Archive for the 'Doofwörter' Category

Erlebnispauschale

img_2223Man muss sich ja immer wieder was Neues einfallen lassen, um irgend einen Mist als Marmelade zu verkaufen. Das Millenium-Hotel im SI-Centrum in Stuttgart beschäftigt offensichtlich höchst kreative Marmelade-Manager.

Was man bekommt, wenn man die Erlebnispauschale entrichtet hat, sieht man hier:

img_2224img_2225

Einfach ein tolles Erlebnis! Und das für 7,50€: das kann man gar nicht anders nennen als billig!

Korrupt

Auf macnews, einer meiner Lieblings-Infoseiten für alles, was mit dem Mac zu tun hat, nisten sich schleichend denglische Begriffe ein: so ist zunehmend von “korrupten Dateien” die Rede.1)

Damit sind jetzt nicht Dateien gemeint, die heimlich mit anderen Dateien Daten austauschen oder sich ansonsten unseriös verhalten2): sie sind einfach kaputt, man kann sie mit dem ursprünglich dafür vorgesehenem Programm nicht mehr lesen. Auf amerikanisch sind das “corrupt files”, und es heißt nichts anderes als “kaputte Dateien”.

Irgendwelche Schnellschwätzer machen sich nun nicht weiter die Mühe, das Wörtchen “corrupt” ins Deutsche “kaputt”, “zerstört”, “tot” etc. zu übersetzen – sie nennen es jetzt einfach korrupt – mit Deutsch-k am Anfang. Der Bedeutungswandel ist ihnen dabei egal, Hauptsache, es klingt so amerikanisch wie möglich und man muss nicht lange nachdenken.

Möglicherweise soll ja damit ein Bedeutungswandel im gesunden Volksempfinden vorbereitet werden. Zum Beispiel, wenn korrupte Manager in Zukunft schon im Sprachgebrauch als “kaputt”, “zerstört” oder “tot” empfunden werden, dann braucht sich die Justiz mit langen Prozessen nicht mehr aufzuhalten und kann statt dessen einen kurzen machen. Tot ist tot, da kann man sie auch vom Server löschen, sozusagen.


________
Fußnoten:
  1. hier ist ein Link auf einen Beitrag, in dem es um “korrupte CS3-Dateien” geht. Die Dateien sind mitnichten korrupt, sondern sie können nach dem Speichern nicht mehr gelesen werden – das ist alles. Aber sehr unangenehm, das gebe ich zu. Da ich Photoshop-Dateien aber nicht auf Servern sichere, wo die Korruption von Dateien öfter vorkommt, ist es mir egal [ ]
  2. sich zum Beispiel freiwillig bei Herrn Schäuble zum Backup melden oder sowas [ ]

webSprak

Das Netz wird ja immer doller – und es wird gemacht von immer mehr Leuten, die sich in der Technik hervorragend auskennen. Und manchmal auch richtig genial sind, das ist ohne Frage.

Aber viele von ihnen haben – außer für formale Sprachen – keinerlei Gefühl dafür, was man schreiben kann. Oft scheinen sie sich ihre Slogans aus dem Englischen von einem Übersetzerprogramm einfach übertragen zu lassen. Wie auch hier bei TeamSpace:

“Mit einem Klick betreten sie Ihr Team”.

Als wäre ein Team ein Aufzug. Oder eine Etagenwohnung. Oder eine Aussichtsplatform. Oder eine Kaptitänskajüte. Ich glaube, die haben nie darüber nachgedacht: Hauptsache, da steht was auf dem Bildschirm.

Versteckwörter

Da ist gestern ein ICE mit Tempo 220 in einen Knäuel Schafe gedonnert, die eine Höhlenwanderung bei Fulda gebucht hatten. Die Schafe haben das Gedonner mehr oder weniger nicht überlebt – wohl aber die Reisenden des ICE, von denen zwar einige schwer verletzt wurden – aber gestorben ist niemand.

Nun ist es Sache der Pressesprecherinnen, die Sache der Öffentlichkeit zu verklickern.

