Archive for the 'Aufgeschnappt' Category

Loriotisch

Loriot macht ja keine leider neuen Filme mehr: unübertroffen sind nach wie vor seine höchst komplexen Produktbeschreibungen (“Wo ist denn der Schlüssel von dem Trulleberg?”) aus Ödipussy oder dem “minipiffi four” aus “pappa ante portas”.

Aber es geht trotzdem weiter: die Firma Heidelberger Druckmaschinen hat eine besonders schöne Vorlage geliefert, die man sich nur von Loriot in die Kamera gesprochen vorstellen muss:

Der Eurobind von Heidelberger Druckmaschinen ist ein Vier-Klammer-Klebebinder – eine Hightech-Maschine mit Rüttler im Einlegebereich, Rückenbearbeitungsstation, Düsenauftragungssystem zur Blockrückenbeleimung, vertikalem Umschlaganleger mit integriertem Doppelrillwerk und einer Liftauslage mit integrierten Greifern.

Die Anzeige findet sich in der MacUp 09/2010, S. 98. Die Heidelberger-Anzeige bleibt in fast lupenreinem Technokraten-Deutsch, nur an Higtech sind sie nicht vorbeigekommen, das muss einfach sein. Im zugehörigen MacUp-Artikel wird aber auch auf einen einen gegenläufigen Trend hingewiesen, auf den Loriot ebenfalls schon weitsichtig hingewiesen hat – wie der Sketch Auf der Rennbahn dokumentiert: “Die finishen? Direkt auf’n Rasen? Ach!”. Der Sketch ist zwar von 1946, aber immer noch richtungweisend:

Für das finale Erscheinungsbild des Druck-Erzeugnisses ist in der Regel der Buchbinder verantwortlich, dessen Berufsbild einen Großteil dieser Arbeiten abdeckt. Um die Berufsbezeichnung zu entstauben und an die heutige, von Anglizismen geprägte Zeit anzupassen, wurde für den Buchbinder der Begriff Printfinisher eingeführt.

Die finishen also heute nicht nur direkt auf den Rasen, sondern sogar mitten in die Bücher. Aber das macht nichts: da kommt ja Cellophan drüber, das ist geruchsdicht, glaube ich.

Spaß mit Gotteslob

Ich mußte mir mal ein paar Lieder kaufen, vorzugsweise die, die in der Diözese Bamberg unter der Rubrik “Diözesanteil” aufzufinden sind. Das kann man ja heute über buecher.de elektromagnetisch machen, weil die Buchhandlung in Oberasbach durchaus skurrile Öffnungszeiten bekanntgegeben hat: geht nur für Hausfrauen vor dem Mittagessen.

Jetzt kam – genauso elektromagnetisch – die Bestätigung:

1x Gotteslob,Bamberg
am 04.08.2010 der Post übergeben
Best-Nr. 22620919

Und darunter noch

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß auf www.buecher.de

Schaun wir mal, ob die Bespaßung durch Gotteslob via buecher.de besser fluppt.

Meiserei

Seit einigen Tagen fliegen sich hier die drei jungen Meisen ein. Nicht den ganzen Tag: sie haben anscheinend einen bestimmten Stundenplan, ansonsten hängen sie in ihrem Kasten rum. Die Eltern halten sich ein wenig abseits und sitzen in den umliegenden Bäumen und Büschen. Abgestürzt ist noch keine, ungewollte Loopings und Trudeln kommt dennoch vor. Sieht jedenfalls halsbrecherisch aus, was die hier so treiben.

Wahre Langstreckenflieger sind sie ja eh nicht: sie überwintern hier. Da werde ich Herbst wohl wieder ein paar Meisenknödel sponsern.

Vuvutröten

Noch ein kleiner Nachschlag zur lautesten WM aller Zeiten:

Gefunden auf www.ibash.de

Der Gar ist aus

Die Dichter von knappen Filmklappentexten sind nicht immer mit orthographischen Leuchtkugeln gefüttert:

Ähm ja. Da hatte der Geschichtenerzähler wohl mal eine ihm sehr undurchsichtige Redewendung à la “der weiße Neger Wumbaba” gehört und sich dann, als es ans Aufschreiben ging, seinen ganz eigenen Sinnzusammenhang zusammengebastelt.

Wann macht man den Gar denn endgültig aus? Wenn die Kartoffeln weich sind? Wenn es gar wirklich aus ist mit ihm? Oder ist der Gar vielleicht so eine Art LED-Beleuchtung am Hut, die man braucht im Hellen nicht braucht und deswegen aus Umweltgründen ausgemacht werden sollte? Oder benutzt man zum Gar ausmachen vielleicht – der Name “Pitou” könnte darauf hinweisen – im frankophonen Raum eine Garrotte?

Schreibt doch bitte im Kommentar, was Ihr unter einem Gar versteht, den man ausmachen kann.

Deutsch

… ist, wie die deutschen Medien – hier zum Beispiel die Nürnberger Zeitung – diesen wunderschönen Sommer kommentieren:

Deutschland hat am Wochenende mit Temperaturen von bis zu 38,8 Grad den Hitzerekord des Jahres erlebt. Autofahrer schwitzten in Staus, in einem ICE kollabierten mehrere Jugendliche, weil die Klimaanlage ausgefallen war. 27 Passagiere mussten ärztlich versorgt werden. Dennoch: Der deutsche Rekord vom Supersommer 2003 wurde bisher noch nicht geknackt. Damals brachte es das fränkische Roth auf 40,4 Grad.

Kein einziger Hinweis darauf, dass es solche wolkenlosen und warmen Tage an einem Stück hintereinander nur ganz selten gibt: nur das, was eben nicht so toll ist. Und dass es noch schlimmer werden kann.

Ich weiß auch, was alle Deutschen denken: also wirklich, man muß ja schon sagen, dass einige Leute wirklich unter der Hitze leiden. Und die ins Büro müssen: an die muß man auch mal denken. Stimmt – aber wir sind gezwungen, nur noch an die zu denken. Man kann sich in Deutschland gegen diese selbstverständlichen Gedankenketten überhaupt nicht mehr zur Wehr setzen. Wenn einer unserer Politiker über’s Wasser gehen könnte, dann würde in den Zeitungen stehen: “Was? Der kann nichtmals schwimmen?”.

Ich find’s trotzdem schön. Ich weiß, ich rede es mir nur schön: in Wirklichkeit ist es ganz furchtbar schrecklich hier. Wenn man nur an diese verdammte Klimakatastrophe denkt …

Multitasking

Die Tage mußte ich mir wieder von einer ziemlich hoch promovierten Frau erzählen lassen, dass Männer ja nun nicht multitaskingfähig seien1). Keine Ahnung, wie die darauf kam: die Situation gab’s nicht her. Und stimmen tut das auch nicht, aber Du hast keine Chance: über die entsprechenden Statistiken und Zahlen, die derlei Unsinn an Ort und Stelle in das Reich der Fabel schicken, verfügst Du nie – und wenn es wider Erwarten doch einmal so sein sollte, wird’s halt einfach nicht geglaubt.

Bestimmte Teile der weiblichen Bevölkerung mögen diese selbstverliebten Unwahrheiten einfach. Das gehört zu ihrer Identität offensichtlich wie stundenlanges Schminken, was ja auch mit der dadurch selbst erzeugten Realität ebensoviel zu tun hat wie ein Huhn mit Lohengrins Schwan2). Auch die Tatsache, dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist ja statistisch längst widerlegt und wird dennoch hartnäckig immer wieder angeführt. Wahrscheinlich nur deswegen, damit der gemeinte Teil der weiblichen Bevölkerung besser fühlt als er ist.

Die ZEIT weist mit dem Artikel “Sind Frauen beim Multitasking besser als Männer?“ wieder einmal darauf hin, dass es keine geschlechtlich bedingten Unterschiede gibt. Es wird nichts nützen, aber trotzdem hier mal zu protokollarischen Zwecken.


