Archive for August, 2011
Freitag, 12.8.11 - by Thomas
Heute morgen war im Deutschlandfunk ein Bericht über die Demonstrationen in Israel, die die Bürger wegen zu hoher Mieten und sonstiger Sozialkosten auf die Straße treibt. Es wurde eine vierköpfige Familie vorgestellt, die mit umgerechnet 4000€ im Monat gerade mal so hinkommt – so wurde das geschildert. Vor allem, dass man sich nichts mehr leisten kann, seit die Kinder da sind, war herauszustellen. Der Schlußsatz):
“Gerne würde sie (die Mutter) auch mal zur Demo gehen. Aber sie schickt lieber ihren Mann und paßt zu Hause auf die Kinder auf. Denn eine Kinderbetreuung in dieser Zeit ist zu teuer.”
Mir stößt sowas sauer auf. Seit wann muß eine Mutter auf die Kinder aufpassen? Das ist der Job einer Kinderbetreuung, Tagesstätte, Kindergarten, Schule – also von Leuten oder Institutionen, die mit dem Kind überhaupt nichts zu tun haben, sondern es nach der vereinbarten Zeit unverletzt wieder abgeben. Eine Mutter paßt nur dann auf ihre Kinder auf, wenn sie vor allem Interesse an der eigenen Selbstverwirklichung hat, aber kein gesteigertes Interesse an ihren Kindern. Sie macht also was mit ihren Kindern, was nicht einmal mit dem Terminus “Betreuung” hinreichend beschrieben wird: sie verbringt Zeit mit ihnen. Unbezahlte, gerne geleistete und liebevoll gegebene Zeit.
Selbstverständlich könnte ja auch der Vater mal bei den Kindern bleiben, wenn die Mutter Lust auf Demo hätte – das wurde aber nicht erwähnt. Es war so ein typisch deutscher Blick auf Familien mit Kindern:
- Kinder sind ein Armutsrisiko
- Kinder behindern die Menschen – vor allem Frauen – in dem, was sie wirklich wollen
- Mütter haben die Arbeit mit Kindern, während Väter sich nicht drum kümmern
Das ist alles Quatsch – aber auf diesen Nenner wird es in Deutschland immer wieder gebracht. Ob dieser Beitrag in Israel auch mit dieser Tendenz gebracht werden könnte?
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Fußnoten:
Donnerstag, 11.8.11 - by Thomas
Hm, das ist schon erstaunlich:)
“Mit einem Börsenwert von 337,17 Milliarden US-Dollar hat der Computerkonzern Apple das Erdölunternehmen ExxonMobil mit seinen 330,77 Milliarden Dollar um 6,4 Milliarden auch zum Handelsschluss übertrumpft. Dabei verloren sowohl Apple (minus 2,76 Prozent auf 363,69 US-Dollar pro Aktie) als auch ExxonMobil (minus 4,14 Prozent auf 68,03 Dollar pro Anteilsschein), doch der Computerkonzern eben weniger.”
Am 11. August ist wohl immer Apple-Tag – 2008 war auch schon mal sowas.
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Fußnoten:
Donnerstag, 11.8.11 - by Thomas
Diese Jungs hier waren wirklich gut …
Gestern hatte ich eine Stunde Zeit in München: Neuhauser Straße vom Stachus bis zum AppleStore hinunter gelaufen. Dabei ein paar ganz gute Straßenmusiker mitbekommen – eine tapfere Mädchen-Band spielte virtuos, aber brav Werke von Vivaldi (na was wohl?), Pachelbel (na, was wohl?) und Astor Piazzolla, dem argentinischen Tango-Nuevo-König.
Ein paar hundert Meter weiter kamen dann diese fünf) Herren zur Sache – und die konnten es wirklich. Ich hörte die Badinerie von JSB, gespielt auf Melodika, teilweise mit Unisono-Geige, dazu aberwitzige Jazz-Akkorde und -Improvisationen auf dem Klavier. Und Auch Beethovens 5., erster Satz, hatten sie so verhackstückt, dass man immer wieder in irgendwelche harmonische Irrgärten entführt wurde und sich nur am immer wieder reinhämmernden Kopfmotiv (tatatataaa) reorientieren konnte. Einfach nur gut.
Die Band war die “Munich Groove Connection” – und den Groove haben sie drauf. Besonders der am Klavier. Hörprobe auf deren webSite - da klingt’s allerdings etwas brav, was gestern in der Fußgängerzone nicht der Fall war.
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Fußnoten:
Montag, 8.8.11 - by Thomas
Eine Meldung heute morgen im Radio, bezieht sich auf die Herabstufung der Zahlungsfähigkeit der Vereinigten Staaten durch eine Rating-Agentur:
“… die Politik bemüht sich um Signale, die die Märkte beruhigen sollen …”
Oha, das ist ja durchaus eine interessante Aussage.
Soll ich dann vielleicht bei der nächsten Landtags- oder Bundestagswahl nicht mehr wählen gehen, sondern die Wahl gleich den Märkten überlassen? In dem Licht, das diese Aussage von Regierungsseite auf die Zusammenhänge wirft, scheint die Wahl dann doch eher Augenwischerei zu sein: denn fast hundert Prozent der Wähler haben mit “den Märkten” überhaupt nichts zu tun. Sie haben die Leute, die gerade an der Regierung sind, auch nicht gewählt, damit sie die Märkte beruhigen, sondern damit sie eine vernünftige Politik machen. Das kann auch heißen: sparen und im richtigen Augenblick mal ganz klar “Nein” zu “den Märkten” zu sagen.
“Die Märkte” und “die Wähler” haben eigentlich nicht die gleichen Interessen, aber die Politik scheint sich doch mehr um einen Pickel an der Wall Street zu kümmern als um eine ausgewachsene Grippe der Wähler.
Sonntag, 7.8.11 - by Thomas
Die nebenstehende Inschrift auf einem Zigarettenautomaten in Heilsbronn) erscheint in sofern ganz besonders rätselhaft, als da überhaupt keine Aufkleber waren. Bis auf die Gebrauchsanweisung.
BTW: das Wort Gebrauchsanweisung ist eines meiner Lieblingswörter der deutschen Sprache. Es lappt in seinen Ursprüngen wahrscheinlich weit in die Zeiten der preußischen Machtübernahme hinein: damals tat anscheinend niemand in unserem Lande irgendetwas, ohne dass er dazu Anweisung hatte. Heute benutzt man ja lieber die Begriffe “Gebrauchsanleitung”, “Handbuch” oder “Hinweise zum Gebrauch”, der Connaisseur verwendet auch gerne “Manual”, wobei man sich dann gleich auf die Orgelbank versetzt fühlt. “Gebrauchsanweisung” klingt nach Befehl und Gehorsam, bei Nichtbefolgung erfolgt Strafandrohung. Da jubelt das Herz des preußischen Beamten!
Aber das gibgt es heute immer noch, nur in freundlicheren Worten. Neulich mußte ich am Hotelempfang mein Geburtsdatum angeben. Wozu brauchen Sie das denn? “Dazu bin ich leider gesetzlich verpflichtet”, beschied mich die Leidertante am Empfang und ließ die Finger erwartungsvoll über der oberen Tastenreihe schweben. Das hat die aber gefreut, dass sie mir mit gesetzlicher Verpflichtung private Details entlocken durfte. Daneben stand ein Empfangschef, der die Augen nach oben verdrehte … die Leidertante schien ob ihrer Gesetzestreue schon bekannt zu sein.
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Fußnoten: