Archive for the 'Kirche' Category

Nicht ihre

Am vergangenen Samstag war Demo in Augsburg angesagt: besorgte Christen wollten dem Bischof zeigen, wie er sein Bistum besser führen könnte als er es tut. Es geht, grob gesagt, darum, dass auf Grund des Priestermangels in Zukunft Pfarrgemeinden zusammengelegt werden müssen. Der Bischof möchte nicht, dass das Angebot an Eucharistiefeiern durch ein vermehrtes Angebot an Wortgottesdiensten verwässert wird1), und da die Basis-Kirche alles so lassen will, wie es ist2), gibt’s Zoff in der Diözese.

Eine Teilnehmerin schrieb in einer Rundmail:

… wer sich gestern auf den Weg nach Augsburg gemacht hatte, der konnte sehen, hören und  spüren, wie sehr die  versammelten Menschen in echter, tiefer Sorge um „ihre Kirche“ sind.

Gut, zugegeben, man kann noch mehr danebenliegen. Denn sie macht da einen ein kleiner, aber verhängnisvollen Fehler: das ist nicht “ihre Kirche”3). Dieses “Wir sind Kirche”-Mißverständnis leitet von der Kirche Jesu Christi, die von ihm generationenübergreifend installiert worden ist, weg zu einer Befindlichkeits- und Beliebigkeitsveranstaltung, die ihren universalen Charakter zu verlieren droht.

Ich will auf keinen Fall in einer Kirche sein, die den vielen Lieschen Müllers und John Does mehr Gewicht einräumt als den Leuten, die die Materie Jahre lang studiert haben und deswegen etwas durchaus Kompetenteres dazu sagen können als tönerne Zitate à la “Wir sind das Volk”. Ich will nicht, dass die etwas schwerer zu verstehende Worte der erfahrenen Seelsorger immer wieder untergehen im lauten Getrommel von Gutmenschen, denen die Stimmung auf der Demo wichtiger ist als das, was sie unbedacht anrichten.

Man ist nicht gezwungen, in der katholischen Kirche Mitglied zu sein. Die katholische Kirche ist eine Institution, die ihren Mitgliedern wesentlich mehr Freiheiten gibt als jede denkbare, andere Gruppierung überhaupt. Sie braucht eine Spitze – und auch Menschen an dieser Spitze, die über den banalen Tellerrand “das ist aber meine Kirche” hinwegblicken können. Ich will nicht, dass die immer wieder gedankenlos niedergebrüllt werden. Und es reicht auch nicht, sich mal irgendwelche Gedanken zu machen, nur um hinterher behaupten zu können, man habe sich welche gemacht: da gehört schon eine Menge mehr Verantwortung mehr dazu als betroffen in die Fernsehkameras zu schauen und mahnende Belanglosigkeiten von sich zu geben.

Es geht nicht um Stimmungen im Hier und Heute. Es geht um verantwortungsvolle Gestaltung, damit auch für die, die nach uns kommen, noch was übrigbleibt.


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Fußnoten:
  1. Man darf es nicht sagen. Aber diese Wort-Gottes-Feiern sind immer ein wenig kürzer und weniger feierlich, deswegen ist man zunächst ungewollt, später gewohnheitsmäßig auch schneller wieder zu Hause. Wenn man das trotzdem sagt, dann kriegt man um die Ohren gehauen, dass Wort-Gottes-Feiern eben doch unheimlich feierlich sind, eine erstaunliche Tiefe entwickeln können und fast an eine Eucharistiefeier heranreichen. Schöner Nebeneffekt: Wort-Gottes-Feiern werden von Laien geleitet, es gibt dann keine Predigt mehr von einem, der die Materie studiert hat und vielleicht Sachen sagt, die die feiernde Gemeinde nicht ganz so gerne hört. Man ist also wieder etwas mehr unter sich, und der böse Klerus ist ein wenig in die Schranken verwiesen. [ ]
  2. außer Kondome, Schwule und Frauenpriestertum, das muss man ändern, weil man sich dann ein paar relativ schwierigen Fragen weniger stellen muss. [ ]
  3. An einem Beispiel wird das sofort klar: man sagt ja gerne auch vom bereits erwachsenen Nachwuchs: “Das sind meine Kinder”. Das ist aber keine Besitzanzeige: man kann sich keinesfalls anmaßen, ihnen Verhaltensmaßregeln nach den eigenen Vorstellungen auf’s Auge zu drücken. Es wird immer wieder versucht. Entweder steht man hinterher ziemlich alleine da, oder man hat Kinder, die einen nicht wirklich ernst nehmen. [ ]

Karsamstag

Golgatha

Der Gottesdienst zu Karfreitag war lang.

Lang sind auch die Nächte,
in denen man krank ist,
in denen man sich vor dem kommenden Tag fürchtet,
in denen man um einen lieben Menschen trauert.

Kürzen? Was? Wo?

Gottschalk

Wer eine Viertelstunde Zeit hat, der kann hier in einem Interview1) des SPIEGEL (Nr. 41/2011) nachlesen, wie Thomas Gottschalk einem Spiegel-Redakteur2) den Zeitgeist aus den Haaren föhnt.

Er wollte von ihm wissen, warum Gottschalk katholisch sei und wie man so was überhaupt sein kann. Er weiß es, und ich weiß es kein bißchen besser: genau so würde ich es auch erklären. Danke an Christian für den Tip!


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Fußnoten:
  1. hier auch als PDF, für’s iPad-Archiv z.B. [ ]
  2. Autor: Markus Verbeet [ ]

Schwuler PGR

In einem Pfarrbrief las ich heute die – schon wie eine erwartbare Selbstverständlichkeit klingende - Klage: “Was uns heute mißfällt, ist die konservative, verschlossene Haltung mancher Bischöfe”. In dasselbe Horn tutete gestern eine Autorin, die im Bayerischen Rundfunk interviewt worden war, mit der Aussage, dass sie selbstverständlich schon lange aus der Kirche ausgetreten war: das soll wohl ihre geistigen Fähigkeiten besonders herausheben. Tat es auch, aber in einer wahrscheinlich von ihr nicht beabsichtigten Richtung.

Was nicht so bekannt gemacht wird in der Medienrepublik ist der schwule Pfarrgemeinderat von Stützenhofen (Weinviertel/AT). Der wahr von einer offensichtlich sehr rührigen Gemeinde in den Pfarrgemeinderat gewählt worden, obwohl er in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt. Das wollte der Pfarrer nicht1). Deswegen ging die Sache vor den Bischof von Wien, zur Zeit repäsentiert durch Kardinal Schönborn. Der wiederum lud den Mann ein und sprach mit ihm, brachte die Sache vor den Bischofsrat. Dieser dann legitimierte die Wahl einstimmig: der Mann darf seinen gewählten Pfarrgemeinderatssitz annehmen und behalten. Ein Artikel dazu steht zum Beispiel in der österreichischen Zeitung “Der Standard”, andere Berichterstattungen dazu mag man sich ergoogeln.

Das bestärkt meine Sicht, dass sich in der Kirche durchaus was tut – exemplifiziert in dieser Sache.

Sie werden selbstverständlich nach wie vor Probleme mit Homosexuellen haben und sie zu kirchenlichen Ämtern – wie es auf sehr niedriger Stufe auch ein Pfarrgemeinderat ist – nicht einfach so zulassen. Das können sie nicht, denn Gott hat nach ihrer Ansicht die Menschen nicht wie mit dem Fließband produziert und nebeneinander auf den Erdboden gesetzt wie die Roboter: ich schalte euch ein und ihr spult euer Programm ab. Sondern Gott hat die Menschen in einer Art “Beziehung zueinander” geschaffen – und zwar jeden einzelnen von ihnen, und die von der katholischen Kirche wichtigste und repräsentativste Art der Beziehung ist die zwischen Mann und Frau. Nur aus ihr kann und will Gott wieder neues Leben schaffen, andere Methoden und Möglichkeiten braucht er nicht: sowas engt auf lange Sicht nur ein2). Da steht die Kirche natürlich Face-to Face gegenüber einem säkularen Staat, der die Menschen mehr fließbandmäßig beurteilen muß und jedem unbedingt soviel Gleichberechtigung zugestehen muss wie irgend möglich.


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Fußnoten:
  1. Wie viel davon stimmt, kriegt man nicht heraus. Vielleicht hatte der Pfarrer auch einfach nur Bedenken, weil Homosexualität aus verschiedenen Gründen von der katholischen Kirche nicht an allen Orten und Gelegenheiten der Heterosexualität gleichgestellt ist. [ ]
  2. Komische Feststellung, nicht? Aber man muss sich vor Augen halten, dass uns Menschen nur eine relativ kurze Lebenszeit vergönnt ist. Wir können nicht entscheiden, welches Leben wir gestatten wollen und welches nicht – wir haben schlicht nicht die Möglichkeit, die Folgen einer solchen Entscheidung im Laufe der Jahrtausende zu überprüfen. [ ]

ZdKInnen

Heute eine eMail an den Präsidenten des selbsternannten “Zentralkomitees der deutschen Katholiken”:

Sehr geehrter Herr Dr. Glück,

der webPage1)

http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/pressemeldungen/detail/ZdK-verabschiedet-Entschliessung-fuer-ein-partnerschaftliches-Zusammenwirken-von-Frauen-und-Maennern-in-der-Kirche-684Z/

entnehme ich, dass das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine Entschließung verabschiedet hat, in dessen vorletzem Absatz die Diakoninnenweihe für Frauen gefordert wird.
Ich bitte Sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass ich damit NICHT einverstanden bin. Unter anderem, weil eine Gleichberechtigung von Mann und Frau nie Sinn und Zweck des katholischen Bekenntnisses gewesen ist, sondern die katholische Kirche immer mit besonderem Augenmerk darauf hingewiesen hat, dass Mann und Frau gleichwertig sind.

Nach meinem Selbstverständnis als katholischer Christ ist es wichtiger und zukunftsweisender, auf diese Gleichwertigkeit hinzuweisen, ohne die Verschiedenheit einzuebnen – auch wenn es sehr viel schwerer zu verstehen und zu vermitteln ist, was damit gemeint ist. Es tut mir aufrichtig leid, dass das Zentralkomitee der deutschen Katholiken aufgehört hat, an diesem Punkt und unter Ihrer Leitung weiter um die Klarheit der Verkündigung zu ringen und statt dessen einer etwas platten Gleichberechtigung das Feld überlassen hat, die sich politisch besser verkaufen läßt. Damit hat meiner Meinung nach das ZdK den Boden des über die Zeiten hinaus wirkenden Wesens der katholischen Kirche verlassen und sich statt dessen einem ängstlichen Tanz um das goldene Kalb des Zeitgeistes angeschlossen.

Ich persönlich fühle mich deswegen vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken in keiner Weise vertreten und erkläre hiermit, dass dieses Zentralkomitee nicht für mich spricht. Gleichzeitig beantrage ich eine Umbenennung des “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” in “Zentralkomitee einiger deutscher Katholikinnen und Katholiken”, damit schon im Namen des Vereins die Partikularströmung deutlich und ehrlich herausgestellt wird.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Reuter


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Fußnoten:
  1. Inhalt als PDF-Datei [ ]

Tabernakel

Die Tage hatte ich ein langes Telefonat mit meinem Vetter Johannes aus Berlin, Architekt seines Zeichens, hat gerade die katholische Pfarrkirche St. Jodokus in Bielefeld renoviert. Das Projekt kenne ich nur von den Bildern, die auf seiner webSite veröffentlicht sind: daher kann ich die Proportionen und genauen Tiefenwirkungen nur abschätzen – aber ich werde bei nächster Gelegenheit mal hinfahren und mir das ansehen.

Was ich besonders schön an der Realisierung finde: der Tabernakel mit dem Allerheiligsten findet nicht, wie es sonst aus von Vorsicht geleiteten Erwägungen heraus üblich ist, im umschlossenen Kirchenenraum Platz. Sondern er wurde bewußt aus der Kirche heraus in die Welt geschoben, indem man einen Durchbruch nach außen gemacht hat und eine von außen sehr deutlich wahrnehmbare “schützende Hülle” drum gebaut hat.

Für mich hat das eine geradezu befreiende Symbolik. Dazu fällt mir sofort die Bibelstelle aus 2 Moses 3,5 ein1):

“Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.”

Das ist durchaus ein Grund, warum der Tabernakel eben nicht am Altar positioniert sein soll: da soll keiner – nichtmal die Priester in Ausübung ihres Amtes – acht- und gedankenlos dran vorbeilaufen und ihn einfach so für das Tagwerk vereinnahmen. Gott – und damit auch seine Repräsentation im Tabernakel – ist nicht von dieser Welt, und er braucht selbst in der Kirche, die von ihm erzählt und ihn verkündigt, einen besonderen Platz2).

Überzeugend deutlich wird an der architektonischen Lösung auch die Tatsache, dass sich die Kirche – zumindest die katholische – nicht nur dem Hier und Jetzt verpflichtet sieht, sondern auch das “et in saecula saeculorum” in den Blick nimmt: aus dem alten, gotischen Kirchenraum wächst etwas Neues heraus, das das Heilige in sich trägt, aber ohne das Alte, Überlieferte sinnlos wäre. So stellt die Architektur hier eine Wahrheit der katholischen Lehre überzeugend dar: Christus wirkt durch die Zeit hindurch, und in jeder Zeit ist er lebendig und schafft Neues.

Jetzt scheint es da aber ein Problem zu geben: diese “Ausuferung” des Allerheiligsten nach außen in die Welt fordert die Bielefelder Sprayer-Szene zum Taggen auf. Der schützende Raum mit seiner ungeschützten Außenwand wird wohl häufig zum Ziel dessen, was man gemeinhin als “Schmiererei” bezeichnen würde.

Irgendwie finde ich das gar nicht so schlecht: Da steckt eine Menge Zeichenhaftes drin, das einen gestandenen Katholiken durchaus nachdenklich werden lassen kann.

Der Tabernakelraum schiebt sich ja tatsächlich wie etwas Unerhörtes aus dem geschützten Kirchenraum in eine Welt, die sich schon lange nicht mehr darin einig ist, dass das Christentum eine Leitkultur darstellt. Das hat schon etwas sehr Freches und Provokantes; zurückhaltende Vornehmheit vermisst der gutmenschelnde Kritiker hier sicherlich ebenso schmerzlich wie öffentlich. Da geht eine Kirchengemeinde hin und behält es einfach nicht für sich, dieses Allerheiligste, sondern sie lässt es wieder zu, dass es sich ein Loch in die Mauern sprengt und nach außen Bahn bricht! Und siehe da, die Sprayer von Bielefeld wissen ganz genau, wo sie ihre Tags anbringen müssen, damit es auch am meisten weh tut: ich habe mir sagen lassen, dass die ebenso einladenden Kirchenwände bei weitem nicht so begehrt sind wie diese neue Tabernakelwand. Sensibel sind sie schon, diese Schmierfinken!

Ein Allerheiligstes, das sich aus seinem Tempel begibt, um sich verunzieren zu lassen? Haben wir das nicht schon mal als “O Haupt voll Blut und Wunden”3) in Bachs Matthäuspassion gehört? Ist nicht Christus obszön ans Kreuz genagelt worden, noch schnell vor Pessach, damit das schöne Fest nicht besudelt wird? Ist es nicht eine der drei Säulen der Kirche4), genau dahin zu gehen, wo es eben gar nicht mehr so schön ist, wo gelitten und ganz unfein gestorben wird? Sich das anzutun und mit zu leiden?

Gut: man könnte Einiges tun, um der Verunreinigung des Allerheiligsten durch Leute, die es nicht besser wissen, Einhalt zu gebieten:

  • Man könnte ein Gitter drum bauen. Damit keiner an meinen Gott rankommt. Machen wir mit unseren Geldschränken ja auch, und auch mit unseren Gefangenen.
  • Man könnte ein paar Pflanzen setzen, die das Allerheiligste mit gnädiger Langsamkeit dem verstörten Blick der Öffentlichkeit wieder nehmen. Das wäre die vornehme Tour, und das Allerheiligste ist in ein paar Jahren wieder zugewuchert. Diese Lösung wird gerne genommen, und Efeu ist der größte Feind des Taggers.
  • Ein Glashaus kann man auch aufbauen. Das Allerheiligste vor Wind und Wetter schützen – und vor allem vor denen, die provozieren wollen. Mir ist nur unklar, wie man allen Ernstes begründen will, dass Gott sich von irgendeiner Institution vor Provokation schützen lassen möchte: ich glaube, das hat er so nie gesagt.
  • Man kann die Außenfront mit Lotosfarbe bepinseln: der nächste Regen wäscht dann alles ab. Ich erinnere mich allerdings nicht an eine einzige Bibelstelle, in der nachgewiesen ist, dass Jesus irgendwas in der Art gesagt hat: Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch: Wenn ich morgen aufstehe, bin ich wieder sauber, ihr aber seid immer noch dreckig wie die Ferkel. Im Gegenteil: nachdem ihm die Jünger ihm auf dem Berg Tabor eine klinisch reine Einraumwohnung bauen wollten, hat er gemeint: laßt das sein, Jungs, wir gehen wieder nach unten zu den Menschen. Und redet nicht so viel von dem, was ihr hier gesehen habt.

Ich weiß nicht, was die Pfarrei zu tun gedenkt. Aber dass diese Tabernakel das Potential hat, ein paar Grundgedanken christlicher Ethik sehr anstößig nach außen zu tragen, das scheint mir gewiß. Vielleicht könnte man eine Art Klagemauer draus machen? Oder selber fleißig was drauf sprayen, die Firmlinge zum Beispiel? Es als unpassend farbiges Zeugnis für Gottes unbequeme Gegenwart verstehen? Die Feinde dagegen toben lassen (Ps. 83, Apg. 4,25) und mit Gelassenheit abwarten, was passiert? Vielleicht kommt man mit dem einen oder anderen Feind sogar ins Gespräch – und siehe da, es ist gar keiner?

Wird spannend.


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Fußnoten:
  1. Die Geschichte mit dem Dornbusch, der brannte und doch nicht brannte [ ]
  2. Um es genau zu sagen: er hat da keinen Platz, er entzieht sich. Aber was soll man machen. [ ]
  3. Ganz genau steht es in der 2. Strophe des alten Paul-Gerhard-Lieds: “Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: Wie bist du so bespeit! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’t?” [ ]
  4. Diakonie [ ]

Kirchenmusik

Heute abend war Kirchenmusikerkonferenz hier am Ort, die mit folgenden Gedanken eingeleitet wurde:

Musik ist eine Himmelsgabe…

…weil sie etwas kann, was die Welt reich und die Seele weit macht: Musik kann berühren und aufrichten, klagen, lachen, weinen und loben. Für alle Höhen und Tiefen des Menschen gibt es einen Klang, eine Melodie aus dem universellen Reich der Musik.

So erfüllt die Musik wie kaum ein anderes Tun der Kirche den tröstenden Ruf an alle Mühseligen und Beladenen, denn sie kann Wunden heilen, Stricke des Herzens und Fesseln des Geistes lösen. Sie kann dies auch dort, wo die Sprache des Glaubens und das Wort vom Kreuz auf taube Ohren stoßen. Wie oft kommen Menschen nach Hektik und Alltag, Anstrengung und Angst in Kirchen, hören Klänge und Konzerte und spüren: Die Ohren zum Himmel sind offen und die religiöse Musikalität der Seele ist wieder befreit.

Die Kunst, die die Kirche hervorgebracht hat, ist neben den Heiligen, die in ihr gewachsen sind, die einzige wirkliche Verteidigung, die sie für ihre Geschichte vorzubringen hat.1)

Die Herrlichkeit, die durch sie entstanden ist, verbürgt den Herrn, nicht all die gescheiten Ausflüchte, die die Theologie für das Schreckliche findet, an dem die Geschichte leider auch so reich ist. Wenn die Kirche die Welt verwandeln, verbessern soll, wie kann sie das tun, und dabei zugleich auf die Schönheit verzichten, die mit der Liebe eng zusammengehört und mit ihr die größtmögliche Annäherung an die Auferstehungswelt ist?

Die Kirche muss anspruchsvoll bleiben, sie muss eine Heimstatt des Schönen sein. Nur so bezeugt sie das Abgründige des österlichen Glaubens, dass die Dunkelheit des Todes die Rückseite von blendendem Licht ist.

Peter Hofer


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Fußnoten:
  1. Joseph Ratzinger, zur “Theologie der Kirchenmusik” [ ]

Bergfest

Jetzt habe ich auch Ferien: heute war die Orgel-Zwischenprüfung (und ich hoffe, ich habe sie geschafft) für die Kandidaten des C-Kurses der Erzdiözese Bamberg. Das Ergebnis gibt’s dann später per eMail.

Man mußte 3 verschiedene Stücke spielen, von denen ich mir ausgesucht hatte:

  • Bach, Präludium und Fuge C-Dur aus “8 kleine Präludien und Fugen”
  • Josef Rheinberger, Trio Nr. 3 a-moll op. 49
  • GL 295 “Wer nur den lieben Gott läßt walten” + selbsterdachtes Vorspiel

Dann war noch ein Vom-Blatt-Satz aus dem Orgelbuch zum Gotteslob zu spielen: na ja, GL 703 kannte ich gar nicht. Das ist nicht einfach, mitsingen hätte man nicht können.Aber jetzt ist es geschafft.

In ungefähr einem Jahr werde ich viel mehr schwitzen: da ist dann Abschlussprüfung.

Ambo

Heute morgen übte ich in der evangelischen Markus-Kirche an der Orgel, während unten eine Schulklasse einzog, um wenigstens auf diese Weise mal einen Kirchenraum von innen zu sehen. Sie hatten anscheinend gerade vorher schon die Katholische Pfarrkirche St. Johannes besucht, denn auf die Frage der Lehrerin, ob ihnen hier ein Unterschied auffiel, kam von einem Schüler recht schnell die Antwort: keine Maria.

Das fand ich dann doch erstaunlich, dass dem das aufgefallen war. Dann fragte die Lehrerin nach der Funktion des Ambo. “Da wird vorgelesen”, kam es aus der Klasse. “Wer liest denn da was vor”?

Drei Kinder meldeten sich:

  • Der Pfarrer
  • selber
  • Gott

Immerhin: Heino kam nicht vor.

Mutig beten

Margot Käßmann, ehemalige Bischöfin der hannoverschen Landeskirche, hat anläßlich des evangelischen Kirchentags in Dresden1) ein neues Patent-Rezept in den Raum gestellt:

Es sei “besser mit den Taliban zu beten, als sie zu bombardieren”, sagte Käßmann2).

Zunächst: sie hat recht. Es ist tatsächlich besser, mit den Taliban zu beten als sie zu bombardieren3). Wie man das allerdings anstellen soll: das bleibt offen. Ebenfalls offen bleibt, ob die Taliban überhaupt mit Frau Käßmann als Vertreterin einer Kultur, die sie für schwach und verweichlicht halten, beten wollen. Ich glaube fast nicht.

Wenn Frau Käßmann allerdings mit den Taliban beten würde, dann käme das ganz bestimmt im Fernsehen. Was man dabei allerdings nicht sähe, wäre das Bataillon Nato-Soldaten, die unter Einsatz ihres Lebens und ohne gefragt worden zu sein dafür sorgen müßten, dass Frau Käßmann beim Beten mit den Taliban auch nichts passiert. Dass sie also mit heiler Haut davon kommt und dass sie sich darauf auch verlassen kann. Sowas blendet das Fernsehen gerne aus – und für Frau Käßmann wird das dann auch ein wenig kompliziert zu erklären, also besser nicht zeigen.

Sie läßt sich – wegen solcher plakativer Vorschläge – gern als mutige Frau feiern4). Mut hätte sie, wenn sie ohne ein Bataillon Nato-Soldaten nach Afghanistan führe um dort mit den Taliban zu beten. Ich halte die meisten Taliban nicht für Unmenschen, aber ein, zwei Fanatiker reichen schon, um das zu ihrer letzten mutigen Tat zu machen.


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Fußnoten:
  1. Vor anderthalb Jahren wußte sie in ihrer Silvesterpredigt ebenfalls eine solche Platitüde: “Nichts ist gut in Afghanistan” und kam damit als Gutmensch voll rüber. [ ]
  2. Quelle: Spiegel Online [ ]
  3. Das gilt übrigens auch für Meerschweinchen, Hunde und Katzen – es gilt überhaupt einfach für alles: es ist immer besser zu beten als zu bomardieren. Gut herausgefunden, wahrscheinlich vorher lange nachgedacht. [ ]
  4. Ob sie es persönlich zuläßt, weiß ich nicht. Aber sie schreitet nicht dagegen ein, wenn die Medien ihr solche Prädikate andichten. Sollte sie vielleicht mal … [ ]

Mein Gott, Hans!

Die ZEIT hat in Ausgabe 22/2011 ein ganz besonders reißerisches Titelthema: Ist die Kirche noch zu retten? Ich würde ja fragen: ist die ZEIT noch zu retten, aber das steht in einem anderen Blatt.

Jedenfalls wird diese Frage von der ZEIT logischerweise anhand eines Interviews mit Hans Küng beantwortet, und somit ist die Kirche selbstverständlich NICHT zu retten1). Hätte man jemand Kompetenteres gefragt, zum Beispiel den Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, dann hätte man eben nicht die gewünschten Antworten bekommen. Denn Küng hält, was er verspricht: selbstgerechte, spießige und wohlsituierte Anti-Kirchenbräsigkeit2). Jeder Absatz seiner Antworten zeigt, dass weder er noch die Redakteure3) irgendwie versuchen, die Augen aufzumachen. Nehmen wir nur den ersten Absatz, der vor Selbstgerechtigkeit nur so trieft:

Ich (Küng) würde viele Menschen zutiefst enttäuschen, wenn ich austräte.

Ja Herrschaftszeiten! Ist denn die Kirche dafür da, dass Hans Küng drin bleibt? Ist Hans Küng dafür da, dass andere Menschen nicht austreten? Was ist denn das überhaupt für ein Kirchenbild, das nur Menschen “wegen irgendwem” in der Kirche bleiben läßt4)? Wenn ich “Kirche” richtig interpretiere, dann ist sie eine Art Organismus, ein ganzheitlicher Körper mit Jesus Christus als Haupt: er ist mit ihr verwachsen wie die Kirche mit ihm. Dass die Kirche Institutionen hat, ist nur ein kleiner Teil von ihr, im Wesentlichen ist sie aber das “betende und glaubende Gottesvolk”, in dem alle Christen miteinander verbunden und vereint sind.

Der Artikel hingegen zeigt nur den Kirchen-Apparat (man nennt ihn gerne die “Amts-Kirche”), auf den sich trefflich einschlagen lässt: zunächst fordert man von ihm mit Eifer, was er nicht leisten kann, dann prügelt man ihn, weil er es nicht leisten kann5).

Und dann kommen natürlich immer wieder die vier apokalyptischen Scheinriesen6): Die Kirche ist gegen Kondome, Frauen dürfen nicht Priester werden und zwar sofort, Priester müssen dürfen (heiraten z.B.), und das mit den Geschiedenen ist außerdem eine ganz große Schweinerei.

Immer wieder diese vier, weil ihnen sonst nichts einfällt und – vor allem – weil sie sich nirgendwo ernsthaft und freudig in die Kirche eingliedern wollen. Leute wie Küng haben sich in sturer und unbelehrbarer, auch blinder Weise in ihrer Weltsicht festgeklammert, sie empfinden ihr Ewig-Gestriges als “Modern” und sonnen sich im Lichte von Medien, die jeden Tag eine andere Sau durch’s Dorf treiben und dabei – außer mit sich selbst – mit niemandem zimperlich sind. Die Küngs dieser Welt leben gut davon, sie werden von Seminar zu Vortrag zu Vorlesung zu Einladung weitergereicht, die Claqueure garantieren ihnen regelmäßige und beileibe nicht mäßige Einkünfte. Das ist ihre Marktnische, davon leben sie, und man schmückt sich mit ihnen. Und als Professor zahlt ja zudem der Staat recht ordentlich.

Aber sie haben nichts zu sagen als jahrzehntelang die gleiche Leier. Sie merken nicht, wie die Karawane längst weiterzieht; sie hängen am Schwanz des letzten Kamels und lamentieren laut, dass auf dem Boden ein Kothaufen am anderen liegt. Warum laufen sie mit ihrer gut bezahlten Intelligenz nicht nach vorne und helfen mit, den Weg zu suchen? Weil sie nicht im Mindesten daran interessiert sind, dass sich jemals was ändert: niemand würde sie dann mehr brauchen.

Mein ungebetener7) Rat an Hans Küng: danke, war nett. Gehen Sie in den Ruhestand, publizieren Sie nichts mehr, geben Sie keine Interviews mehr. Sie haben mich jetzt jahrzehntelang mit einem professoralen Scheinriesen-Christentum genervt, das damals schon am Kern der Sache vorbeiging und heute noch keinen Schritt weiter gekommen ist. Mir reicht’s.


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Fußnoten:
  1. Außer man wählt Hans Küng zum Papst, dann bräuchte man sie nicht mehr zu retten: Ertrunkene zieht man aus dem Wasser, man rettet sie nicht. Aber Hans Küng sagt im gleichen Interview auf die Frage, ob er Papst werden wolle, dass er nicht Papst werden wolle. [ ]
  2. Nicht nur Anti-Katholisch. Er ist auch Anti-Evangelisch, wie er im weiteren Verlauf des Interviews herausstreicht. Er bräuchte seine eigene Kirche, die nur aus einem einzigen Mitglied besteht. Warum, um Gottes Willen, gründet er sie nicht endlich? [ ]
  3. Assheuer und Finger [ ]
  4. oder, was damit gleichfalls gesagt ist: dass sie “wegen irgendwem” aus der Kirche austreten [ ]
  5. Beispiel gefällig? Hier: Wenn jemand vor Gott verspricht, dass er diesen Partner heiraten will und ihm bis ans Ende seiner Tage die Treue halten will, dann kann die Kirche das nicht mehr auflösen, weil sie eben nicht Gott ist. Die Eheleute haben es nicht ihr versprochen, sondern Gott. Die Kirche ist nicht Ziel und nicht Gegenstand dieses Ritus’, sondern sie assistiert dabei nur, weil die zukünftigen Eheleute darum bitten. Wer nicht darum bitten möchte, der kann sich ja die kirchliche Eheschließung sparen – schon gibt’s keine Probleme mehr. Und wer damals, in jungen Jahren, was versprochen hat, das er nun nicht mehr halten kann: für den gibt es kirchliche Ehegerichte, bei denen der Fall ganz genau untersucht wird. Es kann aber (in wenigen Fällen) sein, dass die Kirche zu einer anderen Ansicht kommt als der um Auflösung des Versprechens Bittende. Das muß der dann schon aushalten, finde ich. [ ]
  6. Ein Scheinriese ist lt. Michael Ende ein Riese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt [ ]
  7. Ich nehme mir trotzdem die Freiheit. Er gibt mir ja auch seit Jahrzehnten Ratschläge, um die ich ihn nicht gebeten habe. [ ]

Ehrung

Gestern bin ich vom Vorstand des “Förderkreis für geistliche Musik in Gröbenzell” zum Ehrenmitglied ernannt worden. Das ehrt mich sehr, und anläßlich der Verleihung der Urkunde und einer Flasche Spätburgunder habe ich mich wieder einmal in der alten Heimat Gröbenzell eingefunden.

Ich war eine oder zwei Wahlperioden Vorsitzender dieses Vereins, dessen Hauptaufgabe es ist, Spendengelder zur Finanzierung von Kirchenmusik einzusammeln. Den Anlass zur Gründung des Vereins ergab eine radikale Streichung von Haushaltsmitteln der katholischen Kirche: es war einfach kein Geld mehr da, vor allem für kleinere Pfarreien mit relativ wenig Publikum, aber dennoch hohem Anspruch. Das hätte bedeutet, dass festliche Gottesdienste mit Orchester, Bläsern etc. nicht mehr stattfinden konnten: ein solcher Gottesdienst kostet immer wieder ein paar hundert, manchmal auch tausend Euro, weil Solisten und Instrumentalisten nicht allein soli deo gloria1) singen und spielen.

Unter meiner Ägide sind zwei wichtige Neuerungen in der Satzung neu verankert worden: erstens, dass aus einem einfachen, der Aufsicht der Kirche unterstehenden Verein ein beim Amtsgericht eingetragener Verein (e.V.) gemacht wurde, der sich nicht mehr in die finanziellen Karten schauen lassen mußte. Denn das erzbischöfliche Ordinariat in München hat das Recht, den Vereinen, die der Kirchenstiftung zuzuordnen sind2), in die Rechnungsbücher zu schauen: das bedeutet, dass bei etwaig vorhandenem Vermögen erst mal dieses angegriffen werden muss – und erst im Nachhinein schießt die Erzdiözese wieder zu. Das hätte dazu führen können, dass vor allem das Vermögen des Vereins zur Finanzierung der gesamten Kirchenmusik herangezogen worden wäre – und dann wären wir wieder da gewesen, wo wir vor der Gründung des Vereins schon mal waren: kein Geld mehr für’s Besondere.

Und zweitens, dass die evangelische Zachäus-Gemeinde von Gröbenzell mit ins Boot geholt wurde. In Gröbenzell bestand eine außerordentlich gute und fruchtbare Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Pfarreien, und speziell auf musikalischer Ebene war die Fluktuation sehr groß: Katholiken sangen und spielten bei den Protestanten mit und umgekehrt. Ich wollte auch gerne hin und wieder mal eine Bach-Kantate hören bzw. aufführen, und das ging am besten da, wo sie hingehört: nach der Predigt eines evangelischen Pastors in eine evangelische Kirche. Außerdem hat ein größer gezogener Verein einfach auch mehr Aussicht auf fördernde Mitglieder.

Es war eine schöne Zeit in Gröbenzell, und auf musikalischer Ebene ging sehr viel3). Denn die Kirchenmusik steht zum christlichen Glauben wie die Haustür zum Haus: sie ist nicht der Glaube selber, aber sie empfängt die Menschen an der Schwelle in der Art, in der der Hausherr seinen Gästen seine Wertschätzung vermitteln möchte. Sie öffnet die Tür zum Herzen und ermöglicht, dass die Verkündigung des Evangeliums auch dort ankommt. Wer hingegen die Kirchenmusik verkümmern läßt, der läßt auch eine der vielen möglichen Türen zum Glauben verrotten – und muß sich nicht wundern, wenn die Diebe und Räuber4) dann leichtes Spiel haben.


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Fußnoten:
  1. Gott allein zur Ehre, also hier auf Erden für lau. [ ]
  2. damit sind Gruppierungen und Vereine gemeint, die aus der Mitte der Pfarrgemeinde mit enger Bindung an die Kirche entstanden sind. [ ]
  3. mit ein Grund, warum ich mich im Herbst letzten Jahres entschlossen habe, selber Kirchenmusiker zu werden und den C-Kurs der Erzdiözese Bamberg zu besuchen [ ]
  4. Darunter verstehe ich insbesondere das Absingen von doofen Liedern mit doofen Texten im Gottesdienst, “weil die Leute das gerne hätten”. Sie könnten auch was Vernünftiges gerne haben, wenn man sich die Mühe machte, es ihnen näherzubringen. Ok, ich gebe zu: das ist viel Arbeit und dauert lange. [ ]

Exodus

Es ist seit Jahren modern, dass die Kinder vor der Lesung aus dem Gottesdienst ausziehen und dann in einem Nebenraum ihren eigene Feier haben. In einigen Gemeinden kommen sie zur Gabenbereitung zurück, in anderen werden sie von dort aus gleich nach Hause geschickt1).

Dieser “Auszug aus der Kirche” hat für mich durchaus sehr symbolischen Charakter: sie gehen, kommen nicht wieder und hinterlassen große Lücken. Das kann man tatsächlich sehen, vor allem vom räumlich etwas erhöhten Standpunkt des Organisten – und es tut weh, wie hier eine ganze Generation einfach rausgeschickt wird.

Seinen Ursprung hatte dieses Gebaren in der Argumentation, die gottesdienstliche Feier sei für Kinder nicht geeignet und zu schwer nachvollziehbar. Deswegen müsse es für Kinder etwas Eigenes geben, mit mehr eventmäßigem Charakter, man müsse es kindgerechter2) gestalten und es müßten auch Bewegungselemente mit hineingenommen werden. Ob die Forderung von Pfarrers- oder Elternseite herkam, ist nicht mehr so genau nachvollziehbar – es wird sich gegenseitig ganz schön schnell hochgeschaukelt haben.

Jetzt ist es soweit: die Kirchen sind fast Kleinkinderfrei – Kinder- und Jugendfrei auf jeden Fall, junge Erwachsene sieht man nur noch wie Fliegenpilze im Wald: sie fallen durch ihre Seltenheit und besondere Farbgebung auf, sozusagen.

Da stellt sich die Frage: war es also richtig, den Eltern und Kindern im “vorauseilenden Gehorsam” den gemeinsamen Gottesdienst zu nehmen und dafür zwei getrennte zu geben? Kann die Feierlichkeit, die dem “normalen” Gottesdienst innewohnt3) den Kindern später, also zum Beispiel zu Zeiten der Erstkommunion oder Firmung noch quasi nachgeliefert werden, so dass sie sich neu besinnen und das in einer sehr hochaktiven Lernphase angeeignete “Gottesdienst ist echt lustig”-Gefühl durch ein Gefühl für den Sinn und Zweck von gemeinsamen Feiern4) substituiert werden? Können die Worte und Gesänge, die ein kleines Kind so quasi spielerisch und völlig unbeabsichtigt nebenbei so mitkriegt, später noch mit der gleichen Leichtigkeit erlernt werden – oder bleibt das Wortfeldpaar “Kirche” / “Laudato si brüllen” auf immer unzertrennlich in ihren Köpfen haften?

Und eine weitere Frage stellt sich: darf oder soll die katholische Kirche den Eltern die Verantwortung für die religiöse oder spirituelle Erziehung aus der Hand nehmen, indem sie ihnen die Kinder während des Gottesdienstes einfach wegnimmt und mit ihnen etwas anderes macht als das, was im “großen Gottesdienst” stattfindet? Klar: die Eltern können jederzeit sagen: nein, du bleibst hier bei uns. Aber was für Blicke ziehen sie dann auf sich – erstens von seiten ihrer Kinder, die natürlich viel lieber Ringelpiez hätten als Predigt; und zweitens von seiten der Banknachbarn, die es vielleicht gerne etwas ruhiger hätten im “Haupt”-Gottesdienst und nicht einsehen werden, dass die Kinder dableiben, wenn es schon für sie ein Extra-Angebot gibt.

Meine Erfahrung mit Erziehungsverantwortung ist: Kinder wollen am liebsten bei den Eltern sein. Sie überstehen auch streckenweise langweilige Passagen ganz gut, wenn man  gelegentlichen Unmutsäußerungen mit einer gewissen Toleranz gegenübersteht.

Wenn die katholische Kirche dem Staats-Trend nachgibt und ebenfalls die Kinder so oft wie möglich von der Erwachsenen trennt, dann wird sie in eine Altenkirche und eine Gar-nicht-Kirche zerfallen: das sieht man heute schon.

Denn die Kinder sind es einfach nicht mehr gewohnt, irgendwo eine Stunde lang konzentriert mitzumachen, weil wir – in diesem Falle die Gemeinden – ihnen die Möglichkeit genommen haben, das einzuüben. Wir haben ihnen gesagt, Gottesdienst sei langweilig, deswegen würde für sie jetzt richtig was gaaanz tolles gemacht mit gaaanz tollen Liedern5). Und in 20 Minuten.

Ich plädiere dafür, die Kinder wieder in die Kirchen zu holen, wenn es noch nicht zu spät ist. Und ansonsten den Gottesdienst so zu lassen, wie er ist: Kinder können das, solange sie bei ihren Eltern sind.


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Fußnoten:
  1. Was völlig unerwartet dazu führt, dass viele Eltern dann auch mit rübermüssen, und weil es kurz und – für Erwachsene – von inhaltsloser Botschaft ist, bleibt auch bei denen nichts mehr übrig als eine Kinder-Kirche und Jesus war ganz furchtbar lieb. [ ]
  2. Kindgerecht wäre ja noch einigermaßen in Ordnung: Meint Jesus ja auch, indem er sagt, wir sollten werden wie die Kinder. Aber er hat es eben so gesagt und nicht “kindlich” oder “kindisch”. [ ]
  3. gut: sagen wir “innenwohnen sollte” [ ]
  4. Mir fällt auch auf, dass das Wort “Feiern” in letzter Zeit einen Bedeutungswandel mitmacht: es bekommt immer mehr den Charakter von “Party machen”. Ich kenne es aber vor allem noch in der Bedeutung von Familienfeiern, Gottesdiensten oder Ähnlichem, denen die Verhaltensweisen des Komasaufens und Ausflippens recht fremd waren. Das ist in dem heute gebräuchlichen Wortfeld “Feiern” mittlerweile wohl eindeutig mit drin. [ ]
  5. Das kann man in jedem Gottesdienst genau so hören, denn es tritt immer jemand ans Mikro und fordert die Kinder mit fast genau diesen Worten auf, jetzt doch mitzukommen (denn sonst hat sich die ganze Arbeit für uns ja nicht gelohnt, meint man auch noch zu hören). [ ]

Mal andersrum

Auch dies gehört zu den schrecklichen Verantwortungen des Westens, daß er Drogen braucht, und daß er damit Länder schafft, die ihm das zuführen müssen, was sie am Ende verbraucht und zerstört. Da ist eine Gier nach Glück entstanden, die sich mit dem Bestehenden nicht begnügen kann.

Diesen Abschnitt las ich heute. Ich hatte bisher – wie wohl sehr viele andere auch in vielen Diskussionen mit Jugendlichen – immer andersrum argumentiert: Du machst Dich kaputt mit Drogen. Gegen die beiden dann immer wieder gehörten Entgegnungen

  1. Es ist meine Sache, und ich kann mit meinem Leben machen, was ich will, solange ich damit niemand anderen schädige
  2. Von dem bißchen Stoff wird man doch nicht süchtig

kann man kaum angehen, denn es gehört tatsächlich zur Freiheit eines jeden Menschen, sich kaputt machen zu dürfen – für diese Freiheit würde ich sogar kämpfen, weil sonst staatlichen Zwangsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet sind. Und auch Argument Nummer 2 ist schwer zu entkräften: das Suchtpotential von Drogen ist wohl offensichtlich, aber bewiesen nur für das harte Zeug.

Aber das Argument oben ist ein schweres Kaliber: durch das, was ich mir hier im Westen einfach so gönne, weil ich mir das zu meinem Lebensglück einbilde, werden in den Herstellerländern Menschen massiv geschädigt. Die Gewinnspannen im Drogenhandel sind so hoch, dass die entsprechenden Kartelle für diesen Gewinn buchstäblich über Leichen gehen.

Da hört’s dann wirklich auf mit der Verantwortung nur sich selbst gegenüber: hier hat auch der Gelegenheitskiffer genau dieselbe Verantwortung wie der, der sich ein T-Shirt für 3 Euro kauft. Auch bei kleinen Mengen.

Das Zitat stammt übrigens vom Papst1).


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Fußnoten:
  1. Benedikt XVI.: Licht der Welt. Ein Gespäch mit Peter Seewald, S. 81 [ ]

143 Theologen

In den letzten Tagen haben wieder einmal 143 Theologen eine Erklärung dazu abgegeben, wie die katholische Kirche zu reformieren sei. Die Liste der Vorschläge ist altbekannt, aber um sie von ähnlichen Forderungskatalogen der letzten Jahrzehnte abzugrenzen, wurde der Hinweis deutlich, dass es sich um Forderungen “für die deutsche katholische Kirche” handelt. Der Zug der Weltkirche ist ja für die Deutschen längst abgefahren, denn universell gesehen können die Katholiken nicht klagen: das wächst und gedeiht.

Wieder einmal gellt der Schrei nach dem “verheirateten Priester” durch das selbstbewußte und sich selbst bestimmen wollende Katholikenvolk. Dass die aber auch in nennenswerter Zahl irgendwo herkommen müssen: das scheint nicht das Problem der Forderer zu sein.

Die Priester müssen aus der Mitte des Volkes kommen, aus der Mitte derer, die insgesamt die Kirche bilden. Ob sie verheiratet sind oder nicht: das scheint mir eine eher zweitrangige Frage zu sein, wenn es innerhalb des Volkes keine Kultur des Priesternachwuchses mehr gibt. Wo sind denn die Familien, aus deren tiefer, gelebten Religiosität so ganz selbstverständlich ein Priester nachwächst? Kennt einer eine? Und wenn es sie gäbe: würde der sich ernstlich die Frage stellen, ob das Verheiratet-Sein für ihn zur Berufsausübung wesentlich ist?

So wie ich das sehe, hat der Priesterberuf an sich für die meisten Menschen doch irgendwie was Außerirdisches, was Rührendes, was Gutmenschliches an sich. Also etwas, was in die gewohnten gesellschaftlichen Bezüge überhaupt nicht mehr hineinpasst, so eine Art Tauchstation für Weltfremde, etwas, was irgendwie nicht versicherbar ist.

Wenn wir mehr Priester haben wollen, dann müssen wir alle gemeinsam an einer Kultur arbeiten, aus dem junge Gottesmänner herauswachsen können – und wenn wir gleich damit anfangen würden, dann müßten wir noch mindestens ein Viertel Jahrhundert Geduld haben. Die Priesterseminare dürften nicht mehr so unter sich bleiben. Das ist nicht die Schuld der Kirche, der damit auch gleich Abschottungstendenzen vorgeworfen werden. Das ist unser ökonomistisches Denken, dass mehr nach Lösungen sucht als nach Erlösung.

Schiff ohne Kirche

Gestern zur Matinée in Neumarkt/Oberpfalz. Da fährt man auf der Autobahn hin, die mich über den Jahreswechsel 2010/2011 für einen Monat den Führerschein gekostet hat: nichts los am Wochenende, bleibt viel Zeit zum Blitzen und eine entsprechende Ausbeute. Ein Monat ohne Lappen ging schnell vorüber, jetzt habe ich ihn ja wieder.

András Schiff spielte Bachs Wohltemperiertes Klavier II, von C-Dur bis h-moll einmal durch, je 24 Präludien und Fugen. Ohne Noten, er spielt das so, wie Märchenerzähler Märchen erzählen: drei Stunden am Stück. Überhaupt keine aufgeregte Pose, keine Show, die Hände bewegen sich nie maniriert über die Tasten, alles an dem Mann bleibt ruhig, er sitzt vor dem Flügel in einer konzentrierten Heiterkeit, die es dem Zuhörer gestattet, sich von der Musik forttragen zu lassen, ohne dass der Interpret einen ständig wieder zurückholt. Man hört Bach, Bach, Bach – immer neue Ideen, nie wird es langatmig, nie bleibt eine Idee unfertig ausgearbeitet – und dazu schön und weich interpretiert von diesem begnadeten Pianisten.

Eigentlich gehört der Sonntag vormittag ja dem Gemeinde-Gottesdienst, es sollte einem nicht so leicht gemacht werden, dem etwas vorzuziehen. Deswegen hätte ich persönlich es lieber, wenn solche Konzertevents auf den Nachmittag oder in den Abend hinein verlegt würden. Real aber leben in einer säkularen Welt: man würde wahrscheinlich recht verständnislose Kommentare ernten, wenn man eine Verlegung aus diesem einen Grunde beantragte. Ist halt eine andere Gemeinde, die der Matinée-Besucher.

Nordelbier

Ich habe was geschafft: einen Titelseiten-Artikel in der “Evangelischen Zeitung”, Ausgabe für den 2. Advent.

Ich bin ja eigentlich kein Journalist, und bis auf bislang 2 Leserbriefe in der ZEIT ist auch nie was von mir in den Medien gedruckt worden. Daher ist es ein ganz neues Gefühl, einen Artikel von sich selber auf der Titelseite einer Zeitung wiederzufinden. Und dann noch in einer evangelischen Sonntagszeitung.

Aber etwas erscheint mir als zugereistem Franken1) auf der Titelseite dann doch etwas gewagt, denn es heißt dort “Nordelbier in Käßmanns Fußstapfen“. Es ist für einen Franken nicht selbstverständlich, dass “Nordelbier” als “Nord-Elbier” getrennt gelesen wird. In Zusammenhang mit Frau Käßmann liest der Bayer gewohnheitsmäßig eher “Nordel-Bier” und denkt sich, dass Frau Käßmanns Schuhe vielleicht undicht sind?2)


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Fußnoten:
  1. In jedem Dorf ‘ne Brauerei. [ ]
  2. Vielleicht ist für den ein- oder anderen dieser Link interessant, in dem ich mich mit der Thematik schon ebenso allgemein wie prophetisch auseinandergesetzt habe: ich lag nur leicht daneben. [ ]

Löcher

Es wird ja gerne behauptet, man brauche das Christentum nicht: es sei schon genug davon im Staat verankert und auf den Rest könne man gut und gerne verzichten, denn er enge die Menschen ein. Mir scheint das eher ein Argument derer zu sein, die den Genuß1) ohne Reue für sich fordern (und die anderen sollen aufräumen, aber das wird so nicht gesagt).

Beispielsweise: Wie ist es denn mit dem Lügen?

Aus staatlicher Sicht ist eine Lüge dann eine Lüge, wenn bewiesen werden kann, dass es sich um eine Lüge handelt. Solange nicht bewiesen ist, dass eine Behauptung eine Lüge ist, wird nicht die Lüge mit Strafe bedroht, sondern eine Behauptung, die die Lüge offenbaren möchte. Das führt dazu, dass man eine Situation konstruieren kann, in der man wissentlich die Unwahrheit sagen kann und darf – weil sich die Wahrheit nicht beweisen läßt. Das schafft offensichtlich Unrecht, aber mit diesem Widerspruch muß der Staat leben.

Aus christlicher Sicht ist eine Lüge schon dann eine Lüge, wenn sie im Kopf des Lügners entsteht: es gibt einen Menschen – und sei es auch nur wirklich einer -, der weiß, dass es sich um eine Lüge handelt – das reicht schon. Dass damit kein Nachweis der Lüge geführt wird, darum geht es nicht2). Das Christentum ruft immer wieder zur Eigenverantwortung auf, die jeder Mensch für sich und die Gemeinschaft hat, in der er lebt. Es ist daher nicht so wichtig, ob einem Übeltäter irgendwas nachgewiesen werden kann oder nicht: er muß es selber wissen – und behält die freie Entscheidung darüber, wie er sich dem stellt.

Die Folgerung aus diesen beiden Aspekten ist: das Leben unter den Regeln des Christentums ist komplizierter, aber sicherer für den Einzelnen. Denn eine Entscheidung, die man für sich und andere trifft, läßt sich nicht immer auf eine reine Ja-Nein-Entscheidungskette begründen. Und sie läßt sich auch nicht immer für jeden Mitmenschen nachvollziehbar darstellen. Daher schlägt das Christentum vor, dass sich jeder selbst prüft: Augustinus faßt das in den Wahlspruch zusammen “Liebe und tu, was du willst”.

Das Leben unter politischen Gesetzen hingegen ist einfacher, weil viel öfter nachvollziehbar und beweisbar. Aber Nachvollziehbarkeit und Beweisbarkeit bergen in sich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Daher kann jeder nach Schlupflöchern suchen, in deren Schatten zweifelhaftes Handeln nicht verfolgt werden kann.

Daher ist ein Leben allein unter säkularen Bedingungen auf keinen Fall erstrebenswerter oder sicherer als unter christlichen Bedingungen.

Um es mal im Bild zu zeigen: Arsch- und Schlupflöcher gibt es immer und überall. Die Beziehung zwischen Arsch- und Schlupflöchern muß man sich wie folgt vorstellen: in jedem Schlupfloch sitzt mindestens ein Arschloch, manchmal auch mehrere. Aber es gibt auch Menschen, die in keinem Schlupfloch sitzen. Hier auf Erden ist eben nichts vollständig (aber die Arschlöcher arbeiten dran3)).


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Fußnoten:
  1. Wobei es hier nicht um den “reinen” Genuß geht, sondern um den, der einen etwas schalen Geschmack hinterläßt. [ ]
  2. Denn der Lügner weiß ja, dass er nicht in der Wahrheit lebt, und damit hat er sich schon selber von seinem Heil entfernt, ist also ein wenig unheiliger geworden. [ ]
  3. Zum Beispiel, indem sie in Schulen die Kreuze von den Wänden reißen lassen. [ ]

Kreuzweg Algund

Während der Ferien besuchten wir in Algund (bei Meran) die Pfarrkirche. Es lohnt sich, daran nicht einfach vorbeizufahren: Selten findet man einen so symbolträchtigen und gut aufeinander abgestimmten modernen Kirchenraum. Neben Vielem anderen hat mich der gemalte Kreuzweg sehr berührt: er ist fast ein wenig der naiven Malerei zuzuordnen, und hinter den Standard-Stationsthemen verbirgt sich immer ein weiterer Aspekt, der direkt auf unser Leben zu zielen scheint.

Via dolorosa

Die Süddeutsche Zeitung, die in Sachen Missbrauch & Kirche meiner Ansicht nach langsam zur Süddeutschen BILD-Zeitung mutiert, hat am Wochenende ein ziemlich pseudokritisches Feature über die Zustände im Kloster Ettal losgelassen. Man wird es nicht beweisen können, aber mir kommt der Ton des Artikels hämisch und rachsüchtig vor – so, als sei er von einem Autor geschrieben worden, der auf diese Gelegenheit nur gewartet hat, mit seinen wirklichen Beweggründen jedoch hübsch hinter der Hecke bleibt.

Wes Geistes der Artikel wirklich ist, steht in seinen letzten Absätzen:

Ein Anwalt aus Nordrhein-Westfalen, der vorerst anonym bleiben will und nach eigenen Angaben 32 Opfer aus Ettal vertritt, geht einen völlig anderen Weg: »Wir sprechen überhaupt nicht mit dem Kloster. Wir warten, bis die Mönche zu uns kommen, und sie werden kommen.« Er will das Kloster bloßstellen, öffentlich, vielleicht mit einem Theaterstück auf einer Wiese vor den Toren des Klosters, in dem all die Misshandlungen nachgespielt werden. Vielleicht mit wöchentlichen Anzeigen in überregionalen Zeitungen, in denen nur zu lesen sein wird, das Kloster werde nicht davonkommen mit diesen Verbrechen. Vielleicht auch etwas ganz anderes, genug Geld für seine Aktion hat er schon beisammen, sagt er, etwa zwei Millionen von Geldgebern, deren Namen er nicht preisgeben möchte.

Der Mann lächelt. »Juristisch können wir dem Kloster nichts, ist alles verjährt. Aber wir können sie in die Enge treiben, und das werden wir. So lange, bis sie uns fragen, was sie tun sollen, damit wir aufhören.« Dann will er ihnen eine Summe nennen: eine Viertelmillion Euro, für jedes Opfer. Für die Opfer dauert der Missbrauchsskandal nun schon Jahrzehnte an, für das Kloster hat er gerade erst begonnen.

Zu dieser Jagd auf das verhaßte Kloster übt die Süddeutsche Zeitung schon mal das Sautot-Blasen. Den Mixa haben sie – wahrscheinlich übungshalber – abgeschossen. Jetzt haben sie das nächstgrößere Ziel auf’s Korn genommen, und sie werden Kloster Ettal schleifen, bis kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Nach dem genüßlich zitierten Anwalt, der schon “2 Millionen” gesammelt hat, wird das Kloster die Schule in schätzungsweise zwei Jahren schließen müssen. Das wird dem Anwalt nicht reichen, denn schließlich will er Haus, Mercedes, Boot und Swimming Pool an den Opfern verdienen – und das Kloster wird die verlangte Wiedergutmachung nicht erbringen können. In zehn Jahren, so schätze ich, wird das Kloster Ettal wohl geschlossen werden – die Mönche werden fortziehen, und der Anwalt wird noch eine Zeitlang gegen irgendwelche “Verantwortlichen” herumlavieren. Zwei Millionen, bei 4% angelegt, bringen 80.000€ Zinsen im Jahr …

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