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Fußnoten:
  1. Sie hielt sich dazu aber in hohem Maße für fähig, denn sie machte gerade Salat und redete nebenher mit mir. Dabei schaute sie mich an und ich auf das Messer, mit dem sie Kirschtomaten schnitt. Nein, sie hat sich nicht in den Finger geschnitten. [ ]
  2. Der Vergleich hinkt nicht, sondern er läuft so: Du kannst ein Huhn drei Tage lang schminken: es wird dadurch nicht so groß wie ein Schwan, sondern es bleibt so klein wie ein Huhn. Und man sieht das auch. [ ]

Geschafft

Der Friedrich hat’s geschafft: wer einmal putzend in der Zeitung1) war, muss das sein Leben lang nie wieder tun. Mensch, hat der ein Glück!

Aber sobald das Sauwetter UND das Public Viewing gelaufen sind, bin ich mal wieder im K4.


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Fußnoten:
  1. hier geht es zum Artikel in den Nürnberger Nachrichten vom 21.6.2010 [ ]

Kundenparkplatz

Ich hatte heute ein Date im Bestattungsunternehmen. Nix Schlimmes: es ging um ein Konzert in deren Feierhalle1).

Der Kundenparkplatz des Bestattungsunternehmens war aber schon besetzt. Es könnte sein, dass dieser Kunde länger bleibt, zumindest war das linke Vorderrad des Vehikels, mit dem er offensichtlich angereist war, schon etwas mit Gras bewachsen.


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Fußnoten:
  1. Ich weiß nicht, wie man eine nicht-christliche Aussegnungshalle nennt. Sie nennen sie “Haus des Übergangs” [ ]

Knallvoll

Ich war am Mittwoch abend in der Münchner Innenstadt: hier hatte der Ökumenische Kirchentag 2010 schon die Herrschaft übernommen. Ich brauchte eine Viertelstunde, um am Marienplatz vorbeizukommen, denn der Platz war dicht. Man hatte zwar versucht, ein Seil zu spannen, das die Besucher des Events von den “normalen” Menschen zu trennen: das war aber – gut gemeint.

Bemerkenswert war die friedliche und positive Stimmung, denn von den Gästen ging keine Randale aus. Das ist ja immer ganz anders, wenn in der Allianz-Arena ein Fußballspiel ist: auch dann treffen sich hunderte auf dem Marienplatz, aber es geht nie ohne Rempeleien und Gegröle ab. Hier ging eine leichte Gereiztheit eher von ein/ligen Passanten aus, die es nicht einsahen, in ihrem Bewegungsdrang von den Besuchern des Kirchentags eingeschränkt zu sein.

Flugzocke abgestellt

Das lawblog weist auf ein Gerichtsurteil hin, nach dem Fluggesellschaften in Zukunft Passagiere auch auf Teilstrecken des gebuchten Flugs befördern müssen.

Bisher haben Fluggesellschaften nämlich manchmal Passagiere einfach stehen gelassen, wenn sie nicht bei allen gebuchten Flügen in der richtigen Reihenfolge mitgeflogen sind: es blieb einem nichts anderes übrig, als ein neues Ticket zum Extrempreis zu kaufen und zusätzlich zu hoffen, dass in der Maschine auch noch ein Platz frei war. Man hat – grob gesagt – den Flug also doppelt bezahlen müssen, nur weil man eine Teilstrecke ausgelassen hat.

Es ist nämlich so, dass die Fliegerfirmen manchmal Flüge im Bundle wesentlich billiger anbieten als einzelne Reisen zum gewünschten Ziel. Wer einen Einfach-Flug von Zürich nach München buchte, der kommt u. U. teurer weg als einer, der ein Sonderangebot von München nach Zürich und zurück bucht. Viele dachten jetzt, das sei ja toll, dann nehm ich also den Hin- und Rückflug und lass den Hinflug ausfallen. Da kam dann beim Einsteigen in Zürich das böse Erwachen: wer den Hinflug nicht gemacht hatte, der konnte den Rückflug mit diesem Ticket nicht antreten und mußte ein Neues kaufen. Für das alte gab es natürlich keinen Ersatz: ein tolles Zusatzgeschäft für die Fluggesellschaft. Bei gesundem Menschenverstand ist solches Verhalten nicht einzusehen: wer Sonderangebote verkauft, der muss auch die Leistung erbringen1).

