art und Weise, wie die katholische Kirche hier wegkommt, hätte ich noch so einige Anmerkungen: das kommt wahrscheinlich eher daher, weil die Autoren vielleicht mit der Kirche nicht viel am Hut haben und deswegen ihr Wissen nicht auf eigener Erfahrung beruht).
Aber mit der Kirche ist es wie mit der ganzen Gesellschaft: auch sie hat sich in den letzten Jahrzehnten so gut wie ausschließlich um Frauen gekümmert. Dabei hat auch der Sprachcode (in dem gepredigt wird oder in dem schriftliche Texte verfaßt sind) eine Form der Männerablehnung angenommen, der Männer eher ausschließen als beteiligen kann: Männer haben mit gutem Grund eigentlich gar keine Lust mehr, in den Gemeinden mitzuarbeiten. Man sieht auch, dass es mittlerweile viel mehr Ministrantinnen als Ministranten gibt. Damit konzentriert sich auch die kirchliche Jugendarbeit zunehmend auf Frauen, mit dem Effekt, dass Jungen haareraufend wegrennen oder still verschwinden.
Aus eigener Erfahrung weiß ich: es ist schwer, dagegen anzukommen. Intern und unter sich reden Männer mittlerweile offen über Erfahrungen mit dieser Benachteiligung – und es erschreckt mich immer wieder, was die so erleben.
Nach außen schweigen sie.
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Fußnoten: