Kinderabweisend
Heute morgen war im Deutschlandfunk ein Bericht über die Demonstrationen in Israel, die die Bürger wegen zu hoher Mieten und sonstiger Sozialkosten auf die Straße treibt. Es wurde eine vierköpfige Familie vorgestellt, die mit umgerechnet 4000€ im Monat gerade mal so hinkommt – so wurde das geschildert. Vor allem, dass man sich nichts mehr leisten kann, seit die Kinder da sind, war herauszustellen. Der Schlußsatz1):
“Gerne würde sie (die Mutter) auch mal zur Demo gehen. Aber sie schickt lieber ihren Mann und paßt zu Hause auf die Kinder auf. Denn eine Kinderbetreuung in dieser Zeit ist zu teuer.”
Mir stößt sowas sauer auf. Seit wann muß eine Mutter auf die Kinder aufpassen? Das ist der Job einer Kinderbetreuung, Tagesstätte, Kindergarten, Schule – also von Leuten oder Institutionen, die mit dem Kind überhaupt nichts zu tun haben, sondern es nach der vereinbarten Zeit unverletzt wieder abgeben. Eine Mutter paßt nur dann auf ihre Kinder auf, wenn sie vor allem Interesse an der eigenen Selbstverwirklichung hat, aber kein gesteigertes Interesse an ihren Kindern. Sie macht also was mit ihren Kindern, was nicht einmal mit dem Terminus “Betreuung” hinreichend beschrieben wird: sie verbringt Zeit mit ihnen. Unbezahlte, gerne geleistete und liebevoll gegebene Zeit.
Selbstverständlich könnte ja auch der Vater mal bei den Kindern bleiben, wenn die Mutter Lust auf Demo hätte – das wurde aber nicht erwähnt. Es war so ein typisch deutscher Blick auf Familien mit Kindern:
- Kinder sind ein Armutsrisiko
- Kinder behindern die Menschen – vor allem Frauen – in dem, was sie wirklich wollen
- Mütter haben die Arbeit mit Kindern, während Väter sich nicht drum kümmern
Das ist alles Quatsch – aber auf diesen Nenner wird es in Deutschland immer wieder gebracht. Ob dieser Beitrag in Israel auch mit dieser Tendenz gebracht werden könnte?
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Fußnoten:
- sinngemäß [ ↩ ]



Kinder sind ein Armutsrisiko
Richtig! Bei einer gemessenen Kinderarmut von zehn Prozent im Land mit fast der grössten Wirtschaftsmacht der Erde eine himmelschreiende Schande. Aber um Einkommen von Müttern mit Kinder kümmert man sich hierzulande ja zuletzt. Viel wichtiger sind das Milliarden für …. aber das wissen Sie ja alles
Kinder behindern die Menschen – vor allem Frauen – in dem, was sie wirklich wollen
Bis auf das letzte Wort im Satz völlig richtig. Das letze Wort darf nicht WOLLEN heissen (keine Mutter WILL mit ihrem Kind in Armut leben, noch nicht einmal fromm katholische!) sondern es muss MÜSSEN heissen.
Frauen MÜSSEN erwerbstätig sein, wenn das nur irgendwie geht (und in Deutschland geht es sehr schlecht und Sie wissen auch warum…), weil sie andernfalls dauerhaft arm sind und bleiben werden. Bis in die Rente hinein, weil mit Harz IV keinerlei Rentenanwartschaften aufgebaut werden können; weder staatlich, privat schon gar nicht. Und wenn die Mütter dann einen Broterwerb gefunden haben, werden sie zwischen Sicherung des Lebensunterhalts und Kinderbetreuung zerfetzt; zusätzlich kommen dann noch die Konservativen und dreschen auf die Mütter ein, die nicht wollen, dass ihre Kinder in noch tieferer Armut aufwachsen müssen und deswegen, buchstäblich NOTgedrungen, damit sie ihre Miete bezahlen können, damit sie ihre Wärme im Winter bezahlen können, damit sie die Schulhefte ihrer Kinder bezahlen können, erwerbstätig sein müssen.
Mütter haben die Arbeit mit Kindern, während Väter sich nicht drum kümmern
DAS ist mal ein richtiger Satz! ABER … WENN Väter sich dann mal um die Kinder kümmern und in Elternzeit gehen, kann es ihnen passieren, dass sie hinterher gefeuert werden und ohne Lohn un Brot dastehen, weil der Chef keinerlei Verständnis dafür hat, dass sich sein Entwicklungingenieur/Redakteur/Stationsarzt etc. pp lieber um sein Neugeborenes kümmert, als um den Gewinn des Unternehmers.