Aber es kommt noch besser. Wenn jemand einen Flug aus München über Frankfurt nach Buenos Aires gebucht hatte und dann entgegen der ursprünglichen Absicht nicht mit dem gebuchten Flieger von München nach Frankfurt flog, sondern aus irgendwelchen Gründen mit  Zug oder Auto in Frankfurt anreiste, dem drehten die Gesellschaften ebenfalls eine lange Nase: neu zahlen oder zu Hause bleiben. Das ist nun wirklich ein Betrug am Kunden gewesen.

Dem letzteren Fall hat der BGH jetzt ganz sicher den Hahn abgedreht: das geht nicht mehr, das verstößt gegen Treu und Glauben. Dem Sinn des Urteils nach ist der Fluggast Herr seines eigenen Terminkalenders und darf nicht daran gehindert werden, einzelne Teilstrecken ad hoc ausfallen zu lassen, wenn es für ihn günstig ist – auch nicht bei Inanspruchnahme von Sonderangeboten.

Beim Ausnutzen von Schnäppchenflügen im nicht vorgesehenen Rahmen hingegen herrscht jedoch nach wie vor Diskussionsbedarf: wenn man bei Vertragsabschluss schon die Absicht hatte, einen Teil der Leistung verfallen zu lassen, dann kann das Luftverkehrsunternehmen auf Schadenersatz pochen. Nur: wie will sie das nachweisen?

Da bin ich mal gespannt, bis die ersten Fälle auf den Tisch kommen.


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Fußnoten:
  1. Für den dummen Verbraucher stellte sich das dann so dar: wenn ich hin und zurück fliege, zahle ich den Sonderangebotspreis. Wenn ich die Hälfte fliege, dann zahle ich mehr als das Doppelte des Sonderangebotspreises – und was ist, wenn ich jetzt gar nicht fliege? Zahle ich dann das Vierfache? Kommen die dann mit der Polizei? [ ]

Polit-Rating

Außenminister Westerwelle ist empört: die Rating-Agenturen haben ein paar Ländern der EU den Bonitätsindex gekürzt. Westerwelle weiß auch schon, was dagegen zu tun ist: die EU soll jetzt eine eigene Rating-Agentur gründen, die man besser unter Kontrolle habe.

Moment, verstehe ich das richtig?

Griechenland hat jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt und die übrigen EU-Mitgliedsländer über die wahren Ausmaße der Miß- und Günstlingswirtschaft im Unklaren gelassen haben. Jahrzehntelang ging das so, nicht erst gestern oder letzte Woche.

Rating-Agenturen sind bisher eher privater Natur, sie sind sehr mächtig – aber auf sie muß niemand hören. Aber die Wirtschaft hört eigentlich schon ganz gerne auf sie, weil sie nämlich unabhängig von staatlicher Einflußnahme einfach nachschauen, wie die Zahlen stehen und wie sich daraus eine zu erwartende Rückzahlungsmoral ableiten läßt – nichts weiter. Selbstverständlich sind auch die Rating-Agenturen nicht ganz unabhängig: es ist durchaus davon auszugehen, dass die amerikanische Regierung Einfluß nimmt. Das wird sich aber nicht beweisen lassen.

Und was will der deutsche Außenminister? Er will eine europäische Rating-Agentur, auf die europäische Regierungen Einfluß nehmen können. Das heißt: bei der europäischen Rating-Agentur hätten Griechenland, Spanien und Portugal weiterhin absolute Spitzenplätze – nicht aufgrund notwendiger Haushaltsdisziplin, sondern aus politischer Korrektheit1). Das Rating bei der EU spiegelte also nicht die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes wieder, sondern lediglich, wie die Politik sie aktuell darstellen möchte. Ja – und was soll das sein? Das kann man doch sowieso jeden Tag hören, wie versucht wird, politische Fehlentscheidungen in möglichst rosa Mäntelchen zu kleiden. Es wird also ziemlich bald neben Westerwelles politisch korrektem Rating wiederum private Rating-Agentur entstehen, die die wirklichen Zahlen in den Blick nimmt. Und wonach – Hand auf’s Herz – werden Kreditgeber dann schauen?

Soll der Außenminister sein Individual-Rating doch einführen, vielleicht als eine Art webLog: das wird eine Lachnummer. Die maßgeblichen Institute aus Wirtschaft und Finanzen werden sich selbstverständlich nicht dort ihre Einschätzungen abholen, wo politische Korrektheit vor Hingucken geht. Der ganze Schlamassel, in dem Griechenland jetzt steckt, ist ja nicht dem fundierten Realitätssinn griechischer Politiker geschuldet, sondern eher der politischen Wahrheitspanscherei, mit der das griechische Volk und die EU getäuscht worden sind. Will Westerwelle das jetzt zum Standardverfahren absegnen oder was?


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Fußnoten:
  1. Nur ein kleines Beispiel für die Auswirkungen politischer Korrektheit: Frauen beklagen sich ja gerne, dass sie nicht in Spitzenämer gelangen, weil böse Männerzirkel sie daran hindern. Weil es diese bösen Männerzirkel aber gar nicht gibt, gelangen Frauen entweder über entsprechende Leistung oder über die Frauenquote eben doch in die Spitzenpositionen. Das wiederum führt dazu, dass jetzt alle Frauen darüber klagen, man würde ihnen nachsagen, sie seien nicht wegen ihrer Leistung, sondern nur auf Grund ihres Geschlechts an ihre Position gerutscht. Merke: politische Korrektheit hinterläßt immer Unklarheit und Mißtrauen. [ ]

Aus dem Frauenhaus

Das nachfolgende Interview kam heute über den Rundbrief des “männerrats”1) hereingeflattert. Ich kenne den Text: es ist dem zweiten Band zu “Die vaterlose Gesellschaft” von Matthias Matussek entnommen, in dessen ersten Band auch ein längerer Artikel von mir erschienen ist. Interessant ist das Interview vor allem deswegen, weil es den Blick öffnet für Situationen, in der eine kleine Gruppe von Menschen sich selbst für über dem Gesetz stehend erklärt und es schafft, völlig willkürliche “Notstandsgesetze” einer ganzen Gesellschaft als unumgänglich zu verkaufen.

Ich halte die geschilderten Umstände nicht für einen plakativen Einzelfall. Ich weiß von anderen – ehemaligen – Frauenhausmitarbeiterinnen, dass sich das auch im Umkreis von München so oder so ähnlich abgespielt hat. Da sich die Frauenhäuser aber konsequent jedweder Kontrolle entziehen2) dürfen, kann man das nicht nachprüfen: es bleibt immer ein Gerücht, das den Steuerzahler teuer zu stehen kommt.

Ehemalige Frauenhausmitarbeiterin berichtet

Wann haben Sie in welchem Frauenhaus gearbeitet? Im autonomen Frauenhaus in Kassel von 1984 bis 1987 und im Göttinger Frauenhaus von 1988 bis 1989.

Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe? Damals war ich eine Aussteigerin aus der High-Society. Ich wollte etwas Neues anfangen, anderen Menschen helfen. Vorher war ich schon sehr interessiert an den Dingen, die die Frauenbewegung so thematisiert hat.