Das ist eine interessante Entwicklung. Man weiß: Pressekonferenzen bei Katastrophen sind kein Zuckerschlecken. Da kommt schnell ein Schlaumeier daher und fragt: “Wie hat denn sowas überhaupt passieren können? Wieso hat die Bahn am Tunneleingang niemanden rumstehen, der die Schafe alle wieder heimschickt?”. Das gibt schweren Zoff, und Pressevertreter achten weder ihre noch sonst jemandes menschliche Würde, denn ihr Blatt oder ihr Sender will Blut schreiben/senden, denn das macht Auflagen/Einschaltquoten, und das bringt Kohle

Nun ziehen die Konzerne bzw. Organisationen nach und schicken nur noch Frauen an die Front. Wahrscheinlich, weil Pressevertreter vor Frauen doch noch etwas mehr Restanstand bewahren als vor Männern. Frauen werden – so beobachte ich bei Pressekonferenzen – nicht ganz so scharf herangenommen wie ihre männlichen Kollegen. Der Magen dreht sich etwas schneller um, könnte man auch sagen.

Aber auch Frauen lieben die Behördensprache, denn hinter einem Abstraktum kann man sich besser verstecken als hinter klaren Worten. Behördenwörter sind ihrer Ausdruckskraft entkleidet – sie stehen für nichts, sie riechen nach nichts, sie veranschaulichen nichts. Deswegen ist das Kernwort einen Behördenausdrucks meistens sehr kurz, ihm sind aber eine Menge Vorsilben vor- und nachgestellt. Vorwiegend handelt es sich um substantivierte Verben: allein der Prozeß des Substantivierens wirkt so, als würde man die braune Farbe aus dem Kaffee ziehen.

So sind sie jetzt dabei, die Lokomotiven und Wagen des ICE wieder auf die Schienen zu setzen, damit sie sie rausziehen können. Die Pressesprecherin machte sich den bahninternen Ausdruck dafür zu eigen: “Die hintere Zugmaschine1) wurde aufgegleist“. Schwachsinnige passivische Doppelwortkonstruktion. Gleichzeitig faselte die Polizeisprecherin von “Schafen im Gleisbereich“. Quatsch. Die Schafe waren auf den Schienen. Wenn sie nur “im Gleisbereich” gewesen wären, wäre gar nichts passiert.

Das sind Wörter wie holländische Tomaten: sehen aus wie … aber ohne jedweden Inhalt.


________
Fußnoten:
  1. Zugmaschine? Das ist eine Lok, von mir aus auch ein Triebkopf. Aber hinten ist keine Zugmaschine! [ ]

Schneekompetenz

In die Reihe der Doofwörter läßt sich unschwer die Schneekompetenz1) einfügen – ein Wort, mit dem z.B. der Wintersportort Sölden2) großspurig für sich wirbt. Aber bei Google eingegeben erzeugt der Begriff immerhin um die 650 Treffer, wobei Google sehr richtig zurückfragt, ob man nicht Schulkompetenz gemeint habe. Schulkompetenz ist allerdings auch nicht gerade ein Wort, was aus der Doofwörterliste von selbst herausfallen würde: man müßte schon wollen.

Unter Schneekompetenz stelle ich mir einen Geisteszustand vor, der einen in die Lage versetzt, Schnee zu machen. Konsequent weitergedacht sollten die Werbestrategen von Sölden vielleicht besser mit ihrer Windkompetenz werben.


________
Fußnoten:
  1. Gemeint ist damit ein Satz von wahnsinnigen Beschneiungsanlagen, die unter immensem Aufwand an Energie, Krach und Wasser kümmerliche weiße Linien in die Landschaft kratzen, damit ein paar Idioten darauf zu Tal rutschen können [ ]
  2. aber auch die Reiteralm, ebenfalls irgendwo in Österreich [ ]

Preiskompetenz

Irgend ein Geschäft, in dem ich am Wochenende war, warb mit “hoher Preiskompetenz” für sich. Was soll das denn nun wieder heißen?

Ach ja – ein kleines Gegoogle zeigt auch, wer’s war: Kaufhof, neuerdings “Galeria Kaufhof”. Wenn ich was von “hoher Preiskompetenz” lese, dann denke ich absolut nicht an “preiswert”1), sondern daran, dass da einer ein neues Wort für “teures Zeugs” finden mußte – und dann irgend so eine lächerliche Marketing-Abwortung2) abgelassen hat.

Loriots Lieblingswort in dieser Hinrichtung ist sicherlich Auslegeware.


________
Fußnoten:
  1. also im Sinne von “Händler und Kunde haben hinsichtlich des Tauschobjekts annähernd gleiche Vorstellungen” [ ]
  2. in Anlehnung an Abverkauf, auch so’n dolles Ding [ ]

Sauschuss

Wer weiß, was das ist?

Das ist eine Zeitung, die kein Geld mehr hat, den Trennautomaten (“Hyphenator”) zu überwachen. Genau dann gibt es nämlich nicht mehr nur einen Sauschuss, sondern sogar einen Bezirk-
sauschuss.

Ich glaube, ich hab’s am Wochenende im “Münchner Merkur” gelesen – ich glaube, es ging um die Porno-Party in der Münchner Schrannenhalle, wo jetzt alle ebenso politisch korrekt wie entsetzt sind, die vorher auf die dicke Kultur-Kohle geschielt haben. Möglicherweise ist der Sauschuss da nach hinten losgegangen.

Dummsülzer

DummsuelzIrgendwie ist die “Redaktion Marktplatz Mittelstand” meines Wissens unerlaubt an meine eMail-Adresse gekommen. Seitdem helfen sie, meinen Spam-Papierkorb durch flott geschriebenen Dünnschiss aufzublähen1). Kommata können sie nicht, deswegen lassen sie sie einfach komplett weg.

Ich glaube, ich muss den Mist mal abstellen.

Nachtrag: die eMail kommt als unzustellbar zurück. Das ist so wie diese Blogger, die die Kommentarfunktion abschalten, weil sie sowieso immer recht haben.


________
Fußnoten:
  1. oder: dünn geschissenen Flottschrieb [ ]

Vögel

Freifutter für alleinlebende VögelALDI Süd hat heute Vogelfutter im Programm, und der blau-gelbe Waschzettel-Lyriker hat sich mit der Beschreibung Alleinfutter für freilebende Vögel ganz schön einen abgebrochen1).

Was, bitte schön, ist “Alleinfutter”? Ich glaube, das weiß außer dem Textdichter niemand. Aber interessant ist es, darüber ein wenig zu meditieren und als Freifutter für alleinlebende Vögel über die Zunge rollen zu lassen. Mehr Wortsinn ist dem wirklich zuzusprechen, wenn man an Hartz IV und den Trend zur Single-Wohnung denkt.


________
Fußnoten:
  1. Meine Lieblingslyrik in dieser Hinsicht ist ja immer noch ungeschlagen “Bild, schön: 19,99€” [ ]

Quantitativ gut

“Quantitativ gute Programme sind der Schlüssel zum Erfolg”,

betonte Dietrich Westerkamp von der “Deutschen TV-Plattform” (hier ist der Link zum Hintergrund).

Wo soll man jetzt die Frage “Was immer das auch sein mag” stellen? Bei quantitativ gut vielleicht? Ein Quantum ist eine Menge (von irgendwas), und eine Menge kann nicht gut oder schlecht sein, sondern nur viel oder wenig. Etwas quantitativ Gutes ist also sowas wie eine musikalische Hauswand: das gibt es nicht.

Oder bei deutsche TV-Plattform? Was machen die eigentlich, wenn sie nicht anläßlich der IFA platte Sätze absondern? Abgesehen von einer Küchen-webSite, von der man Augenkrebs kriegt? GEZ-Gebühren verbraten? Na, hier steht’s. Lohnt sich aber nicht zu lesen.

Webpräsenz

In meine persönliche Hitliste der doofen Wörter nehme ich hiermit folgende Kandidaten auf:

  • Webpräsenz

Legasthenikerausdruck für die eigene webSite. Ein zu kurz gesprungener Felgaufschwung aus einem latinisierten Anglizismus an kleinem Sößchen aus Möchtegern-StartUp mit Kommafehlern.

  • Internetauftritt

Auch so ein Verkaufsschlager von webbasierten Bastelbuden. Viele Seiten, die unter dieser Bezeichnung gedrechselt worden sind, sehen aus wie der Internetabtritt: man kriegt mindestens Augenkrebs davon.

Mein Gott, nein. Eine webSite ist eine webSite. Totalverweigerer von englischen Fachwörtern können meinetwegen auch Netzgegend oder Netzlandschaft sagen – das ist wenigstens noch kreativ. Alles andere ist für schlipstragende Mittelstrahltrinker in ungeputzen Schuhen.