Welche Aufgaben kamen auf Sie als Mitarbeiterin in einem Frauenhaus zu? Zunächst war das ehrenamtlich, nur der sogenannte Ämterscheiß: Schriftverkehr erledigen, die Leute zum Sozial- und Jugendamt begleiten. Nach drei Monaten wurde ich gefragt, ob ich nicht fest dort arbeiten wolle, und ich sagte ja. Ich stieg richtig in den Betrieb ein. Ich machte die Neuaufnahmen, führte Einzelgespräche mit den Frauen, machte Gruppenbetreuung, half beim Ausfüllen des Aufnahmebogens, also Name, Adresse, Schulbildung etc. Das ergab folgendes Bild: 80 % Hauptschule, 80 % ohne abgeschlossene Berufsausbildung, 70% Ausländerinnen (davon zu 90 % Türkinnen). Die Hälfte war dort bereits über ein Jahr, eine Frau war bereits dreieinhalb Jahre dort. Den Frauen wurden ja auch kaum Wohnungen angeboten … Welcher Vermieter gibt schon einer Frau eine Wohnung, die von der Sozi lebt und einen Haufen Kinder mitbringt? Die meisten von denen hatten bis zu fünf Kinder.

Was war der Grund für die Aufnahme im Frauenhaus? Ungefähr 90 % gaben an, geschlagen worden zu sein.

Bezog sich das auch auf die Kinder? Das wurde auch manchmal gesagt. Meist haben wir dann aber gesehen, daß gerade diese Frauen ihre Kinder selber geschlagen haben. Dagegen sind wir aber immer – in beiden Häusern – ganz schnell vorgegangen.

Was gab es sonst noch für angegebene Gründe? Von Relevanz nur noch, daß die Männer eine neue Partnerschaft hätten. Ansonsten bekamen wir in vielen Fällen in den Wochen nach der Aufnahme mit, daß die Familien hoffnungslos überschuldet waren.

—-» Aus dem Frauenhaus weiterlesen …


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Fußnoten:
  1. Bei Interesse: kurze eMail an info@maennerrat.de. Der Newsletter ist – bis auf die Beiträge der Heinrich-Böll-Stiftung – sehr empfehlenswert. [ ]
  2. Nicht einmal das Jugendamt hat Zutritt zum Frauenhaus. Man liest weiter unten, wie das begründet wird: die kommen damit durch. [ ]

Die ZEIT bemüht sich …

… irgendeinen Haken zu finden – in den Vorstellungen der Familienministerin, in Zukunft vielleicht doch etwas mehr in die Männerpolitik und Jungenförderung zu investieren. Dass das für einen ZEIT-Autor extragalaktisches Terrain ist, zeigt sich in den Fragen und Kommentaren, durch die sich Kristina Schröder aber nicht aus dem Konzept bringen läßt:

Jungen haben ein natürliches Bedürfnis, ihre körperlichen Kräfte zu messen, also zu toben und zu kämpfen. Nicht jede Rauferei muss man deshalb gleich mit einem Streitschlichter unterbinden.

Sagt sie einfach so: das scheint mir ja eine echte Männerversteherin zu sein. Oder zu werden. Das Interview läuft unter dem Titel “Ein Tag für Kerle” – freundlicher1) geht es wahrscheinlich noch lange nicht, die ZEIT muss sich an das Prinzip der Geschlechtergleichheit erst langsam herantasten, nach den langen Jahren erwünschter Diskriminierung.

Danke an meinen Freund Tobias von Upper Palatine, der sich beim Lesen des Artikels leider am Kaffee verschluckt hat: so unwahrscheinlich kommt ihm sowas in der ZEIT vor.


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Fußnoten:
  1. Das Gegenstück für “Kerl” beim Mann ist “Tusse” für Frau. Natürlich würde die ZEIT niemals in einer Überschrift “Tusse” verwenden. Mit Männern kann man das machen. [ ]

Naturkatastrophe

Es gibt Freunde, die sind mit den vulkanischen Machenschaften unserer lieben isländischen Nachbarn sehr zufrieden, weil keine Kuh am Himmel fliegt. Andere wiederum sind nicht so zufrieden: die in Shanghai zusammengeschraubten neuen MacBook Pros von Apple können nicht nach Deutschland geflogen werden. Denn am 20.4. um 11:23 ist dort Naturkatastrophe1).

Dank UPS kann man sekündlich feststellen, wo das Paket gerade rumfliegt, wenn es nicht fliegt, und warum. Das ist doch immer wieder ein Segen, dieses UPS-Tracking.


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Fußnoten:
  1. Übrigens: was ist das eigentlich für eine Katastrophe? Vor 50 Jahren war ein solcher Vulkanausbrauch noch gar keine Katastrophe: das hat außer den Anliegern niemanden interessiert. Eine Katastrophe wird das erst dadurch, dass Flugzeugtriebwerke den Staub nicht vertragen. Aber ist das wirklich eine Katastrophe? [ ]

Religionsfreiheit

Einen beachtenswerten Artikel zur Religionsfreiheit stellt das Blog “USA erklärt” online – natürlich sprengt er gemäß dem komplexeren Sujet ein wenig die Grenzen eines BILD-Artikels. Aber sehr interessant zu lesen, wenn man das, was man für vollkommen selbstverständlich hält, mal aus der Brille z.B. eines Amerikaners sieht (Zitat):

Hat man ihn [den gemeinen Amerikaner] mit viel gutem Zureden und im Extremfall mit der Vorlage der Lohnsteuerkarte davon überzeugt, dass es so etwas [die Kirchensteuer] wirklich noch gibt, wird der Amerikaner nervös: Wie stellt der deutsche Staat denn sicher, dass die Muslime nicht mit dem Geld irgendwelche Anschläge finanzieren? Dass die Kirchensteuer gar nicht für Muslime eingezogen wird, leuchtet ihm dann wiederum nicht ein. Moment Mal, hier werden doch Religionen benachteiligt!

Ja, wenn man das so sieht, dann ist das mit der Kirchensteuer schon ein wenig seltsam. Aber es gibt eben auch gute Gründe dafür.

Keine Kuh am Himmel

Schon seit langer Zeit haben wir nicht mehr einen so schönen Sonntag im Westerwald gehabt. Nicht nur keine Wolke trübt den blauen Himmel, sondern auch keinerlei Kondensstreifen oder gar Fluglärm von irgendwelchen durchgedrehten Militärfliegern.

Oh, könnte nicht häufiger ein Vulkan ausbrechen?

St. Bonifatius

Im Rahmen des diesjährigen Osterspaziergangs, der uns entlang der Bibert von Dietenhofen nach Andorf führte, hatten wir noch Gelegenheit, uns die neue katholische Pfarrkirche von Dietenhofen anzuschauen. Der Grundriß der Kirche ist ein Oval, die Mauern bestehen aus übereinander gelegten Glasplatten.

Durch diese gläserne, aber doch dunkle, graue Mauer dringt stellenweise farbiges, göttliches Licht ins Innere – man fühlt sich unweigerlich an Bachs Eingagschor zur Johannespassion erinnert, in dessen graue Eintönigkeit auch immer wieder Lichtblitze hineinzucken. In die Glaswände sind immer wieder kleine Satzfetzen hineingeschrieben: keine bedeutungsschwangeren Bibelzitate, die den erhobenen Zeigefinger andeuten. Nein, es sind belanglose, eher kleine Bemerkungen – ich deute sie dahingehend, dass Gott vor allem die kleinen Nebensächlichkeiten ins Blickfeld rückt.

Das ist eine Kirche, wo ich sage: da will ich mal einen Gottesdienst mitfeiern.

Fliegenfänger

Von einem Kollegen im Büro bekam ich folgende Anregung:

  • Es ist Dir langweilig?
  • Dann such am Fensterbrett nach toten Fliegen
  • Laß sie gut austrocknen
  • Such Dir ein weißes Blatt und einen Stift
  • Laß Deiner Kreativität freien Lauf

Anregungung gab’s auch gleich mit:

Sockintosh

Jetzt gibt es eigentlich wirklich keinen Grund mehr, keinen Apple zu kaufen: auch das leidige kalte-Füße-Problem bei Frauen gehört endgültig der Vergangenheit an. Das Video1) beweist es:


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Fußnoten:
  1. gefunden bei Macnews.de, letztendlich bei YouTube [ ]